Lega – konische Hüte mit Schuppen und Knöpfen

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Pangolin - 18-20 cm Durchm., 18 cm Höhe o. Schweif, 308 g

Pangolin – 18-20 cm Durchm., 18 cm Höhe ohne Schweif, 308 g

Knöpfe - 20,5 x 16,5 cm Durchm., 23 cm o. Schweif, 416 g

Knöpfe – 20,5 x 16,5 cm Durchm., 23 cm o. Schweif, 416 g

Biebuyck/Abele, The Power of Headdress (1984) zeigt auf Tf. 34, p.85 ein mit braunen Masesa-Schoten besetztes Exemplar und gibt dazu sachliche Erklärungen, an denen ich meine Beschreibung der beiden Stücke orientiere:

Auf ein Kikumbi aus gewebtem Raffia sind 6 Reihen großer Pangolinschuppen relativ gleicher Größe aufgenäht, ebenso eine große Miesmuschelschale, und unten am Hutrand eine Reihe Hemdenknöpfe. Überragt wird das Ganze von, durch vier Knoten in Form gehaltenen Elefantenschweifhaar (kinsamba).

Den Hut gibt es mit verschiedenen Dekorationen der Oberfläche, vier verschiedene habe ich am Stand gesehen,  aber nur zwei ausgewählt.

Unter dem Kinn werden die Hüte gehalten von einem geflochtenen Raffiaband, das bei beiden mit Hemdenknöpfen eng besetzt ist. Den Hut schob man bei den Lega in den Nacken, um den vorderen Teil des sauber ausrasierten Schädels zu zeigen. (p.84)

Ein Elefantenschweif zeichnet den höchsten Rang im kindi Grad der Bwami Gesellschaft aus. Alle sechs Hüte, die ich sehen konnte, hatten diesen Schweif, in jeweils unterschiedlicher Qualität und Länge, aber nicht so breit wie auf der Abbildung.

Wer in einen hohen Rang aufgenommen ist, identifiziert sich mit dem Elefanten, wegen dessen ruhiger und gelassener Erscheinung. Wird er jedoch gestört, explodiert der Elefant in wütender Vernichtung. Nur Männer dieses Grades dürfen den Schweif als Teil ihrer alltäglichen Ausstattung tragen, zu Diadem, Gürtel, Schürze und Halskette. Bei manchen Ritualen darf die Gattin den Hut ihres Gatten tragen.

Ich entdecke mit Namen bedruckte Knöpfe !

Lega Knöpfe bunt_IMG_0031Lega Knöpfe Levis_IMG_0028

 

Auf der mit Knöpfen bedeckten Mütze:

– The North Face   1966 gegründet in San Francisco wikipedia: The North Face – Wikiped#1433E5   The North Face Story: „Expeditionen in die entlegensten Gebiete …“ The North Face Story.webloc

– Euforia Netzwerk zur Aktivierung von Jugendlichen (Schweiz), Niederlande, 24thinkpark

– Yes Co  Energy Efficiency, zB Biogas (Italien),

– Cecil      Modemarke

– Sideout   www.sideout.com: „Sideout. Original beach and active wear since 1983“

CLSSIC     kein Google-Auftritt! –  Markenfälschung?  Etwa aus China? (Link ‚Chinesische Dinge‚)

– LEVI’S    seit 1873 Our Story – Levi Strauss.webloc

ASH CITY   kanad. Modelabel https://www.alphashirt.com/cgi-bin/online/webalp/alp-story

Lega Knöpfe Eufori_IMG_0027

Auf dem Riemen  der PANGOLIN-Mütze:

VICTORIA’S SECRET   US Modemarke seit 1977 : Victoria’s Secret – Wiki#1438D5

CLASS( ) ( )SHION

Die kleinen Wäsche- und Kleiderknöpfe haben ihren Weg gemacht …

… von Kleiderspenden oder Entwicklungshilfe-Uniformen zu den Lega. Ich nehme an: Dort haben die alten Herren auch in den achtziger Jahren noch ihre Autorität behauptet, ihre Privilegien und Ansprüche angemeldet. Und sie ließen wegen der Sprödigkeit des Materials ältere Hüte von starker Ausstrahlung reparieren.

Secrets d'Ivoire -L'Art des Lega, 2013, Ill. 55: couvre-chef 44 x 15,5 x 27,5 cm

Secrets d’Ivoire -L’Art des Lega, 2013, Ill. 55: couvre-chef 44 x 15,5 x 27,5 cm

Secrets d'Ivoire -L'Art des Lega, 2013, Ill. 60 couvre-chef

Secrets d’Ivoire -L’Art des Lega, 2013, Ill. 60 couvre-chef

Wie schön, dass der Katalog des Musée Branly „Secrets d’Ivoire“ (2013) eine ganze Reihe von Hüten vorgestellt hat, die noch stattlicher aussehen.

Knöpfe, Zähne und Muscheln hat man offensichtlich gereinigt , aber der Rest wirkt auf den Fotos ebenso eingedreckt und trocken. Die vier im Katalogteil abgebildeten Hüte wurden von Marc Leo Felix „vor 1974“ erworben – ill. 54 (Kauris), 55 (alles neu, nicht nur die Knöpfe, gewiss eine Anfertigung für Felix), 59, 60. Für die erwähnten Sammler und ihre Schenkung an amerikanische Museen agierte er vermutlich als Zwischenhändler. Kein Wunder, dass die Feldfotos nur neue zeigen, soweit das bei der geringen optischen Auflösung feststellbar ist.

Branly Lega Feld-

Ill.20, p.55 Feldfoto Mitte der 1960er Jahre: farbig, einfach, mit bunten Perlen, möglicherweise roten Muschelschalen, wenigstens ein entblößter perfekt rasierter Schädel, bunte billige Halsketten.

p.61 (o. Abb.) 1952-54: Nur die Älteren zeigen Halbglatze, Junge Männer ihr kräftiges Haupthaar.

 Lega Branly 2013,104,ill.61 Foto Elisofon        Lega Branly 2013,104,ill.61 – Foto Elisofon 1967

 Kunstgewerbliche gleichartige Manufakturware bei öffentlichem Tanzfest zurBeförderung zum 4.Grad – inszeniert für den Ethnologen Elisofon, dem wir das Foto verdanken?  Die Gleichförmigkeit will mir einfach nicht gefallen. Die neuen blendend weißen Knöpfe passen nicht zu den faltigen alten Gesichtern. Nur ein Büschel Elefantenhaar ist zu sehen. Zufall ? Die neue Zeit?

Ein paar Worte zur Tiersymbolik  „Pangolin“

Machtvolle Tiere spielen eine große Rolle in der Symbolik des Bwami-Bundes. Die Initiierten vergleichen sich öffentlich mit ihnen. Auch können Teile der Bwami-Zeremonien deren Namen tragen, um jeweils an die Einhaltung einer anderen moralischen Vorschrift der Bruderschaft zu erinnern. Das Pandolin (ein Gürteltier) ist dem dritten, dem vierten und der untersten Stufe des obersten fünften Rangs zugeordnet. Die Schuppen des kleinen Pangolin (kabanga) symbolisieren die Pietät und den Respekt und rufen Isamokulu, den ‚Großen Vater‘ ins Gedächtnis. Mit den Unterarten  der Gürteltiere ist eine Vielfalt an Bedeutungen verbunden. Für ihre Behandlung gibt es strenge Regeln. Bei deren Missachtung kann man gezwungen werden, Klan und Dorf zu verlassen. Man darf Pangoline nicht jagen. Wenn ein Jäger eins in der Falle oder tot im Wald findet, ist er verpflichtet, es jemandem zu überlassen, der das Recht hat, „das Pangolin zu zerlegen“.

Elefanten repräsentieren zugleich den  Bund als solchen und seine höchte Stufe, Kindi. Deren Mitglieder allein dürfen sich mit Haut, Ohren oder Schweif schmücken. Und sie bezeichnen sich als ‚Volk des Elefantenschweifs‘.           (a.a.O.100,104, Elisabeth L. Cameron nach Daniel Biebuyck 1973)

Was bedeuten nun aber die Knöpfe?

Die werden allem Anschein nach auch schon seit geraumer Zeit verwendet. Bringen sie etwa eine andere symbolische Kraft ins Spiel? Die des Fremden? Der an Kräften überlegenen Zivilisation? Wer hat sie in das Universum des  Bwami eingeführt? Fragen über Fragen.

Haben die verschiedenen Entdeckungen nun meine Sicht auf die zwei Hüte verändert?

Jedenfalls nicht den Eindruck von Eleganz und Funktionalität: die Möglichkeit, sie aufzusetzen und auszuprobieren.

Ich hatte schlichte, aber nicht langweilige (wie mit Kauris) Beispiele ausgewählt. Sie repräsentieren in ihrer ästhetischen Inszenierung die Power of Headdress der Vergangenheit. Mit der Banalität des späteren billigen Ersatzes haben sie nichts gemein. Das sind bloße Käppis, Rangabzeichen ohne speziellen ästhetischen Wert, aber passend zur brüchigen Autorität der traditionellen Institutionen. Zwischen Widerständigkeit und Folklore. Warum sollte es hier anders sein als im übrigen Kongo?

Meine Hüte sind weniger gestriegelt und gewienert, weniger gesäubert als die Museumsstücke. Wenn ich lese, wie hartnäckig die Lega bisher ihrer kunstethnologischen Durchleuchtung Widerstand geleistet haben, wie viel Geheimnisse die Ältesten ins Grab genommen haben, ist mir das genug. Für den Genuss der Formen und die Würdigung der Kraft dieser Ehrenhüte braucht es keine Einweihung in Geheimnisse. Ihre Aura flüstert „Es war einmal“. Ich werde sie neben die Honoratiorenhütchen der Kuba-Aristokraten, mit interessanten Mustern aus Kauris und bunten Perlenschnüren aufstellen, aber das ist ein anderes Kapitel.

8.5.2017    Noch  ein Hut – Knöpfe und Schuppen halb und halb

Lega-Hut,6.5.17

 

Schöner Schweif. Halb und halb – Warum?  Der Händler lacht. Und welche magische Bedeutung haben eigentlich Knöpfe? Er weiß es auch nicht, sagt er. Wahrscheinlich ‚findet‘ man seit langem keine Pagolins mehr (in den Tierfallen).

Aufschriften?   Diesmal   „COLUMBIA“,  „GEORGE“   UND   „CHEROKEE“.

 

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