Frankfurter Flohmarkt am Nordufer! Bis August ist er ruiniert.

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Frankfurter Flohmarkt am Nordufer! Sobald wie möglich zurück auf die Südseite, Schaukainkai! Man darf nicht bis August warten. Bis August ist er ruiniert.

Bis  einschliesslich 30. Mai ohnehin abgesagt!    Quelle: frankfurt-tourismus.de (LINK)       20.3.

Eine Stadt-Regierung, die es gerade wagt, öffentlich über 800 Millionen für Städtische Oper und Theater (ohne die Folgekosten) zu reden, für Einrichtungen, über deren Rolle im 21. Jahrhundert neu nachgedacht werden sollte, beweist wie schon bei früheren Gelegenheiten ihre Ignoranz gegenüber diesem Stück gewachsener Stadtkultur. (Link zu meinem Stimmungsbericht vom ‘goldenen’ vergangenen Frühjahr

Eine Stadt, die überall nach touristischen Anziehungspunkten sucht und gerade für das Altstadt-Imitat eine Menge Geld mobilisiert hat, macht diese touristische Attraktivität einfach so kaputt. Haben die Verantwortlichen sich den Ansturm von Menschen aller Herren Länder jeden zweiten Samstag nie angesehen?

Über die Jahre ist es dem städtischen HFM Management gelungen, die Qualität des Angebots zu heben und am Schaumainkai unter den Platanen eine entspannte Situation zu schaffen. Es war auch für Auswärtige attraktiv, in Frankfurt ihr Glück zu suchen. Die Altkleiderhaufen verringerten sich und konzentrierten sich jenseits der Schweizer-Straße. Die Anbieter, die dem Flohmarkt am Schaumainkai zuweilen den Flair eines Antikmarktes verliehen haben, werden vertrieben. Bereits jetzt sieht der ganze Markt nach Lumpenmarkt aus, schlimmer als am ärmlichen, aber ordentlichen Standort in der Lindleystraße, einem Gewerbegebiet.

„Wir sind in der Dritten Welt angekommen“ war zu hören. Mit vollem Recht.

Wie werden die Aussteller behandelt, die teilweise schon zweihundert und mehr Kilometer durch die Nacht gefahren sind, wenn sie um sechs Uhr früh oder früher ankommen?!Am Samstag standen sie ab sechs Uhr am Nordufer im Stau, sie wurden mit ihren Sachen herumgeschubst.

Wie soll das künftig funktionieren? Nicht einmal die Praxis reservierter Standplätze hat man bewahrt. Für Verkäufer und Publikum war das bequem. Soll es jetzt jedes Mal Hauen und Stechen geben, und bei guter Wettervorhersage noch mehr davon?

So eine Enge hinter dem Eisernen Steg!  An jedem Ende und in der Mitte hatte man noch einige hundert Meter abgeknapst, sodass die Standflächen auf 40% schrumpften. Denn so radikal vom Autoverkehr befreit werden soll der öde (wie heißt er noch) ….-kai nicht!

Wie kann man da genügend Tische und gar Zelte aufstellen?  Um die Hälfte der Angebote überhaupt nur wahrzunehmen, hätte man als Besucher ständig zu Boden blicken müssen, aber bei dem Gedränge? „Paradies der Taschendiebe“ war mein erster Gedanke. Die weißen Laken, auf denen manche Aussteller ihre Ware ausbreiteten, waren nach kurzer Zeit schmutzig, ein tristes Bild.

An eine „Gasse für Einsatzfahrzeuge“ war da nicht zu denken. Das muss die Feuerwehr (oder wer ist zuständig?) unbedingt sofort wissen!

Frankfurter Schildbürgerstreich: Die Grünfläche, die Pflaster und die ‚Hafenbahnschienen’ durften nicht besetzt und genutzt werden. „Eigentum der Bahn“ war die Begründung, die ich zu hören bekam. Das haben Sie nicht vorher regeln können?

Ich hatte vorher nicht geglaubt, dass die bewährten Stände zum Essen und Trinken in der Tat fehlen würden. Sie sind schon als Sitzgelegenheit nötig und natürlich für das richtige Flair. Die Cafés um den Römerberg gehören nicht wirklich zum Flohmarkt. Eine eigene Welt.

Dass der saubere Toilettenwagen durch – sage und schreibe – zwei Dixiklos ersetzt worden wurde, war geradezu eklig. Den in der Stadtverwaltung dafür Verantwortlichen hätte ich gern darin eingesperrt.

Ich hoffe, dass die vom neuen Kernbereich zahlreichen betroffenen Anwohner Krach schlagen. Das könnten einige hundert sein.

Viele Menschen werden die Märkte unter den Platanen vor den Museen und den kleinen Parks vermissen.

Wenn ich jünger wäre, würde ich digital eine Initiative lostreten! Oder ein Go-in bei der Stadtverwaltung organisieren?

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Leserbrief an die Lokalredakteurin Mechthild Harting , welche eine kritische Reportage – in faz.net bereits am Sonntag – „Wenn ein Flohmarkt umzieht : Chaos und Enge statt Trödelflair“ (Text) verfasst hat:

Sehr geehrte Frau Harting,

Ihr Artikel in der Rhein-Main-Zeitung gab sehr gut wieder, was die Beteiligten und Besucher am Samstag erlebt haben.
Das einleitende Foto zeigt zum Beispiel deutlich die absurde Raumaufteilung.
Wenn Ihr Kollege Alexander in der Rubrik ” Hauptwache” allerdings schreibt: “Die Lebenserfahrung lehrt, dass man erst einmal ein paar Wochen abwarten sollte, bis ein endgültiges Urteil über die Eignung des neuen Standorts möglich ist”, so gilt das nach meiner ‘Lebenserfahrung’ mit Stadtverwaltung und Flohmarkt nicht uneingeschränkt. Die in Ihrem Artikel referierte Forderung der “Nacharbeit” wird umso eher erfüllt, je mehr öffentliche Aufmerksamkeit das Thema behält. Und sie reicht nicht einmal aus. Denn es sind nicht nur Anfangsprobleme entstanden, es zeigen sich genau die Konstruktionsfehler, die seit dem vergangenen Sommer in der FAZ wie in der FR vorhergesagt wurden!
Die versprochene Überprüfung in einem halben Jahr ist unakzeptabel! Es geht nicht nur um Verkehrslenkung, sondern es besteht die Gefahr, dass der Flohmarkt zwischen den Standorten zerrieben wird.

Bleiben Sie also dran, bitte!

Wäre es möglich, eine Mail-Adresse zu veröffentlichen, die für die ‘strategische’ Ausrichtung kompetent ist? HFM führt ja bloß aus oder?    Mit freundlichem Gruß  DvG

P.S.

Sechs Wochen und drei Termine  später.  Die HFM tut ihr Bestes, viele Aussteller können nun mit der geregelten Einschränkung leben, wer noch hingeht, auch. Von einer Petition von über dreihundert Unterzeichnern an die Stadtverordneten habe ich in der FAZ gelesen, aber die Zeichnung war wohl bereits geschlossen. Nirgendwo fand ich eine Adresse, um mich anzuschließen. Hätte daraus nicht mehr werden können?

Jetzt hat die Stadt gerade andere Probleme. 15.3.20

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