Archiv der Kategorie: DER WEITE NORDEN ZENTRALAFRIKAS

UBANGI ZAR SUDAN

Drei Figuren im “Stil” der “Kontaktzone” der Azande (1/5) NEU

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Den ersten Entwurf habe ich am 6. Januar 2021 veröffentlicht und mehrfach aktualisiert. Er wurde bis heute 50 x aufgerufen. In der Zwischenzeit sind weitere Beiträge dazugekommen:

  • zum Sammler der zwei wichtigen Vergleichsstücke, dem Leutnant  Walter von Wiese und Kaiserswaldau: (2) Zur Person  (LINK),
  • Zu der Expedition 1911 und zu den Verhältnissen an der Grenze zwischen den von Frankreich, von Belgien und  Großbritannien besetzten Gebieten : (3) Im zweiten ‘Herz der Finsternis” (LINK ) und (4) : Drei Sultanate der Azande (LINK).

Die  Beiträge nutzen v.Wieses Reisebericht und konfrontieren ihn mit anderen Informationen zu den europäischen Kolonialeroberungen in Zentralafrika .

Meine anfänglich naive Sicht wurde von  der kunstgeschichtlichen und stilvergleichenden Perspektive der Standardwerke “African Reflections” und “Ubangi” dominiert, vor allem der von J.-L.Grootaers. Da ich daran später nicht einfach anknüpfen konnte, schob ich die Fertigstellung Woche um Woche hinaus. Jetzt ist die Neuordnung der Kapitel überfällig.    22. Juli 2021

 

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Zweites ‘Herz der Finsternis’ – Frankreichs Äquatorialafrika 1911 (3/5)

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Hochgeladen 9. Juni 2021 – Stand 5.Juli

Nach der Aufteilung der Expedition und seinem Abschied von Herzog zu Mecklenburg am 1. Februar 1911 in Fort Lamy (dem heutigen Djamena/Tschad) reist v.Wiese auf der kolonialen „Hauptroute“ zurück in den Süden zum Kongobecken. Damit beginnt seine eigene Reiseerzählung – im „Tagebuch“ ebenso wie im 1.Band von „Vom Kongo zum Niger und Nil“ 3. Kapitel. Er hat den Auftrag, drei bedeutende “Sultanate” der Azande am Mbomu in Augenschein zu nehmen. Am ersten, dem  “Sultanat Bangassu” lassen sich die Themen “Pazifizierung” und “Konzessionsgesellschaften” gut exemplifizieren. Der Vergleich von Bangassu, Rafai und Semio erfolgt in 4/5. (LINK)

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Drei Sultane der Azande im direkten Vergleich – 1911

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Hochgeladen am 11.Juni 2021 – Stand: 21. Juli
v.Wiese hat den Auftrag, drei bedeutende “Sultanate” den Mbomu aufwärts zu visitieren, ein jedes mit eigenem Profil. Ihre Schilderung dominiert die Reiseerzählung – im „Tagebuch“ ebenso wie im 1.Band von „Vom Kongo zum Niger und Nil“ 3. Kapitel. 
Die Völker-Karte von V.Wiese und Kaiserswaldau hat eine bemerkenswerte Besonderheit, die im Feld oben rechts ausdrücklich vermerkt ist: “Auf dem westlichen Teil der Karte sind die Völkergruppen durch farbige Flächen, aif dem östlichen Teile hingegen die politischen Gebiete der Sultanate durch Randkolorit bezeichnet.” – Eine geniale Idee, um die para-staatliche Rolle der drei Sultanate, ihren despotischen Charakter und die ‘Nivellierung’ der von ihnen Unterworfenen auszudrücken. >>

Der freundliche männliche Schutzgeist aus Ubangi (Ngbandi)

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Hochgeladen am 7. Mai, aktualisiert am 5. Dezember 2019 und am 18. Januar 2021
Von West nach Ost, vom Gebirgsriegel am Atlantik bis zum ostafrikanischen Grabenbruch erstreckt sich nördlich des Kongoflusses zwischen der RDC, Congo-Brazzaville. Zentralafrikanischer Republik und Sudan eine disparate ‚Stilregion’ ohne die üblichen ‚Highlights’, und deshalb ebenso stiefmütterlich behandelt wie lange Zeit Tanzania. Als sich bei mir bereits ein Dutzend ‚schräger’ Figuren und Masken angesammelt hatte, begegnete mir kürzlich das erst 2007 (Grootaers*, Actes Sud, Bruxelles) erschienene Handbuch „Ubangi“. Ich profitiere bereits jetzt davon und freue mich darüber, dass wieder ein großer ‚weißer Fleck’ auf meiner inneren Karte verschwindet.

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Figur des mythischen Ahnen und Helden Sètò der Ngbaka (UBANGI)

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Veröffentlicht am 12.Nov.2019, ergänzt am 17. Januar 2021

‚Kunstprovinz’ UBANGI

Freund Joe unterschied im Gespräch gestern ‘die afrikanische Ästhetik’ von ‘der europäischen’, blieb aber dabei stehen.

Wir sehen mehr, wenn wir ‚Realismus’ bloß in fremdem Gewand unterstellen. Dafür bieten – anders als ‚reine’ Kompositionen – ‚Kultfiguren’ ideale Ansatzpunkte: die Rolle, die sie eingenommen haben und die Erwartungen und Versprechungen, die mit ihnen verbunden waren (MacGaffey). Um den ‚Realismus’ einer Figur (oder Maske) zu erfassen, muss man sich aber schon für die soziale Welt interessieren, aus der sie kommt. Dann kann die wieder freigesetzte ästhetische Kraft, diese eigentümliche Schönheit auf den Besitzer als Betrachter zurückstrahlen.

Die weite Kunstprovinz nördlich des Kongobogens zwischen Atlantik und Nil macht es uns nicht leicht. Von Kunsthistorikern wurde sie vernachlässigt – mit Ausnahme der Mangbetu und Azande und spezieller Sammelgebiete wie etwa Waffen.  Sie war traditionell Durchzugsgebiet aller möglichen Völker und endete als Flickenteppich kolonialer Grenzregionen. >>

‘Ngakola’ und seine Gattin – Schutzfiguren (Banda, Ubangi)

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(c)   Coll. vG      Provenienz: Wardin Wemba

Objektdoku

Ngakola und Gattin

 

 

 

 

 

 

 

 

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In tiefster ARTE-Nacht: Der Traum vom perfekten Tropenholz

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Im ARTE 3.3.2019 Nachtprogramm :  CONGO – GORILLASCHUTZ MIT KETTENSÄGE    55′ WDR/ARTE

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Vielleicht eine Zwillingsstatuette der Mbochi (ex – Kuyu)? (dt./francais)

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Wieder eine Kuyu-Skulptur? – Warum nicht? Aber nennen wir sie lieber „Mbochi“!

Ersparen wir uns die etwas umständliche Geschichte. Ich möchte auf zwei ältere Blogseiten verweisen („Zwei moderne Tanzstäbe der Kuyu“ (Link) und „ Kuyu Tanzstäbe im Factory Outlet 1927“ (Link), vor allem aber auf einen Essay von Anne-Marie Bénézech voller Enthüllungen zum Thema „Kuyu“- leider nur in französischer Sprache, aber reich illustriert und frei im Netz. (Musée d’ethnographie de Genève MEG 2017 Link:”La Découverte différée des Objets Kuyu“) >>

Song ? from ? the Forest ? – Louis Sarno und die BaAka – Der Film

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19.10.2014! Aber es gibt ja die DVD zu kaufen! (Link)

Der Film beginnt wie im richtigen Leben: mit der Fassade, zugeschnitten auf das Publikum von Programmkinos und Arte oder 3sat: also spirituell, in diesem Fall mit Lichtstrahlen, die wie eine Inszenierung wirken, obschon sie zwischen Regengüssen im Regenwald von Gabun auftreten. Begleitet von mittelalterlichem Chorgesang, der – wie wir später erfahren – vom batteriegetriebenen Kassettenrecorder in der Hütte des Musik-Forschers in die Umgebung ausstrahlt. >>

Kuyu Tanzstäbe im Factory Outlet 1927

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MIT NEUEN ERGÄNZUNGEN zum Text vom 3.Mai 2016, plus LINK ZU 2 MODERNEN STÄBEN

Keith Nicklin (African Arts vol.17, no.1, Nov.1983) lässt Major P.H.G. Powell-Cotton erzählen, wie ein halbes Dutzend Tanzstäbe vom Kuyu-Fluss aus dem damals französischen Kongo nach England kamen. Im Winter 1926/27 jagte er dort den Gorilla und seltene Antilopen für sein eben gegründetes Privatmuseum, aber auch, was man Curiosa zu nennen pflegte. Die Gegend am Kuyufluss ist flach, sumpfig. Er reiste mit einem Einbaum. Aber hören wir den Text der Sammlungsliste im Original:

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Maske der Boa mit Flügelohren

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Die Masken der Boa im Westen des Ituri-Waldes waren für mich groteske schwarz-weiße Gesichter mit abstehenden Ringohren. Ihre Abbildung verlieh jedem Bildband afrikanischer Kunst eine heitere Note. Wie viele hatte ich eigentlich gesehen? Als Objekt in meiner Sammlung konnte ich sie mir bisher nicht vorstellen, so wenig wie irgendeine Faschingsmaske. So etwas würde ich nicht an die Wand hängen zwischen die ‚bedeutsamen’ Stücke. >>

Ist der Mangbetu-Jüngling nur schön? (Ex)

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Überblick

Mangbetu-Boy-IMG_8503Die Mangbetu sind berühmt, wegen ihres Stils in Architektur, Mobiliar, Waffen und Werkzeugen, den bekannten Harfen, dekorierten Rindenstoffen, Geschmeide, Körperschmuck bis hin zur Schädel(ver)formung und Verlängerung der Augenlider, Musik und Tanz auf repräsentativen Festen.

Bereits lange in waldreicher Gegend im Nordosten ansässig und ein blühendes Königreich, beeindruckten die Mangbetu den deutschen Forscher Georg Schweinfurth 1870, unter anderem mit der fünfzig Meter breiten Audienzhalle.

Wie sie sich mit den Arabern aus dem Sudan und Sansibarküste arrangierten, weiß ich noch nicht. Jedenfalls verloren sie ihre Macht an die aus dem Nordwesten aggressiv vorstoßenden Azande. Später wurden die Beziehungen so eng, dass sie ihre Künstler austauschten.

Die Figuren sind selten und aus hellem Holz gearbeitet. Der Stil ist geprägt vom Schönheitsideal der Aristokratie und dem Sinn für Dekor. Bereits ihre Behausungen waren mit geometrischen Motiven bemalt.

(nach: Kerchache/Paudrat/Stephan: Die Kunst des schwarzen Afrika, dt. Herder 1989, S.581) >>

EX Neue und große Yanda-Figur der Azande

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yanda-gross-frontal_img_7733yanda-gross-profil_img_7743_2Die neue Yanda ist groß und kräftig und hat einen ‘naturalistischen’ Gesichtstyp, aber wirkt sehr stark, in ihrer leicht nach vorn gekippten Haltung, durch den auftragenden und umwickelten Nabel, durch kubische kräftige Beine und  zwei von den Ohren hängenden zierlichen Eisenketten mit 8 Gliedern.

Im Februar 2018 eingetauscht gegen eine etwa gleich große, aber formal ungleich radikalere Yanda-Figur.

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EX Maske Ituri-Stil Lese/Bira „Leopard“

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Die Wucht diese älteren Maske aus dem Bereich Lese (Stil IX) wirkt sofort, ist aber nicht leichtlese-fenster-img_7887_2 zu  erfassen, weil die gebogene Holzscheibe klein (23.5 cm hoch) und durch den Gebrauch verblasst ist. Sie schreit nicht theatralisch oder doch so leise, dass man es überhören, übersehen kann.

Es würde sich lohnen, sie zu zeichnen. Ich habe versucht, sie halbwegs adäquat zu fotografieren. Das ist nicht einfach, sie ist kein Brett, ihr Bau erinnert an aerodynamische Entwürfe. Wenn sie auf dem Plexiglasständer schräg auf dem Tisch steht, ist sie eindrücklich, auch von der Rückseite, die kleine energiegeladene gebogene Holzscheibe in genau ‘stimmiger’ Größe mit den verdickten Partien im Stirn- und Nasenbereich, so wie man sie auch in der Hand hält. Ein Leichtgewicht (195 g) und dreidimensional.

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Was für eine Azande-Harfe!

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Auszug aus: “Geschichten ums Sammeln” (LINK)

25.8.15                   Blick auf meine Fensterbank

Ich habe ein paar mit der Zeit von T.L. erworbene kongolesische Objekte auf der Fensterbank gruppiert: Vier unterschiedlich große Holzfiguren von lakonischem Charakter, eine primitive Harfe und ein griffiger undekorierter Schnupftabakstößel. Sie harmonieren miteinander, obwohl sie zweitausend Kilometer verstreut gefertigt wurden. Ihre Entstehungszeit liegt näher beisammen: vierzig, fünfzig bis siebzig Jahre. Die Figuren sind bestimmten Ethnien mit hoher Wahrscheinlichkeit  zuzuordnen, von Yaka im Westen zu den Azande im Nordosten, aber ist das entscheidend? Sie sind alle im Alltag gebraucht worden. Die Gebrauchstüchtigkeit sieht man ihnen an. Man kann sie auch in die Hand nehmen, sie sind robust genug.

Die Harfe erkannte ich seinerzeit auf einem kleinen Filmausschnitt eines namhaften Musikethnologen wieder (youtube). Darauf sang um 1951 ein (fast!) nackter Barde der Azande und kratzte dazu Töne auf den fünf Saiten genau dieses Typs von Harfe.

In einer vergilbten Broschüre zur Morphologie afrikanischer Musikinstrumente wurde dafür eine andere, benachbarte ‚Ethnie’ angegeben. Mich wundert das nicht. Denn ‚Azande-Harfen’ haben in allen Ausstellungen und Bildbänden die typische schnittige Form unter Verwendung von Schlangenhaut, natürlich datieren sie vor 1900. Was bedeutet das schon? Ihr Besitz wird ein Privileg von Honoratioren gewesen sein und ihr Besitz wird bei uns ein Privileg reicher Sammler. Wie schrieb Walter Benjamin so richtig in seiner geschichtsphilosophischen These Neun? ‘Kultur’ ist die Beute der Sieger. Und was passiert damit? Protegiert und klimatisiert wartet ‘die Kultur’ auf den nächsten Sieger der Geschichte. Bertolt Brecht grinst bloß.

Galerieware und noch mehr die ‚Meisterwerke’ von Auktionen haben etwas mit dem Angebot auf den Speisekarten unserer Restaurants gemeinsam: Für sie herrscht ewiger Feiertag, es gibt nur Sonntagsessen. Das sagt noch nichts über die Qualität. ‚Profito’ nennt sich sinnigerweise ein Lieferant, dessen Lkw’s häufig bei bei meinem Stammlokal im Frankfurter Nordend aufkreuzen. Unsere Vorfahren in den gesegneten Fluren der gemäßigten Zonen aßen weder ‚vegan’, noch exotische Spinnen oder jeden Tag ein ‚Mailänder’- oder ‚Zigeunerschnitzel’. Feld, Garten, Markt und Schlachter – das ergab die ‚gesunde’ Mischung auch für Städter. Die Objekte auf der Fensterbank haben’s auch mit dieser Mischung. Sie richten die Phantasietätigkeit auf die Menschen.

EX Die zweite Yanda-Figur der Azande Informationen!

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Azande2V  Aaznde2:Regal

29.11.14

Eine anmutige armlose Yanda mit schöner Frisur! Dass ihr vermutlich drei ‘Nägel’ (Augen, Nabel) fehlen, kann man so und so sehen: als Defizit, als Zeichen der Profanierung im Fall der Ladung des Nabels oder im Fall der Augen als stilistisch gewollt. >>