Projekt “Rafai” – (5/5) Eine Folge von Bilanzen

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Eine Folge von Bilanzen im Plural, von allgemeinen Beobachtungen und Gedanken, die ich über die Monate niedergeschrieben habe.

9.6.21 BILANZ  (3-4)  Kolonialeroberung und ihre Agenten, die Position von v.Wiese

  • Besatzungsarmeen als Ausdruck verwenden!
  • Norberts Frage, warum den Afrikanern nicht gelungen ist, die Aggressoren zu vertreiben? Vorschädigungen in den Regionen; man hat Helfer unter den Sklavenhändlern und ungebildeten Milizen gefunden, auf deren Dienstleistungen man zunächst angewiesen war. Europa hat sich eingeschlichen. Ausdruck „Tanz der Gauner“! (Blog)
  • Militärs mit diplomatischer, strategischer und logistischer Ausbildung müssen auch mit ungünstigen Rahmenbedingungen umgehen. schrittweise vorgehen und zunächst Kommunikationswege erobern, kontrollieren und ausbauen; sie können ihre Erfahrung in asymmetrischer Kriegführung  zur „Aufstandsbekämpfung“ einsetzen, die größere Organisation nutzen, die Kräfte verlagern konnte.

v. Wieses Kritik zielt auf Entscheidungen der Machteliten außer Reichweite der Militärs: Politik und Finanzkapital. Beide haben einen kurzen Zeithorizont für schnellen Gewinn und geringe Neigung zu Investitionen in die Zukunft; es darf nichts kosten. Die Politik ist populistisch, die Wirtschaft ein weites Feld für Aufsteiger und Sparer. Beide Bedingungen sind immer noch aktuell!

Das Militär weiß, was es brauchen würde, aber er bekommt es nicht. Insofern ist der Bericht Wieses ein Zeichen der Ohnmacht und kritisch, offen gegen Frankreich gerichtet, aber indirekt auch gegen das Reich..

In den Versäumnissen der Politik sieht er das Verbrechen an den Menschen, die Ursache für unnötiges Leid der Menschen und Degradierung der künftigen Kolonie.

Die Unvermeidlichkeit einer Kolonisierung steht für ihn wie für viele Zeitgenossen außer Zweifel.

Wiese zeigt ein solides normatives Korsett, in dem Rationalität eine wichtige Rolle spielt.

Eine grundsätzliche Ablehnung und Verachtung „der Neger“ kann ich bei Wiese nicht ausmachen. Geradezu dankbar werden Zeichen von Würde, guter Organisation, Kooperation und Anpassung an die „Zivilisation“ zur Kenntnis genommen. Doch die Kombination von Fremdheit/Unverständnis, Verelendung, sowie Taktiken der Subversion und Rebellion seitens der Schwachen nähren Abscheu und Verachtung. Der Reisebericht ist oft emotional und bedient Emotionen. Auch Weiße werden z.B. als Betrüger und Nichtsnutze wahrgenommen. Die Azande werden jedenfalls gründlich entzaubert.

Die Sprache der Kunstwissenschaftler ist voller Euphemismen. Ein Grund mag sein, dass sie die Azande als bereits entmachtete zahnlose Tiger kennengelernt haben, deren Eliten ihre Wolfsnatur und ihre ausbeuterische Dynastiegeschichten mit würdevollem Auftreten veredeln und sich ohnehin die Geschichte zurechtbiegen.

Darf man ihnen das zum Vorwurf machen? Was bleibt ihnen sonst in der heutigen Zeit?

 

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