Fortschrittsbericht Wiegmann

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27.10.2016 verfasst, zuletzt am 17.12. 2016 aktualisiert

 

 

Der Künstler, Lehrer und Sammler Fritz Wiegmann hat wenig dafür getan, sein Leben zu dokumentieren. Meine biografische Skizze in ‚Bilder vom Glück‚  (Frankfurt 2002) beruhte vor allem auf persönlichen Erzählungen und schöpfte das mir zugängliche Material fast gänzlich aus. Anfragen von Lesern in  den vergangenen Jahren fügen diesem Bild  jedoch neue Aspekte hinzu oder schaffen einen Kontext für einzelne Fotos, die – selbstverständlich – nicht beschriftet sind.

Nachdem ich im Juni angefangen hatte, neues Material auf dieser Seite zu versammeln und chronologisch zu verlinken, tauchte im Depot des Instituts für Stadtgeschichte Frankfurt aus dem Nachlass eines in Frankfurt bekannten  Künstlers ein geheimnisvolles Köfferchen auf. Alles vorhandene relevante Material demnächst archivarisch erschlossen werden. Die Seite profitiert bereits jetzt davon.

Der ursprünglich chronologische Ansatz wird bereits jetzt zu eng. Darum hat die Seite eine Untergliederung verpasst bekommen, die momentan vier Schwerpunkte setzt. Sie berücksichtigen unterschiedliche Interessen und Fragen an die Person Fritz  Wiegmanns. Allerlei weitere Fragen werden sich sicher später im Archiv beantworten lassen.

 

‚Wiegmann und die deutsche Linke‘ als Teil seiner VITA

Der Titel mag bombastisch klingen, er soll schlicht auf das Milieu  verweisen, in dem sich Wiegmann während der Weimarer Republik und danach bewegte. Ich fasse es ganz weit bis in die künstlerische Bohème hinein. Ein mir erst jetzt bekannt gewordene Artikel von Walter Benjamin richtete die Aufmerksamkeit dezidiert auf die Methode, mit der Fritz Wiegmann die Ausstellung ‚Gesunde Nerven‘ in Berlin gestaltete. Sie wurde übrigens zur Wanderausstellung und zum Modell für ein weiteres Projekt im Hygiene-Museum in Dresden. Hitlers Machtübernahme 1933 beendete all das mit einem Schlag. Wiegmann wählte wie einige Freunde die Emigration in die westeuropäischen Länder, wohin man bereits gute Verbindungen besaß. Nicht alle Verbindungen rissen für Wiegmann nach 1936 ab, aber davon weiß ich noch wenig, warte selber auf Hinweise. Wiegmann blieb seiner undogmatischen freiheitlichen Haltung treu, seiner Neugierde und Weltoffenheit, was ich an Gesten und Zitaten noch zeigen will.

Diese Recherchen beginnen wieder vierzig Jahre nach seinem Tod. In den fünf, sechs Jahren unserer Freundschaft fand sich kaum Gelegenheit, tiefer in diese Materie einzusteigen. Für meine Generation waren die Zwanziger Jahre in Deutschland Neuland – vorher in Schule und Studium bloß Rollbahn für den ‚Aufstieg des Dritten Reiches‘ gewesen – und dieses Neuland war ideologisch heftig umkämpft. Er und ich unterhielten uns lieber über Berlin, seine Kunst und ‚China‘ in allen Facetten.

 

‚Wiegmann der Maler‘ und ‚Wiegmann und China‘

Es gibt ein paar Doppelauftritte von Beiträgen und Verlinkungen, denn die Themen sind miteinander verwoben.

Im wesentlichen soll die Untergliederung ‚Maler‘ eine Differenzierung nach den von Wiegmann praktizierten Genres erlauben: vorerst grob nach Stilleben, Landschaft und Porträt.

Dabei hat die Landschaft ihre später starke Position erst nach dem Studium chinesischer Künste vor Ort erhalten. Chinas Bedeutung für Wiegmanns Selbstverständnis scheint mir Grund genug, entsprechende Artikel parallel dem ‚Maler‘ zuzuordnen, der ab 1936 einen schmalen Steg zwischen den Kulturen bauen wollte.

Das Studienjahr für die chinesischen Maltradition war schon deshalb sehr intensiv, weil sein Auftraggeber und Partner, der Sinologe und Sammler Dubosc, den Ehrgeiz hatte, nur Gemälde von hoher Qualität zu erwerben aus einer bisher vernachlässigten Epoche. In der Tat waren sie erfolgreich. Dubosc konnte 1937 in der Französischen Nationalbibliothek in Paris eine Ausstellung von etwa dreißig Bildrollen organisieren. An Wiegmanns wenigen Manuskripten aus dieser Zeit meine ich zu erkennen, wie  sein eigenes künstlerisches Programm daran gereift ist. Sich schriftlich auszubreiten war nicht seine Sache, aber ich glaube, er hat das für ihn entscheidende lakonisch auf den Punkt gebracht. Pathos war auch nicht seine Sache, und so müssen wir die von ihm sehr geschätzte chinesische Volkskunst noch ihrer Bedeutung nach dokumentieren und vielleicht verstehen. Diese Arbeit steht noch aus trotz früherer Ansätze.

Übrigens scheint sich ja der Maler Wiegmann im Rahmen des Blogs eines lebhaften Interesses zu erfreuen.  –  Und vielleicht haben Sie noch Fragen oder Wünsche.

 

 

 


 

 

 

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