Archiv fĂŒr den Monat: August 2024

VON ZBIGNIEW HERBERT ABGESCHRIEBEN

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„Orden des weißen Adlers“, das höchste Ehrenzeichen der Dritten Republik Polen , der Ersten Republik Polen, des Herzogtums Warschau, Kongresspolens (bis 1831) und der Zweiten Republik Polen (1918–1945).“ 2007 posthum

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Kursfahrt 1987 Ausstellung (Erster Entwurf)

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Kursfahrt 1987 Reiseroute

 

Kursfahrt 1987 Verlauf

Kursfahrt 1987 S.1 Alexandra

Kursfahrt 1987 S.2 Alexandra

Modellschule und Musterbetrieb – zwei Welten in der Volkrepublik Polen (Reise 1976)

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PERSÖNLICHES VORWORT –  20. NOV. 2023

Ich hatte 1973 mit einer gefĂŒhrten China-Gruppenreise eine dreiwöchige Erfahrung  gemacht, war also vertraut mit  Selbstdarstellung und Eitelkeiten (nicht nur) autoritĂ€rer Staaten.

Die Volksrepublik Polen erschien ohnehin als eine andere Welt, eben europĂ€isch. Die DDR kannte ich noch ĂŒberhaupt nicht. Das kommunistische Projekt gĂ€nzlich abzuschreiben, soweit war ich noch nicht, verhielt mich auch gegenĂŒber China abwartend.  „Revisionismus“ war bei mir aber unten durch. Anstatt mich an den SpielrĂ€umen der Intelligenz zu freuen, nervten mich die Privilegien der FunktionĂ€re, die uns begegneten. >>

Zwei Generationen polnischer Karikaturisten 1976 – z.B. Eryk Lipinski und Andrzej Krauze

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VORWORT –  AUGUST 2024

Ich hatte 1973 mit einer gefĂŒhrten China-Gruppenreise eine dreiwöchige Erfahrung  gemacht; war also vertraut mit  Selbstdarstellung und Eitelkeiten (nicht nur) autoritĂ€rer Staaten.

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 Czeslaw Milosz erzÀhlt die Geschichte der baltischen Völker im 20. Jh.

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1952 – UnerklĂ€rter Kriegszustand – NatĂŒrlich wurde die „internationale Zeitschrift“  DER MONAT vom CIA mitfinanziert, so wie „Encounter“ und „Épreuves“ . NatĂŒrlich ‚dienten’ Milosz und sein Essay im Kalten Krieg auf amerikanischer Seite und wurden von ihren gebildeten Lesern im Westen entsprechend einĂ€ugig gelesen, aber deren Bild von den baltischen Völkern konnte ein paar Retouchen brauchen. – Wir Deutschen des Jahres 2024 tun auch gut daran, uns diese Erfahrungen zu vergegenwĂ€rtigen, nicht allein, um die Haltung der baltischen Völker und der Polen besser zu verstehen, sondern vor allem um uns vor Augen zu fĂŒhren, dass die  Hassfigur „Putin“ ein in der langen Zarenzeit entwickeltes repressives System verkörpert, das im zwanzigsten Jahrhundert als ‚Bolschewismus‘ den Staatsterror perfektioniert hat, noch vor dem Maoismus in China.
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Große KĂŒnstler unterstĂŒtzen Wiegmann, lese ich bei Zbigniew Herbert und Niklas Maak

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Zwei Gelegenheiten fĂŒr Fritz Wiegmann :  1933…..

Mit Ende Zwanzig war Fritz Wiegmann an einen Punkt gekommen, wo er als Kunstlehrer und populĂ€rem Ausstellungsdesign im Team engagierter Sozialmediziner erfolgreich war („Gesunde Nerven“ LINK). Seine kleinformatigen kubistischen Stilleben waren perfekt und erreichten New York (LINK).  Er versuchte sich ĂŒberzeugend in Theaterdekoration (LINK). Von seinen figĂŒrlichen erotisch aufgeladenen Kompositionen, die ich in Reproduktion gesehen habe, wĂŒrde ich das allerdings nicht sagen (LINK spĂ€ter). Lauter Sackgassen im Schicksalsjahr 1933. Und der junge Mann suchte sich Hilfe ‚an höchster Stelle‘, bei den „alten Meistern“.

Ich bemĂŒhe mich seit langem, Wiegmanns Ringen um seinen persönlichen Stil nachzuvollziehen. Im bereits frĂŒher zitierten Interview des Peiping Chronicle Anfang 1936 beschrieb er seine Situation so:

* Peiping Chronicle 16.2.1936   Ausschnittthe-peiping-chronicle-16-2-1936-ausschnitt

„….. Die spanische Schule des Velasquez, die französischen Schule Cezannes und die italienische da Vincis waren fĂŒr ihn Offenbarungen. Deren Studium brachte ihn dazu, sich ihrer FĂŒhrung und Inspiration zu ĂŒberlassen und der Schule der Moderne, die er kannte, den RĂŒcken zu kehren. Auf seinen Reisen durch diese LĂ€nder nahm er die moderne Entwicklung von diesen alten Meistern aus in den Blick, und er entwickelte das grĂ¶ĂŸte Interesse an ihrer Wirkung auf die Kunst der Gegenwart. Als Resultat machte er eine Synthese alles dessen und entwickelte seinen persönlichen Stil.“

 

Zbigniew Herbert (1924 – 1998)

Ein „das Seelchen“ betitelter Essay von Zbigniew Herbert – genauer ein Textauszug in der regierungsamtlichen BroschĂŒre „Herbert“ zu Ehren dieses polnischen Intellektuellen und Dichters – fĂŒhrt uns auf einen gedanklichen Umweg, der lohnt.

EINE DER TODSÜNDEN DER ZEITGENÖSSISCHEN KULTUR IST, DASS SIE kleinmütig einer frontalen Konfrontation mit den höchsten Werten aus dem Wege geht. Und auch die arrogante Überzeugung, dass wir auf Vorbilder (sowohl ästhetische wie auch moralische) verzichten können, denn unsere Lage in der Welt ist angeblich außergewöhnlich und mit nichts vergleichbar. Deshalb lehnen wir die Hilfe der Tradition ab, versinken immer tiefer in unsere Einsamkeit, graben in den dunklen Winkeln unserer verlassenen Seele.

Es besteht die falsche Meinung, dass Tradition so etwas wie Erbmasse ist, die man automatisch erhält, ohne Anstrengung, deshalb sind diejenigen, die gegen Vererbung und unverdiente Privilegien sind, gegen die Tradition. Allerdings erfordert jeder Kontakt mit der Vergangenheit Mühe und Arbeit, die außerdem schwierig und undankbar ist, denn unser kleines ,,Ich“ schreit und wehrt sich dagegen.

Ich habe mir immer gewünscht, dass mich der Glauben nicht verlässt, dass große Geisteswerke objektiver als wir sind und dass sie uns beurteilen werden. Jemand hat richtig gesagt, dass nicht nur wir Homer lesen, die Fresken Giottos bewundern, Mozarts Musik hören, sondern dass Homer, Giotto und Mozart uns betrachten, uns hören und unsere Selbstgefälligkeit und Dummheit wahrnehmen. Arme Utopisten, Debütanten in der Geschichte, Brandstifter von Museen, Vernichter der Vergangenheit, die jenen Wahnsinnigen ähneln, die Kunstwerke zerstören, weil sie ihnen nicht ihren Frieden, ihre Würde und ihre kühle Ausstrahlung verzeihen können.

Das Seelchen lAuszug, in:) Das Labyrinth am Meer (2000, S.91, Übersetzer ungenannt)

Wiegmann konnte 1933 noch nicht wissen, welchen Preis er in der Nachkriegszeit fĂŒr seine Entscheidung zur UnabhĂ€ngigkeit zahlen sollte: Unsichtbarkeit

 

….. und  1964

Niklas Maak ( FAZ vom 21.8. 2003)

Die Strichstreiche der Genies“ betitelte Rezension von Niklas Maas einer Ausstellung im Palais Rohan, Straßburg von Ölskizzen des achtzehnten Jahrhunderts ist nicht nur eindrĂŒcklich illustriert ( Foto Katalog aus der Ausstellung „Triumph der Geste„).

Seine Begeisterung ĂŒber die der Verborgenheit entrissenen zwei Jahrhunderte alten „Ölskizzen“ ansteckend,  rhetorisch im Kleid des ĂŒblichen Fortschrittsoptimismus: Untertitel „Hier beginnt ja schon die Moderne“.

Maak kontrastiert  in temperamentvollen Bildbeschreibungen  mutige „EntwĂŒrfe“ und „fertiges Bild„,  er registriert den „Verlust der Leichtigkeit“ bis hin zur schieren „Lustlosigkeit“ bei der „langwierigen AusfĂŒhrung“ fĂŒr ein „Publikum“, das (…) kein VerstĂ€ndnis fĂŒr Unfertiges hatte„, angeblich „anders als der heutige, von der Moderne geschulte Betrachter, der die Abstraktionskraft der Skizzen als eigentliche kĂŒnstlerische  Leistung feiert„.

Anstelle des „geschulten Betrachters“ treffe ich hĂ€ufiger auf den „beschulten“, welcher weiß, wie man in der jeweiligen Ausstellungsumgebung als Kunstkonsument korrekt zu reagieren hat. Ist „Abstraktion“ per se „Fortschritt“?  Wiegmanns Landschaften haben – etwa in „Kunsthandlungen“ – noch keineswegs von dieser ‚modernen‘ WertschĂ€tzung profitiert. In der Kunstbetrachtung ist vielleicht das gedankenlose Fortschrittsdenken kombiniert mit der Vorstellung himmelstĂŒrzender „Kunstrevolutionen“ (LINK) – unausrottbar.

‚Medizinerblick‘ auf Figuren des Kameruner Graslands (Bamileke) – PLUS

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c DvG

Hochgeladen: 21. Sept. 2022, zweite Erweiterung am 4. Aug, 2024

 

Mein Vater war ein kunstferner Mediziner der Nachkriegszeit. Manchmal kommen mir bei afrikanischen Figuren seine staubtrockenen Kunstbetrachtungen wieder in den Sinn, zum Beispiel bei den hochgerĂŒhmten Karyatidenhockern der Luba mit knienden Frauen. In diesem Fall scheint das medizinisch orientierte Buch „Heil- und Körperkunst in Afrika“ aus dem Linden-Museum ihm Recht zu geben. Der Feststellung einer „Geburtshaltung“ hat meines Wissens kein Kunsthistoriker widersprochen, man redet nur nicht darĂŒber außer in metaphorischer Umschreibung  (Neyt und „höfische Norm“ LINK).

Bei dem kleinen hölzernen Charmeur aus Kamerun sind grotesk ĂŒbertriebene körperliche Eigenheiten nicht zu ĂŒbersehen. Wieder konsultiere ich Hermann Forkls Buch. Die persönliche Kontaktaufnahme mit dem Gelehrten im Ruhestand versemmele ich leider durch Ungeschick. So bleiben meine Fragen unbeantwortet bis das Archiv der „Basler Mission“ mich zu dem mittlerweile hochbetagten Missionar im Ruhestand Dr. h.c. Hans Knöpfli vermittelt, der lange Jahre unter den Menschen im Kameruner Grasland gelebt und gearbeitet hat.   19.9.2022 >>

Zum Beispiel ‚Mambila’ – Wieso gebe ich mich jetzt mit der ‚Provenienz’ zufrieden?

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Geschrieben am 28.1.2020

Manchmal ist die Herkunft, also die Region, wichtiger als die Funktion einer Figur oder Maske. Die Ermittlung ritueller Funktionen ist ohnehin zwischen ErbsenzĂ€hlerei und Utopie angesiedelt. Als ich heute Zeitlyns Protokolle der Sua-Rituale unter den Mambila las, bewunderte ich seine GedĂ€chtnisleistung, vergaß aber nicht, welche Rolle das kleine TonbandgerĂ€t gespielt hatte und was es registrieren konnte.

Die Herkunft, besonders ‚die Ethnie’, ist fĂŒr ‚Stammeskunst’ und ihre Vermarktung auf jeder Ebene der wichtigste Anker. Und ĂŒber einen ‚Anker’ pflegt man nicht weiter nachzudenken.

 

‚Herkunft’ ist aber auch Heimat. Was in solchen Heimaten passiert, ist oft sehr langweilig, einfach ‚mehr desselben’ (Watzlawik). Von VilĂ©m Flusser habe ich gelernt, auf die ‚Sakralisierung’ von Banalem zu achten und die ‚Familiengeheimnisse’, von denen zahllose ‚Tatort’folgen leben, ironisch zu betrachten. Aber die Heimat selber scheint ihren Zauber – vielleicht in der Art einer Fatamorgana – unbeschadet zu bewahren.

 

Ich erfahre zum Beispiel ĂŒber die Objekt-Recherche einiges ĂŒber die Leute, die sich Mambila nennen, wenn auch die gebotenen Informationen weniger aktuell sind als Angebote bei Google, oft dreißig, vierzig Jahre alt – da war ich selber noch jung. Ich erfahre vieles ĂŒber die Leute und sehe sie in ihren und jetzt ‚meinen’ Figuren verkörpert. Die sind ja anwesend wie Besucher. Und wie viel will man eigentlich ĂŒber Besucher wissen? Wo sich doch so viel an WĂŒnschen und Problemen nur wiederholt: Ach ja? Impotenz? Unfruchtbarkeit? Da gibt es doch Angebote! Denken Sie eher an einen traditionellen Heiler aus Afrika oder eine Implantation, oder eine Leihmutter? Beziehungskonflikte? Verhaltenstherapie oder systemische Paartherapie? Ehrlich, wen interessiert das außer die Betroffenen, ihre Verwandten, ihre Freunde oder kommerziell therapeutische Dienstleister?

Die Region und ihre Kultur sind interessanter. Schließlich könnten wir sogar dahin auswandern. Und ĂŒber die Chancen exotischer Heilkuren sollte man sich informieren.

Freilich kommen ‚kĂŒnstlerische’ Stammesobjekte meist aus einer praktisch nicht einholbaren Vergangenheit. Sie verkörpern diese, jetzt kraftlos oder von den VerkĂ€ufern bewusst ‚entschĂ€rft’.

Warum nicht? Nostalgie kann Trost spenden.