Die angefĂŒgten Abbildungsnummern ( no. ...) verweisen auf die Monografie von Francois Neyt: La redoutable Statuaire Songye d’Afrique Centrale, Fonds Mercator, Antwerpen (5 continents) 2004.
Die Entscheidung dafĂŒr fiel inmitten der anderen Figuren schnell.
Alles Wichtige ist groà und klar, ja schön herausgearbeitet.
An keiner Stelle wirkt sie verkrĂŒppelt oder verkĂŒmmert, nichts an ihr ist eine Verlegenheitslösung.
Bis auf die Turmfrisur und mĂ€chtige Augenbrauen findet sich keine dekorative Schraffierung, auch an der Frisur ist sie nur in der Frontalansicht ausgefĂŒhrt (vgl. no. 38).
FlieĂende Formen sind spannungsreich durch Blöcke unterbrochen.
Besonders am Kopf perfekte Kanten, an HĂ€nden und FĂŒĂen sind sie immerhin noch plastisch und lebhaft, KĂŒr, nicht PflichtĂŒbung!
Der maskulin geformte Kopf mit dem mÀchtigen Kinn(bart), mit dramatisch fliehender Stirn, starken verschatteten Augen und unwiderstehlichem LÀcheln und dem Effekt einer Boxernase.
Darunter ein direkt kokett gewölbter weiblicher Körper, angefangen klitzekleinen BrĂŒsten (vgl. no.39) und prallem kleinen Medizinring (hinten offen), mit einer groĂen NabelflĂ€che (nos. 6 , 26, 31 u.a.), die keine Zutat nötig hat, ĂŒber ein Hohlkreuz zu Po und Bauch. Ăber sie und ĂŒber die Knie spannt sich ein strammer Lederrock, ein Kunstwerk fĂŒr sich, nicht so ein Fetzen, der die FĂŒĂe halb oder ganz verdecken wĂŒrde.
HĂ€nde und FĂŒĂe sind groĂ und expressiv (vgl. nos. 30-33), ohne manieriert zu wirken (wie etwa bei no.16). Die FuĂsohlen krallen sich nicht ein, sondern umschlieĂen fast den abgerundeten Sockel (no. 36, …). Die ĂŒbergroĂen FĂŒĂe mit den eingekerbten Zehen haben durch die KrĂŒmmung der Platte sichtbar Halt auf dem Grund, sie spielen mit, sind nicht schwĂ€chlich (Luba, Kusu etc.) oder AnhĂ€ngsel.Verraten extrem groĂe FĂŒĂe Humor? – wie bei der grotesken NackenstĂŒtze in Kerchache/Paudrat: Songye Abb. 725 ? Die HĂ€nde haben lange durch v-förmige lange Einschnitte voneinander getrennte Finger.
Selbstbewusst mitten im eigenen Stil der Region oder sogar der Werkstatt.
Die Tugenden des Stils sind frei verwirklicht. Neyt hat no.39 zu einem Prototypen fĂŒr den style II erklĂ€rt, meine Figur ist auch einer, aber nicht so eigenartig geschwĂ€rzt und nicht mit neuem Schurz versehen. Die kantige Festigkeit der Figuren ist ‚Kalebwe‘, dann kommt aber die kunstvolle Lebendigkeit hinzu. Hat das etwas damit zu tun, dass sie in der Gegend ‚Kinder der Lulua‘ sind, im Reich der Lunda?
Nicht gefĂ€llig geworden, generell die Kantigkeit nicht aufgegeben, sondern die einzelnen Elemente gesteigert jedes fĂŒr sich bis hin zur Karikatur, etwa die zu einem Rechen gesteigerten HĂ€nde, weil solche den Bauch wirkungsvoll halten. Und steigern nicht die extrem miniaturisierten BrĂŒste die Wucht seiner Wölbung?
Der Nabel beschreibt quasi lebensgross einen flachen Kreis wie eine MĂŒnze. Andere Figuren mĂŒssen da noch etwas drauf packen.
GröĂen: 47,5 cm (mit Horn) – no.39: 43 cm