âErinnern an Meidnerâ – Kein Wert an sich. Kommt darauf an, wer sich erinnert. HĂŒte dich vor allem Musealen, je Ă€lter du wirst, desto kompromissloser!     Ich habe mich durch die kleine Veranstaltung des âDarmstĂ€dter KĂŒnstlerarchivsâ bewegt wie ein diebische Katze, wie ein Kind. Mitgehen lieĂ ich gefilmte Szenen und Notizen, traf eine alte Freundin, Gesicht wie ein Dörrapfel, und lieĂ mir von W. berichten. Er lebe in Heidelberg, sehe aus wie eine Oma, ganz die weibliche Seite, ânicht so konturiert wie wirâ, sondern eine Mischung von Vater und Mutter. Da stehen sie auch schon vor meinem innern Auge. Ich verzichte auf die Telefonnummer, will mir das vitale Erinnerungsbild nicht nehmen lassen. Der Sammler-Vorsitzende exaltiert sich, schleudert den Sammler-Expressionisten aus sich heraus: im Nacken das Sternenmeer, am Finger den Ehering. Abwechselnd wird ihm zu warm und zu kalt. Er schleudert das kleine PortrĂ€t des Meisters vom Tisch, verhaspelt sich, verspricht sich, brĂŒllt, stottert. âDer Maler muss viel fressen!..â Genau wie der Sammler, Hunger und KĂ€lte. Die Pose, sich aus dem Fenster zu stĂŒrzen auf das Trottoir der Berliner Republik wĂ€rmt einfach. Hinter mir sondert tatsĂ€chlich jemand banalen Schweiss ab, nicht etwa Bleiweiss oder Zinnoberrot. Ich sehe in die Runde: An Ălbildern nichts Passendes.  Macht nichts: Die Mehrheit der atemlos Lauschenden sind ehrenamtliche Helfer. Dank sei ihnen vorab, ebenso den Leihgebern, die Kunstverstand bewiesen haben. Undsofort…. Kittel wĂ€re geplatzt. Wir Sammler sind Vampire, wir leben vom Blut der Anderen, aber nur vom Feinsten. Was immer da jemand erlitten haben mag: Schön, dass Sie es uns mitgeteilt haben; am Ende haben Sie uns Gold geschissen! âZotig tanzen wie ein Bezechterâ, und das im Anzug und ohne Flecken. âDen Mond mit deiner Zotigkeit beglĂŒcken. Und dann musst du malen, deine ganze Verruchtheit und Heiligkeitâ. Wenn es doch unsere wĂ€re: SĂŒnde, SĂŒnde, SĂŒnde, der Tanz ums Goldene Kalb. In tiefer Nacht nackt ums Lagerfeuer stampfen, in der Werkstatt eingeschlossen dem Tang- oder Ming- oder Sungherrscher Juwelen machen…. Aber wir hier im Raum wissen die QualitĂ€t eines Druckes zu wĂŒrdigen, âeinschlieĂlich der FingerabdrĂŒcke eines Handdrucksâ. Dahin folgt uns BildungsbĂŒrgern niemand so leicht. Ăbrigens ist mir gestern wieder der wirkliche Erfinder der âPatinaâ begegnet: K., der Kenner aller „relevanten Gebrauchsspurenâ sowie authentischer Abwitterung. Hauptsache, wir haben SpaĂ. Ich habe mich entschieden, auch weiter kein Glied einer Meidner-Vereinigung zu sein, sogar die Spendentöpfe âAnstelle des Eintrittsâ zu ignorieren. Vielleicht werde ich einmal ins DarmstĂ€dter Stadtarchiv lesen gehen, vielleicht sogar spenden, aber vorher den Marktwert meiner Autographen taxieren. SchlieĂlich habe ich nur Einen gekannt, der Modigliani gekannt hat!Â
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