Nkanu (Yaka) Pfosten

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Kambandzia-Pfosten 51,5 cm hoch, Nkanu bzw. Westliche oder Nördliche Yaka   

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Bourgeois XXVIII 1

Bourgeois XXVIII 1

Mögliche Kontext(e)

Bourgeois dokumentiert einen entsprechenden kambandzia Pfosten – in „Yaka and Suku“, Leiden 1985, pl. XXVIII 1.+2., p.28 sowie in African Arts t.15.3 – p.34 unter dem Etikett Northern Yaka, mit Dreiecks-Dekoration des Aufsatzes und weißem Gesicht. Er verwendet die Bezeichnung Mitra für die Kappe, die traditionell Würdenträgern zustand.

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Er benennt drei Aufstellungsorte und Funktionen der charm-posts, der magischen Pfosten, 1. als Schutz entlang des Pfades, der zum Beschneidungsort führt, 2. innerhalb einer Einfriedung zusammen mit anderen Objekten des Jagdzaubers oder 3. Innerhalb eines Hauses zur Beförderung der Fruchtbarkeit.

Über das Beschneidungsfest können Sie sich im Beitrag ‘Drei Masken für festliche Auftritte informieren.

Äußere Besonderheiten des ‚Nkanu’-Pfahls:

Der (ursprünglich ganz) weiße Kugelkopf (Dreiviertelkugel), seine expressiven Augen wie der Zähne bleckende schwarze Mund, in Verbindung mit einem breiten kurzen Pfahl in Form einer fetten Granate. Für die Anbringung eines Halsschmucks aus Stroh bietet der kurze Hals Raum genug.

Die Abbildungen aus dem Buch :  Bourgeois – Art of the Yaka and Suku, Leiden 1984, zeigen Schreine der Nkanu (oder Zombo auf der angolanischen Seite) . (Näheres folgt)

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Die Herkunft

‚Nkanu’ laut Händlerinformation. Die Untergruppe ‚Nkanu’ der Yaka ist bekannt für expressive weiße Gesichter wie beim weithin bekannten ‚Trommelspieler’ – in Kerchache: Kunst des schwarzen Afrika, Ill.761.  >> Kerchache-Kunst ... Afrika Ill

Über die Nachbarschaft zum  Reich der Bakongo am Atlantik hat sichtbar das europäische Modell auf die Künstler der Nkanu-Untergruppe viel stärker stilbildend eingewirkt als auf die Yaka am Kwango.

Bourgeois sammelte den Pfosten (1, oben!) 1973; für den zweiten (hier nicht abgebildeten) gibt er das Jahr 1976 und das Dorf Kingasa in der locale Itunza (dt.‚Örtlichkeit’; chefferie?) in der Provinz Bandundu an. Beide Ortsangaben kann ich (bisher) nicht lokalisieren.

Deutungsversuch

Ich erstaune immer wieder über die Wucht des Ausdrucks.IMG_4355 Nkanu-Pfahl

Ein Kinderkopf, die mittleren oberen Schneidezähne wurden bereits ausgezogen! Dem Geschehen gegenüber geöffnet, eine unheimlich aggressive Energie, aber nach innen gewandt. Der Moment plötzlichen Begreifens, das Erstaunen?

Initiation war eine furchtbar ernste Sache, bei aller Beschränktheit der Lehrer und Lehren, denn die Welt ist nicht so, wie Kinder sich das träumen. Manche Feldfotos von Himmelheber zeigen kleine Jungen, welche die Herausforderung bereits angenommen haben.

Zugleich erscheint hier ein Geistwesen, nicht von dieser Welt, eigenen Gesetzen gehorchend,bereits in seiner Form als ganz besonderer Pfahl, nicht bloß banaler geschälter Baumstamm. Der Rumpf des Pfostens, der schwanger wirkt, soll sicherlich ‚Fruchtbarkeit’ verkörpern. Jedenfalls ist er ein Gegenpol zu den geometrischen Formen, die in aufgereihten Dreiecken die Tiara bestimmen. Die Tiara hat auf der Rückseite eine geheimnisvolle verschlossene Öffnung – oder eine Ahnung davon.

Ein Bezug zum Jagdglück scheint weniger einleuchtend. Doch sind die Ohrlöcher tief, selbst wenn sie nicht die zentrale Öffnung erreichen sollten.

Ich habe jetzt drei Pfähle (Yaka/Nkanu, Salampasu). Sie haben alle etwas Besonderes. 8.8.2016

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