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Wer war Dr. Robert Fließ (1895-1970) ?

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Bereits, als ich im Januar Robert Fließ als Rezensenten von „Gesunde Nerven“ (Link und 2. Link), der psychohygienischen Ausstellung im Gesundheitshaus Kreuzberg, Berlin 1929, im Netz suchte, merkte ich, dass er im Schatten seines berühmten und exzentrischen Vaters, dem Mitstreiter Sigmund Freuds, völlig zu verschwinden droht. Dabei wurde er bereits als Kind Opfer des Forschungsdrangs seiner Umgebung und schließlich sogar selber Analytiker. Wenn Sie  selber „Robert“ suchen, werden Sie bemerken, wie sehr „Wilhelm“ ihn verdrängt.
Was ich damals fand, verschwand aber wieder in einem Anhang zum Beitrag. Es bleibt dort stehen, ich kopple es aber  – hoffentlich besser sichtbar –  als Beitrag zur Biografie von Robert Fließ aus.

Robert Fließ  publizierte am 23.11.1929 in der Vossischen Zeitung eine  Rezension.

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            Sie gefiel mir sehr und ich fragte mich:  Wer war Dr. Robert Fließ?

Ein Studierender gleichen Namens am Berliner Psychoanalytischen Institut wird als „fellow student“ zum Beispiel von Erich Fromm und René Spitz genannt. (The Annual of Psychoanalysis, V.32;  editors: Jerome A. Winer, James W. Anderson, Routledge 2013, Link) . Ein unfertiger en-wikipedia-Artikel (Link) belässt Robert im Schatten seines berühmten Vaters Dr. Wilhelm Fliess, dem engen Freund und Vertrauten von Sigmund Freund. Freud führte z.B. mit seiner Hilfe seine Selbstanalyse durch, die Familien hielten engen Kontakt – bis 1903, als sich die Väter zerstritten.

Einen völlig anderen Zugang bietet  die als pdf erschienene Studie von Lawrence Ginsberg in der Web-Publikation „internationalpsychoanalysis.net“. Es handelt sich um eine für Laien sperrige Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen auf 42 Seiten: Kontakte, Zitate und Versuche zur Bewertung, für weitere biografische Forschung bereit gestellt. (Link)

Der Titel „ROBERT W. FLIESS (1895-1970): A Beneficiary and/or Forsaken Casualty of Classic Freudianism? “ – auf deutsch: Nutznießer und/oder verwahrlostes Opfer des klassischen Freudianismus?“ 

Nach der Lektüre möchte ich salopp umformulieren: Ein Heranwachsender inmitten der wilden Jahre der Psychoanalyse, natürlich Opfer einer Umgebung, wie sie Eva Weissweiler in „Die Freuds – Biographie einer Familie“ (2006) detailliert beschrieben hat: verknüpft mit der ‚feudalen‘  Familienstruktur des wilhelminischen Bürgertums eine verantwortungslose Ausforschung der eigenen Kinder aus wissenschaftlicher Neugier, missbrauchtes Vertrauen, die Vermengung privater Beziehungen und Freundschaften mit Theoriestreit und Konkurrenz….Der Autor empfiehlt am Ende seines kurzen Vorworts explizit: Future biographers are likely to reconsider progressions through his professional career as a reputed survivor of child-abuse and/or parricidal-like phantasies. (2) deutsch: „Künftige Biografen werden wahrscheinlich die durch seine Berufskarriere bewirkten Fortschritte Roberts als Überlebender zu vermutenden Kindesmissbrauchs und / oder vatermörderischen Phantasien überdenken“.

Ich stelle im Folgenden bezeichnende Zitate aus den ersten 12 Seiten  zusammen:

Elenore (1974), in an earlier account, portrayed her long-deceased father-in-law as “…charming to patients and acquaintances” while “a tyrant at home.” (6)

By 1982, Elenore (Fließ, Roberts Ehefrau) came to allude about Robert’s early family life as having included “a forbidding father, a subservient mother and meals with the servants“. Eine mochte ihn besonders und kochte seine Leibspeisen.

Elenore (1982, op. cit.) was not known to have ever met Ida Fliess, whom she termed “a Viennese heiress, daughter of a cultured family…an accomplished amateur pianist…gracious hostess” who led a salon in Berlin frequented by musicians, artists and literary figures (8)

In the Fliess’s ‘family myth,’ Freud was known as Robert’s ‘Uncle Doctor’. (3)

Fliess kept a daily record book in which he recorded his firstborn son’s (Robert) every maturation milestone, affliction, and trace of sexual activity’….(4)

We may never become privy (eingeweiht) to whatever childhood and adolescent traumata or abuse Robert may have been exposed to at the hands of either parent. (12

A ‘LONER’ – Robert: “It has taken me time to recognize my isolation as another blessing: I had never to please anyone and have been undisturbed in listening to my own ‘critical institution’…” (5)

Robert leistete im Ersten Weltkrieg vier Jahre Frontdienst, erlitt durch eine ‚Kriegsneurose‘ (shell shock) eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses und einen tic bei Belastungsstress. (13) Er studierte anschließend Medizin und war Assistent an der Charité. Er kehrte in die Große Familie zurück. Er wurde selber Psychoanalytiker und begann 1927 die Ausbildung mit der Lehranalyse. Dann – er war 33, starb sein Vater 1928. Damals sprach er auch mit ‚Onkel Doktor‘ Freud über ihn.

Robert’s formal psychoanalytic training began at the Berlin Psychoanalytic Institute shortly after founder Abraham’s early death (1927):“…Karen Horney was there and Ernst Simmel. Ferenczi would have put in guest appearances. But more than lectures, however, what the student groupwould remember was the “Kinder Seminars…” (E. Fliess, 1974, p. 14). (13)

Robert was 37-years of age when he graduated (1932) from the Berlin Psychoanalytic Institute. According to a later account of his wife, he had been employed as: “a medical journalist³ for the foremost Berlin daily.

Diese ‚führende Berliner Tageszeitung‘ war die ‚Vossische Zeitung‘!  Nun erklärt sich der wie eine Fanfare schmetternde Satz mtten in der Ausstellungsrezension:

Und was sagen die Kinder dazu? Man will sie hören. Man hat sie zeichnen lassen. Der Studienreferendar Dr. Fritz (sic!) hat sie zeichnen lassen, die Dreizehnjährigen. Thema: „Erziehungsfehler unserer Eltern“ Ausführung: Sechs reizende Bilder, sämtlich mit Unterschrift. …“ Es lohnt sich, aufmerksam  weiter zu lesen.

Robert wusste, wovon er sprach. Hier ging es um viel mehr als die seelische Not im bedauernswerten Proletariat!  Fast vierzig Jahre später wurde – in Westdeutschland – ‚das Kind‘ wiederentdeckt, zusammen mit den Theorien der Weimarer Zeit. Heute befinden wir uns mitten in irgendeiner Phase einer globalen Erziehungsrevolution. Gut? Ja und Nein. Umwälzung? Aber ja! ‚Psychische Gesundheit‘?  Wohl kaum!

 

So viel für heute! Die fehlenden Übersetzungen folgen vielleicht wirklich noch. 22.5.18

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Social Defense in Northern Ivory Coast 1990 – 2011 (Blog version)

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I published a Short Report of the Study in my Blog (in German)   Here is an English Translation in a provisional version!   21.5.2018  v.Graeve

 

TILL FÖRSTER: LA PAX DANS AND ZONE DE GUERRE.
Politique africaine no.148 – décembre 2017, p.109-129

 

The term ‚social defense‘  may be not as common today as it was in the seventies and eighties (Link: Wikipedia), but it fits to the features of the crisis and activities described in the essay. 
The title of Till Förster’s dossier says freely translated: „Peace in a War Zone. The Ivorian crisis viewed from below and over a long period“. The focus lies on ‚Islands of peace‘ in the area around Korhogo and Boundiali on the Ivory Coast. The author has done extensive fieldwork ever since 1979 to the present.
My ’translation’ is not authorized and does not claim to be literal. I want to popularize the fascinating story secluded in an academic paper. And to retell Till Foerster’s  fascinating story in my way. The chiffres in bracket refer to the corresponding page in the original.

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Soziale Verteidigung im Norden der Elfenbeinküste 1990 – 2011 (Blog-Version)

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Zum Titel :

Der Ausdruck ‚soziale Verteidigung‘ ist  einem heute zwar nicht mehr so geläufig wie in den Siebziger und Achtziger Jahren (Link: Wikipedia), aber er scheint mir zu dem Einschleichen der Krise und den im Aufsatz geschilderten  Konstellationen und Maßnahmen gut zu passen.

10. Mai

 

Die Informationsbasis :

TILL FÖRSTER  :  LA PAIX DANS UNE ZONE DE GUERRE. Politique africaine no.148 – décembre 2017, p.109-129

Meine Aufmerksamkeit (Link) verschob sich nach 1985 von der Côte d’Ivoire auf Polen, China und andere Länder vor dem Fall des Eisernen Vorhangs. 1990 noch ein kurzer Blick in das bankrotte Benin mit der vagen Hoffnung auf eine westafrikanische „Paristroika“, wie man damals sagte. Hoffnung auch für die Elfenbeinküste? Weiterlesen…

Als moderner Candide bei den Senufo und anderswo. Nachwort

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Im März 2018

Links zu den Kapiteln: (1)   (2)   (3)    (4)    (5)

Endlich schaffe ich es, den Reisebericht 1985 von der Elfenbeinküste abzuschließen. Das dritte Kapitel von den Senufo war am kniffligsten.
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Bericht von der Elfenbeinküste 1985 (5) – Zurück an die Küste

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Links: (1)   (2)   (3)    (4)

Die Notizen werden nach drei Wochen dünn, obwohl ich noch einiges erlebe: das Künstlerheim von Djiré Mahé und eine kreative Möbelwerkstatt in Bingerville. Auch den greisen Enzyklopädisten Borremans. Ich genieße den Strand von Grand-Bassam und verliere meine Brille in der Brandung. Ich könnte heiraten. Nein, nicht Assita, die unglückliche Poetin aus Ferké. Ich schaue mir in Abidjan die neueste und größte Kathedrale an und laufe vor der Polizei oder wem auch immer davon, als man mich aus einer Limousine ruft…

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Museumsneubau in Frankfurt – Verblendungen statt Waschbeton.

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Das umgebaute Historische Museum Frankfurt in post-faschistischem-proto-chinesischem Deutschland-Stil toppt noch die Altstadtüberbauung vor dem Dom – ihrerseits finsteres Mittelalter, mit den Mitteln deutscher Baumärkte ins Werk gesetzt.

12.Feb.2018 - Gegenüber das einzige Fachwerkhaus - Haus Wertheym - das den Altstadtbrand 1944 überstand.

12.Feb.2018 – Gegenüber das einzige Fachwerkhaus – Haus Wertheym – das den Altstadtbrand 1944 überstand. ( Fotos Gv. Anklicken!)

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12. Feb. 2018 (Foto : Gv) Freitreppe und Figurenfront

‚Neubau‘  12. Feb. 2018   Klappen, Freitreppe , Fassade

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Die Tränke . Der Tiger – zwei Paneele der Santal (Terai/Bihar)

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DER GANG ZUR TRÄNKE

 

Der Treiber hat schon zwei Buckelrinder angebunden. Ein Knabe reitet sein Dromedar zur Tränke, er streckt die Beine vor. Ein Mann folgt ihm auf einem offenen einachsigen Maultierkarren. Weiterlesen…

Lwalwa – Figur eines jungen Tänzers

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BEGEGNUNG

Der Flohmarkt ist dieses Jahr eine Herausforderung. Die von weither anreisenden Händler haben mein Mitgefühl. Doch diese Figur lohnt die Mühen. Die Verortung bei den Lwalwa durch ein stiltypisches Kennzeichen ist nur eine komfortable Zugabe. Ihre Ausstrahlung entsteht aus der Kraft männlicher Jugend wie aus der künstlerischen Umsetzung. Der Federschmuck tut ein Übriges. Der Körper spricht seine eigene Sprache; über und über rot gefärbt muss er unwiderstehlich gewesen sein.

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Im Korb des Bwami-Bundes (Lega) : Old Man „Kakulu“

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Wichtige Ergänzung 21.2.2018 unten   

    30.9.2017            Erste Beschreibung einer ‚hermetischen‘ Figur

Lega-OldMan-neu.R25.5 cm hoch, treffsicher geschnitzt, gepflegt, wie zu einem Kiesel gerundet. Die Figur fasst sich gut an. Er riecht dezent rauchig. Die Glättung hat nicht alle Holzfehler und ‚Schnitzer’ verschwinden lassen. Optisch matter Glanz, haptisch gebremste Glätte. Alle Ansichten, auch die Dreiviertelansicht sind ausgewogen komponiert, am meisten Spannung baut noch die Rückansicht gegen die anderen Ansichten auf, die im Gegenlicht auf den Umriss reduziert einem Scherenschnitt gleicht. Weiterlesen…

Kopffüssler – LEGA , woher sonst?

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BEGEGNUNG

Ich griff am Stand zuletzt nach dem dunkel überkrusteten ‚Klotz’,  um ihn zu Hause auszuprobieren. Und jetzt stelle ich ihn bereits vor. Weiterlesen…

Fritz Wiegmann, 1945 gestrandet in Hof an der Saale

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NEU: CHINA

Überleben

Im Februar 1945 wurde Fritz Wiegmann zwecks einer Gallensteinoperation von Berlin nach Oberfranken, Hof an der Saale, überwiesen und dort im April 1945 von den amerikanischen Truppen eingeholt. Die Bevölkerung der Stadt an der Grenze zum Egerland schwoll damals durch Flüchtlinge und Vertriebene an auf zeitweise  55.200 Ew. (Link).

Damals hat er auch Stauffenbergs Witwe mehrfach gesprochen, schon hinter den amerikanischen Linien bei einer befreundeten Familie. Sprengstoff für das Attentat sei vom Secret Service geliefert worden und hätte einen Krater bilden sollen. Die Baracke sei aber eingegraben gewesen. v.Trott sei ‚Kopf’ der Opposition gewesen; seine Anfrage in England sei negativ beantwortet worden: unconditional surrender!  (Persönl. Mitteilung ende der 1960er Jahre.)

Dann versetzte  der Eiserne Vorhang  die Region in eine extreme Randlage, sie wurde vom früher benachbarten Böhmen, Vogtland und Thüringen abgeschnitten. Die Grenzen verliefen nur wenige Kilometer vor der Stadt. Für einen weltoffenen Freigeist und Großstädter wie Fritz war der Ort mit traditionell ausgeprägtem Lokalstolz ein denkbar ungeeigneter Winkel.

 

Q: www.deutscheschutzgebiete.de

Q: www.deutscheschutzgebiete.de

Q: google-maps Foto: 'Tuba' 2014

Q: google-maps Foto: ‚Tuba‘ 2014

 

 

 

 

 

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 Noch während seiner kurzen Kriegsgefangenschaft wurde man unter den amerikanischen Offizieren und Soldaten auf den Porträtmaler Wiegmann aufmerksam. Im Stadtarchiv Frankfurt  liegen vier Reproduktionen und sechzehn persönliche Dankschreiben, oft mit Heimatadressen. Dort ist Wiegmanns erster Wohnung in Oberkotzau, 5km südlich der Stadt erwähnt. Wenn man sich fragt, wovon Wiegmann damals lebte, ist der Kontakt zur amerikanischen Garnison sicher ein Teil der Antwort.

Nachlass im Stadtarchiv Frankfurt

Nachlass im Stadtarchiv Frankfurt

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Kinderbild Hof/Saale

Kinderbild Hof/Saale

Durch eine Anfrage aus Hof 2014, ob ein Kinderbild in Öl der Mutter von dem Wiegmann der Webseite gemalt worden sei, erfuhr ich auch von diesem Kundenkreis. Ein paar Porträts (in zeitgenössischer Fotoreproduktion dokumentiert) von Erwachsenen nach 1937 lassen sich nicht zuordnen.

Das Entnazifizierungsverfahren wurde 1947 ‚eingestellt‘. Der Eintritt in den NSLehrerbund war Bedingung gewesen, um mit  Klassen seiner Berliner Schule in die `Kinderland-Verschickung‘ (KLV) nach Karlsbad zu gehen.  Er erzählte mir von pädagogischen Erfolgen in einer Idylle – „Töchter Deutscher Christen und bekennender Christen einträchtig“. Und er wurde erst 1944  Soldat.

 

Er bemühte sich von Hof aus um eine Wiederanstellung als Kunstlehrer – in Berlin, in Hamburg, in Hessen und wahrscheinlich auch in Bayern, und scheiterte damit. Lag es an seiner eingeschränkten Gesundheit oder dem von den Landesbehörden praktizierten Grundsatz, erst die Landeskinder zu versorgen?

Erst ab Oktober 1948 konnte Wiegmann an der Granit-Bildhauerschule im benachbarten Wunsiedel (Link) arbeiten, bevor er 1950 nach Frankfurt zog und dort 1951 in den Hessischen Schuldienst übernommen wurde. (Link „Lebenslauf“). In Wunsiedel unterrichtete er auch den in Frankfurt durch Arbeiten im öffentlichen Raum bekannten Bildhauer und Städellehrer Willi Schmidt (Link Wikipedia), der ihm zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb.

 

        Generationswechsel – z.B. Armin Sandig (1929 – 2015)

Wiegmann suchte Anschluss an die sich im Nachkriegsdeutschland neu organisierende Kunstszene. Ein paar Ansätze dazu versandeten. Gründe finden sich in seiner Person wie in der Ausgangslage 1945. Verfemte, entmutigte und an ihrer Entwicklung Verhinderte, die oft ihre Arbeiten im Krieg verloren hatten, trafen auf die Ansprüche einer jungen Generation, die mit ihrem Freiheitsdrang keineswegs hinter die Veteranen der Moderne zurücktreten wollte.

Ein schönes Beispiel ist der junge Armin Sandig, 1929 in  Hof geboren, ein Autodidakt, den  Gottfried Sello ( „Traum ohne Ende…“ 2013, Link) 1960 trifft.

Seine ersten Jahre bis 1949 skizziert Heinz Spielmann 2009 auf der Webseite der Stiftung Armin Sandig (Armin Sandig – Ein Blick auf sechs Jahrzehnte Malerei) :

1949 konnte man im Konstanzer Theater Arbeiten eines bis dahin unbekannten Malers sehen, die den Besuchern fremd erscheinen mussten, selbst den wenigen, die sich in der aktuellen künstlerischen Entwicklung auszukennen glaubten. Sandig zeigte Bilder, die auf eine erst zehn Jahre später sich durchsetzende Malerei gerichtet waren, zu einer Zeit, in der man zunächst das längst Erreichte kennen lernen musste. Es galt zunächst, im Deutschland der ersten Nachkriegsjahre die heute als „klassisch“ bezeichnete Moderne nach ihrer Verfemung wieder zu entdecken. Nur die Älteren besaßen noch Erinnerungen an den frühen Expressionismus, an den „Blauen Reiter“ und das Bauhaus. Was danach gekommen war, verstand kaum jemand.

Wie sollten die jüngeren Künstler, die am Ende der Nazizeit gerade 15 -16 Jahre alt waren, zu sich selbst und zu einer eigenen Sprache finden? Sie kannten kaum die Bilder der um 1910 Geborenen, die 1933 etwa so alt gewesen waren wie sie bei Kriegsende. Mit ihnen verband sie die Überzeugung, dass nach dem Verlust aller Normen eine neue Kunst nur aus der völligen Freiheit entstehen könne, dass jeder Einzelne in dieser Freiheit seine Normen selbst finden müsse. Was wir heute „Informel“, also „formlos“ nennen, war letzten Endes nichts anderes als der Versuch, aus der Auflösung von allem, von Gegenstand, Konstruktion, Komposition – also von jeder Verbindlichkeit – zu einer zuvor unbekannten Bildform zu gelangen. (….)

G.Sello:Traum ohne Ende..., S.92

G.Sello:Traum ohne Ende…, S.92

Unter den deutschen Malern, die dieses Ziel verfolgten und sich als Vertreter des „Informel“ oder „Tachismus“ mehr schlecht als recht klassifiziert sahen, war Armin Sandig einer der jüngsten. Er kam aus Oberfranken, kannte keine Kunstschule, war Autodidakt, also frei von allen Vorgaben durch Lehrer – eine ideale Kondition für eine voraussetzungslose Malerei. Wie hätte er für sie Verständnis finden können?
Dreißig Jahre nach der Konstanzer Ausstellung, die er in seinen Katalogen stets als erste aufführt, hat Sandig seine Anfänge im Telegrammstil so beschrieben:

Der mit 16 Jahren gefasste Entschluss, Maler zu werden, allen materiellen Schwierigkeiten und allen Widrigkeiten zum Trotz. Wenn er Geld verdienen musste, schrieb er in der lokalen Zeitung Kunstkritiken, auf die hin es Protestbriefe hagelte. Als er 1946/47 mit einigen Künstler-Kollegen im heimatlichen Hof einige Bilder zeigte, mussten sie lesen „Malern solcher Bilde sollte man die Lebensmittelkarten entziehen“. 1999 freute sich das Schweinfurter Museum, dass es eines der ein halbes Jahrhundert zuvor beschimpften Blätter als Geschenk für seine Collage 1948/49Sammlung erhielt. Es handelt sich um eine Collage von 1948/49 mit einer farbigen Struktur, eine Vorahnung von dem, was Sandig zehn Jahre später bekannt machen sollte. 
Vom fränkischen Hof ging Sandig zunächst nach München. Autodidakt blieb er nicht freiwillig, sondern nur, weil er bei dem gerade an die Akademie berufenen Xaver Fuhr studieren wollte, Fuhr jedoch nicht das Wohlwollen des ebenso reaktionären wie mächtigen Kultusministers mit dem treffenden Namen Hundhammer fand – also wurde es nichts mit dem Studium. Vielleicht führte diese Abweisung den jungen Maler schneller zu sich selbst – und 1951 nach Hamburg. Zwar auch in Stuttgart, Düsseldorf und anderswo in Westdeutschland Die widerspenstige Hostie, Aquatintaradierung, 1967präsentiert, fand er in der Hansestadt eine ihn tragende Liberalität.

(Die beiden Grafiken sind Teil des Dokuments)

Wikipedia erwähnt im Beitrag Armin Sandig  eine Hofer Kunstausstellung „Junge Maler“, an der Sandig 1946/1947 im Alter von 17 Jahren zum ersten Mal eigene Arbeiten zeigen konnte.

Im gleichen Alter, sogar schon mit Sechzehn,  hatte Fritz  Wiegmann 1918 seine provinzielle Heimat Minden verlassen (Link) in Richtung Berlin und revolutionärer Kunst!

Junge Maler“, die Proteste provozierten,  das war für ihn nicht die passende Umgebung. Doch da war ja noch die Lokalzeitung als Forum!

 

„Vertreter der modernen Malerei in Hof“ – Konkurrenz unter Veteranen

Am 9.11.1946  schrieb Curt Pabst in der ‚Frankenpost‘ – „Visitenkarte der Ateliers – Besuch bei Vertretern der modernen Malerei in Hof“ –  was er bei seiner Expedition in die exotische Welt der Kunst so verstanden und wahrgenommen hatte. Wir müssen dem Zeugen dankbar sein, erfahren Details und erkennen Bekanntes wieder:

Auch das scheinbar amusische Hof ist inzwischen Vertretern der Moderne Heimat geworden. Wer Glück hat, dem ist ein Blick in abseitige Ateliers gegönnt. In der Fischergasse, mit dem Blick auf die Saaleufer, schafft der Maler Fritz Wiegmann. Als sich 1933 die Kunstpolizei den Staffeleien näherte, ging er nach Frankreich, Spanien und China. Um Repressalien gegen seine Angehörigen zu vermeiden, kehrte er in die Heimat zurück und wurde Soldat. Das Kriegsende erlebte er in einem Hofer Lazarett. Inzwischen wurde die in einem Banktresor geborgene Ernte seies früheren Schaffens eine Beute des Berliner Nachkriegschaos. Nun gestaltet er aus wachem Gedächtnis seine Visionen zum zweiten Mal. Wiegmann ist Naturalist, Maler des Gegenständlichen. Landschaften, Stilleben, Köpfe. Die Küste von Malorka. Die Ruinen von Rumeli-Hissar, chinesische Tempel, Lotosblumen. Ein Maler der klaren, starken, leuchtenden Farben. An der Wand das Bildnis der großen amerikanischen Pianisten George Kobelanck. Dazwischen Hofer Köpfe von farbiger Plastik des Ausdrucks.

Außerdem besucht Pabst die beiden Rheinländer Gottfried Brockmann und Hanne Schultze-Frotzheim, Kampendonck-Schüler in Düsseldorf, den Berliner Maler und Schriftsteller Heinz Meyer-Mengede, die Bildhauerin Gerda Schultze- Roloff und Marianne Brockmann, zwei starke Könnerinnen. Pabst endet mit einem Appell: Dem Publikum wäre zu wünschen, daß die Künstler ihre Abneigung gegen die Öffentlichkeit überwänden. Wir warten auf die Ausstellung der Hofer Sezession. Damit das Publikum bald erkennen könnte, wie viel hoher Kunstwille, wie viel  tiefschürfendes Denken und wie viel Meisterkönnen zwölf Jahre lang von den Barbaren in Fesseln gelegt wurde.

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Erst für 1949 ist eine Ausstellungsbeteiligung Wiegmanns in Hof dokumentiert, eine Woche lang im Saal der Baumwollspinnerei. Die Lokalgeschichte birgt sicher noch Einiges an Information.

Saal der Vogtländ. Baumwollspinnerei, Stellwand F.W., 1949

Saal der Vogtländ. Baumwollspinnerei, Stellwand F.W., 1949 – Mallorquinische Motive (Link)

 Wiegmann hat zwei Zeitungsausschnitte aufgehoben (Nachlass Stadtarchiv), wie üblich ohne Zeitungsnamen und Datum. ‚Verräterische‘ Details wie eine Silberne Hochzeit und die Erwähnung von ‚Pfingstgeschenk‘ datieren die Ausstellung auf die Woche nach dem 6. Juni im Jahr 1949.

Im Artikel „Drei Hofer Künstler“ (gezeichnet Ka.) werden Max Escher, Fritz Wiegmann und Gerda Schulze-Rohloff miteinander verglichen. Escher wird Bodenständigkeit attestiert: Bei ihm gibt es keine Sensibilität. Seine Stärke ist die Kraft. … Die Wirkung ist frappierend. Trotz der ‚modernen‘ Sprache der Farben bleiben seine bilder naturnah, wie beispielsweise bei seinen Kriegserinnerungen an Rußland oder dem fast Brueghelschen flandernschen Sommer. Ihm fehlt auch nicht der Humor, man denke an seine Vogelscheuche … Ganz anders Fritz Wiegmann. Bei ihm ist alles Komposition, gestellt, motivisch ausgewogen und angeglichen ….Bei ihm sind die Farben zart, ineinander überfließend, ein weißgrau mit Dutzenden von feinsten Abtönungen, ein Verschmelzen von Grün und blau, das deutlich Einflüsse seiner ausgedehnten Reisen in den Fernen Osten spüren läßt. Auch die meisten seiner Motive entstammen dieser fremden Welt: Buddhaköpfe, chinesische Landschaften, Istambul oder Mallorka. Immer wieder verbindet er geschickt das Lebendige mit dem Toten, Menschen mit Masken, durch die die Lebenden noch lebendiger wirken. Doch nie, auch nicht bei den vielen Stilleben gleitet Wiegmann ins rein Dekorative ab, und die Arbeiten des letzten Jahres zeigen eine erheblich kräftiger werdende Farbe. Mit einer ganzen Reihe von Porträts beweist Wiegmann, daß er auch dieses Gebiet beherrscht.

Auch Dr. K.T. vergleicht in seinem Artikel „Drei Hofer Künstler stellen ausFritz Wiegmann mit Max Escher (1901 – 1976). Er attestiert beiden, sie seien als Maler beide bestrebt, die Errungenschaften des abstrakten Spiels mit Farben und Formen, wie es den modernsten Strömungen eigen ist, in ihre ältere Malweise organisch einzubeziehen. Das scheint vor allem in den neuesten Arbeiten (Figur in spanischer Landschaft, 1949) mit Erfolg erreicht zu sein. Escher, der unpathetischer, kantiger empfindet, kommt mit seinem 1948 geschaffenen Bild „Südliche Strandbastion“ zu auffallend ähnlichen Ergebnissen.

Das will ich genauer wissen. Vom kurzen unbebilderten Wikipedia-Artikel über Max Escher werde ich zur Frankenpost geleitet, welche nur „Premiumartikel“ offeriert, „Teil unseres exklusiven Online-Inhaltes“. Wer hätte das der „Frankenpost“ zugetraut? „Sichern Sie sich jetzt den Zugang zu allen Inhalten…“. Immerhin erfahre ich unter dem Titel „Künstler und Erzieher mit Leib und Seele“: „Im März 1976 starb der Hofer Maler Max Escher. Sein Werk ist noch immer präsent – in zahlreichen Wohnungen ebenso wie in seinem Marxgrüner Atelier. Dort kümmert sich sein Stiefsohn Wolfram Hauß um den Nachlass. Die „Private Galerie – Joachim Friebl Nürnberg“ (Link) reproduziert zwei Landschaften (ohne Datumsangabe), die gut auf  den Eindruck von Dr. K.T. und Ka. passen. Ich spüre übrigens (nur Reproduktionen!) eine gewisse Verwandtschaft mit Wiegmanns Alpenlandschaften der späten 1960er Jahre (Link).

K.T. spricht auch noch vom Porträtisten: Wiegmann ist ein glänzender Porträtist. Sein weltweites Globetrotterherz schwingt, überlegen lächelnd um Menschenseelen wissend, in diesen Schöpfungen sattfarbig und sprechend mit. Bei ihm ist der Wille zur Abwendung aus impressionistisch-romantischer Umklammerung schwerblütige Tat geworden.

Die demonstrierte Großzügigkeit der Beurteilungen konnte die demütigende Abhängigkeit der in die Provinz verschlagenen Künstler nicht verbergen. Wichtig waren die soziale Signale:  ob gelungen oder nicht, ob sensibel und gestellt oder kraftvoll und gar humorvoll, ob auch recht ausgewogen, wie fremd u.s.w.  Die Öffentlichkeit durfte schließlich Ansprüche stellen. Und dann schließlich eine ‚Ausstellung‘ in einem Saal für ein paar Tage bekommen zu haben! Wiegmann zog später immer wieder über den ‚Kunstbetrieb‘ der Bundesrepublik her (Link). In einer seiner ‚Übungen‘ auf der Schreibmaschine hat er seine Ablehnung festgehalten .

Er bemühte sich in Hof unermüdlich um Rückkehr in den Schuldienst. Wollte er –  vom gerade überstandenen Jahrzehnt hin- und hergetrieben und geschlagen – als Pädagoge wenigstens die Kinder retten (Lu Xun)? Jedenfalls war er für eine prekäre Bohème-Existenz wie auf Mallorca längst zu alt.

Die Bildhauerin Gerda Schulze-Rohloff habe ich im Netz nur an einer Stelle gefunden (Link).  Im ‚Museum Bayrisches Vogtland‘ der Stadt Hof werden ‚rund 3000 Kunstwerke verwahrt‘, fast ausschließlich im Depot. Schulze-Rohloff ist in der Liste aufgeführt, Wiegmann nicht. ‚An einem Terminal im Museum Bayerisches Vogtland können die rund 2400 digitalisierten Kunstwerke während der üblichen Öffnungszeiten angesehen werden‘, seit 2011. Also auf nach Hof an der Saale!

 

Hamburg?  Eine Fatamorgana

Im Frühjahr 1947 gelang es Wiegmann, von Hof  im Herrgottswinkel der Amerikanischen Besatzungszone aus, Bilder in der „Galerie der Jugend“ von Gottfried Sello in Hamburg auszustellen. Blogbeitrag „Wieder jung in der Galerie der Jugend“. Aber auch dort herrschte Generationskonflikt, und Wiegmann konnte sich nicht einmal zur ‚Hamburgischen Sezession‘ (Link) rechnen.

China

Fast hätte ich Wiegmanns „China-Vortrag in Hof/Saale“ vergessen, dessen Unterlagen er zeitlebens aufbewahrt hat. Sie sind im Nachlass (Institut für Stadtgeschichte Frankfurt Main) durch Vortragsmanuskript und 37 gerahmte 6×6-Dias vertreten. Die Bilder sind zum Teil  Luftaufnahmen des berühmten Grafen Castell (Link) in den dreißiger Jahren, sonst Aufnahmen von Wiegmann selbst und von seiner Freundin, der Fotografin Hedda Hammer ( später Morrison, Link). Der Vortragstext beruhte auf den eigenen Notizen in Peking (Link).

Wiegmann hat von Jean-Pierre Dubosc (Link)  – in Peking 1937 oder vielleicht auch nach dem Krieg – einen Teil seiner chinesischen Volksdrucke bzw. ‚Neujahrsbilder‘ oder nianhua (Link) geschenkt bekommen, ein anderer Teil wurde noch 1937 in Paris in der dortigen Nationalbibliothek ausgestellt, eine Premiere für Europa.  Da der Kalte Krieg auch die wenigen Nianhua-Experten in Ost und West trennte, blieb das Gebiet für Jahrzehnte unbeackert und Wiegmann zeitlebens so begeistert wie hilflos vor diesen Blättern. Ich habe selbst mitgelitten. Es war die Farbigkeit, die Freiheit im Pinselstrich über teilweise uralten in Holz geschnittenen Bildmustern und die Freiheit von naturalistischen Zwängen, die ihn faszinierten. Er übersprang – wie schon ein wenig gönnerhaft Dubosc – die in China unüberwindbaren Schranken von ‚hoher‘ und ’niederer‘ Kunst.

Als Wiegmann Ende der sechziger Jahre seine chinesischen Erfahrungen mit dem Motiv Landschaft (Link) wieder aufnahm, war er ein freier Mann, und er nahm weder Rücksicht auf Moden oder Kunstepochen. Das hatte er auch seinen chinesischen Vorgängern voraus!

Uns ist überlassen, was wir aus seinen Bildern machen. Wer sagt zum Beispiel, dass etwa die Wand hinter der Couch weniger zählt als die Wand – oder gar das Depot –  des Museums?

 

 

 

 

 

 

‚Gesunde Nerven‘ – künstlerisch ERGÄNZUNG!

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Veröffentlicht am 28. Okt. 2016 , sowie  zwei Nachträge: 7.Nov. 2016 und 4. Jan. 2018

Bisher standen das gesundheitspolitische Engagement des Künstlers und seine  Vernetzung im Vordergrund. Die Berichtserstattung legte selbstverständlich ihr Gewicht auf die Inhalte, wollte die Botschaft der Ausstellung verbreiten.

Auch mich hat etwa die Installation der arbeitenden Skelette fasziniert und der schnörkellose Collage-Stil der Ausstellungswände, der an die Ästhetik der damaligen AIZ erinnert, aber es lohnt doch, näher hinzusehen. Weiterlesen…

Kuyu Tanzstäbe im Factory Outlet 1927

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MIT NEUEN ERGÄNZUNGEN zum Text vom 3.Mai 2016, plus LINK ZU 2 MODERNEN STÄBEN

Keith Nicklin (African Arts vol.17, no.1, Nov.1983) lässt Major P.H.G. Powell-Cotton erzählen, wie ein halbes Dutzend Tanzstäbe vom Kuyu-Fluss aus dem damals französischen Kongo nach England kamen. Im Winter 1926/27 jagte er dort den Gorilla und seltene Antilopen für sein eben gegründetes Privatmuseum, aber auch, was man Curiosa zu nennen pflegte. Die Gegend am Kuyufluss ist flach, sumpfig. Er reiste mit einem Einbaum. Aber hören wir den Text der Sammlungsliste im Original:

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Eigenes und Fremdes an Masken der Luluwa-Kasai

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Höhe 36 cm, Breite 26 cm, Tiefe 17  cm,  Provenienz:  Luluwa (Mitteilung des Händlers)

THE LAST TWO CHAPTERS – Symbolism &  Provisional Results – ARE TRANSLATED AT THE BOTTOM 11.2.18

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Dies wird keine Liebeserklärung. Dazu ist die Maske zu groß und hat einen eher spröden Charme. Unverwechselbar auch nicht wie die kleinen Schutzfiguren der Luluwa. Doch sie strahlt Kraft aus, und nicht nur ihre Bemalung macht neugierig. Ich stöbere in meiner kleinen Handbibliothek. Der noch am selben Tag angefangene Literaturbericht wird immer komplexer.  Ich muss alle Fragerichtungen offen halten. Eine robuste Gliederung thematisiert drei Themen: ÜBERBLICK, VERGLEICHSOBJEKTE (MASKEN) und DIE SYMBOLIK DER BEMALUNG

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Eins, zwei, drei, ich twitter‘ mich frei – aktuell

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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Menge ‚schlechter‘ Nachrichten, die über ‚Qualitätsmedien‘, also ‚gute‘, aus der realen Welt in meinen geruhsamen Alltag stürmen, ist gerademal überwältigend, ich brauche eine Winterpause. Stattdessen möchte ich Ihnen meinen Afrika-Blog empfehlen; da sind wenigstens noch ein paar Entdeckungen zu machen, zwar auch in der ‚realen Welt‘, aber ebenso an ästhetischen Objekten. Bei schlechtem Wetter können die Beiträge vielleicht sogar einen Museumsbesuch ersetzen.

Alles Gute für 2018 ! Und melden Sie sich doch einmal!         Ihr Detlev von Graeve

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‚Luba-Zoo‘ – Hüte dich vor der Eule!

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Begegnung am 19.8.2017

Eine Maske muss Ausstrahlung haben. Authentizität und Alter genügen nicht. Der Zustand muss noch den Genuss der ästhetischen Qualität(en) erlauben.

Zuhause angekommen, vertrieb die Eule augenblicklich eine schwächelnde Pende-Maske von ihrem angestammten Platz und degradierte die Luba-Vogelmaske, die bereits vor zwei Monaten von einer ehrenvollen Erwähnung im Blog (Link)  in den Rücktausch unter ‚Wert‘ abgestürzt war.

Was macht ihre Kraft aus? Es ist der Realismus des Kopfs in den Proportionen auf der Basis des runden Maskentyps der östlichen Luba.

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Afrika in Paris : Louvre und Quai Branly. 2009 ist aktuell

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 5.3.2009  erstmals veröffentlicht, Im letzten Jahr nur achtmal angewählt. Schade! – Zweiter Versuch im Zusammenhang mit  „Unvergleichlich“ in Berlin

 

                       Louvre, im „Annex“ Afrika  –   Selbstgespräch

Der abgestürzte Traum des Jacques Kerchache… Im Gegensatz zu Quai Branly und Dapper unter dem kalten Licht einer  ‚Anatomie‘, das verträgt der Traum aber nicht.

P1110087Dogon Weiterlesen…

Skeptische Klienten, konkurrierende Wahrsager (Pende)

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 Zoe S. Strother : Smells and Bells – the Role of Skepticism in Pende Divination

(Gerüche und Glockenklang – Die Rolle des Skeptizismus in der Wahrsagepraxis der Pende)

in: Insight and Artistry in African Divination, ed. John Pemberton III, Smithonian Institution Press Washington 2000, p.99 – 115 – erweitert um Aspekte aus Strother : „Inventing Masks“, 1998 (LINK) Weiterlesen…

„Unvergleichlich“ – erzwungene Nachbarschaft im Bode-Museum

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Zitat aus dem Flyer (Signalfarbe original):

Fahne-IMG_4434Achtzig Hauptwerke afrikanischer Skulptur aus dem verblichenen Ethnologischen Museum sind zu Gast im Bode-Museum. Kunst aus West- und Zentralafrika trifft auf Meisterwerke aus Italien und Mitteleuropa. Im direkten Dialog geht es um die großen Themen der Menschheit: Macht und Tod, Schönheit und Identität, Gerechtigkeit und Erinnerung.         Amen.

In beiden Hauptetagen des Bode-Museums werden punktuell Skulpturen beider Kontinente gegenübergestellt. (…) Die experimentellen Gegenüberstellungen thematisieren mögliche Zusammenhänge auf verschiedenen Ebenen, beispielsweise historische Zeitgenossenschaft, inhaltliche und technische Gemeinsamkeiten oder künstlerische Strategien.(….) Weiterlesen…

Archiverfahrungen: Ernst Joel, Fritz Fränkel, Fritz Wiegmann

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Ich hielt Fränkel und Joel für ‚prominent’, also gut dokumentiert. Ich ahnte nicht, wie sehr das Gedächtnis an diese Menschen dauerhaft vom Engagement selber unbekannter Individuen abhängt, etwa von Klaus Täubert und der Gymnasiallehrerin Margarethe Exler aus der Provinz. Und einem kleinen Verlag wie ‚trafo’. Weiterlesen…

„Wechselblicke zwischen China und Europa 1669-1907“ – nur ‚Chinoiserie‘

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Museum für Asiatische Kunst. Kunstforum Berlin. 12.10.2017-07.01.2018

Ich hatte bereits einen Text vorbereitet, aber wollte den aber wieder aufgeben. Denn Kritik ist kein Selbstzweck. Doch dann lese ich wieder den Einführungstext zur kleinen Ausstellung und ärgere mich erneut über das Herum’eiern

‚Chinoiserie‘ war und ist – vergessen wir das nicht – mehr als ein Stil und eine Produktgattung, es ist auch eine Einstellung. Und gewisse Dinge muss man eben immer wieder zur Sprache bringen.

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Ich entdecke Giacomettis ‚Stehende’ in afrikanischer Stimmung. Und Matisse!

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Frau für Venedig IV, 1956, NGMB95/2000, Museum Berggruen, Berlin am 24.10.2017

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Die Macht einer ‚Polio‘-Puppe (Pende) NEU

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Die Begegnung

 

Pende-Polio-Flohmarkt6.Mai 2017

Auf dem Markt begegne ich einer starken Figur, dem klassischen afrikanischen Krüppel,  nicht einmal auf einem der Klapptische, sondern auf einer einfachen Decke am Boden, erschreckend naturalistisch, die eigene Erlebnisse in Erinnerung ruft, zugleich gute klassische Pende-Schnitzerei. Weiterlesen…

Warum bin ich bloß in die Hauptstadt gefahren? Notizen

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Ein separater Text zu  „Kunst aus Afrika im Bode-Museum – Unvergleichlich“ ist erschienen und bei Google bereits auf S. 3 vorgerückt. Link.

Samstag, den 28. Oktober

Erst einmal der letzte Eindruck,  eine unauflösliche Verbindung von Barbarei und Kultur

 PIRANESI „I CARCERI“  IM BERLINER HAUPTBAHNHOF

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Jean-Pierre Dubosc – Streiflichter

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Jean-Pierre  Dubosc kommt bereits in Wiegmanns Erinnerungen an das Paris zum Ende der zwanziger Jahre vor, ganz beiläufig. (Link) Weiterlesen…

Im Korb des ‚Bwami‘-Bundes ( Lega ) : Der Schiedsrichter

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 Ein  Würdenträger erinnert im Ritual an seinen Autoritätanspruch

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Die Experten scheinen sich über den Figurentyp einig:

Liz Cameron übernimmt 2013 – in „Secrets d’IvoireMusée du Quai Branly 2013, p.162 zu ill.141-142 , u. Anm.37 – Daniel Biebuyck’s Interpretation von 1973 in „Lega Culture“ pl.66:

Figuren mit einem oder zwei erhobenen Armen illustrieren das  das Vorrecht der Würdenträger im kindi-Rang, als Schiedsrichter bei Streitigkeiten und Familienfehden zu wirken. Sie heißenKasungalala(Cameron: ‚kasangala’) und der zugehörige Sinnspruch (aphorism) lautet: Weiterlesen…

Im Korb des ‚Bwami‘-Bundes ( Lega ) : Die unwürdige Gattin

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Neue Bilanz am Ende! 21.11.17

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Im Café hatten wir zwei Lega-Figuren vor uns stehen. Neben einer minimalistischen ‚Figur mit erhobenem Arm’ gleicher Höhe (30cm) wirkte die janusköpfige Frau allmählich ‚konventionell’. Im Lampenlicht am Schreibtisch gewann sie ihre eigene Ausstrahlung zurück und hat sie seither überall behauptet. Weiterlesen…

Das war das 20. Jahrhundert zwischen Kwilu und Kasai – Die PENDE

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Quelle : Z.S.Strother “Inventing Masks – Agency and History in the Art of the Central Pende“, The University of Chicago Press, 1998, cloth & Paperback, xxvii und 348 pp., reich illustriert, Index, im Netz etwa ab 40€

Einleitung

Ausgangspunkt und Ziel der Studie von Zoé Strother

Die Studie erforscht Geschichte und Prozess der Erfindung, Innovation in den Maskeraden und erzählt wie beiläufig die Erfahrung der Pende mit der kolonialen Unterwerfung im 20. Jahrhundert. Weiterlesen…

Willst du wirklich wieder eine Ambete-Wächterfigur ?

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Eine Figur der Ambete aus dem Gabun? Wirklich, nachdem du mit der letzten vor zwei Jahren so eine Pleite erlebt hast? So dachte ich wieder. Doch es gab gewichtige und sichtbare Gegenargumente, eins davon bezog sich  auf die „Maske der Aduma à la Jawlensky“ (Link). Ich habe sie hier bereits besprochen. Es wäre nicht schlecht, den Beitrag zuerst zu lesen. Denn vielleicht ist ja auch der Wächter halb oder ganz ein „Aduma“! Vor zwei Jahren behandelte ich die schreckliche Erfahrung als Tragikomödie in einer meiner „Geschichten ums Sammeln“(Link). Das Schlimmste ist für mich noch heute meine anfängliche Begeisterung, auch wenn inzwischen ist viel Wasser den Main hinunter geflossen ist.
Ich erzähle die alte Geschichte hier noch einmal. Weiterlesen…

Welche Distanz zu China suchen?

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Gelegenheit, über die passende Distanz zu China nachzudenken. Welche Distanz soll denn wozu passen?

 Gespräche und Anfragen zu China machen mir klar, wie lange ich nicht mehr selbst im Land gewesen bin, fast dreißig Jahren, und dennoch sprudeln heute die Gedanken nur so.

 

Studium am Schreibtisch

Was soll nach dreißig Jahren überhaupt noch ‚Distanz’ bedeuten? Weiterlesen…

Figur und Schildkröten-Hocker, Tansania – Mbugu ?

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Seit Samstag glaube ich zu wissen, dass die beiden zusammengehören. Ich habe keinen direkten Beweis, aber starke Indizien. Doch der Reihe nach. Die Figur erwarb ich vor nicht ganz zwei Jahren bei demselben Händler. Weiterlesen…

Flussers Essay „Regen“ – ’naturalmente‘ ?

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Nach vier Jahren ziehe ich meinen ‚Dialog‘ über den Essay Regen im kleinen Sammelband Vogelflüge zurück.

Keine Vogelflüge, kein Regen, und schon gar nicht ’naturalmente‘

Ich ließ mich lange Zeit auf Flussers Texte recht arglos ein und machte mit ihnen immerhin  Erfahrungen. Natürlich verfehlte ich dabei  Flussers tiefere Intention, ignorierte sie gelegentlich aber auch bewusst.  Er hätte eine solche Konstellation wohl nicht schlimm gefunden, ging es ihm während seiner Vortragstätigkeit in Europa doch häufig soZu ‚provozieren‘ war für ihn eine Option, ein Gespräch zu führen, vor allem in der Öffentlichkeit.

Flusser enttäuschte aber meine von seinen Ankündigungen geweckten Interessen regelmäßig, bis auf bestimmte Themen wie Migration (Link zu Flusser Studies 10, siehe dort: graeve-flusser-schule S.24) und –  in den späteren Jahren – die digitale Revolution (Link zu einem Zitat) , die er auf geniale Weise anpackte. ‚Natur‘ gehört nicht dazu. Weiterlesen…

Zum Ende der Schriftkultur und …. NEU

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Der Text vom 3. Mai 2014 (Keine Sorge, ich will nichts überschreiben!)

Ich komme bei Schriftasketen, ja Schriftmystikern auf diesen Gedanken. Philosophen in der Nachfolge von Theologie und Metaphysik mit betontem Wahrheitsanspruch- Um die muss es wohl gehen, wenn – etwa bei Vilém Flusser – vom Ende des Schriftzeitalters die Rede ist.

Es haben aber ebenso lange Menschen in den Sachen gedacht und in gesellschaftlichem Kontext, selbst der Jesus der Evangelien. Für die gilt der Epochenbruch nicht, dabei haben die die Schrift erfunden!

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Wiegmanns Porträts auf Mallorca NEU

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Der Nachlass vertieft den einen oder anderen Aspekt gegenüber dem ersten Entwurf vom 11.9.2016. Ich habe immer noch zu wenig Abbildungen, aber auch fast keine Informationen.

Mallorca 1934-1935

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Copeland in Genova, Mallorca - Nachlass Wiegmann

Copeland in Genova, Mallorca – Nachlass Wiegmann

George Copeland

Fritz Wiegmann wird auf Mallorca als Porträtist bekannt. Eine besondere Rolle spielt der Auftrag des prominenten amerikanischen Pianisten George Copeland, der seinen Wohnsitz in den zwanziger Jahren an auf der Insel nahm, und sogar als Nachbar Wiegmanns im Ort Genova residierte (engl. wikipedia). Weiterlesen…

Fritz Wiegmann im Archiv

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Das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt/Main (Link) hat den Nachlass von Fritz Wiegmann akzeptiert. Ich habe ihn in den vergangenen zwei Monaten geordnet und aufgeschlüsselt.

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Chinesische Resonanz auf Wiegmanns Bilder

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EINTRÄGE IM GÄSTEBUCH 20. BIS 27. DEZEMBER 1936 –

DIE BEILIEGENDEN ÜBERSETZUNGEN CHINESISCHER KOMMENTARE Weiterlesen…

Die falschen Dinge aus Afrika

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21.5.2017

Ich will heute meine Sammlung gegen bestimmte Ansichten verteidigen. Es geht mir um die Einzigartigkeit von Kunstwerken, die einen Witz haben, der selbst einem Fremden noch zugänglich ist, wenn er sich nur darauf einlässt. Das falsche Gerede darf nicht völlig die Oberhand gewinnen. Weiterlesen…

Edwin Denby tanzt durch Fritz Wiegmanns Leben

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Nachlass wiegmann 9 x 6

Nachlass wiegmann 9 x 6

 

Edition: Random House Apr.1986 Vgl. Link Vgl.

Edition:
Random House Apr.1986
Vgl. Link

 

 

 

 

 

 

Edwin Denby (1903 – 1983)

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Was sind schon Briefe!! Schickt uns Ansichtskarten.

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Vier Briefschlüsse auf dem Rücken von Ansichtskarten mit Motiven aus dem ehemaligen Kaiserpalast.

Vermutete Reihenfolge.

Mich wundert, dass nicht diese Briefe aus China – und weitere – vollständig erhalten sind. Wer hat wohl alles bis auf die benutzten Ansichtskarten weggeworfen?    An den Vorlagen für die Postkartenproduktion von Hartungs hat Wiegmann in Peking übrigens mitgearbeitet. (Mitteilung)
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Wiegmann abseits des „Kunstbetriebs“ NEU

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Im Nachkriegsdeutschland fasste Wiegmann als Künstler nicht Fuß, zumal der Schuldienst eine Menge Kraft kostete. Nach seiner Pensionierung hatte er noch zehn Jahre für eine Malerei  unabhängig vom Zeitgeist. Ob er dabei an die entpflichteten Mandarine des kaiserlichen China dachte?

Eins der Themen für seine Übungen an der Schreibmaschine war „Kunstbetrieb“. Weiterlesen…

Carl Linfert – „Reiz der Dilettantenbilder“ (F.Z.1932)

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Unter den wenigen aufbewahrten Zeitungsartkeln in Wiegmanns Nachlass befindet sich  ein langer Beitrag aus dem Feuilleton der Frankfurter Zeitung vom 15. Januar 1932: „Unterirdische Malerei. Über den Reiz der Dilettantenbilder“ von Carl Linfert (Link). Weiterlesen…

Ce Shaozheng flaniert durchs alte Peking

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Im Urlaub auf der Insel hatte ich amüsante Bücher dabei, unter anderen:

Ce Shaozhen : Flaneur im alten Peking – ein Leben zwischen Kaiserreich und Revolution (Diederichs Verlag 1987, illustrierte gebundene Ausgabe – der beigelegte Stadtplan ist unbrauchbar. Empfehlung: Link). Weiterlesen…

WIEGMANNS UNIVERSITÄTEN

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Den Titel „Meine Universitäten“ kennt man von Maxim Gorkis autobiografischem Roman. Und „Universitäten“ bedeutet hier das Leben oder genauer dessen Stationen jenseits akademischer Ausbildung. Anders als Maxim genoss Fritz Wiegmann als Jugendlicher eine solche Ausbildung, aber was bot sie ihm und in was für einer Zeit?

Die ‚Alte Oper Frankfurt‘ zitiert in im Programmheft zu „Fokus 20er Jahre“ (2017) Carl Zuckmayer: Die Künste blühten wie eine Wiese vorm Schnitt. Daher die tragisch-genialische Anmut, die dieser Epoche eignet.Von diesem kurzen Glück sind wir als Nachgeborene ausgeschlossen. Tragen wir’s mit Fassung.

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Paul Flora Cartoons im Nachlass Wiegmann

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Um die fünfzig  aus der ZEIT zwischen 1965 und 1970 ausgeschnittene Cartoons liegen künftig mit dem Nachlass im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt. Weiterlesen…

Lega – konische Hüte mit Schuppen und Knöpfen

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Pangolin - 18-20 cm Durchm., 18 cm Höhe o. Schweif, 308 g

Pangolin – 18-20 cm Durchm., 18 cm Höhe ohne Schweif, 308 g

Knöpfe - 20,5 x 16,5 cm Durchm., 23 cm o. Schweif, 416 g

Knöpfe – 20,5 x 16,5 cm Durchm., 23 cm o. Schweif, 416 g

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„Die Reise in den Westen“ – Reclams BUCH-RIESE hat Erfolg

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12. August 2017

Ich war enttäuscht. Jetzt habe ich den Band in der Ruhezone eines  bekannten Buchkaufhauses entspannt auf den Knien gehabt und alles war halb so schlimm: Vor allem der Satzspiegel liest sich gut, die Erzählung ohnehin. Sie bleibt natürlich unendlich redundant. ‚Verschlingen und Vergessen‘. Soviel ‚Ruhestand‘ werde ich hoffentlich nie haben. Und kein Krankenlager sollte so lange andauern. Für die unten vorgeschlagene Alternative „Monkeys Pilgerfahrt“  kam ich damals mit zwei Tagen hin. Ob das inzwischen angebotene e-Book  die Lösung ist, möchte ich bezweifeln, und selbst das eB ist sündhaft teuer (um die siebzig). Transparentes Dünndruckpapier ist nicht wirklich ein Unglück. Und schließlich finden sich im Text auch die vermissten Anmerkungen wieder. Wunder der Wahrnehmung!

 

8.März 2017

Im Kinderprogramm KIKA tritt ein extrem dickleibiges und schwerfälliges Riesenschaf auf, in der Herde von „Shaun das Schaf“ (Aardman). Daran erinnert mich die hochgelobte erste vollständige deutsche Übersetzung von (dreimal Trommelwirbel!) „Die Reise in den Westen“, ein maßlos aufgeblasenes Reclamheft von über dreizehnhundert Seiten. Gleich zwei prestigeträchtige Lobeshymnen erschienen an einem Wochenende in FAZ und SZ zur Premiere. Aber über die inneren Werte vergaßen die Rezensenten die äußeren. Es handelt sich schließlich nicht um einen Staubsauger, sondern um ein BUCH. Das ist mir schon deshalb präsent, weil das Werk den Deutschen BUCHpreis erhalten soll. Das munkelten jedenfalls heute die Buchhändler. Weiterlesen…

Maske der Boa mit Flügelohren

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Die Masken der Boa im Westen des Ituri-Waldes waren für mich groteske schwarz-weiße Gesichter mit abstehenden Ringohren. Ihre Abbildung verlieh jedem Bildband afrikanischer Kunst eine heitere Note. Wie viele hatte ich eigentlich gesehen? Als Objekt in meiner Sammlung konnte ich sie mir bisher nicht vorstellen, so wenig wie irgendeine Faschingsmaske. So etwas würde ich nicht an die Wand hängen zwischen die ‚bedeutsamen’ Stücke. Weiterlesen…

Wieder ‚jung‘ in der ‚Jungen Galerie‘ Hamburg 1947

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Zwei kleine Ausstellungsplakate (DIN A 3 und etwas größer) und ein Telegramm von 1947 legen eine Spur nach Hamburg zur ‚Galerie der Jugend’ von Gottfried und Ingeborg Sello. Wiegmann konnte dort ausstellen, und sein Name stand auf den Plakaten

2013 ist beim Ellert & Richter Verlag in Hamburg ein Buch mit Texten des späteren Kunstpublizisten Gottfried Sello erschienen: „Traum ohne Ende – Über die Kunst„. Aus dem schön bebilderten und persönlich gefärbten biografischen Vorwort von Thomas Sello (S. 8 bis 24) beziehe ich die folgenden Informationen und zwei Fotos, eines von Gottfried Sello mit Bernhard Minetti (1948) und eines aus dem Atelier des Malers Skodlerrak (1920-2001) (S. 8/9), der neben Wiegmann auf dem zweiten Plakat genannt wird. Weiterlesen…

Amerika! – John Becker, 520 Madison Avenue N.Y.C.

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Zwei Dokumente im Nachlass belegen konkret Wiegmanns Kontakt mit dem amerikanischen Kunstmarkt für das Jahr 1932, mit Perspektiven für 1933. In dem getippten „Lebenslauf“ steht unter „Ausstellungen meiner Bilder fanden statt“: „1931 und 32 in der Galerie John Becker, Madison Avenue N.Y. city, durch diese Galerie auch auf der Weltausstellung Chicago“.

Beginnen wir mit dem zweiten Dokument, einem Brief. Unter dem Datum des 12. November 1932 erhielt W. einen Brief und einen Scheck von John, dem Leiter der Galerie John Becker in New York.

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Fritz Wiegmann, die Benjamin’s und Fritz Fränkel

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Dies ist der aktualisierte Beitrag vom 25.Juni 2016, übrigens im letzten halben Jahr 100mal aufgesucht

Mieter im Elternhaus Walter Benjamins, Freund der Schwester Dora

 

Magnussen:Benjamin-WohnhausMomme Brodersen, eMail vom 15.4.2012:

Sehr geehrter Herr Graeve, meine Frage nach Fritz Wiegmann steht im Kontext eines geplanten Buches über eine Villa in der Berlin-Grunewalder Delbrückstr., über deren Geschichte und Bewohner. Erbaut wurde diese Villa an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert nach einem Entwurf des Burgenforschers und Architekten Bodo Ebhardt. Ihr erster Besitzer war der Bildhauer Harro Magnussen. Nach dessen Selbstmord erstand der Vater des Schriftstellers Walter Benjamin das Bauwerk, das Mitte der 1930er Jahre dann in einem gewissen Sinne „arisiert“ wurde und im zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fiel. Weiterlesen…

Die Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden 1930/31

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Auch hier war Wiegmann wieder politisch und künstlerisch engagiert. In seinem Nachlass findet sich ein Dankschreiben der Leitung mit dem Hinweis auf die knappen Kassen der Institution, sowie eine Ehrenurkunde, von der Art, wie sie bei Sportfesten verteilt wird. Weiterlesen…

Songye Miniatur : ‚Nkishi’ und Sklavin

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 1O.2.17

  Songye Miniatur IMG_8314Beschreibung:

Fetisch (Nkishi): Öffnung im Hinterkopf und im Nabel

Sklavin: auf dem Rücken gebundene Hände – Felix (100 Peoples) erwähnt traditionellen Status des Sklaven. Etwas anderes kann das auch nicht sein.

Schöne Frau: kunstvolle adlige Frisur mit ausrasierter Stirn, gerader und recht langer Hals mit drei Wülsten; die Frau trägt 11 winzige Kupfernägel als Ziernarben: 3 von der Nasenwurzel zum Hinterkopf, 2 auf den Augen, 6 rechts und links an den Schläfen; sie hat ausdrucksvolle Bohnenaugen (Erhebungen plus Nägel) und ein entwaffnendes Lächeln wie ein Smiley. Die Figur blickt den Betrachter direkt an mit hochgezogenen und markierten Augenbrauen und präzisen Augen, das Lächeln vermittelt gelassene Heiterkeit. Sie ist nicht zuletzt hochschwanger mit attraktivem Bauch, Hohlkreuz und Po. Die Haltung ist tadellos. Der Meister tat nichts Überflüssiges: So auch keine Schmucknarben am Rumpf – Klar! Es ist doch eine Songye!

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