„Togoland Projektionen“ – Großer Titel, kleiner Film (D 2023)

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„TOGOLAND – PROJEKTIONEN“ (D 2023) – Großer Titel, kleiner Film

Ich ging mit Erwartungen in den Film und mit leiser Befürchtung ‚dekolonialer‘ Kränkung. Ich wurde in anderer Hinsicht enttäuscht.

Ich bin nicht streitlustig, ich will die Arbeit anderer Leute nicht niedermachen, auch wenn RBB  (LINK maximfilm.de)  und die Botschaft in Lomé (LINK) sie mitfinanzierten, aber nach dem Filmabend im Naxos-Kino in Frankfurt/Main sind die Einwände stärker, zumal auch das anschließende Filmgespräch „keine Einsichten, nur Blockaden“ zeigte, wie mir ein Freund berichtet. Der Film verbreitet und verfestigt unkommentiert Stereotypen.

„Togoland Projektionen“ 2023.  Screenshot

Der Ansatz kolonialistischer Film in dekolonialem Film  ist mir nicht fremd. Vor fünf Jahren habe ich bereits im Blog einen solchen Film vorgestellt und diskutiert:  Mischa Hedingers „African Mirror“ – René Gardi postkolonialisiert. LINK: 22. April 2021 | dvg“.

1985 konnte ich an der Elfenbeinküste nachmittags mit afrikanischen Jugendlichen zusammen europäische Trash-Filme erleben (BERICHT 1985 (2) Die Geisterseherin von Ferké“  30. Juli 2011 | dvg ).

 

Das gezeigte Filmmaterial von Hans Schomburgk (de.wikipedia) ist zu dünn, auch harmlos; es ist nicht bloß physisch stumm. Einzelne kurze Szenen werden gezeigt, sind für die Kinoleinwand zu unscharf und grobkörnig. Ich denke auch, für uns montiert. Wir erfahren nicht, was die Togolesen wirklich vor Augen hatten. Ihre Kommentare erinnern an die üblichen ARD-Straßeninterviews.

Das Konzept „Auf den Spuren von xy“ trägt nicht, es wiederholt die Oberflächlichkeit Hans Schomburgks. Schon die vier oder fünf Drehorte und ihr Personal erweisen sich für die hundert Kinominuten als zu viele.

 

Folgende zwei Pressetitel versprachen mir „Differenzierungen“ :

Togoland Projektionen | gelungene Doku über Kolonialvergangenheit von Jürgen Ellinghaus – reginasuchet     LINK:kunstundfilm.de

Dekoloniale Doku über koloniale Filme.Afrika bekommt seine Bilder zurück. 1913/14 filmte Hans Schomburgk in der damaligen deutschen Kolonie Togo. Ein heutiger Kollege brachte die Bilder zurück (und machte daraus einen Film). Taz 13.1.2025 LINK: https://taz.de/Dekoloniale-Doku-ueber-koloniale-Filme/!6058408/

Deshalb ging ich hin – doch die Besprechungen sammelten bereits alles auf, was von Bedeutung sein konnte, so wie Jürgen Ellinghaus aufsammelte, wenn die Kamera oft in Naheinstellung bereit war – oder umgekehrt.

Die Bilanz am Ende des Films: die unüberbrückte Distanz über ein Jahrhundert hinweg, und zwar für Leute in allen ‚Kinos‘.

Sie überwinden auch nicht einzelne in den Familien erzählten Geschichten oder der „griot“ als notorischer Lob- und Auftragssänger und die stets zur Mythenbildung bereiten dörflichen Honoratioren.

Wie lose Enden, ja als Kuriositäten wirken die Gräber am „Volkstrauertag“ in Togo, das öffentliche Wandbild des Herrn v. Mecklenburg oder die „Franz-Joseph-Strauss-Allee“, die nach einigen Metern zur „Avenue Joseph Strauss“ geworden ist.

„Togoland – Projektionen“ 2023   Screenshot

Es stellen sich mir viele Fragen – ich bin selber kein Kenner Togos – aber wo werden auch nur Ansätze für ihr Verständnis sichtbar? Von dem seriös wirkenden Herrn Ellinghaus hätte ich da mehr erwartet als von einem Bachelorstudenten!

Meine kurze informelle Diskussion vor dem Eingang mündete dann auch gleich in Klischees, z.B. „die Deutschen“ oder „die Franzosen“, als wollte ich etwas durch Vergleich moralisch relativieren. Ich wollte bloß auf die  ausgeblendete historische Lücke der Darstellung hinweisen und Bezug nehmen auf die fortdauernden Verhältnisse auf dem Globus. Nicht einmal ein Freund aus früheren Tagen wollte mir dahin folgen.

Lieber kein Film als so einer!

 

 

 

 

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