„Verantwortung Europas in der Welt“ – Bloss Feuilleton!

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Sigmar Gabriel, Wolfgang Ischinger, Christoph von Marschall schreiben in der FAZ (8.9.2018 Nr.209 S.11). SIE MÜSSEN DIE LIBERALE ORDNUNG SCHÜTZEN – Die Alternative zum Weltuntergang heißt Verantwortung, nicht Raushalten. Sie antworten Peter Gauweiler („Die Kreuzritter der Moderne“ FAZ 25.8.2018)
Vergessen Sie diese „Debatte“ ! FĂŒr mich ist sie bereits gestorben. Die offenen Links hielten gerade mal drei Tage. Neues Spiel, neuer Hype. Nur nicht aufregen.: ‚Berlin‘ bereitet sich  auf eine lauwarme ‚Interventions‘-Beteiligung in Syrien vor. Das Argumentationsbesteck wird bereits öffentlich desinfiziert.
Hat Trump den wunderbaren Deutschen im Weigerungsfall exorbitanten Strafzöllen gedroht oder will man bloß mitspielen?  Man sieht sich wieder in fĂŒnf Jahren bei der Investigativ-Dokumentation.      16.9.18

Ach was. Ich weiß schon gar nicht mehr, wo ‚Syrien‘ liegt.  (Vier Wochen spĂ€ter)

Das Format
Sigmar Gabriel, das parteipolitische Schlachtross, Wolfgang Ischinger, Manager MĂŒnchner Unsicherheitskonferenzen und der vom „Diplomatischen“ bereits verfĂ€rbte Korrespondent einer mittelgroßen Zeitung. Alle drei in diesen Tagen Buchautoren – Wie konnte das passieren?
Der gemeinsame Artikel ist kein Ruhmesblatt fĂŒr das Feuilleton. Peter Gauweiler hatte wenigstens eine kompositorische Idee. Schon er kam von Hölzchen auf Stöckchen. „Die Antwort“ ist bloß noch eine Geisterbahn, weder als Essay noch als Diskussionbeitrag funktional, ein Beispiel herablassender Politikdarstellung. Dies ziemlich unstrukturierte Textformat „Debatten“ sollte die Redaktion  ĂŒberdenken.
„Die Alternative zum Weltuntergang heißt Verantwortung…“
Herr Gauweiler hĂ€tte seine KreuzzugslektĂŒre nicht so breit treten und stattdessen seine Argumente schĂ€rfen sollen, oder einfach kĂŒrzer sein, damit es keinen Grund gegeben hĂ€tte, Gauweilers Position zusammenzufassen. So prĂ€pariert, wird sie zum zum bloßen Redeanlass. Den Berliner Mainstream, den die Drei uninspiriert vertreten, halten sie natĂŒrlich fĂŒr alternativlos. Vor anderen AnsĂ€tzen können sie bloß warnen. Das sei eine naive Illusion, allerdings eine, die Karriere (macht) in Deutschland. Ganz recht und ganz links streuen sie unauffĂ€llig, ebenso wie die Sehnsucht der Rechten. Eigentlich könnte ihre „Antwort“ damit bereits enden. Doch sie haben ja noch ihre Wunschliste. Der Adressat wird nicht benannt. Der liebe Gott oder etwa wir? Danke fĂŒr das Vertrauen in das Volk!

„Responsibity to Protect“ auf der Sachebene

Übrigens ein beliebtes Thema fĂŒr Seminararbeiten, fĂŒr komplexe rhetorische Übungsaufgaben.
Die so  poetisch genannten „HĂ€ndel der Welt“ und Interventionen“ waren die folgenden:
  • Szebrenica – Das Massaker war Ergebnis einer gescheiterten Intervention „europĂ€ischer UN-Blauhelme“. Angesichts des Kosovo könnte man sagen: J. Fischer kam ‚populistisch‘ der verbreiteten Stimmung in Deutschland nach. Das war noch das Beste daran.
  • Ruanda ? Jedenfalls kein pazifistisches Heraushalten Frankreichs und der UNO.
  • – Ging uns die staatliche IntegritĂ€t der Kuweiti etwas an? NatĂŒrlich, ‚unser Öl‘ und Bush Sr. verlangten nach ‚StabilitĂ€t‘ im Nahen Osten. Doch der Ukraine hat es nicht geholfen.
  • Aber der amerikanische Überfall auf den Irak? Da ging es um Regimewechsel. Der ist, wie wir nun wissen, immer gut. Außerdem hat ja Deutschland offiziell nicht mitgemacht – hier springen die Autoren auf die völkerrechtliche Ebene – bloß heimlich die MilitĂ€rbasen auf deutschem Territorium!
  • Die Besetzung von Afghanistan war die grĂ¶ĂŸte Dummheit der letzten Jahrzehnte, nur vergleichbar mit dem „Schutz der Anti-Gaddhafi-KrĂ€fte“ – sie haben es der Welt gedankt. Was wĂ€ren ohne sie aus den erwĂ€hnten „IS“ und „Boku Haram“ in Nord- und Westafrika geworden?
  • „Die Schreckensherrschaft des IS in Syrien“ scheint jedenfalls wieder abgelöst. Kein Wort mehr dazu.
  • ‚Der 11. September war Propaganda-Fassade („…hunt them down!“). An wen richtete George Bush jr. jr. die KriegserkĂ€rung?
 Jeder Fall lag anders, aber keiner war ein Ruhmesblatt fĂŒr ‚Europa‘.  Auch Syrien nicht. Gebt auf, Assad hat gewonnen. Alternativen?

Die Sprachebene

Die Autoren bemerken gar nicht, dass sie den sattsam bekannten Jargon reaktivieren, durch Reden und Interviews in den Medien prÀsent. Die meisten Deutschen finden den lÀngst zum Kotzen, zum Beispiel:
„Entwicklungszusammenarbeit, KrisenprĂ€vention, die auswĂ€rtige Kultur- und Bildungspolitik und der umfassende Einsatz unserer diplomatischen und politischen Möglichkeiten“ prĂ€gen „nicht nur unseren außenpolitischen Alltag“.
Na und? Soll die AufzĂ€hlung angeblicher Kompetenzen den Leser beeindrucken? Sie belĂ€stigen uns mit Sonntagsreden, die keiner lesen möchte, wenn er auch die ĂŒbrige Zeitung gelesen hat und  bei Verstand ist.

Weltpolitisch ist die EU mit der Schweiz vergleichbar.

Die Schweiz ist berĂŒhmt fĂŒr ihre unsichtbare Diplomatie. Und wie die Schweiz sichert die EU sich bereits jetzt ab, durch VertrĂ€ge, Zahlungen und gewisse Dienste. Außerdem haben wir ja RĂŒstungskonzerne, inzwischen unverzichtbare Dienstleister staatlicher Armeen. Man muss sie bloß machen lassen, und die angebliche „Verantwortung“ zur „Verteidigung der Werte“ist in guten HĂ€nden.
Oder wĂŒrde der Dschungel der Weltpolitik etwa  mit dem großen Auftritt dieses hybriden Akteurs EUROPA wie durch Zauberhand verwandelt in das, was seit 1945 auf UN-Papier steht? NatĂŒrlich nicht!
Jedenfalls  wĂŒrde eine solche Sicherheitsdoktrin dem besonderen Charakter der EuropĂ€ischen Union gerecht, den die EU seit Jahrzehnten – als „Zerstrittenheit“ und „UnfĂ€higkeit“ verkleidet – unter Beweis stellt. Ja, so sind wir und alle Welt weiß das: Europa ist eine immer noch stinkreiche und zerstrittene Familie mit AnfĂ€llen von spinnertem Idealismus, wenn der nicht bloß vorgetĂ€uscht ist.
Und inwiefern befördert Gauweiler den „Weltuntergang“, wie die drei Weltenretter andeuten, nur weil er sagt, dass uns nicht jeder Konflikt in der Welt etwas angeht und man schau’n muss, dass man nicht hineingezogen wird?  Die Idee von Peter Gauweiler könnte eine Anwendung von „Clash of Civilizations“ sein (1996 Link) des klugen Politologen Samuel Huntington zu Beginn der beiden heillosen Jahrzehnte.

Das Beste am Update Sonntag, 16. September : Worte eingespart

 

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