Archiv des Autors: dvg

Welche Distanz zu China suchen? – über Reisen, Kaiser Kangxi und Hans Jonas

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 Erster Upload am 17. 9. 2017

Gelegenheit, über die passende Distanz zu China nachzudenken. Welche Distanz soll denn wozu passen?

 Gespräche und Anfragen zu China machen mir klar, wie lange ich nicht mehr selbst im Land gewesen bin, fast dreißig Jahren, und dennoch sprudeln heute die Gedanken nur so.

 

Studium am Schreibtisch

Was soll nach dreißig Jahren überhaupt noch ‚Distanz’ bedeuten? >>

Alles gut. Restitution? Ja bitte!

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Win-Win  Paris London  Berlin und Benin

 Ich habe es in der New York Times gelesen und im Guardian: Jede Beunruhigung von Museen und Bürgern durch die Kulturgüter-Rückgabe-Debatte ist gegenstandslos! >>

Bei BERGGRUEN : „Afrikanische Werke“ in U-Haft

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PROVENIENZFORSCHUNG ALS GEWINN
Zuerst bin ich regelrecht animiert: der attraktive und unbezahlbare ‚Picasso’ im Eingangsbereich besitzt eine Rückseite voller Aufkleber.

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Restitution? Disput vor Benin-Bronze im Bode-Museum

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Im Schaukeller des Bode-Museum zu Berlin wird seit einem Jahr ein alter Bronze-Kopf aus dem ehemaligen Ethnologischen Museum in Dahlem ausgestellt und sachkundig erläutert.
Die drei Nigerianer mitte Dreißig, die bereits mit einem selbst geschriebenen Poster „Wollen Sie sich Raubkunst anschauen“ vor dem Gebäude gestanden hatten und anschließend drinnen mit dem Aufsichtspersonal vergeblich um freien Eintritt verhandelten, traf ich hier wieder. So entschlossen, wie sie auftraten, fragte ich mich bereits, ob sie das gute Stück gleich mitnehmen oder später abholen lassen wollten. Doch sie fotografierten sich nur wechselseitig mit der goldfarbenen Gefangenen. Einer strich ihr sogar über den Kopf, denn sie steht frei. >>

Notiz zu Figuren der Pere (Maniema,RDC)

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Die neue Pere-Figur ist gar nicht zu vergleichen mit der braven Zwillings-Doppelfigur! Oder doch? Beide sind auf ihre Art dynamisch!

Die Jagdfigur der Männer (Felix, 100 Peoples…) ist natürlich stärker im Gebrauch verkrustet als die ‚häusliche’ Zwillingsfigur. Sie ist zupackender, energisch nach vorn gebeugt mit großen Händen und entschlossenem Gesicht.

Nackenmuskel und straffer Po kommen zur Geltung. Hals und Nacken sind kräftig, die Vorwärtsneigung ist die eines Boxers, die Füße sind groß und geben festen Stand, die Hände gewaltig und schützend vor die Brust gehalten, Die Gestalt ist stämmig, die Glieder kräftiger als beim Paar und das Kinn erhoben. Eine Kraftfigur!

Die Farbschichten sind schwer zu trennen. Da ist das an vielen Stellen aufgerissene Weiß. In der Schicht darüber scheint auch Rot eine Rolle zu spielen, als Farbtupfer oder durchgehend?

Zwischen den Beinen findet sich auch eine Spur von Hühnerflaum. >>

Männer und Frauen bei den Yanzi (RDC, Bandundu) – Lesenotizen zu J.F. Thiel

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Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Verlag, Frankfurt/M 2001

 

Vorbemerkung

So bescheiden das Buch auftritt, so wertvoll ist es für einen Leser, der keine vergleichbare Erfahrung gemacht hat. Der Begriff „Feldforschung“ deckt ja vieles ab, doch in diesem Fall greift er zu kurz.

Der Verlag der Erstauflage existiert nicht mehr.  JustBooks.de listet im November 2018 nicht einmal zehn Exemplare, Preise nicht unter 100 €. Vielleicht wird es ja neu verlegt, wenn der Markt leergefegt ist, und sei es als E-Book.

Ich las das Buch vor einem Jahr und verfasste ein detailliertes Inhaltsverzeichnis mit einem thematischen Schwerpunkt, der nicht der des Verfassers ist: Männer und Frauen bei den Bayansi. Und doch ist er in der Darstellung wie in der Erfahrung des Missionars Thiel angelegt.

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Nigeria in der Falle der Kolonialgeschichte – nach Johannes Harnischfeger (2006)

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95% = 6 S.

Demokratisierung und Islamisches Recht“ : Johannes Harnischfeger analysierte 2006 nicht nur den „Scharia-Konflikt in Nigeria“ 2002

Kursiv gedruckte Wörter und Sätze sind Originalzitate aus der Studie

Die Studie ist zu Recht in der Reihe „Studien des Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung“ (Band 51, im Campus-Verlag) erschienen und nicht in einer Reihe der Afrikanistik oder Ethnologie, auch wenn sie detailliert und anschaulich Verhältnisse und Historie vor allem des postkolonialen Staates Nigeria schildert.

Sie regt zu grundsätzlichen Fragen an – zur Sicherheitslage wie zur Innenpolitik – und sollte vor allem der ‚linken’ politischen Öffentlichkeit in Deutschland zu denken geben. Man denke nur nicht, dass alles halb so schlimm sei, da der „Scharia-Konflikt“ nun bereits sechzehn Jahre alt ist und das System „Nigeria“ immer noch recht und schlecht funktioniert!

Trotz klarer Struktur, allein aufgrund seiner Fülle an Informationen, lassen sich die einzelnen Aspekte der Problematik kaum isolieren. Ich habe drei Themen ‚filettieren‘ können: 1. Die historische Islamisierung der Region ist bereits im Netz (in ‚Heidenmission’, Link), 2. die kolonialen Wurzeln des aktuellen politischen Grundkonflikts, 3. die Übertragung der Überlegungen Harnischfegers auf Europa  und seine Probleme mit dem Islam. >>

KONGOLESEN GRAU IN GRAU – TRÜBE GEDANKEN BEI J. F. THIEL: „JAHRE IM KONGO“

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Niedergeschrieben im November 2017 während der Lektüre von: Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt/M 2001

(Vereinzelte Zahlen in den Notizen bedeuten Seitenzahlen im Buch; eine knappe, aber durchgehende Inhaltsangabe der Kapitel steht unter folgendem Link) >>

M.-A. Couturier’s Auffassung von Weltkunst und wir

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Upload: 20.10.2018   Revision: 17.5.2020

Couturiers Auffassung von Weltkunst sollte uns heute selbstverständlich sein. Sie verzichtet auf Wahrnehmungsbarrieren zwischen den Kulturen, Funktionen, Stilen und unterschiedlichem gesellschaftlichem Status, doch sie bleibt ein Randphänomen!

Die künstlerische Tätigkeit steht im Zentrum und wird anerkannt – unabhängig vom Grad der Bekanntheit oder relativen Anonymität des Künstlers, von seiner Bildung, sozialen Klasse, Kulturzugehörigkeit und praktiziertem Stil. >>

‚Luba-Zoo‘ – Hüte dich vor der Eule!

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  – Blog vom 7.12.2017, aktualisiert am 18.10.2018

Die Begegnung am 19.8.2017

Eine Maske muss Ausstrahlung haben. Authentizität und Alter genügen nicht. Der Zustand muss noch den Genuss der ästhetischen Qualität(en) erlauben.

Zuhause angekommen, vertrieb die Eule augenblicklich eine schwächelnde Pende-Maske von ihrem angestammten Platz und degradierte die Luba-Vogelmaske, die bereits vor zwei Monaten von einer ehrenvollen Erwähnung im Blog (Link)  in den Rücktausch unter ‚Wert‘ abgestürzt war.

Was macht ihre Kraft aus? Es ist der Realismus des Kopfs in den Proportionen auf der Basis des runden Maskentyps der östlichen Luba.

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Graeve’s gezeichnete Namensliste „Ethik 9 R/H 2004-5“

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Nach zehn Jahren „Ethik“ in der coolen Sekundarstufe II war das für den alternden Lehrer eine Herausforderung. Religions-Pflichtersatzunterricht! Ich finde aber, die Skizzen transportieren auch etwas von seiner Sympathie für den schon von seiner Zusammensetzung schwierigen Verein. >>

Heidenmission? Lieber nicht! Hilft nichts!

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Verfasst  29.6./5.9./ 10.10./17.10. 2018

Literatur

  1. Thoralf Klein: Die Basler Mission in Guangdong (Südchina) 1859-1931, ERGA Bd.3, iudicium München 2002, 48 €
  2. Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt/M 2001  (augenblicklich um 100€)
  3. Johannes Harnischfeger: Demokratisierung und islamisches Recht – Der Scharia-Konflikt in Nigeria, Studien HSFK Band 51, Campus Frankfurt/Main 2006

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M.-A.Couturiers Notizen. Oder lieber »Braque, Matisse, Picasso« ?

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Öffnet Couturier einen Zugang zu verschütteten traditionellen Künsten?

Marie-Alain Couturier habe ich Autor von „L’Art Sacrébereits in zwei früheren Beiträgen vorgestellt:

Marie-Alain Couturier (1897– 1954) und die zerstörten Fetischeam 

und Eine arme Mbole-Figur inmitten Europas sakraler Kunst am 

Obschon afrikanische Künstler nicht im Zentrum seiner Kunstbetrachtung standen, bietet ein 1964  erschienenes Buch mit Notizen zwischen 1947 und 1954 die Chance, aus seiner Perspektive Gewinn für dies Feld der Kunst zu ziehen. Damals war Couturier an legendären Bauprojekten im kirchlichen Raum Frankreichs engagiert und stand den beteiligten Künstlern nahe.

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Das MAK K Frankfurt – 6 Jahre am Puls der Zeit sind genug

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Die Wolken ziehen flott über Frankfurt hinweg, es regnet selten. Wozu auch?

Sechs Jahre habe ich mich gegrämt über den massiven Substanzverlust im ehemaligen Museum für Kunsthandwerk. Was für ein gediegener Name, und so präzise!

Erst kamen Jahre der Bausanierung, dann die Kulturrevolution K, die die Säle leerfegte. >>

Charles Ratton et la Question de «Provenance»

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 Ma plus belle version francaise – Des citations en anglais en version originale!

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„Verantwortung Europas in der Welt“ – Bloss Feuilleton!

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Sigmar Gabriel, Wolfgang Ischinger, Christoph von Marschall schreiben in der FAZ (8.9.2018 Nr.209 S.11). SIE MÜSSEN DIE LIBERALE ORDNUNG SCHÜTZEN – Die Alternative zum Weltuntergang heißt Verantwortung, nicht Raushalten. Sie antworten Peter Gauweiler („Die Kreuzritter der Moderne“ FAZ 25.8.2018)
Vergessen Sie diese „Debatte“ ! Für mich ist sie bereits gestorben. Die offenen Links hielten gerade mal drei Tage. Neues Spiel, neuer Hype. Nur nicht aufregen.: ‚Berlin‘ bereitet sich  auf eine lauwarme ‚Interventions‘-Beteiligung in Syrien vor. Das Argumentationsbesteck wird bereits öffentlich desinfiziert.
Hat Trump den wunderbaren Deutschen im Weigerungsfall exorbitanten Strafzöllen gedroht oder will man bloß mitspielen?  Man sieht sich wieder in fünf Jahren bei der Investigativ-Dokumentation.      16.9.18

Ach was. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ‚Syrien‘ liegt.  (Vier Wochen später)

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Dank Gottes Hilfe auf der Insel Lampedusa gelandet (Fuocoammare)

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Fuocoammare“ , ein Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi (I/F 2016), wurde in ARTE am 5.September gezeigt. Er wird erst einmal nicht wiederholt. (offizieller Trailer Link). Es werden aber DVD und Streaming angeboten.

 Ich gebe nur eine Szene wieder, eigentlich nur den Text dieser Szene – zunächst als deutschen Untertitel. Er sollte aber bald ersetzt werden durch die direkte Transkription des nigerianischen Englisch. Die Szene erschien mir als am ehesten greifbarer Moment, bei anderen verschlägt es mir die Sprache. Meine Gedanken sind noch nicht klar, aber sie drehen sich um eine Umkehrung der Perspektive. Lassen auch Sie die Worte erst einmal auf sich wirken!

Fünfzigste Filmminute. Abend im Internierungslager. Der junge Wortführer einer Gruppe von Nigerianern legt im Predigerton Zeugnis ab. Die Gruppe unterlegt seine epische Erzählung mit einer Litanei in der Muttersprache, gegen Ende der Schilderung Rufe und immer lebhafter im Ton:

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Ein Jahrhundert nach Alekseev – Der ‚alte Greis’ China wird jung, der Westen altert.

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9.7.18 – 9.9.2018
Alekseevs Reisetagebuch von 1907 (Link) macht dem Leser die Probleme Chinas in ihrer ganzen Tiefe bewusst, mehr als Thoralf Kleins Quellenstudie (Link) aus der Perspektive der geistig beschränkten Basler Mission das kann. Denn auf dem Land ging das elende Leben ja irgendwie weiter, wie bereits seit Jahrhunderten.
Nach Alekseevs Eindrücken und Gesprächen 1907 zwischen Peking, Schantung und Sian erschienen Chinas Probleme unlösbar. Wo sollte man überhaupt anfangen? >>

Ein starker Fetisch in Tervuren – Objekt-Recherche von Maarten Couttenier

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Der Weg des Objekts EO.0.0.0.7943 aus Boma ins belgische Exil

Wer die ganze Story kennen will, für den hat sie BMGN – Low Countries Historical Review,vol.133-2 (2018) pp. 79-90 – in ihrer Juni-Nummer hochgeladen, aber den  Link inzwischen  wohl gelöscht. Zum pdf: EO.0.0.7943.  Gut zu lesen, anschaulich, nicht zu lang.

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V.M. Alekseev : Register für die ersten hundert Seiten von „China 1907“

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DER SCHWERPUNKT LIEGT AUF DEN VOLKSDRUCKEN, VOR ALLEM ‚NIANHUA‘ UND IHREM SOZIALEN UND IKONOGRAPHISCHEN KONTEXT.
BEREITS DIE STICHWORTE UND ANDEUTUNGEN VERMITTELN EINE AHNUNG VON ALEKSEEVS BEOBACHTUNGEN UND EINDRÜCKEN.     9.-11.7.2018

Das Wesentliche wird  auf den ersten hundert Seiten des Reiseberichts bereits erkennbar. Danach dominiert eher Redundanz.  Zwei weitere Artikel über Alekseev!  „Ein Jahrhundert nach A.“ (Link) und “ Versöhnung von Sinologie und Ethnologie“ (Link)    habe ich noch anzubieten.     20.5.2020

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V. M. Alekseev – Versöhnung von Sinologie und Ethnologie

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‚Vorkämpfer einer komplexen Orientalistik‘ und wissenschaftlicher Entdecker der chinesischen Volksdrucke (Nianhua)

Zum Lesebericht veröffentliche ich einen thematischen Index für die im Tagebuch auf 370 Seiten verteilten Beobachtungen und Erklärungen bei (Link)  – bis Seite 100 ist der Index bereits fertig.

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So wie später der Farmerssohn Victor Davis Hanson aus dem amerikanischen Mittelwesten die bäuerlichen ‚Banausen’ neben den urbanen ’einzig wahren Athenern’ aufwertete ( in ‚The Other Greeks – The Family Farm and the Agrarian Roots of Western Civilization“, N.Y. 1995), so schenkte der Sinologe Alekseev, das geniale Arbeiterkind aus St. Petersburg, ab 1907 den einfachen Chinesen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. >>

Einfach Engel oder mögen Sie eine post-mittelalterliche Angelogie lieber?

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Cattin/ Faure „Die Engel und ihr Bild im Mittelalter“ (Zodiaque, dt. Schnell & Steiner 2000) nach dem Besuch von Auxerre betrachtet

Eins der spirituellen Bücher von Zodiaque will mir auf den zweiten Blick nicht mehr gefallen, nachdem ich es noch freudig ins Reisegepäck stopfte. Der Philosoph Yves Cattin schwärmt, der Mediävist Philippe Faure schlägt die Bilder vor und erklärt sie. Die eindrücklichen Fotos stammen aus unterschiedlichen Quellen, teilweise von Zodiaque. >>

Eine arme Mbole-Figur inmitten Europas ’sakraler Kunst‘

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Gefühle im Widerstreit

Sie hat mich gleich am Stand überzeugt, bei allen Vorbehalten, die ich gegen den Figurentyp hege. Überraschenderweise wirkte sie auf mich vom Gesicht her. Es hat einen weichen Ausdruck, was doch (als ‚Modernismus‘) alarmieren sollte.

‚Seele’ sollte man bei dieser zur Warnung gezeigten Darstellung eines Gehängten am wenigsten erwarten! Die ‚afrikanische Ästhetik ist in solchen Dingen äußerst lakonisch. Doch deshalb ist noch nicht Schematismus gefordert, zumal bei einer erzieherischen Figur. Auch sind die Gestaltung des Themas durch den Schnitzer und die kultische Verwendung nicht dasselbe. Manche Künstler legen mehr hinein als sie müssten.

Ich konnte und kann nicht eine verbotene Zutat erkennen! Keine naturalistische Dramatisierung.

Das ist ja kein Abbild eines in Wirklichkeit Gehängten, sondern die Metapher einer Botschaft, hier einer moralischen Mahnung. Der Körper der Figur weckt bei mir altem Lutheraner das Bild eines starken Kruzifix’. Äußerste Konzentration bei erheblicher Größe (84 cm). Gehe ich fehl, wenn ich Trauer, Reue, Bedauern in den Gesichtszügen lese? >>

Charles Ratton – schlechte und gute Provenienz im Kunsthandel

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Zu einem Aspekt der Laborausstellung im Weltkulturenmuseum, Frankfurt/Main

Am Ende des Beitrags:  Rattons Rolle bei der „aufgeschobene(n) Entdeckung von Kuyu-Objekten“aus Kongo-Brazzaville.

 

 Die verschiedenen Stimmen, in der Reihenfolge ihres ersten Auftritts :

  • Gesammelt Gekauft Geraubt – eine Laborausstellung 2018 im Weltkulturenmuseum, Frankfurt am Main, 15.8. 2018 bis 1.9.2019 (Link)

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Vielleicht eine Zwillingsstatuette der Mbochi (ex – Kuyu)? (dt./francais)

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Wieder eine Kuyu-Skulptur? – Warum nicht? Aber nennen wir sie lieber „Mbochi“!

Ersparen wir uns die etwas umständliche Geschichte. Ich möchte auf zwei ältere Blogseiten verweisen („Zwei moderne Tanzstäbe der Kuyu“ (Link) und „ Kuyu Tanzstäbe im Factory Outlet 1927“ (Link), vor allem aber auf einen Essay von Anne-Marie Bénézech voller Enthüllungen zum Thema „Kuyu“- leider nur in französischer Sprache, aber reich illustriert und frei im Netz. (Musée d’ethnographie de Genève MEG 2017 Link:“La Découverte différée des Objets Kuyu„) >>

Das Gesicht des Gendarmen – Yombe Porträtmaske (deutsch/englisch)

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Der Zwischenhändler bietet mir eine starke Porträtmaske an; ich muss immer wieder hinsehen. Sie wirkt bedrohlich, entschlossen, grausam und vor allem hungrig – ein Raubtier namens homo sapienBeschreibung

Die Formen des Gesichts wirken wie direkt über einen Schädel gezogen und ganz extrem in zwei Hinsichten:

Da sind zum einen:

  • – hagere Wangenknochen,
  • – eingefallene Schläfen, aus denen die Ohren plastisch hervortreten,
  • – tief sitzende Augen und eingezogener Nasenrücken

Und im Kontrast dazu

  • eine stark vortretende Stirn,
  • ausgeprägte Nasenflügel,
  • ein vorstehender umrandeter Mund mit bleckenden Zähnen
  •  darunter das aggressive knochige Kinn, das noch durch einen Bart verlängert werden konnte (fig. 128).
  • In der Mitte blicken einen stark umrahmte Augen aus gelbem Glas an, deren Pupille von durchgebohrten Löchern gebildet wird, wie bei einigen Nkisi (Fetischfiguren) aus der Gegend.

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Soziale Verteidigung im Norden der Elfenbeinküste 1990 – 2011

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1985 wechselte mein Interesse  von der Côte d’Ivoire auf Polen, DDR und China. 1990 warf ich noch einen kurzer Blick in das bankrotte Benin mit der vagen Hoffnung auf eine westafrikanische „Paristroika“, wie man damals sagte. Hoffnung auch für die Elfenbeinküste? –

Jetzt nach dem Bürgerkrieg lese ich einen Aufsatz in französischer Sprache des Basler Ethnologen Till Förster. Der Titel lautet frei übersetzt „Frieden in einer Kriegszone. Die ivorische Krise von unten und über einen langen Zeitraum betrachtet“.

TILL FÖRSTER  :  LA PAIX DANS UNE ZONE DE GUERRE. Politique africaine no.148 – décembre 2017, p.109-129

Überraschende ‚Inseln des Friedens’ in dem Bürgerkriegsland. Ihre konkrete Entstehung und die Bedingungen dafür bilden das Thema der Studie. Der Blick richtet sich auf das Senufoland im Norden, also auf die Gegend um Korhogo und Boundiali. Till Förster kennt sie durch lange Feldforschung ab 1979 genau und bereist sie seither regelmäßig.

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Was ist eigentlich auf den Bildern im ethnologischen Foto-Archiv?

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Was ist eigentlich drauf, auf den Bildern in Ihrem Archiv?“  Die Frage aus dem Kreis der Studenten an den Bildarchivar des Frobenius-Instituts lässt mich nicht los. Thema des Treffens der studentischen Intiative „Boas Küche“ im juli 2018 war „Bilddokumentation in der Ethnologie früher und heute“.  >>

Aus den Kolonien in die Heimat / Deux cartes postales du Maghreb

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Wozu hat man sie denn solange aufbewahrt, doch nicht etwa, um ungelesen in einer Sammelbox zu verschwinden? Der Trödler im Burgund liefert anrührende Schlaglichter auf die Akteure des französischen Kolonialismus, etwa so:

 

Orléansville – Le nouveau Pont sur le Chélif

Orléansville – Le nouveau Pont sur le Chélif

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Asyl Museum? – Nachdenken über das ‚Dingasyl‘

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 Von der tief schürfenden Tagung „Philosophie des Museums“ im November 2017 am Bode-Museum zu Berlin (Link) erfuhr ich erst durch den Artikel von Stefan Laube „Asylrecht für die Dinge – Berlin: Ansätze einer Museumsphilosophie vor dem Hintergrund des Humboldtforums“ (FAZ, 4. Januar 2017, N3), worin die Kogi-Indianer namentlich erwähnt wurden. Hinweis auf meine Glosse „Die Indianer dürfen kommen, aber nichts anfassen“ im Dezember 2016 (Link)

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Song ? from ? the Forest ? – Louis Sarno und die BaAka – Der Film

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19.10.2014! Aber es gibt ja die DVD zu kaufen! (Link)

Der Film beginnt wie im richtigen Leben: mit der Fassade, zugeschnitten auf das Publikum von Programmkinos und Arte oder 3sat: also spirituell, in diesem Fall mit Lichtstrahlen, die wie eine Inszenierung wirken, obschon sie zwischen Regengüssen im Regenwald von Gabun auftreten. Begleitet von mittelalterlichem Chorgesang, der – wie wir später erfahren – vom batteriegetriebenen Kassettenrecorder in der Hütte des Musik-Forschers in die Umgebung ausstrahlt. >>

Eindrücke vom Schwälmer Dorfmuseum, 34637 Holzburg

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Wir waren zu Pfingsten 2018 da. Hier geht’s zur Homepage (Link)

 

Eine umgebaute Scheune !

 

IMG_8455 Frontansicht

 

Das fällt  gar nicht auf wegen authentischer Bauteile  aus abgebrochenen Bauernhäusern, ganz im Unterschied zu ‚modernen‘ Museums-Einbauten wie im Historischen Museum, Frankfurt. (Link) >>

Picasso & Le Trocadero & 1907 & Les Demoiselles & Primitivismus & W. Rubin

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Jean-Louis Paudrat schildert in seiner Rezeptionsgeschichte ‚Aus Afrika’ (in: Primitivismus in der Kunst des 20.Jahrhunderts, William Rubin (Hrsg.), Prestel 1984, S.151f.) eine starke Anekdote über die Themen Wahrnehmung und Begreifen afrikanischer Kunst. Dazu veröffentlichte ich im April 2016 bereits einen Beitrag: „Picasso entdeckt Afrika im Trocadero 1907“ (Link).

Von derselben Erfahrung richtet sich der Blick heute auf Picassos ehrgeizigem Ringen um ein Programmbild: „Les Demoiselles d’Arles“ (Die Fräuleins von Arles). Ich zitiere noch einmal Paudrat, wende mich dann zur Darstellung von William Rubin in derselben Publikation . >>

An expressive Mbangu Mask, Central Pende

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Translated from the German Original (Link)

 26cm high (visible 23) , 17.5 cm wide, 460g

26cm high (visible 23) , 17.5 cm wide, 460g – Click to enlarge the icons

 

 

The mask is sweepingly generalized, inside coarse, but functional, e.g. with its wide channel between the eye openings. My face fits in perfectly, the view slightly downward is good. The edges are slightly rounded and show some shine. Willy knows the wood from Pende masks,

The front of the mask shows no superfluous cut or smoothing. So the the area covered by the cap was treated only with the chisel. On the black right side, slight blade marks give additional dynamics to the surfaces.

From the beginning I associate the performance of an excited dancer who is set to play the role of the cursed but militant man. >>

Eigenwillige ‚Mbangu‘ Maske der Pende

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Die Maske

H 26 , vorn sichtbar nur 23 cm Breite bis 17.5 Tiefe bis 10 cm

(8564)  26  cm hoch, vorn sichtbar, 23 cm Breite 17.5 , Tiefe bis 10 cm

Ein dickes Brett, nach Händler W. ‚das richtige Holz’, großzügig gehauen, innen grob, aber funktional geglättet, so funktional wie die breite Rinne zwischen den Augenöffnungen. Auch Fläche und Lage des Mundes passen zur Trageposition. Mein Gesicht passt perfekt in die Höhlung. Die Sicht leicht nach unten ist ausreichend gut. Die hinteren Kanten sind leicht gerundet und zeigen etwas Glanz.

Auch vorn zeigt die Maske keinen überflüssigen Schnitt, keine unnötige Glättung, die unter der Kappe verdeckte Fläche zum Beispiel nur mit dem Beitel beschlagen.

Auf der schwarzen rechten Seite geben leichte Messerspuren den Flächen zusätzlich Dynamik. Technisch wirkt die Maske wie ein radikaler ungeduldiger Tänzer. >>

Zwischen Stilleben und Landschaft – Taschenalbum 1932 (aktuell!)

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Hochgeladen am 14.12.2016

English Translation and a wonderful painting dated 1932 and signed Wiegmann – like emerging out of the fog!  

>   AT THE END

Ein kleines Taschenalbum von 11 cm Breite und  6 cm Höhe, in rotes Kunstleder gebunden, enthält heute noch sechzehn fotografische Reproduktionen von Bildern Wiegmanns vom Beginn der dreißiger Jahre. Die kräftigen Hochglanzfotografien von 6 x 4 cm  bis 8 x  5 1/2 cm  sind auf hellgraues oder grünes Papier geklebt, passend für die Zellophan-Taschen. Wir blicken auf sie wie aus großer Entfernung. Sie wirken in ihren kräftigen Schwärzen wie Miniaturen. Man ahnt mehr als man sieht. Details gehen unter, aber das scheint den Benutzer nicht zu stören. Die Bilder sind einfach da. Ikonen. War dies ein Album für die Westentasche, für das Reisegepäck zur eigenen Rückversicherung oder als künstlerische Visitenkarte für unvorhergesehene Gelegenheiten? >>

Nok – eine archäologische Offensive (2013)

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Upload  8.11.2013 (zuletzt aktualisiert am 20.5.2020)

 „Neue Hochkultur entdeckt“ – Frontbericht aus der Mitte des Ausgrabungsteams

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‚Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass’ – Gefällt Ihnen der Satz?

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Wie kam ich bloß an das Buch von Liu Xiaobo aus der Büchergilde Gutenberg? Hat Norbert, der Antiquar es mir 2011 geschenkt wegen des aktuellen Friedensnobelpreises, weil ich ein politischer Mensch bin und mich für China interessiere? Gegen meine Gewohnheit finde ich keine Erwerbsnotiz, welche das Buch als Schnäppchen ausweisen würde. Seltsam. Auf eigene Initiative erworben, diesen Titel, das erscheint mir eher unwahrscheinlich: ‚‚Ich habe keine Feinde, ich kenne keinen Hass“. Heilige leben in einer anderen Welt. Jedenfalls gehören ihre Legenden in eine andere Welt. >>

Fritz Wiegmann – Stilleben – Zwei kubistische Bilder von 1928 aufgetaucht !

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25.10.2016 -28.05.2018

Stilleben beschäftigten Wiegmann zeitlebens. Anfangs gaben offensichtlich noch Picasso und Braque als die Großen Brüder die Richtung vor. Entsprechend gleichgültig und beliebig waren die in die Komposition einbezogenen Objekte, je trivialer desto lieber. Im Laufe der Zeit schlichen sich andere, persönlichere Dinge ein, die Atmosphäre schaffen und Erinnerungen und Emotionen transportieren. Intensives Studium der klassischen europäischen Maler trug dazu bei. Jedenfalls auf Mallorca finden wir diesen eigenen sensibleren Ton. In China wurden Stilleben offensichtlich zum Filter für die einstürmenden Eindrücke und Erfahrungen. Ein chinesischer Besucher seiner Ausstellung im Palastmuseum – immerhin gegen Ende seines Aufenthalts – monierte die Zurückhaltung, sich auch künstlerisch auf diese Welt einzulassen. Wiegmann selbst betonte in seiner Rede zur Vernissage sein Interesse an der gegenseitigen Kommunikation der Maler, fast möchte ich sagen: auf professioneller Ebene. So sehr er die Erzählung, die Pointe, das Leben liebte, was gelegentlich dokumentiert ist, er wollte zu keinem Zeitpunkt ein Schilderer exotischen Lebens werden. >>

„START UP-NATION ISRAEL“ – Von Israel lernen !?

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Der Beitrag (Juni 2012) erscheint gemeinsam mit weiteren aus den vergangenen zwanzig Jahren, die gerade heute nicht verloren gehen sollen. 25.5.2018

Dan Senor, Saul Singer:

START-UP NATION ISRAEL – Was wir vom innovativsten Land der Welt lernen können (Bestsellerliste Wallstreet Journal 2009, dt. Hanser 2012)

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1999 im SPIEGEL: Zwei jüdische Newyorker und der Staat Israel

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Zwei Texte, über die wir im Unterricht sprachen und die  aus dem Abstand von zwei Jahrzehnten einen eigenen Reiz entwickeln. Schon der Name „Netanyahu“! Es war nicht schwer, im Netz Spuren von Joseph Frager (Link) und Kenneth Bialkin (Link)zu finden. Die Bialkins sind diskreter, eigentlich nur einschlägige Mitgliedschaften.  

Der Beitrag erscheint gemeinsam mit weiteren aus den vergangenen Jahren, die in der jetztigen Situation nicht verloren gehen sollen.   25.5.2018
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„Lebanon“ (Israel 2010) – Ich sehe keine Kriegsfilme. Ausnahme.

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25.5.2018

Der Beitrag (Oktober 2010) erscheint gemeinsam mit weiteren aus den vergangenen zwanzig Jahren, die in der jetztigen Situation nicht verloren gehen sollen.  Ohne Papierabzug wäre er übrigens bereits verloren.

Wenn Sie sich näher über diese israelisch-deutsch-französisch-libanesische Koproduktion von 2009 mit einer Episode aus Israels Libanonkrieg 1982 informieren wollen, hier ist der Link zu Wikipedia. >>

Evergreen: „Sperrzonen – Israels Architektur der Besatzung“ (dt. 2008)

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Zwei viel informativere Beiträge, die ich gleich zu Beginn verlinken möchte (kontrolliert 23.5.20):

Eine Rezension vom Mai 2008 im Deutschlandfunk (Link) + (dlf Rezension-pdf) und ein Interview mit dem Verfasser im Deutschlandfunk Kultur am 29.12.2009 (Link) + (dlf-Interview mit Eyal Weizmann) >>

Sabri Geries – Elie Lobel: Die Araber in Israel (1965) – Zusammenfassung

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Siebzig Jahren nach der Vertreibung tausender Palästinenser aus dem künftigen israelischen Staatsgebiet 1948 und einem halben Jahrhundert Besatzungsregime in der 1967 eroberten Westbank geht leicht vergessen, in welche Lage die im Kernland verbliebenen Palästinenser als Bürger zweiter Klasse im jungen Staat Israel gerieten: in ein System von Paragraphen, das direkt von der britischen Mandatsverwaltung übernommen wurde. Der Autor Geries war ein solcher arabischer Bürger Israels und von Beruf Rechtsanwalt. Die deutsche Ausgabe des Buches erschien 1965 bei Trikont in München.

Zusammenfassung 6.12.1999 für den Unterricht. – Der Beitrag erscheint gemeinsam mit weiteren aus den vergangenen zwanzig Jahren, die in der jetztigen Situation nicht verloren gehen sollen.   25.5.2018 >>

Persönliche Abrechnung mit dem Alten Testament (AT)

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Der ursprüngliche Beitrag (März 2000) erscheint überarbeitet mit weiteren aus den vergangenen zwanzig Jahren, die in der jetztigen Situation nicht verloren gehen sollen.

„Persönliche Abrechnungen“ sind grundsätzlich ungerecht und tragen wenig zur Wahrheitsfindung bei. Sie spalten, statt zu versöhnen. Ein Thema wie „das Alte Testament“ (AT) ist hoffnungslos überkomplex. Doch gottseidank haben wir noch Redefreiheit, so können bei der Gelegenheit vielleicht andere, unerwartete Wahrheiten zutage treten.

Es existiert im heutigen nach-zionistischen Staat Israel ein synthetischer ’nationaler‘ Gründungsmythos, der  Israel ideologisch aus dem modernen westlichen Politikverständnis heraus katapultiert. >>

ARTE, ZDF und BBC auf den Spuren von Moses (2000)

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Der Beitrag (Januar 2000) erscheint gemeinsam mit weiteren aus den vergangenen zwanzig Jahren, die in der jetztigen Situation nicht verloren gehen sollen.  Ohne Papierabzug wäre er übrigens bereits verloren. >>

Wer war Dr. Robert Fließ (1895-1970) ?

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Bereits, als ich im Januar Robert Fließ als Rezensenten von „Gesunde Nerven“ (Link und 2. Link), der psychohygienischen Ausstellung im Gesundheitshaus Kreuzberg, Berlin 1929, im Netz suchte, merkte ich, dass er im Schatten seines berühmten und exzentrischen Vaters, dem Mitstreiter Sigmund Freuds, völlig zu verschwinden droht. Dabei wurde er bereits als Kind Opfer des Forschungsdrangs seiner Umgebung und schließlich sogar selber Analytiker. Wenn Sie  selber „Robert“ suchen, werden Sie bemerken, wie sehr „Wilhelm“ ihn verdrängt.
Was ich damals fand, verschwand aber wieder in einem Anhang zum Beitrag. Es bleibt dort stehen, ich kopple es aber  – hoffentlich besser sichtbar –  als Beitrag zur Biografie von Robert Fließ aus.

Robert Fließ  publizierte am 23.11.1929 in der Vossischen Zeitung eine  Rezension.

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            Sie gefiel mir sehr und ich fragte mich:  Wer war Dr. Robert Fließ?

Ein Studierender gleichen Namens am Berliner Psychoanalytischen Institut wird als „fellow student“ zum Beispiel von Erich Fromm und René Spitz genannt. (The Annual of Psychoanalysis, V.32;  editors: Jerome A. Winer, James W. Anderson, Routledge 2013, Link) . Ein unfertiger en-wikipedia-Artikel (Link) belässt Robert im Schatten seines berühmten Vaters Dr. Wilhelm Fliess, dem engen Freund und Vertrauten von Sigmund Freund. Freud führte z.B. mit seiner Hilfe seine Selbstanalyse durch, die Familien hielten engen Kontakt – bis 1903, als sich die Väter zerstritten.

Einen völlig anderen Zugang bietet  die als pdf erschienene Studie von Lawrence Ginsberg in der Web-Publikation „internationalpsychoanalysis.net“. Es handelt sich um eine für Laien sperrige Zusammenstellung aus verschiedenen Quellen auf 42 Seiten: Kontakte, Zitate und Versuche zur Bewertung, für weitere biografische Forschung bereit gestellt.

Der Titel „ROBERT W. FLIESS (1895-1970): A Beneficiary and/or Forsaken Casualty of Classic Freudianism? “ – auf deutsch: Nutznießer und/oder verwahrlostes Opfer des klassischen Freudianismus?“ 

Nach der Lektüre möchte ich salopp umformulieren: Ein Heranwachsender inmitten der wilden Jahre der Psychoanalyse, natürlich Opfer einer Umgebung, wie sie Eva Weissweiler in „Die Freuds – Biographie einer Familie“ (2006) detailliert beschrieben hat: verknüpft mit der ‚feudalen‘  Familienstruktur des wilhelminischen Bürgertums eine verantwortungslose Ausforschung der eigenen Kinder aus wissenschaftlicher Neugier, missbrauchtes Vertrauen, die Vermengung privater Beziehungen und Freundschaften mit Theoriestreit und Konkurrenz….Der Autor empfiehlt am Ende seines kurzen Vorworts explizit: Future biographers are likely to reconsider progressions through his professional career as a reputed survivor of child-abuse and/or parricidal-like phantasies. (2) deutsch: „Künftige Biografen werden wahrscheinlich die durch seine Berufskarriere bewirkten Fortschritte Roberts als Überlebender zu vermutenden Kindesmissbrauchs und / oder vatermörderischen Phantasien überdenken“.

Der im  Januar 2018 Link funktionierende Link verweist uns bereits ein Jahr später bloss noch über die Suchfunktion auf ein paar hundert Seiten lange Liste im “Archive”. Ich bin froh, hier wenigstens die folgenden Auszüge präsentieren zu können. Ich stelle im Folgenden bezeichnende Zitate aus den ersten 12 Seiten  zusammen:

Elenore (1974), in an earlier account, portrayed her long-deceased father-in-law as “…charming to patients and acquaintances” while “a tyrant at home.” (6)

By 1982, Elenore (Fließ, Roberts Ehefrau) came to allude about Robert’s early family life as having included “a forbidding father, a subservient mother and meals with the servants“. Eine mochte ihn besonders und kochte seine Leibspeisen.

Elenore (1982, op. cit.) was not known to have ever met Ida Fliess, whom she termed “a Viennese heiress, daughter of a cultured family…an accomplished amateur pianist…gracious hostess” who led a salon in Berlin frequented by musicians, artists and literary figures (8)

In the Fliess’s ‘family myth,’ Freud was known as Robert’s ‘Uncle Doctor’. (3)

Fliess kept a daily record book in which he recorded his firstborn son’s (Robert) every maturation milestone, affliction, and trace of sexual activity’….(4)

We may never become privy (eingeweiht) to whatever childhood and adolescent traumata or abuse Robert may have been exposed to at the hands of either parent. (12

A ‘LONER’ – Robert: “It has taken me time to recognize my isolation as another blessing: I had never to please anyone and have been undisturbed in listening to my own ‘critical institution’…” (5)

Robert leistete im Ersten Weltkrieg vier Jahre Frontdienst, erlitt durch eine ‚Kriegsneurose‘ (shell shock) eine Beeinträchtigung des Gedächtnisses und einen tic bei Belastungsstress. (13) Er studierte anschließend Medizin und war Assistent an der Charité. Er kehrte in die Große Familie zurück. Er wurde selber Psychoanalytiker und begann 1927 die Ausbildung mit der Lehranalyse. Dann – er war 33, starb sein Vater 1928. Damals sprach er auch mit ‚Onkel Doktor‘ Freud über ihn.

Robert’s formal psychoanalytic training began at the Berlin Psychoanalytic Institute shortly after founder Abraham’s early death (1927):“…Karen Horney was there and Ernst Simmel. Ferenczi would have put in guest appearances. But more than lectures, however, what the student groupwould remember was the “Kinder Seminars…” (E. Fliess, 1974, p. 14). (13)

Robert was 37-years of age when he graduated (1932) from the Berlin Psychoanalytic Institute. According to a later account of his wife, he had been employed as: “a medical journalist³ for the foremost Berlin daily.

Diese ‚führende Berliner Tageszeitung‘ war die ‚Vossische Zeitung‘!  Nun erklärt sich der wie eine Fanfare schmetternde Satz mtten in der Ausstellungsrezension:

Und was sagen die Kinder dazu? Man will sie hören. Man hat sie zeichnen lassen. Der Studienreferendar Dr. Fritz (sic!) hat sie zeichnen lassen, die Dreizehnjährigen. Thema: „Erziehungsfehler unserer Eltern“ Ausführung: Sechs reizende Bilder, sämtlich mit Unterschrift. …“ Es lohnt sich, aufmerksam  weiter zu lesen.

Robert wusste, wovon er sprach. Hier ging es um viel mehr als die seelische Not im bedauernswerten Proletariat!  Fast vierzig Jahre später wurde – in Westdeutschland – ‚das Kind‘ wiederentdeckt, zusammen mit den Theorien der Weimarer Zeit. Heute befinden wir uns mitten in irgendeiner Phase einer globalen Erziehungsrevolution. Gut? Ja und Nein. Umwälzung? Aber ja! ‚Psychische Gesundheit‘?  Wohl kaum!

 

So viel für heute! Die fehlenden Übersetzungen folgen vielleicht wirklich noch. 22.5.18

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Social Defense in Northern Ivory Coast 1990 – 2011 (Blog version)

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I published a Short Report of the Study in my Blog (in German)   Here is an English Translation in a provisional version!   21.5.2018  v.Graeve  (Revised 6.8.2018)

TILL FÖRSTER: LA PAX DANS AND ZONE DE GUERRE.
Politique africaine no.148 – décembre 2017, p.109-129

The term ’social defense‘  may be not as common today as it was in the seventies and eighties (Link: Wikipedia), but it fits to the features of the crisis and activities described in the essay. 
The title of Till Förster’s dossier says freely translated: „Peace in a War Zone. The Ivorian crisis viewed from below and over a long period“. The focus lies on ‚Islands of peace‘ in the area around Korhogo and Boundiali on the Ivory Coast. The author has done extensive fieldwork ever since 1979 to the present. >>

Als moderner Candide bei den Senufo. Nachwort 2018 zum Reisebericht

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Im März 2018

Hier die Links zu den Kapiteln: (1)   (2)   (3)    (4)    (5)

Endlich schaffe ich es, den Reisebericht 1985 von der Elfenbeinküste abzuschließen. Das dritte Kapitel von den Senufo war am kniffligsten.
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Bericht von der Elfenbeinküste 1985 (5) – Zurück an die Küste

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Links: (1)   (2)   (3)    (4)

Die Notizen werden nach drei Wochen dünn, obwohl ich noch einiges erlebe: das Künstlerheim von Djiré Mahé und eine kreative Möbelwerkstatt in Bingerville. Auch den greisen Enzyklopädisten Borremans. Ich genieße den Strand von Grand-Bassam und verliere meine Brille in der Brandung. Ich könnte heiraten. Nein, nicht Assita, die unglückliche Poetin aus Ferké. Ich schaue mir in Abidjan die neueste und größte Kathedrale an und laufe vor der Polizei oder wem auch immer davon, als man mich aus einer Limousine ruft…

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„WELT DER BILDER“ – TRETEN SIE EIN, WIEGMANN !

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David Hockney, Martin Gayford im Gespräch bei Thames & Hudson (dt. Sieveking, 2016, Link)

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Museumsneubau in Frankfurt – Verblendungen statt Waschbeton.

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Das umgebaute Historische Museum Frankfurt in post-faschistischem-proto-chinesischem Deutschland-Stil toppt noch die Altstadtüberbauung vor dem Dom – ihrerseits finsteres Mittelalter, mit den Mitteln deutscher Baumärkte ins Werk gesetzt.

12.Feb.2018 - Gegenüber das einzige Fachwerkhaus - Haus Wertheym - das den Altstadtbrand 1944 überstand.

12.Feb.2018 – Gegenüber das einzige Fachwerkhaus – Haus Wertheym – das den Altstadtbrand 1944 überstand. ( Fotos Gv. Anklicken!)

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Die Tränke . Der Tiger – zwei Paneele der Santal (Terai/Bihar)

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DER GANG ZUR TRÄNKE

 

Der Treiber hat schon zwei Buckelrinder angebunden. Ein Knabe reitet sein Dromedar zur Tränke, er streckt die Beine vor. Ein Mann folgt ihm auf einem offenen einachsigen Maultierkarren. >>

Lwalwa – Figur eines jungen Tänzers

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BEGEGNUNG

Der Flohmarkt ist dieses Jahr eine Herausforderung. Die von weither anreisenden Händler haben mein Mitgefühl. Doch diese Figur lohnt die Mühen. Die Verortung bei den Lwalwa durch ein stiltypisches Kennzeichen ist nur eine komfortable Zugabe. Ihre Ausstrahlung entsteht aus der Kraft männlicher Jugend wie aus der künstlerischen Umsetzung. Der Federschmuck tut ein Übriges. Der Körper spricht seine eigene Sprache; über und über rot gefärbt muss er unwiderstehlich gewesen sein.

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Im Korb des Bwami-Bundes (Lega) : Old Man „Kakulu“

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Wichtige Ergänzung 21.2.2018 unten   

    30.9.2017            Erste Beschreibung einer ‚hermetischen‘ Figur

Lega-OldMan-neu.R25.5 cm hoch, treffsicher geschnitzt, gepflegt, wie zu einem Kiesel gerundet. Die Figur fasst sich gut an. Er riecht dezent rauchig. Die Glättung hat nicht alle Holzfehler und ‚Schnitzer’ verschwinden lassen. Optisch matter Glanz, haptisch gebremste Glätte. Alle Ansichten, auch die Dreiviertelansicht sind ausgewogen komponiert, am meisten Spannung baut noch die Rückansicht gegen die anderen Ansichten auf, die im Gegenlicht auf den Umriss reduziert einem Scherenschnitt gleicht. >>

Kopffüssler – LEGA , woher sonst?

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BEGEGNUNG

Ich griff am Stand zuletzt nach dem dunkel überkrusteten ‚Klotz’,  um ihn zu Hause auszuprobieren. Und jetzt stelle ich ihn bereits vor. >>

Fritz Wiegmann, 1945 gestrandet in Hof an der Saale

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Überleben

Im Februar 1945 wurde Fritz Wiegmann zwecks einer Gallensteinoperation von Berlin nach Oberfranken, Hof an der Saale, überwiesen und dort im April 1945 von den amerikanischen Truppen eingeholt. Die Bevölkerung der Stadt an der Grenze zum Egerland schwoll damals durch Flüchtlinge und Vertriebene an auf zeitweise  55.200 Ew. (Link). >>

‚Gesunde Nerven‘ – mehr Hintergründe (W.Benjamin, Charlotte Joel, Robert Fließ)

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Veröffentlicht am 28. Okt. 2016, Nachträge: 7.Nov. 2016 und 4. Jan. 2018, Revision im April 2019, eine Ergänzung im August 2021 – Der Beitrag wurde inzwischen 300 mal aufgerufen.

Bisher standen das gesundheitspolitische Engagement des Künstlers und seine  Vernetzung im Vordergrund. Die Berichtserstattung legte selbstverständlich ihr Gewicht auf die Inhalte, wollte die Botschaft der Ausstellung verbreiten.

Auch mich hat etwa die Installation der arbeitenden Skelette fasziniert und der schnörkellose Collage-Stil der Ausstellungswände, der an die Ästhetik der damaligen AIZ erinnert, aber es lohnt doch, näher hinzusehen.

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