10.12.22  redigiert 12.12. Â
Erster Eindruck

Im Hintergrund links eine Figur der Milembwe Songye am Oberlauf des Lomami (LINK zum Beitrag von 2016)
Praktische Höhe fĂŒr einen reprĂ€sentativen MĂ€nner-Hocker, schlanke, aber stabile Konstruktion
Angenehm glatte SitzflÀche
Erhaltung intakt, gepflegt
Ăkonomisch in den Details – ich bin noch nicht ganz ĂŒberzeugt, denn ich vergleiche den Hocker mitâ Kraftfiguren reich an Zaubermitteln.
SouverÀne Gestaltung und griffige noch körnige GlÀttung, sorgfÀltige Arbeit.
Deutung und Beschreibung
âLomamiâ â Dem HĂ€ndler W. fĂ€llt angesichts der extrem dicken BĂ€uche eine Anekdote ein:
Wenn eine Frau mit der Schwangerschaft Probleme bekommt, wird eine Tante gefragt, ob ihr gegenĂŒber ein böses Wort gefallen ist. Die junge Frau muss ihr Fische bringen â viel Fisch gibt es
im Lomami â und sie zubereiten. Die Tante isst den Fisch mit GrĂ€ten. Wenn sie diese dann ausspuckt, spuckt sie auch das böse Wort aus (körperlich!), macht es ungeschehen, löst den Bann.
Kommentar: W. spekuliert manchmal auch, wie ich und wie andere HĂ€ndler, aber er ist mit Milieus und Stimmungen im Kongo vertraut. Man muss ihm nicht alles glauben, aber kann immer etwas daraus gewinnen.
Die Anekdote passt hier gar nicht, wo die hochschwangeren BÀuche nicht primÀr Fruchtbarkeit beschwören, denn beide tragenden Figuren sind ansonsten geschlechtstypisch unterschiedlich ausgestattet. Ein Ahnenpaar.
Herausgenommen wurden Kraftladungen am Ort des Nabels, an einer Seite sauberer entfernt als an der anderen. Die aufrecht stehenden Figuren halten den Bauch mit den HĂ€nden, und zwar so, dass sie die verschwundene magische Ladung aggressiv nach vorn richteten.
Deshalb mĂŒssen die Figuren die SitzflĂ€che des HĂ€uptlings auf dem Kopf tragen mit Hilfe einer Holzverbindung, die zwar auf den ersten Blick unorganisch wirkt, aber sicher ein gefĂŒlltes magisches Horn darstellt.
Die beiden Gestalten blicken wachsam in entgegengesetzte Richtungen, ihre Knie sind dynamisch leicht gebeugt und die FĂŒĂe unnatĂŒrlich groĂ, flach und wie durch SaugnĂ€pfe mit dem Sockel verbunden. Ich habe dabei EntenfĂŒĂe vor Augen.
GegenĂŒber den Figuren im Handbuch âSongyeâ âfehltâ auch eine Halskette, die auf dem Absatz lagern könnte. Der lange Hals hat keine âschönenâ WĂŒlste, die dort nicht nur bei Frauenfiguren vorkommen! Abb. 146, 150).
Durch die beiden rechteckigen Armlöcher sind wohl nie Riemen gezogen worden, wozu auch bei einem Hocker?
Fehlt ein das Geschlecht bedeckender Rock? Eher nicht, denn die Geschlechtsmerkmale bezeichnen nur ein Ahnenpaar. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich vielmehr auf den hochgerĂŒsteten voluminösen Bauch, welcher Unterleib und Beine in den Schatten rĂŒckt.
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Vorbereitendes DurchblĂ€ttern von Francois Neytâs âSongyeâ
( Font Mercator, Antwerpen 2004), um die Informationen bei Gelegenheit zu berĂŒcksichtigen:
Bemerkung: Die einzelnen stilistischen Elemente finden sich in verschiedenen âStilregionenâ (chapitre V), aber in ganz unterschiedlicher HĂ€ufigkeit â eine wichtige Erkenntnis, um die vermutete âProvenienzâ einzelner Objekte nicht zu ĂŒberfordern! Bekanntlich ist Neyt ja ein glĂŒhender AnhĂ€nger sogenannter âStilzentrenâ. (Vgl. LINK)
Mund Typ 4 : en forme de quartier de lune p.291Â Â Â Â p.291 >
Auge Typ 3 : en forme de demi-lune …. domine chez les Kalebwe (IX â X)
Kopfform Typ 1: ovoide, menton horizontal domine Kisengwa XÂ Â p.289
Frisur Typ 1 : calotte crĂąnienne (KĂ€ppchen ĂŒber dem SchĂ€del) p.293 et X
Schultern eckig
Nase vereinfacht zum Dreieck vgl. Abb. 252, 253 p.274,
Handhaltung, gespreizt, auffÀllige Finger
p.333 Les styles du Moyen-Lomami Kalebwe centraux et méridionaux Abbildungen!!
Karte p.380/81Â Â Â Eher die Region X am Oberlauf ‚Kalebwe‘ ?
p.363 Einen solchen Hocker am Stand gesehen, er wirkte konventioneller und damit schwÀcher
p.371 Eine noch höhere soziale Klasse ! Höhe 59cm Privatsammlung! poliert! Etwas manieriert