Monthly Archives: März 2019

Jörg von Kitta-Kittel (1940-2019) – 2008 und 2009

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Aus den Familienanzeigen der FAZ (23.3.2019, S.46) erfahre ich: Kitta-Kittel ist am 16.3. gestorben. Typisch für eine Großstadt. Natürlich werden wir dich niemals vergessen!

Die Todesanzeige , wie sie inmitten der anderen mit einer seiner charakteristischen Zeichnungen geschmückt und von der bodenlosen, aber kongenialen Poesie der Elisabeth Borchers begleitet wird, weckt alte Sympathie. Ich suche seine Webseite. (LINK)

In einem Youtube-Film von 2017 (LINK) zeigt Kittel  einem stummen Fremden Bilder im Atelier. Der wagt auch ein paar Seitenblicke, versetzt mit domestizierter Neuer Musik. Der Atelierboden ist bemerkenswert sauber. Kittel beendet jede Bilderklärung mit seinem meckernden Lachen. Wer hat ihn jemals verstanden?

Kopf in den Wolken. Das könnte man eigentlich von unseren Politikern sagen.

Das muss eine Frau sein, die den Himmel hält.

Das Weibliche, das war manch einer Frau zu viel.

Alle die Bilder bin ich.

Und hier habe ich das dritte Auge entdeckt, das nicht alle haben..

u.s.w.  

Hier bekommt man  lakonische Kommentare zu Motiven, die sicher einmal die einzigen Schlüssel sind. Verliert die nicht, die Menschen werden nicht schlauer!  

Der zweite Teil des Films zeigt einen Kitta-Kittel in der Galerie Netuschil, welcher seiner Darmstädter Fan-Gemeinde um den wortgewaltigen Galeristen ausgesetzt ist, nicht anders als damals sein Lehrer und Meister Ludwig Meidner am Ende seines Lebens. Warum hatte die Stadt Hofheim 1964 dem alten Querkopf nicht das Marxheimer Atelier komfortabler machen können?!  – LINK „Hurra, Ludwig Meidner wird 120“ (2004)

Nehmen Sie auch den Beitrag von September 2016 als einen Nachruf.    D. v. Graeve

TEXTE UND BILDER  VON 2008/09

Damals hatte Jörg v. Kitta-Kittel vorübergehend eine Galerie in einem leerstehenden  Möbelhaus im Zentrum Frankfurts zur Verfügung , die er nur samstags ein paar Stunden lang bespielte,  deren beleuchtete große Fenster aber Nachtschwärmern die ganze Woche über heimleuchtete. Der ideale Ort für Jörg v. Kitta-Kittels expressive Bilder.

Galerie nachts 25.11.2008 Foto : Autor

Galerie nachts 25.11.2008
Alle Fotos : Autor

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Vorbild für ‘politisch denkende’ Menschen? Althistoriker Christian Meier! Wirklich?

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Zu seinem 90. Geburtstag organisierte das Feuilleton in der FAZ ein Interview unter dem Titel “Weil wir Anarchiker waren”. Gesprächsführung: Jürgen Kaube, Simon Strauß.

Im Netz ist es für Nichtabonnenten bezahlbar herunterzuladen (LINK), ich zitiere aus der Printausgabe vom 16. Februar 2019 aus der “Fortsetzung der Seite 11” auf Seite 13.

Nein, das reicht nicht! Weiterlesen…

Afrika – Ein Kontinent hat die Bewegungsfreiheit verloren – JA und NEIN

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Zwei Blicke auf:  John Iliffe : Geschichte Afrikas (Cambridge 1995, C.H.Beck 1997,2000)

John Iliffe Geschichte Afrikas CHBeck S.8 und 9

EIN KONTINENT HAT DIE BEWEGUNGSFREIHEIT VERLOREN, OHNE RUHE ZU FINDEN

Geschrieben am 8.5.2018.

Ich lese mich in eine Geschichte Afrikas ein (John Iliffe: Geschichte Afrikas. Cambridge 1995, dt.2000) und gerate auf der ersten Seite an ein Zitat David Livingstones: Die Untertanen entzogen sich dem Zugriff eines tyrannischen Oberhaupts durch Abwanderung in die benachbarten Länder. „Das ist hierzulande, wo Flüchtlinge niemals zurückkehren, die allgemein übliche Art, Tyrannenherrschaft zu beseitigen. Der derzeitige Casembe ist sehr arm.“ (141)

Till Förster schildert im Aufsatz (LINK zum Blog-Kommentar) sogar noch aktuelle Fälle der Abwanderung und wendet sie gegen das übliche Bild des allmächtigen kolonialen und nachkolonialen Staats.

Doch gibt es für dieses Bild nicht gewichtige Gründe?

1     Die kolonialen Grenzziehungen, welche im Prinzip lückenlos die Geltung fremder ‚Rechtsordnungen’ ermöglichen, aber doch nur so weit, wie die Kräfte des Eroberers reichen.

2     Im Innern die Kooperation von lizensierten Wirtschaftsunternehmen mit der Verwaltung.

3       Das gewaltige Machtgefälle zwischen Kolonial- und Staatsapparat und den ‚Eingeborenen’. Wann konnte je eine traditionelle Oberherrschaft (‚Reich’) Repression so gebündelt einsetzen, notfalls auf Kredit, moderne Geldquellen im Hintergrund?

Die Menschen flüchten noch immer und mehr denn je vor Krieg, Unterdrückung und Verarmung, aber sie werden heute von internationalen ‚Hilfsorganisationen’ in Empfang genommen und mit Vorliebe in Lager gesperrt und ‚versorgt’, damit sie das Gastland nicht auch noch, oder noch zusätzlich destabilisieren.

Die Fixierung der Untertanen am jeweiligen Ort, auf den Status quo also, war ebenso Teil der ‚Befriedungspolitik’ wie ihre planmäßigen Umsiedlungen.

Die Synthetisierung diverser ethnischer Identitäten hat im Laufe der Zeit ein Eigenleben entwickelt und sich dabei mit nostalgischer Geschichtsklitterung zu Herrschafts- und Territorialansprüchen verbunden. Tribaler Chauvinismus wurde zum rhetorischen Mittel der Innenpolitiker.

Sie sollte aber auch Basis für eine wirtschaftliche und soziale ‚Entwicklung’ sein, für den Ausbau von Infrastruktur, von Medizin und Familienplanung, von Bildung und Erziehung sowie moderner Arbeitsplätze nicht nur Rohstoffausbeutung, so etwas wie eine abhängige Industrialisierung mit Wissenstransfer. Mit dem Abbruch der Kolonialisierung 1957-60 konnten sich die Europäer jeder Verantwortung entledigen und sich allein auf Erhaltung und Ausbau der für die Ausbeutung notwendigen Strukturen konzentrieren. Darüber hinaus blieb ‚Entwicklungshilfe’ eine PR-Agentur zur Beruhigung der heimischen Öffentlichkeit.

Alle vom Kolonialismus angestoßenen Entwicklungen sind aus dem Ruder gelaufen. Aus den ‚offenen Adern’ Afrikas strömen nicht nur Rohstoffe und Profite, sondern auch Menschen, Flüchtlinge geheißen. Ich weiß nicht, was bei weitergeführter Kolonisation aus dem Projekt geworden wäre. Familienplanung wäre sicher Teil gewesen. In Zentralafrika vegetieren die Dörfer vor sich hin. Ohne den Verdienst der Landflüchtigen – und der Flüchtlingen außer Landes würden sie verhungern. Die Metropolen platzen aus allen Nähten und verkommen zu einem Patchwork an Slums.

Die europäischen Verfassungsprinzipien wurden nach Afrika verpflanzt. Für die überforderten Regierenden verlockend waren der Anspruch auf Souveränität auf einem prinzipiell unverletzbaren Territorium (‚territoriale Integrität’), die Einführung der Staatsbürgerschaft – die bereits in Europa die Menschen im 20. Jahrhundert nicht vor Despoten und völliger Entrechtung bewahrt hat – und das Prinzip des staatlichen Gewaltmonopols, das die Selbstverteidigung von vorneherein kriminalisiert – die hartleibigen USA-Bürger ausgenommen.

„Staatsbürgerschaft“ ist meist eine sehr einseitige Sache. Was steht schrankenlosen Zugriffsrechten und Ausschlußrechten gegen „Ausländer“, „Staatenlose“ an Gewinn gegenüber? Ein von den Behörden zu erbittender „Reisepass“ und ähnliche Gnadenerweise eines korrupten Polizeistaates etwa? Da können Nepotismus und ‚Korruption’ zu den einzigen akzeptablen Lösungswegen werden.

Was zeigen die Wahlen, die in Europa so aufmerksam ‚beobachtet’ werden? In welchen Staaten und wann gelingen sie überhaupt, diese Musterbeispiele von „nation building“?

‚Politische Parteien’ müssen einfach ‘ethnozentrische’ Wahlvereine sein. Man muss seine Sache schon in der Metropole vertreten, wenn man nicht übergangen werden will. Die beklagte Klientelpolitik ist die selbstverständlichste Sache der Welt. Mit allen Zeichen der Ungleichheit. (Die südamerikanische Anekdote: mit dem Bus zum Wahllokal, aber zu Fuß zurück). Die Institutionen sind Clearingstellen. Es geht um weitreichende Entscheidungen wie Provinzgrenzen und Personalfragen, jedenfalls um viel Geld und sogar um räumlich entfernte Bevölkerungsgruppen, mit denen man früher nichts zu tun hatte, auch wenn man vielleicht durch eine Handelskette verbunden war.

Die ständige Vermehrung der politischen und bürokratischen Posten wurde schon lange beklagt. Was bleibt anderes als Proporz denn übrig? Die Alternative heißt Abspaltung und Bürgerkrieg.

Solange es ums Verteilen geht, lässt sich vielleicht noch ein Kompromiss aushandeln, aber wenn es um eine ‚nationale Haltung der Demokratischen Republik Kongo’ gegenüber etwa Tansania, Uganda, … oder Angola geht?

Wanderungen – durch  Verdrängung oder als Reaktion auf drohende Verarmung oder sich auftuende Chancen – , sowie Verträge und Kriege waren immer die unfriedliche Normalität Afrikas.

Afrika hat nun aber mehr als ein Jahrhundert einer bürokratischen Kartierung und Parzellierung, von ethnischen zerstrittenen neuen Identitäten, auferlegten fremden Begriffen und Konzepten hinter sich, dazu massive äußere Eingriffe aller Art, die – wie etwa die Kolonialmedizin – nicht zu einem guten Ende geführt wurden oder immer nur dem fremden Interesse dienten, den Ländern durch Übertölpelung (Bergbau, Nestlé, …) oder Verlockung einheimischer Eliten als vorteilhaft verkauft wurden.

Fortschritte gibt es wie seit jeher durch individuelle Aktivität; doch viele initiative Leute resignieren aber nach der Rückkehr in ihre Heimat. Die in den elenden Verhältnissen Zurückgebliebenen bremsen auch die Migranten in der Diaspora, halten sie mit permanenten materiellen Forderungen fest. Der Heimatersatz ‚Diaspora’ erschwert selbst noch die Integration in die ‚Gelobten Länder’.

HINTER DIE BILANZ GEHÖRT EIN FRAGEZEICHEN.  SCHREIBEN WIR DIE GESCHICHTE AFRIKAS WEITER!

Ausgerechnet das Zehnte Kapitel von „Geschichte Afrikas“: “Auswirkungen des Kolonialismus 1918 – 1950“ und der Unterabschnitt „Bildung und Religion“ – auf nur zehn Druckseiten – zeigt uns, wie sich die Geschichtsschreibung  Afrikas beleben und aufhellen lässt. Sie richtet unseren Blick auf eine vielfältige Dynamik und weist auf das für den Kontinent spezielle Potential dieser Epoche – und lässt uns nach Entsprechendem heute Ausschau halten.

Wie gelingt es Iliffe, trotz eines extrem weit gespannten Rahmens Phrasen zu vermeiden? Ein Vergleich mag das Verfahren veranschaulichen. Jeder kennt den Blick aus dem Flugzeug bei leicht bewölktem Himmel. Gerade im Frühjahr ist oft die Sicht zwischen den Wolkenfetzen detailreich und konturiert. Bei Iliffe erhalten unzählige Detailinformationen Kontur, ohne den Eindruck zu erwecken, ‚die ganze Wahrheit’ zu repräsentieren. Die zahlreichen Blindstellen sind dem Bewusstsein stets präsent. Als begabter Erzähler nutzt er Überspitzungen, vermag aber auch noch die disparatesten Einzelfälle miteinander ins Gespräch zu bringen.

Wo immer ich über Vorwissen zur Kolonialepoche verfüge, registriere ich sachlich gebotene Zwischentöne oder Korrekturen am Gesamtbild. Dazu reichen schon kurze einzelne Sätze oder einzelne statistische Zahlen. Ein Beispiel:

Der islamische Norden Nigerias, den ich bei Harnischfeger kennenlernen durfte (LINK): „….Dennoch erlegte Lugard den nichtislamischen Völkern die islamische Herrschaft der Fulbe auf.“ (Iliffe 306). Der Passus zum resultierenden Bildungsnotstand lautet: „wohingegen in ganz Nordnigeria 1951 nur ein einziger Schüler (ein Christ) einen Abschluss vorweisen konnte.“ (ebd. 300).

Zuweilen muss man das bittere Bewusstsein späteren Scheiterns einfach ausblenden, um aus dem Olymp der Neunmalklugen auf die Ebene der handelnden Menschen abzusteigen, um ihnen an ihrem konkreten Ort zu begegnen, ihrer Selbstwahrnehmung, den sich ihnen bietenden Chancen, ihren Enttäuschungen und Scheitern, ebenso wie der Umorientierung.

Es war schon bitter, wenn etwa die Kolonialmacht befand: “Keine Eliten, keine Probleme“ (Rhodesien, Belgisch- Kongo – 300), aber anderswo in Afrika existierten schon Universitäten. „Die regionalen Unterschiede waren enorm und blieben lange bestehen.“ (300) Immerhin „förderte Bildung in Afrika zu dieser Zeit – anders als in Indien – eher die Durchlässigkeit der Gesellschaft, statt alte Privilegien zu festigen.“ (300). „Lesen und Schreiben besaßen dieselbe Faszination wie zu jenen Zeiten, als sie das Monopol der Muslime gewesen waren, brachten aber auch materielle Vorteile (…) und verschafften Zugang zu Aufklärung und Macht, von denen die Ungebildeten, wie sie selbst wussten, ausgeschlossen waren.“ (301)

Dann ist von Zeitungsgründungen die Rede, von politischen Klubs, der Rolle der europäschen Mission. „Die enge Verbindung mit Alphabetisierung und Bildung verliehen dem Christentum in der Frühphase der Kolonialzeit neue Attraktivität. Erstmals wurde die afrikanische Kirche eine Kirche der Jugend. (…) Da die polygynen Gesellschaften Afrikas die Jugend unterdrückt hatten*, stellte nun das Christentum eine Revolte der Jugend gegen die ältere Generation dar, vergleichbar der Annahme des Kommunismus im Asien des 20. Jahrhunderts.“ (302; *z.B. der LINK zu MacGaffey, 2008). Natürlich ist die explodierende Ausbreitung afrikanischer ‚Freikirchen’ differenziert und übersichtlich Thema.

Sind die sich abzeichnenden Tendenzen in den zeitgenössischen Afrika-Wissenschaften dem Erscheinen solcher Bücher förderlich, die unser Verständnis ebenso disziplinieren wie befreien können?

Ich glaube kaum, wenn nicht Menschen mehrerer Disziplinen engagiert zusammenwirken. Jede von ihnen ist in der Gefahr, durch mehr Desselben (Watzlawik) ihre Horizonte zuzustellen.

Vorsichtshalber. Zögern Sie nicht, nach diesem Buch zu greifen, solange es noch auf dem Markt ist.

 

 

 

 

 

 

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In tiefster ARTE-Nacht: Der Traum vom perfekten Tropenholz

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Im ARTE 3.3.2019 Nachtprogramm :  CONGO – GORILLASCHUTZ MIT KETTENSÄGE    55′ WDR/ARTE

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Geschminktes Mali – mein Blues bei „Mali Blues“ (Lutz Gregor 2017)

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Filmkritik

Die ersten sechzig Minuten   (Geschrieben am 13.8.2017)

 

Ein Geschenk also. Der Schenkende hatte keine Chance, die DVD–Verpackung steckt voller kleiner Lügen. (LINK), ( L. Gregor LINK) Weiterlesen…

Francfort sur Main. Brocante en 2019 – Illumination spontanée du Moine

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Écrit le 12.2., rédigé le 8.3.2019  (2nd version d’un Allemand)   Original allemand :LINK

 

La pièce devant moi serait-il authentique? Incroyable.
Je ne comprends toujours pas le marché mondial. Comment les biens matériels peuvent-ils migrer si indétectables? La richesse, incroyablement concentrée dans notre région, les suce irrésistiblement.

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Flohmarkt ‚Museumsufer’ 2019 – Spontane Erleuchtung des Mönchs

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Verfasst am 12.2./ Zuletzt redigiert am 28.4.2019 – Eine fortgeschriebene Version auf Französisch: LINK

Eilmeldung: Ist die Verlegung der Anfang vom Ende? 26.1.2020 (Link)

 

Das angebotene Stück soll echt sein? Das wäre ja unglaublich.
Ich begreife immer noch nicht den Weltmarkt: Wie können materielle Güter so unentdeckt wandern? Der unverständlicherweise in unserer Region konzentrierte Reichtum saugt sie unwiderstehlich an.
Es ist ein Scherz voll Berechtigung, als ich den Frankfurter Flohmarkt als ‚brousse’, als ‚Busch’ bezeichne! Das hat natürlich mit dem mitteleuropäischen Winterwetter zu tun und der Unfähigkeit Frankfurts, eine ganz triviale Markthalle zu organisieren. Die Großmarkthalle musste ‚denkmalgeschützt’ überflüssiger Teil der EZB werden. Ein positiver Einfluss der feinen Frankfurter Kreise auf die Stadtkultur ist für mich nirgends erkennbar. Für den Verlust gibt es keine ‚Trittsteine’ im Pflaster.

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MATALA, schöner Tänzer der achtziger Jahre (Maske,Pende)

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DEBATTE UND 4 FOTOS VON MARVIN GOERTZ AM ENDE!   (Erste Fassung seit 28.12.2018 im Netz, englische Fassung seit 31.12. : LINK

Jüngster Kommentar vom 9.4., 9.00:

Lieber D.,

jetzt habe ich Matala gelesen — eigenartig, wiesehr an diesen Masken eine ganze Weltsicht hängt. Es erinnert mich an romanische Plastiken oder Ikonenmalerei, die in scheinbaren Details ganze komplexe Ideale verbergen.    G. M.-Z.

 

Vorbemerkung

Es gibt so viel Unterernährung in der Provinz Bandundu, dass die Leute seit 1990 nicht mehr viel tanzen” (Z.S.Strother, 2007). “Die Maskensituation war im Bandundu-Gebiet 2007 kritisch, aber 2017-18 fanden eine Anzahl (großer) mukanda Camps im Kasai statt” (Z.S.Strother, Jan. 2019)

Es war einmal…. aber jetzt in gewisser Weise eine  Erholung!  Aber eher als Folge der ethnischen Auseinandersetzungen im Kasai und Initiationen (mukanda) als Vorbereitung auf den Beitritt zu Milizen? (Luluwa Kasai Link)

Man tanzte gern bei den Pende. Es waren gesellschaftliche Ereignisse. Die Sänger und ihre Botschaften, die kreativen Energien und die Vitalität der Tänzer und Trommler, die neu erfundenen Masken mit ihren Kostümen…. alles das hielt die Gemeinschaften zusammen! Mehr oder weniger im Widerspruch zu Kolonialverwaltung und die saurer Tristesse der Missionare, gegen Machtmissbrauch bei den eigenen Leuten, gegen Gier und Dummheit, durch ein ganzes chaotisches Jahrhundert hindurch. In einem früheren Beitrag wird diese Geschichte erzählt (Link)…. Und natürlich zum geselligen Vergnügen! Ist das Fest nun vorbei?

Meine Informationen fand ich vor allem in den Publikationen der amerikanischen Kunsthistorikerin (nach unseren Begriffen auch Ethnologin) Zoé Strother, die 1986 bis 1989 unter den Pende lebte. Ihre kunstsoziologische Dissertation “Inventing Masks” beschreibt nun auch schon historische Verhältnisse, spätere Aufsätze bearbeiten andere Themen. Dreißig Jahre sind vergangen, die damals jüngste Generation von Maskenschnitzern ist bereits alt. Ist sie überhaupt noch aktiv? Was sind ihre Geschäftsmodelle heute? Leben sie bereits in Kinshasa?

Ich erwarb auf dem Markt von einem Zwischenhändler eine starke, wenn auch nach meinem Empfinden nicht gerade schöne Pende-Maske, eher eine gelungene Karikatur. Ich schickte ein paar Fotos nach New York und erhielt folgende Antwort: Weiterlesen…

MATALA: Beautiful Dancer of the Eighties (Mask, Pende)

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NEW EDITION  07.03.2019  (First edited 31.12.2018) WITH DEBATE AND 4 PHOTOS BY MARVIN GOERTZ

Link to the German Version (since 28.12.18)

 

Preliminary Note

There is so much malnutrition in the Bandundu Province that people have not been dancing much since 1990” (Z.S.Strother, 2007) “Although the masking situation in the Bandundu was unhealthy in 2007, in 2017-18 there were a number of (large) mukanda camps in the Kasai” (Z.S.Strother, Jan. 2019)

 

Once upon a time …. The Pende liked dance performances like crazy. Social event! Weiterlesen…

GEIL, DIESE FALLISCHEN MEGALITEN IN ETIOPIEN!

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THEMEN

  • Die schnell langweilende Dokumentation (92 Minuten) – Äthiopiens phallische Megalithen, die ARTE am 2.2.19 ausstrahlte (Verfügbar bis 9.April, LINK) – Bereits die eingesprochene Einleitung lässt erkennen, wohin der Hase läuft.
  • Die Popularisierung archäologischer Forschung (Fernsehen, Ausstellungen)
  •  Ein Forschungsansatz westlicher Archäologen in Afrika und sein Nutzen für die akademische afrikanische Geschichte. Was hat ein Sammler afrikanischer Kunst davon?
  • Verschiedene Kontexte archäologischer Grabungen im postkolonialen Afrika, etwa „Weltkulturerbe“
  • Buchempfehlung : John Iliffe: Geschichte Afrikas. Cambridge 1995, dt.Übersetzung im C.H..Beck Verlag, München 1997, 2000 – ein fesselndes Buch, mit dem die endlosen Weiten und Herausforderungen Afrikas über einen großen Zeitraum als Denkhorizont zu gewinnen sind.

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