Dank Gottes Hilfe auf der Insel Lampedusa gelandet (Fuocoammare)

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Fuocoammare” , ein Dokumentarfilm von Gianfranco Rosi (I/F 2016), wurde in ARTE am 5.September gezeigt. Er wird erst einmal nicht wiederholt. (offizieller Trailer Link). Es werden aber DVD und Streaming angeboten.

 Ich gebe nur eine Szene wieder, eigentlich nur den Text dieser Szene – zunächst als deutschen Untertitel. Er sollte aber bald ersetzt werden durch die direkte Transkription des nigerianischen Englisch. Die Szene erschien mir als am ehesten greifbarer Moment, bei anderen verschlägt es mir die Sprache. Meine Gedanken sind noch nicht klar, aber sie drehen sich um eine Umkehrung der Perspektive. Lassen auch Sie die Worte erst einmal auf sich wirken!

Fünfzigste Filmminute. Abend im Internierungslager. Der junge Wortführer einer Gruppe von Nigerianern legt im Predigerton Zeugnis ab. Die Gruppe unterlegt seine epische Erzählung mit einer Litanei in der Muttersprache, gegen Ende der Schilderung Rufe und immer lebhafter im Ton:

Hiermit lege ich Zeugnis ab

Es war unmöglich, in Nigeria zu bleiben.

Viele sind gestorben.

Die meisten von uns sind bombardiert worden.

Wir mussten aus Nigeria fliehen.

Wir rannten in die Wüste.

Viele haben Zuflucht in der Sahara gesucht.

Auch in der Sahara sind viele umgekommen.

Wir wurden verfolgt und konnten nicht bleiben.

Wir sind nach Libyen geflohen.

In Libyen herrschte der IS.

Auch in Libyen konnten wir nicht bleiben.

Weinend, auf Knien, fragten wir: Was sollen wir tun?

Die Berge boten kein Versteck, die Menschen auch nicht.

Also flüchteten wir aufs Meer.

 

Auf unserer Seereise sind sehr viele Passagiere gestorben.

Sie sind über Bord gegangen.

Zu Anfang hatte das Boot 90 Passagiere.

Nur 30 wurden gerettet, alle anderen starben.

Aber wir leben noch.

Das Meer darf man nicht zu leicht nehmen.

Das Meer ist keine Straße.

Aber jetzt sind wir an Land.

Man muss etwas riskieren im Leben.

Das Leben selbst ist ein Risiko.

Wir haben viele Wochen in der Sahara verbracht.

Viele sind vor Hunger gestorben.

Viele tranken den eigenen Urin.

Wir wollten überleben.

Auch wenn wir die eigene Pisse trinken mussten.

So weit kann es im Leben kommen.

Wir waren in der Wüste und hatten kein Wasser mehr.

So tranken wir unseren Urin

Und baten gott, uns nicht sterben zu lassen.

Wir schafften es nach Libyen.

Aber Libyen hatte kein Mitleid mit uns.

Man half uns nicht, weil wir Afrikaner sind.

Wir wurden eingesperrt.

Viele waren ein Jahr lang im Gefängnis,

viele sechs Jahre lang,

viele sind dort gestorben.

Libysche Gefängnisse sind grauenhaft.

Wir bekamen kein Essen,

wurden geschlagen, bekamen kein Wasser.

Viele sind geflohen.

Und jetzt sind wir hier.

Gott hat uns gerettet.

Wir haben uns auf das Meer gewagt.

Wir hatten das Gefängnis in Libyen überlebt,

wir würden auch das Meer überleben.

Und wir haben es überlebt.

Dann fällt auch er ein in ein in das

A fufuka Massa ….

 

 

 

 

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