Riefenstahls Triumph des Willens

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Ein dummer Film, was ich so nicht erwartet hätte. Eisenstein muss ich geradezu Abbitte leisten, den ich im „Panzerkreuzer Potemkin“ als üblen Propagandisten verabscheute, der aber um einiges raffinierter, reflektierter war und ein genialer Perfektionist. Hier wurde – nicht nur wegen der Schäden an der Kopie – häufig sichtbar gestoppelt. Direkt rührend.    

Ein typisches P.R.-Produkt in dem Sinn, dass es vor allem eine logistische Leistung ist. Waren nicht die Veranstaltungen die größere logistische Leistung? Das Einfliegen war doch auch schon ein erprobtes Verfahren. Der Film hat keinen Charakter, keinen eigenen Standpunkt, wenig wie ein moderner Werbestreifen für eine Corporate Identity. Er überschreitet nicht den Horizont der Auftraggeber und trifft den Geschmack des Tyrannen.

Die Riefenstahl dirigierte hundertfünfzig Handlanger, war aber das willfährige und schlaue kleine Mädchen, ein Horizont, den sie zeitlebens nicht überschritt. Sie war zu dumm oder willfährig, um die Selbstentlarvung der Spitze des Regimes zu verhindern. Und jeder überprüfte wohl eifersüchtig mit der Stoppuhr, dass er nicht zu kurz kam. Die Gaunerbande ist aus großer Nähe zu besichtigen.Ein Zeitdokument, das einzige Verdienst. Doch kam das nicht dem Auftraggeber zu?

Sie macht – wie Hitler auch, der sich am Ende gar als Mephisto stilisiert, der die Seelen ergreifen und mit sich nehmen will – Anleihen beim  Traditionsbestand: bei Faust 1 und dem deutschen Stummfilmexpressionismus. Das Archaisierende!  Der verschwenderische Gebrauch von Pechfackeln  – ohne Sinn für deren eingeführte symbolische Bedeutung. Das Märchenhafte der dargestellten Volksgemeinschaft, ihrer Alters- und Geschlechts-Sterotype. Betroffen macht mich die Altstadt von Nürnberg. Ich verstehe den Hass der Alliierten, auch die altfränkischen Kulissen deutscher Barbarei in Schutt und Asche zu legen.

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Der angebliche Verzicht auf einen gesprochenen Kommentar war 1934 vielleicht neu, aber entspricht der absoluten Leere der Selbstdarstellung, die durch einen Sampler nationalistischer Marschmusik und phasenweise gebrüllten Schlagworten immer mühsamer überdeckt wurde. Hitler musste danach als Mussolini-Kopie erscheinen. In meinem Kopf tauchte immer wieder Charles Chaplins geniale Parodie auf.

Dass der Streifen ‚am meisten zitiert und mit Kultstatus versehen‘ sein soll, wäre ein böses Zeichen, und zwar für den Zustand der Cineasten und Medienwissenschaftler. Am breiten Publikum kann es ja nicht liegen, das ihn seit siebzig Jahren nicht mehr zu sehen bekommt. Der die Einführung vortragende Nachwuchs-Experte war regelrecht begeistert.

Er hat den Auftrag das Konzept für die „Analyse“ durch Schüler zu entwickeln. Ein solches Stück Scheiße ist die Bemühung, die kostbare Zeit der Schüler nicht wert und in seiner Hohlheit höchstens gefährlich.

Was er  am „berühmten“ Filmschnitt hervorhob, erwies sich als heiße Luft. Die hundert Minuten wurden sehr lang. Wir waren Zeugen von stundenlangen Fußmärschen – wie sie dem Touristen in Berlin bekannt sind.  Hauptsächlich paradierten uniformierte Blöcke am „Führer“ vorbei, an wuseldem Publikum und wieder anderen uniformierten Blöcken. Zur Abwechslung gab es dann ein paar Mal den „Führer“ und ein paar Getreue an uniformierten Blöcken zu besichtigen. Der Ausdruck Dumpfbacken passt zur Ausstrahlung des Films. Und: Trotz des gerühmten „Eindampfens“ des Parteitags ist er bloß ein schwacher Abklatsch in Schwarzweiß. ‚Wenn es mich doch gruselte!‘

Längst fällig wäre: die ewige Ruhe im Archiv. Nicht zu retten.

Berlin, nach dem Besuch im ‚Arsenal‘-Kino am 16.10.2010

 

 

 

One thought on “Riefenstahls Triumph des Willens

  1. uwe greiner

    Kuerzlich sah ich in einem Kleinkino einen Vortrag mit Filmbeispielen ueber das Leben von Leni Riefenstahl. Der vortragende Amerikaner beschrieb ausfuehrlich ihre technische Kompetenz und die Mittel mit denen sie ihre Filme umsetzte, zum Teil auch Machtmittel, sie konnte sich die Statisten in beliebiger Zahl bestellen. Er kannte auch ihre Liebesgeschichten, haeufig mit ihren oft viel juengeren Mitarbeitern.
    Es entstand das Bild einer durchsetzungsfaehigen Frau die an Politik nur interessiert ist, soweit es ihr hilft, ihre Filme zu machen und dabei ihr Leben zu geniessen. Die kompetente und begabte Opportunistin, das gemischte Publikum in einem heruntergekommenen Stadtteil Londons nahm den Film gelassen hin.

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