Ruth KlĂŒger ist am 2. Oktober 2020 in Kalifornien gestorben. Als Literaturwissenschftlerin und Autorin wird sie in Nachrufen erinnert, vor allem aber als Holocaust-Ăberlebende, eine immer seltener werdende Menschengattung. Als solche durfte sie im Januar 2016 als Festrednerin im Deutschen Bundestag zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau nicht nur ihr Leid von damals schildern, sondern sich auch vor der gegenĂŒber FlĂŒchtlingen herrschenden deutschen Willkommenskultur verbeugen . (LINK FAZ Nachruf 7.10.) Das war sicher eine gelungene Gedenkfeier. Ob sie auch in frĂŒheren Jahren wohl bereit gewesen wĂ€re, an dem Ritual der neuerdings immer gedenkwĂŒtigeren politischen Klasse in Deutschland eine tragende Rolle zu ĂŒbernehmen??
Ich möchte anlĂ€sslich ihres Todes mit achtundachtzig Jahren noch einmal auf ihre BĂŒcher aufmerksam machen. 18.November 2020 (UrsprĂŒnglicher Upload am 22.August 2014)
*
Ruth KlĂŒger – Weiter leben und dann?
âunterwegs verloren â Erinnerungenâ, Zsolnay Verlag, Wien 2008
Ich werde einige Szenen in âWeiter leben â eine Jugendâ (Wallstein Verlag, Göttingen 1992) nie vergessen. Die DreizehnjĂ€hrige mit der Mutter auf dem Treck von Auschwitz-Birkenau nach Deutschland, Niederbayern 1945. In seiner ‚banalen‘ BrutalitĂ€t staubtrocken geschildert im Stil eines Grimmelshausen. Sie war das Kind, das spĂ€t in die Katastrophe geboren wurde, aber nicht spĂ€t genug. Sie wurde FlĂŒchtlingskind und dann Jugendliche in den USA.
Ich gebe zu, ich mag sie.Sie liest Texte reflektiert und perspektivisch, Ă€hnlich wie ich (ich benutze hier ihre Formulierung,188). Sie schreibt mit Herzblut und Selbstironie. Genau wie man die KlĂŒger kennt, wie sie redet. Mich interessiert, was aus ihr nach ihrer Jugend wurde , daher lese ich die Fortsetzung von 2008, âunterwegs verloren â Erinnerungenâ. >>