Kwango, République Démocratique Congo
Hurra, âProvenienzâ! â Yaka, RDC, province Kwangoâ, territoire Popokabaka, secteur Lufuna , groupement…. â Ich habe eine Adresse erhalten! Nun darf ich Erfahrungen mit abweichenden Schreibweisen und der Welt der Landkarten machen. Auf den hybriden Satellitenkarten lassen sich bei Google-Map und Cartes Michelin auf dem Desktop BĂ€ume zĂ€hlen, Lichtungen und FluĂufer absuchen, aber Ortsnamen sind spĂ€rlich gesĂ€t. Die Kriterien bleiben undurchsichtig. Bei Michelin sind mehr Ortsnamen zu lesen als bei Google, dafĂŒr sperrt man den Zoom bei 1:100.000. Doch bei aller kleinlichen Kritik, die leicht herzustellenden Luftbilder beeindrucken!
Yaka-Dorf Kitsiola aus der Luft
Die Administration des Kongo, die alle paar Jahre die Provinzen neu zuschneidet, hat wunderbare Teams zur Dokumentation all ihrer VersĂ€umnisse und MĂ€ngel – und sie liebt Listen: Listen der Bezirke und Unterbezirke, Ortslisten und sogar Listen sĂ€mtlicher Wahllokale im Land, aber alles ohne Karten. Dazu publiziert sie Karten der Verwaltungsbezirke ohne Orte, ohne Topografie und Verkehrswege.
 Lufuna,Pokokabaka,Kwango >
Auf so einer verschlungenen Suche gelangt man beilĂ€ufig zu einer Menge Informationen, vom Zufall gesteuert, aber letzten Endes nĂŒtzlich, um auf die substanziellere Frage nach dem Leben auf dieser FlĂ€che Antwort zu geben.
Das Datenblatt von CAID (2015)
Auf der Suche ĂŒber das Kwango-Gebiet begegnet mir als erstes das Dossier einer Organisation mit dem wunderschönen Namen CAID. Wer wĂŒrde da nicht zuerst auf eine kanadische NGO schlieĂen? Nein, viel besser: Cellule dâAnalyse des Indicateurs de DĂ©veloppement, auf Deutsch: âZelle zur Analyse von Entwicklungsindikatorenâ. Den Akzent legt man besser auf âIndikatorenâ. Ich sehe die ‚Doctores‘ bereits ihr Ohr an Herz des Patienten legen! Denn so geht es immer: Der desolate Zustand der Verkehrswege etwa wird penibel beschrieben, und das seit Jahren und offensichtlich ohne Erfolg. CAID empfiehlt dafĂŒr im Gebiet des Kwango, die Pirogen, EinbĂ€ume, zu motorisieren. Auch gut gewartete Schiffe werden empfohlen. Das wĂ€re zweifellos ein Fortschritt! Doch wie kommt das nötige Geld an den Kwango?
Das âDatenblattâ (fiche) wurde erst om November âauf der Basis des Jahresberichts 2015 des ZentralbĂŒros des Gesundheitsbereichs von Popokabakaâ erstellt, eines der drei âTerritorienâ der Provinz. Und ich weiĂ nun, wie sinnlos es ist, wegen einer âProvenienzâ noch weiter in topografische Details zu gehen. Was den Feststellungen von CAID an Informationen ĂŒber diese Gegend, die weniger als zweihundert Kilometer von Kinshasa entfernt liegt, zu entnehmen ist, macht nachdenklich.
Einzeldaten.
Das Territorium Pokakabaka hat ein ausgeprĂ€gtes Relief und liegt ungefĂ€hr 400 m hoch. Es ist knapp 7000 Quadratkilometer groĂ und hat 181.000 Einwohner, also 26 Menschen auf einen Quadratkilometer. Die Landschaft besteht aus Steppe und GaleriewĂ€ldern an den zahlreichen Wasseradern und FlĂŒssen. Die durchschnittlichen Temperaturen schwanken zwischen 24 und 31 Grad Celsius. Neuerdings endet die Regenzeit zu frĂŒh.
Drei Volksgruppen bewohnen das Territorium: Die Yaka (94%) und die Nsamba (5%) im Norden sind Bauern und ziehen Kleinvieh, Im Westen leben auch Mbata (1%). Die Sprache Kiyaka wird von der Mehrheit (90%) der Bevölkerung in allen Milieus gesprochen, Lingala (14%) vorwiegend von den Zuwanderern aus Kinshasa und anderswoher.
Die Gegend erzeugt Maniok, Mais, Gurken, Waldprodukte (Raupen, Mbondi und Champignons), sowie Kleinvieh fĂŒr Selbstversorgung und den lokalen Bedarf. Als Besonderheit des Territoriums wird der Anbau von Sesam erwĂ€hnt.
Erste AuffĂ€lligkeit! Als âwirtschaftliche Akteureâ im Hauptort Popokabaka werden die vier Personen namentlich genannt: Zeng Xingfa, Salomon, Jonathan und Major Mandefu. Die beiden ersten betreiben LĂ€den (boutiques) und verkaufen, was aus Kinshasa herĂŒberkommt, der Dritte hat ein Hotel und vertreibt GetrĂ€nke, der vierte hat eine kleine Spedition. ZusammengezĂ€hlt, beschĂ€ftigen alle zusammen gerademal zwanzig Arbeiter.
Die wichtigste ĂberlandstraĂe, die das Territoire Popokabaka durchquert (N16) ist âpraktisch unbefahrbarâ. Doch kommen gelegentlich ein paar Jeep Land Cruizer aus Kinshasa durch. Gut, dass es Pirogen gibt! Ein Vorschlag zur Förderung der Region lautet demnach: Auf schiffbaren Abschnitten der FlĂŒsse sollte man motorisierte Boote und gröĂere Schiffe in gutem Zustand einsetzen. Völlig normal ist, dass in der Trockenzeit SandbĂ€nke im Wege liegen.
www.nrgex_.co_.za_.fuel-delivered-kwango-river-drc.jpg   >
Die Telekommunikation mit Vodafone und Orange ist sehr schwierig, in weiten Bereichen gar nicht möglich.
Da man im Territorium âhandwerklichâ Diamanten gewinnt, wird vorgeschlagen, die SchĂ€tze im Boden nicht zu vergessen. Doch wie schon Jacques Denis 1965 berichtete, handelt es sich aber um schwache Vorkommen in Anschwemmungen, zum Beispiel am linken Ufer des Kwango bei dem Dorf Suka, damals waren sie bereits einer Minengesellschaft zu gering.
Vom Tourismus ist nichts zu erwarten. âTouristische Orte’â? Fehlanzeige. Ebenso âsakrale Orteâ. Die Tierwelt bietet als âAttraktionenâ (espĂšces phares) kleine Antilopen, BĂŒffel (bufxes) und das kleine Schuppentier Pangolin. Der einzige Wasserfall im Dorf Kigunzi soll âvernachlĂ€ssigtâ sein, das heiĂt wohl unzugĂ€nglich. AuĂerdem sehen andere dort kĂŒnftig ein Wasserkraftwerk. Nur die Sicherheitslage wird generell gut beurteilt, bis auf gelegentliche ‚EinfĂ€lle‘ (RaubzĂŒge?) aus Angola.
Â
Gesundheit
Das âDatenblattâ erwĂ€hnt unter den âIndikatorenâ fĂŒr Entwicklung mit keinem Wort die Gesundheitsversorgung. Ich habe MĂŒhe, mir eine ErwĂ€hnung des Staatlichen Krankenhauses im Hauptort (â189 Bettenâ) zu ergoogeln, auf einer Liste der Webseite http:/ruralcongo (2015). (Siehe unten! – Zu kirchlichen Einrichtungen finde ich noch nichts)
AusfĂŒhrlicher ist die Bilanz der lĂ€ndlichen Versorgung auf einer Webseite der UniversitĂ€t Louvain (2003). Dort verbreitet sich der Leitende Amtsarzt der staatlichen zone de santĂ© de Popokabana, Claude Kilangana, ĂŒber die GrĂŒnde, warum die 1985 von Mobutu eingefĂŒhrte Organisationsstruktur von der Bevölkerung nicht angenommen wurde. Gesundheitszentren wĂŒrden kaum aufgesucht, Vorsorgeuntersuchungen von Schwangeren und Vorschulkindern kaum in Anspruch genommen. ZunĂ€chst sieht er die Schuld bei Inkompetenz und dĂ©motivation der Volksdelegierten in den Basiskomitees, dann in der allgemeinen (schlechten) conjoncture Ă©conomique, qui pousse les populations dans la lassitude (Erschlaffung) la plus complĂšte et rĂ©duit lâĂ©lan de solidaritĂ©, la rĂšgle gĂ©nĂ©rale Ă©tant devenue celle du âchacun pour soiâ (âJeder fĂŒr sichâ).
Ihn empört, dass sein BĂŒro die Arbeiter aus dem Dorf fĂŒr die Arbeit an der Verbesserung ihrer eigenen Trinkwasserversorgung bezahlen mĂŒsse. WeiĂ der beamtete Akademiker ĂŒberhaupt, wie die Leute hier âtickenâ? Bereits sein abstraktes Amtsfranzösisch signalisiert eine unaufhebbare Distanz zu den HinterwĂ€ldlern, die er nach dem vorgegebenen Organisationsschema fĂŒr den âFortschrittâ zu âsensibilisierenâ hat. (Wer hat ihn nur in dieses gottverlassene Nest Popokabaka geschickt?)
Die Leute haben ihre Erfahrungen mit solchen Projekten, die Politiker ihnen gewöhnlich vollmundig anpreisen und per Dekret direkt aufs Auge drĂŒcken.
Â
Â
Der angeblich moderne Geiz auf dem Land
Der angeblich âmoderneâ Geiz bereits hat mit der Kolonialherrschaft der Belgier, der Geldwirtschaft und der raubkapitalistischen âModernisierungâ Einzug gehalten. In seiner schmalen, aber sehr interessanten Studie âLes Yaka du Kwangoâ illustrierte Jacques Denis 1965 die Rolle der Metropole âLeopoldvilleâ im Leben der Yaka, weniger als Ziel von âLandfluchtâ denn als der eine Pol einer Rotationsbewegung (âmigration temporaireâ) von Wanderarbeitern, und das bereits seit den Zwanziger Jahren.
âDie GrĂŒnde, die verheiratete MĂ€nner zur temporĂ€ren Emigration treiben, sind vielfĂ€ltig. Sie haben einen gemeinsamen Nenner, den Bedarf an Geld, der auf dem Land unmöglich gestillt werden kann. Bei den Yaka, wo die Polygamie noch immer lebendig ist, gibt es EhemĂ€nner, die nicht zögern, Frau und Kinder fĂŒr lange Monate, sogar Jahre zu verlassen, um sich in der Stadt die Mittel fĂŒr eine zweite Frau zu beschaffen. Freilich findet man auch verantwortlich handelnde FamilienvĂ€ter, die bei fester Arbeit und annehmbarer Unterkunft die Familie nachkommen lassen. Doch viele Frauen fĂŒrchten die Umsiedlung fast ebenso wie die Drohungen der DorfĂ€ltesten. Diejenigen, die das Abenteuer âStadtâ riskieren, sind zu 72% unter DreiĂigâ. (55, Ăbersetzung)
Daran scheinen auch die heftigen politischen Krisen des Landes und die permanente SchwÀche der modernen Sektoren kaum etwas verÀndert zu haben. In Kinshasa sagt man den Wanderarbeitern der Yaka auch heute nach, ihre Ersparnisse möglichst bar in den Kleidern eingenÀht bei sich zu tragen. (persönliche Mitteilung W.L.)
Die Menschen kennen also die Metropole. In einem TV-Feature des Ethnologen René Dewisch von 1991 sagt eine Orakelpriesterin Maoma Tseembu ganz selbstverstÀndlich, dass sie bereits in Kinshasa praktiziert habe.
Â
Â
Â
Â
Ein kurzer Blick nach Nepal mit Dor Bahadur Bista (1990)
Das alles lĂ€sst mich an ein anderes Drittweltland denken: Nepal – und an die Streitschrift von Dor Bahadur Bista, Nepals berĂŒhmtem Anthropologen von 1990: âFatalism and Developpement â Nepalâs Struggle for Modernizationâ. Er nahm zuerst die UntĂ€tigkeit der BĂŒrokratie aufs Korn, verschleiert durch eine ritualisierte Verwendung von Meetings, Konferenzen und Seminaren, und er stellte die Regel auf: Je höher die Position, desto weniger trifft man tatsĂ€chlich Entscheidungen. Denn die bergen Risiken. In einer solchen Gesellschaft erwarten die Menschen nicht wirklich, dass etwas passiert, aber wer eine Entscheidung trifft, wird dafĂŒr in Haftung genommen.
DafĂŒr, dass auch in Nepal Dörfler Gesundheitszentren nicht wie erwartet adoptiert haben, sieht er die Schuld beim Personal: in der stĂ€ndigen Abwesenheit und der selbstverstĂ€ndlichen Erwartung von âGeschenkenâ vor dem TĂ€tigwerden. In seiner Analyse treffen wir auch auf einen vom Konsum angetriebenen âIndividualismusâ und den Zerfall von Dorfstrukturen.
Zur bezahlten Leistung auf dem Dorf machte Bista interessante Beobachtungen. Wer immer mit Zahlungen angefangen hat, hat damit, ohne es zu merken, die lokalen Traditionen der Gemeinschaftsarbeit verlassen und er erlebt zu seiner EnttĂ€uschung nur unwillige DrĂŒckeberger. Bista bezeichnete die Rolle des nepalesischen Bildungswesens als kontraproduktiv. Durch Schulbildung versuche jedermann, einen Posten im öffentlichen Dienst zu ergattern, der möglichst wenig Arbeit mache und möglichst viel einbringe.
Â
Â
Bildungswesen (Studie von Ibanda Kabaka Paulin)
Nun darf auch das Bildungswesen im Territorium Popokabana nicht mehr ignoriert werden.
1974 verstaatlichte Mobutu im Zeichen des âMobutismusâ sĂ€mtliche Bildungseinrichtungen auf allen Stufen. Davon hatte bis dahin die katholische Kirche den Löwenanteil (83 %) in der Hand, mit dem Ziel einer âdiffusion methodique du Catholicisme au Kongoâ (Paulin 1.1.1>1.2.1,p.5) . Die Verstaatlichung wurde zum Desaster. Ob es bis heute fortdauert, lĂ€sst sich leider der akademischen Studie von Ibanda Kabaka Paulin, die sich zum Ende hin zur reinen Lobeshymne auf die Leistungen der Kirche entwickelt, nicht entnehmen.
Wenigstens eine Zahl sei genannt: Nur 36 % der Kinder gehen irgendwann zur Schule, ob bei den Katholiken, den Protestanten oder den Kimbanguisten (!) (p.9). Die VerhinderungsgrĂŒnde, welche der Autor aufzĂ€hlt, sind die klassischen in solchen LĂ€ndern: fehlendes Geld der Eltern, um die Unkosten des Schulbesuchs aufzubringen, zu lange Schulwege, lange Krankheiten und Ortswechsel (Wanderarbeit?) (p.9). Paulin schlieĂt mit einem rhetorischen Appell an die Bevölkerung von Kwango-Popokabaka, ‚Söhne und Töchter zum Kampf gegen Obskurantismus und Immobilismus aller Art zu mobilisieren, um die Zukunft zu gewinnen‘. (p.10)
Â
EntwicklungsplĂ€ne – Behörden und Organisationen hyperaktiver Ratlosigkeit
Der Entwicklungsplan vom Juni 2010 des ComitĂ© Agricole et Rural de Gestion de Popokabaka, einer Unterbehörde des Landwirtschaftsministeriums der Provinz Bandundu, die inzwischen weiter aufgeteilt wurde, sowie von ISCO, einer Organisation auslĂ€ndischer Hilfsprojekte â es bleibt unklar, welche Seite das Dokument verfasst hat, ich zitiere die Autoren im Folgenden einfach als ISCO. Der Plan steht als PDF im Netz. Die interessantere HĂ€lfte (18 Druckseiten) ist der Bestandsaufnahme gewidmet. ZunĂ€chst verstĂ€rkt sich der Eindruck einer absurden Organisationswut, die das Papier und die Zeit nicht wert ist, die sie verschlingt. AllmĂ€hlich vergeht mir das Lachen ĂŒber den Reichtum an verschleiernden Formulierungen und den AbkĂŒrzungstick. Schreckliche Entwicklungen zeigen sich, die mit solchen Mitteln nie und nimmer beherrscht, geschweige denn umgedreht werden können. Und immer mehr Akteure kommen in den Blick: Regierungsinstanzen, Entwicklungsagenturen der EU, Kirchen in und auĂerhalb des Kongo – ein Geflecht, das analysieren mag, wer will. Ich wollte eigentlich nur den aktuellen Lebensraum der Yaka kennenlernen. Gehen wir trotzdem den Zustandsbericht auf relevante Informationen durch.
Kapitel 1. Bevölkerung und Verwaltung
ZunĂ€chst die Bevölkerungszahl : FĂŒr das Innenministerium sind es 470.000 Menschen, fĂŒr die Zone de la SantĂ© (de Popokabana) sind es nur 140.000. Wie will man da auch nur die Bevölkerungsentwicklung realistisch abschĂ€tzen, fragt ISCO. Das Landwirtschaftsministerium zĂ€hlt 643 Dörfer einschlieĂlich des kleinsten Weilers, ISCO etwa 300 Dörfer mit 30 bis 60 Haushalten und weitere zehn zwischen 50 und 100.
Die Bevölkerung ist einem undurchsichtigen Geflecht miteinander konkurrierender Behörden und nichtstaatlicher Organisationen unterworfen, lebt aber bereits seit Alters her in Parallelstrukturen, die regelmĂ€Ăig miteinander im Streit liegen, so unter einer chefferie politique (devenu administrative avec la colonisation belge) , auĂerdem den ĂŒber das Land verfĂŒgenden chefferies de terre â hĂ©ritiĂšre des anciennes tribus locales – und den chefferies de groupement , Dorfchefs, die noch einen starken Einfluss auf die Bevölkerung haben. (3)
Kapitel 4. Organisation der Bauern
Zu allem Ăberfluss will ISCO durch die Schaffung von Zentraldörfern (villages centres) entlang der sogenannten âHauptachsenâ mit ihren villages satellites die Landbevölkerung in CommunautĂ©s Villages de DĂ©veloppement, abgekĂŒrzt CVD, âorganisierenâ. Um die hundert gibt es 2010 bereits im Territoire. In denen existieren bereits GVER, die mit der Reparatur der Wege (lâentretien des routes) beauftragt werden. Diese CVD haben âzu ihrer inneren Ordnung Statuten und Reglemente, deren offizielle Anerkennung auf dem Wege istâ. (11) Die Projekte mĂŒssen selbstverstĂ€ndlich ĂŒberregional koordiniert werden, unter dem Dach des 2010 gegrĂŒndeten Projet de SĂ©curitĂ© Alimentaire (Nahrungsmittelversorgung) de Popokabaka (ISCO, PSA/Union EuropĂ©enne) Mit EU-Beteiligung wird das selbstverstĂ€ndlich ein Erfolg werden! Doch da fehlen tatsĂ€chlich neben denen der Landwirtschaft noch die Berufsorganisationen: OP â Organisations professionelles! Zum Leidwesen von CISCO ist der Sektor der (Klein-)Viehzucht kaum organisiert. Die Leute sind nicht einmal zur Stallhaltung (culture de case, 14) bereit . Stattdessen sorgen die herumstreunenden Schweine und Ziegen, Schafe und Schweine zusĂ€tzlich fĂŒr Streit unter den Bauern, den die Dorfchefs schlichten mĂŒssen. (14) Doch die OP-âInitiative erreicht sowieso nur die wenigsten Dörfer (12)
Auch im Hauptort Popo will man sich nicht organisieren, selbst die Frauenorganisationen bleiben untĂ€tig (12). ISCO meint, das Grundproblem liege in der composition urbaine et pluriactive de sa population.(12) An dieser Zusammensetzung und am Multi-tasking lĂ€sst sich auch mit UnterstĂŒtzung durch die Caritas nicht viel Ă€ndern.
Kapitel 2. SchÀden an der Umwelt
Ăberall dringt eine karge Steppenlandschaft vor, wo vormals lichter Wald (Baumsavanne) die HĂŒgel ĂŒberzogen hat. Elefanten, Löwen und Leoparden sind lĂ€ngst verschwunden, der Rest der Fauna ist durch den fortschreitenden Brandrodungsfeldbau und unkontrollierte Jagd bedroht. Ein Teil der hohen GaleriewĂ€lder entlang der FlĂŒsse ist auch dem modernen Holzeinschlag zum Opfer gefallen, vor allem in der NĂ€he von Ăberlandverbindungen. (6) Ăbrigens, die Unterhaltung dieser StraĂen (oder Pisten) dĂ©pend aujourdâhui en totalitĂ© de lâaide extĂ©rieur, wird vom Ausland finanziert (11). Ob das Ausland damit den Abtransport von Tropenholz unterstĂŒtzt?
 Kapitel 5. Production Agricole ist das finsterste Kapitel
Immer noch wird fast ausschlieĂlich (culture unique) ein urtĂŒmlicher Brandrodungsfeldbau praktiziert, sogar in den GaleriewĂ€ldern. Die Zeit der Brache wird immer kĂŒrzer, sie dauert nicht einmal mehr zwei Jahre. Der Boden laugt aus, vor allem in der NĂ€he der Ansiedlungen. Man zieht tiefer in die Savanne. Gerade um Marktflecken herum muss der Bauer manchmal zehn Kilometer zu seinem Feld laufen. (12)
Statt nĂ€hrstoffreicherer Nahrung von höherem Marktwert wird immer mehr Maniok angepflanzt. Dabei hat seit dem Jahr 2000 die âMosaikkrankheitâ die ĂŒblichen Sorten im Griff und verringert den Ertrag erheblich. Um Popo gab es 2000 eine ausgesprochene Hungersnot. Bis 2011 will man jedem Bauern Saatgut resistenter Sorten zur VerfĂŒgung stellen. Ein von der EU finanziertes Projekt der ONG Internationale ACF/AAH (Action Contre la Faim) kĂ€mpft zudem gegen eine Krankheit beim Menschen, die vom Gift des Maniok verursacht wird, und zwar bei erhöhtem Konsum ohne entsprechende Zufuhr von Proteinen. Die Opfer werden unheilbar an den Beinen gelĂ€hmt. (13)
Proteine? Der Fischfang ist in einem état embryonnaire, denn es existiert bei den Yaka keine traditionelle Kultur des Fischfangs. (7,15) Noch kann man in der Gegend jedes Jahr im August und September eine reiche Ernte an Raupen (chenilles) einsammeln, aber Brandrodung und Bevölkerungsdruck bedrohen auch diese Proteinquelle. Traditionelle SammelbeschrÀnkungen funktionieren immer weniger (15/16).
GroĂvieh spielt kaum eine Rolle. Zwei Farmen mit ein paar hundert Rindern – eine von Jesuiten und die andere eines Schwesternordens â sind ISCO bekannt. Die kleinen Viehbesitzer auf dem Dorf verleugnen ihre Tiere lieber vor den Entwicklern, weil eine wucherische Finanzbehörde sie unmĂ€Ăig besteuert. Das ISCO-Papier prangert sie ausdrĂŒcklich an. Ăberdies streunen die Tiere frei in der Gegend herum und es gibt weder Medikamente fĂŒr die Tiere noch connaissances zootechniques. (15)
Kapitel 9. Die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Schikanen
Gerade von der Nachfrageseite mĂŒssen fĂŒr die Agrarentwicklung Impulse ausgehen, doch ISCO gesteht ein, nur fĂŒr den Hauptort etwas erreicht zu haben. (17) Und was hat ISCO erreicht? Den (vier?) GeschĂ€ftsleuten in Popo fehlen Transportmittel und Kapital, sie klagen zudem ĂŒber unverhĂ€ltnismĂ€Ăig hohe Besteuerung. Sind das aber alle Schikanen (tracasseries), die der Titel ankĂŒndigt? Von den religiösen Organisationen erfĂ€hrt man, dass sie den Aufkauf und Transport von AgrargĂŒtern nach Kinshasa bereits aufgegeben haben. (16)
Die von ISCO regelmĂ€Ăig an vier Orten des Territoire organisierten MĂ€rkte sind ganz in der Hand von AuswĂ€rtigen aus Kinshasa oder aus Angola. Die bringen mit ihren LKWs KonsumgĂŒter und holen AgrargĂŒter. Man kann prinzipiell auch Sondertransporte bestellen, aber die Unternehmer kommen ungern ins Hinterland, sie suchen ihre Ladung lieber in gröĂerer NĂ€he zu Kinshasa. (17) Kein Wunder bei dem desolaten Zustand der Verkehrswege! Und so verschĂ€rft ein Problem das andere.
MĂŒssen wir uns fĂŒr heute von den Yaka am Kwango in so ratloser Stimmung verabschieden? Ich fĂŒrchte JA. Dabei habe ich noch einiges ĂŒbersehen oder vergessen.
*
Nachweise
CAID – Territoire de Popokabaka – Fiche du Territoire mis Ă jour 30-11-2015Â nach: https://caid.cd/index.php/donnees-par-province-administrative/province-de-kwango/territoire-de-popokabaka/?secteur=fiche
Kiangala, Claude: Comment sensibilisier la population à ses problÚmes de santé dans la zone de santé de Popokabaka? (http://sites-test.uclouvain.be/stages-semspi/travaux 2003/Kiangala.html)
Dor Bahadur Bista:: âFatalism and Developpement â Nepalâs Struggle for Modernizationâ 1990
Paulin Ibanda Kabaka. Evangélisation et éducation dans le DiocÚse de Popokabaka en RD Congo (1915-2015). 2015. HAL Id: hal-01257208  Submitted on 6 Mar 2016      HAL is a multi-disciplinary open access       https://hal.archives-ouvertes.fr/hal-01257208
Jacques Denis: Les Yaka du Kwango â Contribution Ă une Ă©tude ethno-demographique; Tervuren, Annales … no.53,1964)
René Dewisch und Dirk Dumon: Het orakel van Maama Tseembu Belgien 1991, 50 Min dt. Das Orakel der Maama Tseembu, swr 45 Min.
MinistĂšre de ‚Agriculture, PĂȘche, Elevage et DĂ©veloppement Rural – Province du Bandundu, ComitĂ© Agricole et Rural de Gestion de Popokabaka, atelier du 22 au 26 juin 2010; ISCO: Plan de dĂ©veloppement agricole du territoire de Popokabaka ANNEXE Z _ POPOKABAKA – PLAN CARG DE DEV. DE TERRITOIRE  PROVINCE DU BANDUNDU.PDF
Â