Die falschen Dinge aus Afrika

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21.5.2017

Ich will heute meine Sammlung gegen bestimmte Ansichten verteidigen. Es geht mir um die Einzigartigkeit von Kunstwerken, die einen Witz haben, der selbst einem Fremden noch zugänglich ist, wenn er sich nur darauf einlässt. Das falsche Gerede darf nicht völlig die Oberhand gewinnen.

'Yaka' Pfahlplastik 20.5.17

‘Yaka’ Pfahlplastik 20.5.17

 

Ein alter Maler und Sammler aus Frankfurt wollte mir doch wirklich meine frischen und ausdrucksstarken Volksmasken der Yaka madig machen, die er übrigens nie aus der Nähe gesehen hat: Sie wären alle zusammen die Pfahlfigur nicht wert, die vor uns auf dem Tisch stand, etwa einen Meter lang, mit etwas Kordelschmuck und einem groben Schurz versehen, und mit einem griesgrämigen Gesicht ‚nach Art’ der Yaka.

Ehrlich: Sie könnte überall im Kongo hergestellt worden sein. Die selbstverständlich klobigen Füße sind auch noch auf einem glänzend schwarz gestrichenen Holzsockel montiert. Ich hätte lieber die Fußsohlen begutachtet.

Sie fragen vielleicht nach meiner Absicht:

Ich möchte noch gar nichts über den Entstehungsort behaupten, auf der Basis kurzer Betrachtung und anschließender Überprüfung an Fotos . Mir geht es um einen auf den Märkten verbreiteten Typ von Figuren, der unter verschiedenen Aspekten einfach Durchschnitt repräsentiert – typiquement typique nannte so etwas ein Franzose 1982 auf der Azoren-Insel Flores, dessen Name ich nicht erfragte.

Hat der  Typ nicht  Qualitäten?

Der Typ kann zunächst Respekt einflößen, indem er auf der Symbolebene (1) Versatzstücke afrikanischer Respektabilität mit (2) ganz wenigen ‚ethnischen’ Schlüsselsignalen vereint und (3) formal gängige Bauprinzipien repräsentiert.

Zu (1)

– die Kopfbedeckung eines chief in für eine große Region typischer Ausprägung

– Farbtupfen (weiß), buchstäblich vom Scheitel der Kappe bis zur Sohle – das übliche Zeichen spiritueller Aufladung, ein simpler ‚Kult’beweis, mir vom Waldgebiet südlich des Kongobogens und dem Ituri-Gebiet her bekannt

– Ausstattung: Armschmuck (Kordel) und Schurz (grober Lappen, löchrig) – beides wohl nachträglich zugefügt, billig, aber besser als nichts

– Ein gewölbter Bauch als unverzichtbares Zeichen der Gebärmacht: eine Wölbung mit waagrechter Kante, hier ohne Nabel als mächtige Körpermitte eher schwach.

– Gebeugte Knie und klobige Füße für Energie und festen Stand sind ein ‘Muss’ für eine solche Fgur.

Zu (2)

Hurra! Der ‚typische’ Yaka-Kopf mit der hochgebogenen Nase der südlichen Yaka! Doch nutzt er nicht deren Ausdrucksmöglichkeiten, schmal wie er ist, mit einer angedrückten Nase – Nachteil der Pfahlplastik – ‚zugeschwollenen’ Bohnenaugen und unordentlich gezahntem Mund. Meine zwei authentischen Pfähle und Medizinfiguren schauen aber anders in die Welt!

Zu (3)

Die Proportionen sind tendenziell naturalistisch, die Beine recht lang. Eine afrikanische Figur wirkt dadurch aber niemals stärker. Klobige Füße sind Normalität.

Einen identischen Schulter- und Armbereich samt den kleinen ‚betenden’ Händen kenne ich aus dem Luba-Einflussgebiet. Link „Kusu“. Das macht mich stutzig.

Eine Qualität fehlt der Figur ohnehin, die in Afrika noch heute so selbstverständlich ist, dass man darüber gar nicht reden muss, nur im Europa der Ruinenromantik fällt das nicht auf: Die Figur ist unfrisch, impotent – und das auch auf der ästhetischen Ebene. Sie müsste schon von bedeutendem Nimbus-Kapital der Ahnen zehren. Denn selbst für die gilt: Ihre anfänglich gefürchtete Macht verblasst mit der Zeit zur frommen Legende.

Mein Vorschlag

Wenn Ihre Afrika-Sammlung bloß aus einer Figur bestehen soll – vielleicht im Eingangsbereich – warum nicht diese Figur aufstellen? Der Schurz lässt sich ersetzen. Und Sie tun ein gutes Werk. Auch für die kongolesische traditionelle Kunst. Schließlich dauert deren Elend bereits über ein Jahrhundert an, und es gibt kein Hilfswerk dafür.

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