Archiv der Kategorie: DAS 20. JAHRHUNDERT AN KWILU UND KASAI (YAKA, YANSI, PENDE….)

Die Leele im West-Kasai – Soziologie und Geschichte.

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Zweiter Beitrag zur Leele-Maske. Diesmal von der Frage nach dem Kontext angetrieben. Der objektbezogene Beitrag  vom August hat einen eigenen LINK bekommen. Die allgemein zugängliche Literatur zu den Leele ist dünn, die Beiträge im Netz beziehen ihre Informationen von der britischen Anthropologin Mary Douglas  und schreiben von einander ab.

Die beste Zusammenfassung bietet der gründliche biografische Artikel in en.wikipedia: „Mary Douglas“ (LINK)

Mary Douglas ließ sich überhaupt nur zweimal auf Feldforschung unter den Leele ein, ein Jahr während der akademischen Ausbildung 1949 und als prominente Theoretikerin auf Durchreise vierzig Jahre später 1987, als die Mehrheit der Leele bereits in Kinshasa lebte.

In ihrer ersten Studie „The Lele of the Kasai“ war ihr Blick auffällig scharf fokussiert, und zwar auf soziale Strukturen und ‚alle‘ denkbaren Einflussfaktoren. Ihre Diskretion war so stark, dass sie ihre Publikation bis 1963 verschob  (Oxford Univ. Press, 1963. – XIV, 283 S.; Neuauflage 2003). Wegen politischer Instabilität und Rebellenbewegungen in dem inzwischen ‚unabhängigen Staat‘ sah sie sich veranlasst, ihren Text in die Vergangenheitsform zu transponieren.

Ihre komplexen Untersuchungen bei den Lele 1949 sind auf der en-wikipedia-Seite ohne ihre Schärfe formuliert. Ich gebe einen Auszug auf Deutsch wieder.

Größtenteils folgt Mary Douglas‘ Ethnographie der Lele-Pflanzer (hand cultivators), die in den Wäldern im Südwesten von Belgisch-Kongo lebten, dem konventionellen Muster zeitgenössischer Ethnographien. In Anlehnung an die Strukturfunktionalismus (Link), in der der Anthropologe versucht, die Schlüsselstrukturen und Institutionen zu identifizieren und zu untersuchen, wie sie zur Aufrechterhaltung der Gesellschaft beitragen, untersuchte Douglas, wie die Lele soziale Stabilität aufrechterhielten, als es keine offensichtliche Autorität und keine Führer mit legitimer Macht gab. Douglas beschrieb eine Gesellschaft, in der ältere Männer gemeinsam über Schlüsselressourcen, Frauen, Kultmitgliedschaft und Wissen über Wahrsagerei und Zauberei verfügten. Jüngere Männer waren von diesen älteren Männern abhängig, traten aber mit der Zeit an deren Stelle. Die Spannungen zwischen diesen Gruppen wurden durch mögliche und tatsächliche Vorwürfe der Zauberei unter Kontrolle gehalten. Ältere Männer achteten darauf, keinen Anstoß zu erregen und Vorwürfe der Zauberei zu vermeiden, und jüngere Männer konnten Zaubereivorwürfe nutzen, um ihre älteren Verwandten für ihr Unglück verantwortlich zu machen.

Schon in der Einleitung zeigte Douglas sich enttäuscht, wie wenig die Leele aus den natürlichen Ressourcen materiell und kulturell machten, Im Unterschied zu den aktiven erfolgreichen Nachbarn. Die Autorin lässt ihre innere Distanz zu den Leuten spüren, aber praktiziert eine auf Sachargumente begründete Toleranz, sogar moralische Neutralität,

Meine Zwischenbilanz im August 26:

Die traditionelle Religion zügelte die Angst und kanalisierte sie. Der Vorwurf der Hexerei war an einen hohen Status gebunden und seine Handhabung zwischen den Klans ritualisiert. Das ‚Gottesurteil‘ per Gift diente als letzte Instanz. Körperbetonung auch in der Symbolik.

Darin fand dieses steckengebliebene, reformunfähige Gesellschaftssystem ihre oberflächliche Stabilität, um den hohen Preis zementierter Greisenherrschaft mit genereller Bevormundung und Bedrückung der jungen Generationen, einer weitgehender Untätigkeit abhängiger junger Männer wie Frauen, die sich in Jagd, Eitelkeiten und Rivalitäten erschöpfte, der Neigung zur Anarchie und Unfrieden nach außen. Die äußere Zurückhaltung der privilegierten Alten war verlogen. Promiskuität und Ancennitätsprinzip diente als sozialer Leim.

Unter dem Druck von außen, also nach dem kolonialen Verbot des ordeal (‚Gottesurteil‘) , sowie durch die Mission, die der Jugend die Tür zu städtischen Karrieren des modernen évolué öffnete, sie aber extrem forderte, war der Niedergang der dörflichen Alten nur eine Frage der Zeit. Die Modernisierung hängte das alternde Dorf ab, hungerte es aus und machte die Alten zu Bettlern bei ihren sozial und wirtschaftlichen hart kämpfenden städtischen Verwandtschaft

 

Andere sekundäre Quellen im Netz stürzen sich natürlich auf Douglas‘ pikante Details der Institution „Dorf-Ehefrau“.

So „AFRICA / 101 Last Tribes.com“: auf die „Polyandrie beim Stamm der Lele“ (übersetzt):

 Zusammenhalt ist bei den Lele von entscheidender Bedeutung – dies liegt an der Form der Polyandrie, die in ihren Dörfern praktiziert wird. Die Lele bezeichnen sie als *hohombe* oder *ngalababola*, was so viel wie „Ehefrau des Dorfes“ bedeutet. Etwa jede zehnte Frau bei den Lele wird zu einer solchen „Dorf-Ehefrau“; die übrigen Frauen leben meist in polygynen Ehen. Die Anthropologin Mary Douglas hat den Status der „Dorf-Ehefrau“ bei den Lele eingehend untersucht und beschrieben. Eine „Dorf-Ehefrau“ kann auf verschiedene Weise zu diesem Status gelangen: Sie kann gewaltsam entführt, verführt, als Flüchtende aufgenommen oder bereits im Kindesalter versprochen worden sein. Zunächst ist sie mit mehreren Männern des Dorfes verheiratet – Männern, die unter Umständen bereits andere Ehefrauen haben. Eine „Dorf-Ehefrau“ wird mit großem Respekt behandelt und genießt eine Art Flitterzeit, die sechs Monate oder länger dauern kann. In dieser Zeit muss sie weder kochen noch Wasser holen, Feuerholz schlagen oder andere typische Frauenarbeiten verrichten. Möchte sie zur Quelle gehen, um Wasser zu holen, so untersagen ihr die Ehemänner das Tragen der Last; stattdessen begleiten sie sie und tragen den Wasserbehälter (eine Kalebasse) für sie. Zudem darf eine neu „erworbene“ Dorf-Ehefrau die Männer auf die Jagd begleiten – ein Privileg, das gewöhnlichen Frauen verwehrt bleibt. Dies dient unter anderem dazu, zu verhindern, dass sie in ihr ursprüngliches Dorf zurückgeholt wird. Sie verzehrt kein Gemüse, da ihre hingebungsvollen Ehemänner ihr täglich Eichhörnchen und Vögel bringen; zudem ist ihr eine besondere Delikatesse vorbehalten: die Leber einer Antilope. Da sie selbst nicht kocht, isst sie Speisen, die ihren Ehemännern von deren Müttern oder anderen Ehefrauen zubereitet wurden. Normalerweise essen Männer und Frauen bei den Lele nicht gemeinsam, doch während ihrer Flitterzeit darf die Dorf-Ehefrau zusammen mit ihren Ehemännern essen. In dieser Phase verbringt sie jede zweite Nacht mit einem anderen Mann in ihrer Hütte; tagsüber hingegen hat jeder Mann des Dorfes das Recht, mit ihr zu verkehren. Nach Abschluss dieser Flitterzeit wird ihr eine festgelegte Anzahl von Ehemännern zugewiesen – manchmal bis zu fünf. Sie lebt mit diesen Männern zusammen, kocht für sie und pflegt in ihrem Haus intime Beziehungen zu ihnen. Obwohl ihre Ehemänner von jedem Mann, der mit ihr in ihrer Hütte schläft, Schadensersatz fordern können, steht sie dem übrigen Dorf zur Verfügung, sobald sie sich außerhalb ihres Hauses aufhält. Im Laufe der Zeit hat die „Dorf-Ehefrau“ die Befugnis, Ehemänner aus ihrem Haushalt zu entfernen – ein Prozess, den sie so lange fortsetzen kann, bis nur noch zwei oder drei von ihnen übrig sind. Diese Initiative geht jedoch nicht zwangsläufig von ihr aus: Ein Mann könnte beispielsweise Streit suchen, eifersüchtig sein oder eine eifersüchtige Ehefrau geheiratet haben – aus diesen oder ähnlichen Gründen nimmt er dann seine Habseligkeiten aus ihrem Haus mit. Ein Kind einer solchen „Dorf-Ehefrau“ wird als *mwanababola* bezeichnet – was so viel bedeutet wie „Kind des Dorfes“ –, da es gewissermaßen allen Männern gehört. Wird das Kind nach seinem Vater gefragt, nennt es meist einen oder zwei Männer, die für es eine soziale Vaterrolle eingenommen haben. Das Dorf als Gemeinschaft übernimmt zudem die Verantwortung, die Brautgabe für die zukünftigen Ehefrauen der Söhne dieser „Dorf-Ehefrau“ zu entrichten.

ODER:

Screenshot 26.10.26 „Wow The Village Womanof Lele Tribe can have multiple husbands“

Der Besuch der arrivierten Anthropologin 1987

Mary Douglas'“Sorcery Accusations unleashed: Le Lele Revisited, 1987“ AFRICA, London, Bd.69/2, 1999, S. 177- 193).

en.wikipedia im nächsten Absatz:

Als MaryDouglas 1987 nach Kasai zurückkehrte, stellte sie tiefgreifende Veränderungen in den sozialen und religiösen Beziehungen fest. Viele jüngere Lele hatten die Möglichkeiten europäischer Bildung genutzt und waren in die Hauptstadt Kinshasa abgewandert, wo sie als Fachkräfte, Unternehmer oder katholische Priester erfolgreich Fuß fassten. Die älteren Menschen hingegen, die in den Dörfern geblieben waren und an ihrem traditionellen Glauben festhielten, gerieten in den 1980er Jahren in wirtschaftliche Not. Die jüngeren, in der Stadt lebenden Lele wandten sich dem Christentum zu. Dies veränderte den Charakter von Hexereivorwürfen: Sie dienten den jungen Lele-Priestern zunehmend als Mittel, um die traditionelle Religion anzugreifen und zu zerstören – indem sie ältere „Hexer“ und deren vermeintlich sündhafte Praktiken ausmerzten. Es kam zu öffentlichen Säuberungsaktionen gegen Hexer; „wer der Hexerei verdächtigt wurde, wurde geschlagen und verbrannt, bis ein Geständnis vorlag“. 

Helfen ähnliche Erfahrungen anderswo zum besseren Verstehen?

Nachdem auch die afrikanischstämmigen Missionare das Versprechen von sozialer Befriedung, Erfolg und geistlicher Erlösung nicht einlösen konnten, war der mit Erwartungen überfrachtete christliche Monotheismus am Ende. Die engagierten jungen Priester vertrauten auf die absolute Autorität ihres Gottes, aber „das Böse“ war im allgemeinen Verfall des Kongo immer weniger zu bändigen. „Die Leitung der Amtskirche stiehlt sich aus der Verantwortung“, schrieb Douglas. Ich weiß aber nicht, wie sie anders als mit Schuldzuweisungen ihr aufgeklärtes Image im Norden hätten schützen können. Der Kampf gegen „Hexerei“ – das tragende Element überkommener Ordnung und Autorität – aufersteht als fanatische „Ketzerverfolgung“ von „mittelalterlich“ europäischer wie „afrikanischer“ Primitivität.

Die nostalgisch erhoffte Wiederbegegnung mit dem ‚ihrem‘ Dorf wurde für Mary Douglas traumatisch; sie schob die Veröffentlichung ihres Berichts wieder zwölf Jahre hinaus und kompensierte den Schmerz durch religionstheoretische Themen, ihrem Fachgebiet. (AFRICA, London, Bd.69/2, 1999, S. 177- 193).

Damit enttäuschte übrigens die ‚“Sorcery Accusations unleashed: Le Lele Revisited, 1987“ meine Erwartungen. Ich hatte ihren ‚Titelzusatz‘ für den Hauptsatz gehalten. Was hätte ich aber erwarten dürfen? Die Verelendung ländlicher Regionen und die ebenso tragische wie böse Rolle dörflicher Eliten nach dem Eintritt staatlicher Pseudo-‚Unabhängigkeit‘ zeigte immer wieder, zum Beispiel bei den Yaka in der Region Bandundu. Im Rahmen einer kleinen Studie zur Landeskunde (LINK erinnere ich mich noch an die Honoratioren, die die moderne Farm eines jungen Yaka-Unternehmers verhinderten. Die Drohung mit Verhexung gegen landflüchtige junge Frauen seitens ihrer Familienoberhäupter begegnet einem häufiger. Angebliche Verhexung ist eine Seuche und auf dem Kontinent endemisch.

 

 

 

 

 

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Der Maskenhelm „Kipoko“ der Pende am Kasai – die Objekte

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Noch eine Story ?

Z.S.Strother: Inventing Masks… 1998:  Abb. 75 „The Kipoko mask supervising a ritual during Chief Kende’s boys‘ initiation to the men’s fraternity. Njindji, Zaire 1987

Dieser Maske hat Zoé Strother eine Reportage in in ihrer Studie gewidmet, für die sie auch meine Sympathie gewonnen hat. Ich empfehle dringend diesen LINK zu lesen; er ist unterhaltsam.

Ich habe ihre Reportage übersetzt und hochgeladen. Als ich im Juli vergangenen Jahres einem realem Exemplar auf dem Tisch meines Händlers begegnete, griff ich zu.

Ein paar Wochen später gab ich einer starken Versuchung am Stand von A. nach und tauschte die Maske gegen eine voll ausgearbeitete „Kipoko“ mit allen Anzeichen von physischem Alter und Authentizität, mit einer kleinen Einschränkung : der für eine Stülpmaske viel zu kleine Innenraum funktioniert nicht als Helm. Mich trieb mich die Aussicht, eine Entdeckung  in der Vergangenheit zu machen, über die engen zeitlichen und ethnischen Schranken der Feldstudie hinaus zu gelangen. Zum Beispiel in Richtung „Kuba“. Die Pende am Kwilu teilen sich ja den Siedlungsraum mit den westlichsten Kuba, wie ich auf einer mir bisher nicht bekannten Siedlungskarte sehe. Karten zeigen entweder die eine oder die andere Ethnie. Ich fragte herum: Zoé Strother und Julien Volper kannten auf Nachfrage den Typ nicht. Und es sind auch frühere ganz konventionelle Exemplare dokumentiert.

Kipoko antik

Mir missfiel die Neuerwerbung schließlich, auch deshalb, weil sie zu Zoés Story überhaupt nicht passte. Und ästhetisch?  Sie verlor allmählich den Rest an ‚Leben‘ und wurde immer mehr zur ‚Antiquität‘. Unter berühmten Königsmasken der „Kuba“ kenne ich auch so überladene, den Kopf des Träger quasi erdrückende Typen, die bereits vor hundert Jahren für westliche Kunden Objekte der Begierde waren, nachzulesen in „Fiktion Kongo“ (Rietberg 2019) (zum Kontext der LINK).

Der Rücktausch machte logistisch noch großen Aufwand, da die Außenmaße beider Objekte die größte Fahrradtasche sprengen.

 

Heute vergleiche ich verschiedene Masken materiell

Nach dem Abenteuer ist das Aufsuchen und Beschreiben der Maske und der Vergleichsstücken die reine Erholung.

Was meinte A. eigentlich, als er beim ersten Tausch keine Probleme machte und sogar bemerkte, die weggegebene Maske sei „auch gut“.

Ich tanze im August 2025

Ich genieße beim Aufsetzen, dass ich durch die Augenschlitze hinreichend sehen kann und sie ‚sitzt‘. Sie hat Gewicht, der Körper hat ein ruhiges großzügiges Volumen. Die Stirn ist hoch, zwei kurze Linien könnte Stirnfalten  darstellen. Die spitz ausrasierten Ecken der Frisur – wie bei den klassischen Kuba – sind ebenso schnittig wie die eleganten breiten Augenbrauen.

Der geschnitzte Knoten auf der Schädelmitte ist durchbohrt. Wurde daran ein Beutel mit Federn befestigt und bei der Aufbewahrung ein Seil befestigt?

Die hervorstechenden Ohren verdienten ein eigenes Kapitel. Ob die Erklärung, der Tragus solle für das ‚Überhören‘ banaler oder kränkender Bemerkungen stehen (Strother), wirklich allgemeine Gültigkeit beanspruchen kann?

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Die Maske ist sorgfältig gearbeitet, besonders die gebogenen Kanten sind präzise gezogen, ohne aufdringlich zu sein. Das kleine Luftloch – oder für ein Beißstängelchen gebohrt? – ersetzt den ‚fehlenden‘ sehr kleinen Mund voll und ganz.

Da ich sie selber am glänzenden Rüssel anfasse und bewege, ist dessen auffälliger Glanz nur attraktiv.

Der Zustand ist stabil, ein paar dünne Schwundrisse normal, die Oberflächen und ihre sind Färbungen frisch. Die Verteilung roter und schwarzer Flächen wirkt harmonisch, auch der mit kleinen weißen Dreiecken unterbrochenen unteren Rand und im hochgezogenen Nacken.

Wie alt der Helm auch sein mag, sein frischer Zustand und die ungekünstelte Farbfassung passen zu der Erzählung Strothers aus den achtziger Jahren. Und sie harmonieren mit einer „Mbangu“, die damals oder ein paar Jahre später in einer Werkstatt der Region entstanden ist (LINK). Die Geschäftsgrundlagen der Schnitzer  hat Strother nüchtern dokumentiert (ebd.), und über das Wiederaufleben der Maskentänze und Initiationen schrieb sie mir 2019:„Es gibt so viel Unterernährung in der Provinz Bandundu, dass die Leute seit 1990 nicht mehr viel tanzen“ (Z.S.Strother, 2007). „Die Maskensituation war im Bandundu-Gebiet 2007 kritisch, aber 2017-18 fanden eine Anzahl (großer) mukanda Camps im Kasai statt“ (Z.S.Strother, Jan. 2019). Ich bin sicher, dass auch die „Kipoko“  so lange überlebt hat und damals zum Einsatz gekommen ist.

Da die gewöhnlichen Abbildungen in der Literatur den Hinterkopf nicht zeigen, bin ich erstaunt über das breit ausgeschnittene Rechteck im Nacken, das wohl das Aufsetzen und Tragen bequemer macht. An den neun an seinem Rand durchgeschlagenen  Löcher dienten wohl der Befestigung des Maskenkleids. Die Höhe des Helms ist 31 cm

 

 

Masken des gleichen Typs

Zoé Strother in “Pende” p.104 no.8 Kipoko, vor 1946  von T.Fourche gesammelt, Tervuren H 36cm Breite 27cm

Beginnen wir mit einer Maske der vierziger Jahre, die schon alle Merkmale des gängigen Typs zeigt, aber: die ‚Geheimratsecken‘ sind plump gegenüber den eleganten der Kuba, die Nase muss wohl noch wachsen und sich mit den betonten Augenbrauen verbinden, der Mund ist  sehr klein, aber halb realistisch zugespitzt, ebenso wie die dünnen Ohrmuscheln schlicht sind ohne Schmucknarben. Über die Wange zieht sich eine lange Narbe, aus der wohl später ein separater Absatz im Kragen entstand, dafür nehmen die kleinen Dreiecke drei Reihen  in Anspruch und werden darunter von einer einfarbigen Schürze begrenzt. Der im Foto kaum sichtbare Maskenrücken könnte einen Einschnitt enthalten, der an seinem oberen Rand mit Dreiecken dekoriert ist. Die Maske hat jedenfalls keinen durch waagrechte Kante begrenzten Hinterkopf. Die Spitze der Frisur hat ein durchgehendes Loch, aber auch kleine Löcher, für Federn?

 

Cornet – Survey of Zairian Art – The Bronson Collection North Carolina 1978 Nr.73  – Höhe 33 cm Pende Kasai

 

Die Kipoko entspricht dem gängigen Typ mit allen Eigentümlichkeiten, sogar mehr: hat Stirn und Nase mit Polsternägeln geschmückt, zusätzlichen Dreiecken auf der Zwischenstufe, vor den schmalen, aber auffälligen Ohren zieht sich eine lange Strähne nach unten; unter dem kleinen Mundloch ersteckt sich eine weiße Zunge (?) nach vorn. Aufgefrischte rote und weiße Farben sind ebenso wenig störend wie der durch Gebrauch glänzende  Kragenrand.

 

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Treasures from the Africa Museum, p.112  Tf. 80 .Kommentar p. 312 (Z.S.Strother) h 28cm w 29cm, registriert 1953, geschnitzt von Ngolomi (Kindamba Village). (Dieselbe zentriert in Fagg – Art of Central Africa ( Frobenius-Bibl. :Af III976) pl.1)

Der Kopf ist weniger stilisiert, die Ecken der Frisur in seinen Rundungen natürlicher, ebenso die Proportionen, das Gesicht mit den breiten Augenschlitzen, einem Nasenrücken, der erst nach einem Drittel die Nasenspitze abknickt und weiß hervorgehoben ist, aber überhaupt abgesenkt ist und mit einem sensiblen kleinen Mund eine Einheit bildet. All das verleiht dem Gesicht einen – milden und verinnerlichten – Ausdruck verleiht, der meinem durchgestylten Exemplar  abgeht.

Die weißen Akzentuierungen betonen den Ausdruck, er wird verstärkt durch rechtwinklige Schmucknarben, die an die berühmten ‚Tränen‘ denken lassen.

Strother bezieht mit anderen Feldforschern den lang gezogenen Tragus im Ohr vor der zarten weißen Muschel auf das verbreitete Sprichwort „Der chief trägt eine Ladung Palmzweige auf den Schultern“, damit er durch ihr Rascheln kleine unbedeutende Geräusche überhören kann; „Kipokos Ohren sind etwas geschlossen. Er hört, aber antwortet nicht auf alles, was leichthin oder in kränkender Absicht gesagt wird. Doch die betonten Ohren wie die Augen und die großen vorgestreckten Nasenlöcher machen seine Aufmerksamkeit und Wachsamkeit augenfällig.

Die flache breit überstehende Bodenplatte ist mit zwei Reihen schwarzer Rhomben auf weißem Grund geschmückt. Sie schafft damit ein harmonisches Gegengewicht zum Volumen des Kopfes.

Robbins & Nooter: African Art in American Collections no. 1031: Eastern Pende – Helmet Mask „Giphogo“ (für Kipoko) H. 26,7 cm Coll. Mr. and Mrs. John Haley

African Arts in American Collections no. 1031

Ein schlichtes Modell mit zwei durchgehenden Löchern im Zapfen, einem im Ohr, drei halbmondförmige Schmucknarben und einem runden Punkt an den Seiten.

Der Hinterkopf zeigt  Kante. Wie aufgesetzt wirkt der Rüssel (Schatten-bildung!) ; der sichtbare Bogen der Augenbrauen scheint unvollständig zu sein; die Dreiecke auf der Basis wirken sehr klein und nachlässig ausgeschlagen. Einige Fragen, kann dies Foto nicht beantworten.

A Personal Journey – Central African Art from the Lawrence Gussman Collection, Essay by Christa Clarke, div. Bearbeiter , Station 5 plates 20 und 20a (Feldfoto)

Personal Journey Central African Art 20a

Der Text beleuchtet eine ebenso wichtige Seite des Dorfchefs:

„Die Maske kipoko verkörpert den Dorfchef …. Nase, Augen und Ohren sind stark vergrößert, denn der Chef riecht, sieht und hört alles, was auf seinem Territorium passiert. Sein Mund ist winzig, denn er wägt seine Worte ab. Kipoko steht mit den Ahnen in Verbindung; er ist das Emblem der Einsetzung der Autoritäten. Aber seine erste Funktion ist es, in einem Unglücksfall einzuschreiten. Der Maskenträger zeigt sich mit einem großen Messer bewaffnet. Er tanzt nicht, sondern stellt großen Zorn und Drohung dar. Er kann alles töten, was ihm begegnet, was sich in der Realität im Opfer eines Tiers niederschlägt. Er kann sich nur auf Einladung auf das Gelände der Initiation begeben. Er fordert schließlich eine Vergütung. (Übersetzung)

Personal Journey – Central African Art from the Lawrence Gussman Coll. 31.8.26 IMG_6443

Klare und schlichte Komposition: die Ohren ‚hervorragend‘, der Masken-Körper stilisiert, in den Proportionen langweilig, die Konzentration von Kaolin-Weiß in der Mitte gleicht das aus. Interessant, dass die Spannung im stark ausgehöhlten Kernholz wie bei meiner Maske einen senkrechten Haarriss am rechten Auge verursacht hat.

Die zweite „Katoyo“-Maske der Chokwe – Mehr über die Ablehnung der Fremden

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Fortsetzung des Beitrags „Hässlicher Weisser oder Pavian? Eine Katoyo-Maske der Chokwe‘“. (LINK):

Katoyo Mai 2025.   IMG _0702

Katoyo Mai 2025 IMG_0697

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Josef Franz Thiel. Anekdoten beim Spaziergang an der Nidda erzählt

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Hochgeladen am 28. April 2024

9.1.18 Josef Franz Thiel. Anekdoten beim Spaziergang an der Nidda erzählt

 Wir wurden von der Wintersonne an die Nidda gelockt. Im Grund war ich in der Absicht zu Joseph Franz Thiel in die Heddernheimer Kirchstraße 30 gekommen. Wir machten eine Bachrunde in behäbigem Tempo von einer Fußgängerbrücke zur nächsten und kehrten über das Gartengrundstück ins Haus zurück. Was Thiel diesmal erzählte, habe ich später protokolliert. >>

Männer und Frauen bei den Yanzi (RDC, Bandundu) – Lesenotizen zu J.F. Thiel

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Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Verlag, Frankfurt/M 2001

 

Vorbemerkung

So bescheiden das Buch auftritt, so wertvoll ist es für einen Leser, der keine vergleichbare Erfahrung gemacht hat. Der Begriff „Feldforschung“ deckt ja vieles ab, doch in diesem Fall greift er zu kurz.

Der Verlag der Erstauflage existiert nicht mehr.  JustBooks.de listet im November 2018 nicht einmal zehn Exemplare, Preise nicht unter 100 €. Vielleicht wird es ja neu verlegt, wenn der Markt leergefegt ist, und sei es als E-Book.

Ich las das Buch vor einem Jahr und verfasste ein detailliertes Inhaltsverzeichnis mit einem thematischen Schwerpunkt, der nicht der des Verfassers ist: Männer und Frauen bei den Bayansi. Und doch ist er in der Darstellung wie in der Erfahrung des Missionars Thiel angelegt.

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KONGOLESEN GRAU IN GRAU – TRÜBE GEDANKEN BEI J. F. THIEL: „JAHRE IM KONGO“

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Niedergeschrieben im November 2017 während der Lektüre von: Josef Franz Thiel: Jahre im Kongo – Missionar und Ethnologe bei den Bayansi, Otto Lembeck Frankfurt/M 2001

(Vereinzelte Zahlen in den Notizen bedeuten Seitenzahlen im Buch; eine knappe, aber durchgehende Inhaltsangabe der Kapitel steht unter folgendem Link) >>

Das war das 20. Jahrhundert zwischen Kwilu und Kasai – Die PENDE

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Quelle : Z.S.Strother “Inventing Masks – Agency and History in the Art of the Central Pende“, The University of Chicago Press, 1998, cloth & Paperback, xxvii und 348 pp., reich illustriert, Index, im Netz etwa ab 40€

Veröffentlicht:  20.9.2017   Fortsetzung der Geschichte 22.11.2018         (93%  = 19 S.)

Einleitung

Ausgangspunkt und Ziel der Studie von Zoé Strother

Die Studie erforscht Geschichte und Prozess der Erfindung, Innovation in den Maskeraden und erzählt wie beiläufig die Erfahrung der Pende mit der kolonialen Unterwerfung im 20. Jahrhundert. >>

Wie die Yaka nach Leopoldville kamen

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Wanderarbeiter in Leopoldville, Yaka?images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001Wanderarbeiter in Leopoldville, Yaka? – images.delcampe.com-auction-000-316-098-485_001

 

Jacques Denis, Les Yaka du Kwango – Contribution à une étude ethno-démographique,        Tervuren, Annales – Série in 8 o. – Sciences humaines – no.53, 1964,  XI + 103 S.

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Niedergang einer Provinz der RDC – Schwarzmalerei ?

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Das Dossier ‚Provinz Bandundu’ von 2003

Ich hatte ein 130-Seiten Dossier aus dem Jahr 2003 zunächst beiseite gelegt, doch die von der Organisation ruralcongo.cd als pdf ins Netz gestellte Dokumentation schildert die Lage in deutlicher Sprache und detailliert. Sie bezieht sich auf die ganze – erst 2015 aufgeteilte – Provinz Bandundu, wovon der Verwaltungsbezirk Popokabana an der Grenze zu Angola nicht einmal 4 % der Fläche ausmacht und überdies einer der rückständigsten ist. Umso niederschmetternder sind die Feststellungen. >>

Goldene Zeiten – 1955 unterwegs mit dem jungen Administrator von Lufuna

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Erzählung seiner Frau Genevieve : AU TERRITOIRE DE POPOKABAKA – KWANGO – http://www.congo1960.be/WS2009GenevieveRyckmans-Nr127.html >>

Auf der Suche nach einer Adresse am Kwango (RDC) – etwas Landeskunde

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Kwango a.d.Luft-1-50T.Höhe Kitsiola

Kwango, République Démocratique Congo

Hurra, ‚Provenienz’! – Yaka, RDC, province Kwango’, territoire Popokabaka, secteur Lufuna , groupement…. – Ich habe eine Adresse erhalten! Nun darf ich Erfahrungen mit abweichenden Schreibweisen und der Welt der Landkarten machen. Auf den hybriden Satellitenkarten lassen sich bei Google-Map und Cartes Michelin auf dem Desktop Bäume zählen, Lichtungen und Flußufer absuchen, aber Ortsnamen sind spärlich gesät. Die Kriterien bleiben undurchsichtig. Bei Michelin sind mehr Ortsnamen zu lesen als bei Google, dafür sperrt man den Zoom bei 1:100.000. Doch bei aller kleinlichen Kritik, die leicht herzustellenden Luftbilder beeindrucken!

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