Eins, zwei, drei, ich twitter’ mich frei – aktuell

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Liebe Leserin, lieber Leser,

die Menge ‘schlechter’ Nachrichten, die über ‘Qualitätsmedien’, also ‘gute’, aus der realen Welt in meinen geruhsamen Alltag stürmen, ist gerademal überwältigend, ich brauche eine Winterpause. Stattdessen möchte ich Ihnen meinen Afrika-Blog empfehlen; da sind wenigstens noch ein paar Entdeckungen zu machen, zwar auch in der ‘realen Welt’, aber ebenso an ästhetischen Objekten. Bei schlechtem Wetter können die Beiträge vielleicht sogar einen Museumsbesuch ersetzen.

Alles Gute für 2018 ! Und melden Sie sich doch einmal!         Ihr Detlev von Graeve

Freitag, den 29. Dezember       Schöne Bescherung

Der Satz von den „intelligenten Produkten“ die Deutschland entwickeln müsse, um weiter in der Spitzengruppe mitzuspielen, geht mir nicht aus dem Kopf.

Ich frage mich in meiner Einfalt, welche Produkte das denn sind. Ich kenne aus Erfahrung ja bloß consumer products und schüttle den Kopf. Es ist sicher auch nicht fair, an dieser Stelle Vilem Flussers Diktum anzuführen, die Dinge, die uns umgeben, seien selbst immer dümmer. Doch dass sie ihre Nutzer immer dümmer machen, daran habe ich keinen Zweifel. Vor fünfzig Jahren war der Taschenrechner schon ein Alarmzeichen – für unsere Lehrer. Wir genossen die Arbeitserleichterung.

Und nun soll das Bildungssystem ‚besser’ werden, damit ‚wir’ mehr ‚intelligente Produkte’ verkaufen können, die ihre Nutzer dümmer machen. Das werde der Fall sein, wenn ‘wir’ endlich im Bildungssystem die Verwendung von ‚intelligenten Produkten’ stärker ins Zentrum rücken. Nur die faulen Lehrer bilden noch ärgerliche Hindernisse vor unserer strahlenden Zukunft .

Bundes- und Landespolitiker reagieren hektisch: Für sie erziehen zu viele digitale Analphabeten die digitalen Analphabeten von morgen, während Stadt- und Landkreise die Wartung von hardware und software versäumen. Deutschland geht unter, nicht etwa, weil seine Jugend nicht angemessen wird lesen, schreiben, rechnen, kalkulieren, reden und argumentieren können, sondern weil sie die multimediale Kreativität nicht aufbringen wird, die benötigt wird, um sich die verrücktesten intelligentesten Produkte einfallen zu lassen.

Zur Strafe wird die Jugend diese Dinge in naher Zukunft nur – als Konkursware oder mit abgelaufenem Verfallsdatum – auf Ramschseiten ersteigern können.

Was wäre daran so schlimm? ‘Wir’ würden dann einfach noch mehr Schnäppchen in Händen halten können, wenn wir geduldig  Tag für Tag das Türchen an unserer Packstation öffneten, nicht nur zur Weihnachtszeit.

 

Samstag, den 16. Dezember        Fahnen verbrennen?  Wozu überhaupt Fahnen?

Deutschland ist eine Repräsentative Schamdemokratie. Man unterscheidet drei Formen der Scham: sich schämen, wenn das Motiv in einem selbst liegt, sich fremdschämen und sich von Amts wegen fremdschämen – Das betrifft gewöhnlich Kommentatoren, Repräsentanten und besonders Bundespräsidenten. – Und alles andere ist unverschämt. Wie konnten die Palästina-Demonstranten  vorige Woche uns und ihm das antun? Nun musste Steinmeier sich schämen, und das auf einem Empfang der israelischen Botschaft. (FAZ , 16.12.17, S.1). Aber wieso ist er dann hingegangen? Musste er sich das antun, oder konnte er sich die Sache einfach nicht bis zur Weihnachtsansprache aufheben?

Fahnen zu verbrennen gehört in das Repertoire symbolischer Aktion und wird von den Medien automatisch nach vorn geschoben. Wie oft haben wir so etwas bereits im Fernsehen gesehen, zustimmend oder ablehnend, je nachdem, oder einfach angeödet. Nur war das immer anderswo, in Palästina oder sonst im fernen Orient. Bei uns in Deutschland gilt Fahnen zu verbrennen als ungehörig, auch wenn das nicht jedem Proll im Land begreiflich zu machen ist. Es ist eben eine Benimmfrage. Ich wusste nur nicht, dass der Bundespräsident für Benimmfragen zuständig ist. Wenn ja, wäre es dringend nötig, dass er sich einmal mit angemessenen, erprobten und wirksamen Protestformen beschäftigen würde. Ich wäre auf seine Lösungen gespannt.

Herr Steinmeier weiß nicht erst aus seiner Zeit als Außenminister, dass der israelische Staat systematisch nicht bloß symbolische Grenzen überschreitet und  seit langem selbst seinen politischen ‘Freunden’ gegenüber sich oft daneben benimmt. Netanjahu zum Beispiel scheint ein dickes Fell zu haben und keine Angst, auch nicht vor dem Hass anderer. Israel ist gut gerüstet, kriegserprobt, technologisch mit an der Spitze und blendend vernetzt. Dieser Global Player braucht nicht um seine Existenz zu fürchten. Wozu das besorgte Theater in Berlin und in der ‘tagesschau’? Weil die einschlägigen Lobbyisten wieder Druck machen?

Als Innenpolitiker sollte Steinmeier erst recht nicht reflexartig die durch inflationären Einsatz abgegriffene  Antisemitismus-Keule in die Hand nehmen. Die wiederholten erzieherisch  gemeinten Volksreden ex cathedra sind für den Bürger einfach ärgerlich, die Politiker sollten lieber ihre eigene Arbeit besser machen.

Ich würde gern die Staatsflaggen ganz abschaffen. Wozu brauchen die Deutschen eine Staatsflagge? Nur weil die anderen eine haben? VR China, RD Congo, USA, Israel…? Es ist in der Geschichte genug Schindluder damit getrieben worden! In einer atomisierten Gesellschaft ist sie ohnehin Folklore.

 

 

 

Montag, den 12. Dezember         Sogenannte “Bürgerversicherung”

Sehr geehrte S.P.D., Ihre GERECHTIGKEIT ist eine pseudo-protestantische Fälschung ! Sie begehen ein dreistes Plagiat an Ihrer Ahnenfigur Willy Brandt, dem großen Naiven!

Wie war noch der gute Rat der Verbraucherschützer in der Vorweihnachtszeit?  Je moralischer die Bettler daherkommen, desto mehr nimm dich in Acht! Genau.

Entschuldigung, ich reg’ mich auf bei der Sendung nach zehn beim dlf: Kontrovers. Es war zwar schon kurz vor halb zwölf, als ich ihn schrieb. Mein Beitrag wurde sicher nicht verlesen. Ich habe auch gar keine Zeit das nachzuhören, aber so sah er aus:

Wo leben wir denn? Ärzte, Krankenhäuser und Pharmaziekonzerne werden sich doch nicht ihre Gewinne wegnehmen lassen!!  Die Zahlungskräftigen werden sich auch nicht die bevorzugte Behandlung nehmen lassen! Aus dem grauen Bereich kann dann der Staat sich bequem zurückziehen, wenn Privatkassen und Beihilfen nicht mehr die Finger in sog. Zusatzleistungen haben.
Der Diskutant der SPD bewegt sich die ganze Zeit auf dem Niveau ihrer unsäglichen Wahlplakate! Bürgerversicherung ist eine leere Sprechblase, die die PR-Abteilung erfunden hat. Und ständig der Vorwurf, die Gegenseite würde eine Neiddebatte unterstellen.
Es geht nicht um Prinzipien! Eine Schande, wenn Parteipolitiker solche ständig ‘aus niedrigen Beweggründen’ in den Mund nehmen!
Seit Jahrzehnten wird die medizinische Versorgung unter vielen Aspekten deutlich spürbar schlechter. Wie soll man noch in die Gesundheitsstrategen Vertrauen haben! 
Finger weg vom kleinen Konkurrenten Privatkassen! Den Stachel brauchen wir!
Die Antwort der Redaktion ist korrekt, ebenso der allgemeine Hinweis:

Sehr geehrte Hörerin, sehr geehrter Hörer, vielen Dank für Ihre E-Mail. Wir freuen uns über jede Meinungsäußerung, jede Frage und bemühen uns, sie in die Sendung “Kontrovers” einfließen zu lassen. Falls Sie mal eine “Kontrovers”-Sendung verpasst haben oder nachhören möchten finden Sie einen Mitschnitt im Internet unter www.dradio.de – Sie sind uns herzlich willkommen. Mit freundlichen Grüßen

Ihre “Kontrovers”-Redaktion

Am Abend sagt ein Gesundheitsökonom von der Uni Fulda in HR Info – für mich ein Ehrentitel angesichts der verbreiteten Lügen –  und er war okay: Es würde lange Übergangsfristen geben müssen, aber man könne ja die Vergütungen soweit angleichen, dass sie keine Fehlsteuerung mehr verursachen. Und nicht alle Beamten profitieren.

Wenn die Möchtegern-Koalitionäre es nicht bereits von ihren steuerfinanzierten ‘thinktanks’ nicht bereits gesagt bekommen hätten, ich würde das nie verraten: Die kalte Austrocknung der Privatversicherung ist die ideale Kompromisslinie für SPD und CDU/CSU. Fehlsteuerung? Als ob es nur eine gäbe? Diese ist jedenfalls nur ein Sündenbock.

Gerechtigkeit – da kriege ich das Kotzen, Schulz!! (Zitat aus “Tote tragen keine Karos”, ….googeln!) – Soll etwa das Recht des letzten Dummbeutels auf die teuren Segnungen der Apparatemedizin von der Solidargemeinschaft getragen werden? Und wenn man auch aus der Kirche ausgetreten ist, egal, sein Schicksal wird man nicht los. Korrekturen an Gottes Willen würden noch jeden Sozialstaat überfordern. An maßlosen Bedürfnissen ist der Sozialismus übrigens auch gescheitert.

Gebt wenigtens das Sterben frei, wenn Ihr schon die Geschlechtsidentität von allen Zwängen befreit!  Ich wüsste bereits, wer am meisten darunter leiden würde!

P.S.

Und ich habe gedacht,  die Clowns von der öffentlich-rechtlichen “Anstalt” und die Muppet-Show von Mathias Richling seien mit ihren Späßen überflüssig. Neee!!!!!!!!!!!!!!!!!

 

 

 

Donnerstag, den 7. Dezember

Sanitäre Logik

Erst haben ‘wir’ auf Ballaststoffe in der Nahrung verzichtet (ha,ha), dann die Handwaschbecken und Toilettenspülungen auf Sparschaltung umgerüstet, jetzt sollen ‘wir’ das Toilettenpapier – einen ‘Wegwerfartikel’ – auf den ‘blauen Engel’ umstellen und bei jedem Blatt zweimal überlegen….. ob es aus dem ‘explosiven’ Eukalyptusholz gemacht ist.

Aber die systematisch gesteigerte Flut an opulenter Verpackung und  kommerziell bedrucktem Papier steigt weiter, weil sie ‘das Bruttosozialprodukt’ vermehren hilft. Hochmoralisch daherkommende Verbrauchersendungen wie die gestern abend im Bayrischen Fernsehen über ‘Unsere Papierverschwendung’ lenken bloß ab und stehlen  meist ohnehin Gutwilligen ihre  Zeit. Wer schaut sich das am Abend sonst an?

 

Freitag, den 24. November

“Sollte die SPD an einer Regierung beteiligen? Ich sage ja, weil …”

Ich wollte der Einladung der Süddeutschen Zeitung nachkommen. Bis auf das letzte erlaubte Zeichen nutzte ich es aus, aber dann las ich die AGB der beteiligten Firma in der üblichen Fremdsprache. Das die SZ blödsinnige Werbung verkauft, ist in Ordnung, aber ihre Leser? Nein.

 

 

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Ich verzichte. Der Text hat sowieso zu viele Facetten – drei oder vier – um geliked zu werden. Wofür hat man denn einen Blog?

Sollte sich die SPD? 24.11

 

Donnerstag, den 2. November

Tabak-Warnung.H.600Viel dringendere Warnung als die vor Tabak!

Sie durchseuchen ganz Europa mit solcher Sauerei!

Die pornografischen Bilder fliegen überall herum. Wo sie gerade hinfallen, egal, was sie mit Kindern machen. Die selbsternannten Aufklärer kennen keine Scham. Die Auslagen der Tabakläden, auch an der Autobahn, in Tankstellen oder in der Poststelle sind ekelerregend. Ich gerate mit dem Verkäufer in Streit, wenn ich versuche, unter den angebotenen Tabakpackungen wählerisch zu sein, lieber verlogen als krass…. Sie gehören zu seinem prekären Arbeitsplatz.

Ganz unerträglich aber ist  eine politisch gewollte Demütigung und zugleich Diskriminierung erwachsener Bürger in angeblich demokratischen Staaten, wo doch immer mehr  neurotische Empfindlichkeiten staatlich geschützt, ja ermutigt werden. “Diese Toilette ist Unisex”. “Das Wort wollen wir aber nicht mehr hören!”

In mir brennt  Hass gegen Initianten und die ausführenden Schreibtischtäter dieser Verordnung. Besser, ich erfahre nicht, wer genau sie sind und wo sie sitzen! Und da ich gar nicht soviel kotzen kann wie ich möchte, vergesse ich die Sache jetzt wieder. Den  Klageweg sollen Berufene beschreiten.

 

 

Warum bin ich bloß in die Hauptstadt gefahren? Tagebuchnotizen ab 18. Oktober stehen jetzt in einem eigenen Beitrag, und der im Ordner “BERLIN”.  4.11.2017

 

8. Oktober – KATALONIEN Oder:  “Nur als Deutsche Europäer, nicht als Bürger”

Man will sich ja als Intellektueller nicht zum Affen machen. Wir agieren ja alle nur noch belächelt auf der Spielwiese. (War es jemals anders? Vielleicht besser so.)

Auch deshalb mein Schweigen zu fast allem.

Mit Kataloniens gewagtem Pokerspiel fiebere ich wider alle Vernunft mit. Sie werden seit Jahren ausgenommen, zahlen 9 mal mehr ein als sie bekommen. Aber das ist gar nicht der Punkt. Spanien ist ein Vielvölkerstaat, der bis zu Franco (1938 bis 1973 ?) überhaupt keine Einheit bildete, mit chronischem untergründigem Bürgerkrieg zwischen Katholiken und Atheisten und Anarchisten und zwischen Zentralisten und Regionen, die sogar klimatisch nicht zusammen passen, etwa die zugige Ecke an der Biscaya. Katalonien ging seit dem Mittelalter seinen  eigenen Weg, kulturell, wirtschaftlich – es war von den Früchten der Eroberung Amerikas sowieso ausgeschlossen zugunsten des impotenten Kastilien – bis es unterworfen, geteilt und unterdrückt werden konnte. Gewaltsames Eingreifen von ‘Madrid’ hat mehr als hundert Jahre lang Tradition. Und die kennt man dort genau.
Ich nahm als selbstverständlich an, dass eine Region eines Mitgliedsstaates der EU Mitglied wäre und es bleiben würde nach einem Austritt, an den man noch nicht dachte.

Aber wir sind nur als ‘Deutsche’, nicht als ‘Hessen’ ‘Europäer’! Also nicht als ‘Bürger’. Schwindel! Pervers! Was waren das für beschissene Verträge!

Die Feiglinge in Brüssel wollen natürlich nicht vermitteln. Spaniens König ist ein ‘Thronerbe’ ohne historische Verdienste . Das dürfen wir nicht vergessen. Der alte war ein ‘König aller Spanier’ schon gegen Franco und die zentralistische Diktatur. Er muss vor seinem Rücktritt verdammt verbraucht gewesen sein, dass er diese Entwicklung der Dinge nicht früher verhindert hat. Ergebnis jetzt hoffentlich offen.

13. September –  Juncker verlangt:     €uro für Alle!     Reißt alle Grenzpfähle nieder!

Davor entsprechende Hilfsprogramme für die bekannten Verdächtigen und als Köder für die Unwilligen EU-Muffel ! EU-Kommissionspräsident Juncker ist nicht bei Verstand: Ausgerechnet €uro und Schengen für Alle, und die EU bald wieder erweitern. Er schwafelt etwas von günstiger Gelegenheit und Zeitfenster. Einer, der für das hässliche Gesicht der EU-Krise steht, will sie durch Nichtbeachtung überwinden. So etwas Einfallsloses und Dreistes nennt man heute Visionen!  Ist der luxemburger Junker etwa bei Honecker in die Schule gegangen? “Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. “Die Strassburger Völkerkammer hört artig zu. Er hat doch nicht etwa den Wahlkämpfern der CDU, SPD und Grün-Alternativen in Deutschland eine Falle stellen wollen!  Wenn, fallen sie prompt darauf herein, mäkeln nur an milieubedingt unterschiedlichen Details. Man weiß jetzt genauer, wofür sie alle nicht stehen, für Stabilisierung der EU und die Abkehr von Großmachtsträumen.  Danke für die Wahlempfehlung! Oder sind das alles bereits Fake News aus russischen Geheimdienstquellen?

25. Juni  –  Das gewählte Motto (“Eins zwei drei …”) ist als reine Ironie zu verstehen, denn dem alten Mann wird angst und bang.

Als ich vor fünf Jahren die Essenz meines Unterrichts über die Philosophie Vilém Flussers (1920 – 1992) zu einem Essay verarbeitete  – “Flusser an die Schule” in “Flusser Studies” 12. Ausgabe – gingen mir die beschriebenen Entwicklungen längst noch nicht so unter die Haut wie heute.  Es war noch ein gewisses Mass an Entdeckerfreude dabei. Die aufregende literarische Arbeit und die Freude, Neuigkeiten im Gepäck zu haben, immunisierten gegen die transportierte Botschaft selbst. Der Bote wurde zwar nicht davon besoffen – was ich zuweilen bei Flusser vermute, etwa wenn er von “Wir” und “in unserem Inneren” sprach – aber euphorisiert.  Inzwischen hat der Ernst des Lebens, meine Marginalisierung und Isolierung in der “Welt der Enkel” begonnen. Daran ist nichts zu beschönigen. Durch nichts abgefedert, knallen Flussers prophetische Sätze scheppernd auf den Boden der Tatsachen.

Ich zitiere die Zusammenfassung auf S.28 des Manuskripts:

Blick in die Welt der Enkel

Bezogen auf die natürliche Generationenfolge sind es generell die Enkel, die in Verbindung mit Apparaten gewaltige Veränderungen vorantreiben. Dass durch sie die Welt nicht zur Brutstätte für schöpferische Taten, für das Neue werden kann, liegt in der Funktion der Apparate, aus sich heraus immer perfektere Apparate zu entwickeln. Nach Chancen für schöpferische Taten kann ein Mensch lange suchen, innerhalb wie außerhalb.

1981 prognostiziert Flusser in „Nachgeschichte“ unsere Gegenwart mit beißender Schärfe:

Die uns umgebende Welt ist von wahrscheinlich noch nie dagewesener Dummheit. Dummes Zeug umgibt uns: plastische Füllfedern, elektrische Zahnbüsten, illustrierte Zeitschriften, Werbung im Fernsehen.“ „Noch nie wurde ein solcher Aufwand von Intelligenz, Disziplin und Phantasie zur Erfindung und Erzeugung von so dummem Zeug verwendet.“ „Das uns umgebende Zeug programmiert uns zur Abhängigkeit von ihm und zwar im doppelten Sinne. Wir sind programmiert, ohne das dumme Zeug nicht leben zu können, und wir sind programmiert, die Dummheit dieses Zeugs nicht wahrzunehmen.“ „Wir kämpfen für das Gute und gegen das Böse, aber gegenwärtig ist Bosheit nicht die Gefahr: Funktionäre sind nicht bösartig, sie sind Trottel.“ Und Apparate sind bekanntlich ‚ultraschnelle Idioten’. (Flusser 1990: 139f.)

Das folgende Zitat aus „Nachgeschichte“ lässt sich auf die Enkel übertragen, die das alles viel konsequenter betreiben:

So neu ist der neue Mensch, der da in unserem Inneren entsteht, und den wir manchmal bereits beobachten können, dass wir uns beinahe außerstande sehen, an ihm noch das Menschenantlitz wiederzuerkennen. Er ist uns ‚unsympathisch’, er schwingt in uns fremden Phasen. Seine Gesten, seine Codes, seine Modelle sind nicht die unsrigen. Er lebt in einer Welt, die wir nicht entziffern können, gleichwohl wir für sie die Verantwortung tragen; denn wir, nicht er, haben sie errichtet. In dem Maße, in dem wir selbst neue Menschen sind, sind wir uns selbst unsympathisch. Und so erleben wir unseren Todeskampf als ein Kreißen: Wir sind im Begriff, ein Monstrum zu gebären. Ob dieses Monstrum ein programmierter Roboter sein wird oder ein die Apparate zerstörender Vandale, in beiden Fällen sind wir es selbst, ein Mutant der in uns angelegten Information. (Flusser 1990 : 168-169)

18.Mai – Verteidigung des Iran

Schon wieder geht es gegen gepflegte Oberschichtsignoranz, diesmal eine 30minütige ARTE-Wahl-Spezial. Es war schon vorherzusehen, dass die kultivierte – und korrekt, aber elegant  bedeckte – Dame wieder alle phobisch aufgeladenen Iran-Klischees beschwören würde! Die Interview-Methode ist auch gar zu ideal, um Befindlichkeiten auszuloten, oder um Glaubenskriege zu führen. Passende Gesprächs’partner’, Stimmen und andere O-Töne finden sich immer.

Es tut schon weh, wenn eine nach New York emigrierte “Aktivistin”  ausgerechnet “Facebook und Instagram” “unsere Waffen” nennt. Innerhalb zwei Minuten sehen wir ihre üppige Lockenpracht schon in zwei Aufmachungen. Ihre Website macht sich die Förderung von individuellen Coming-outs im Iran zu Aufgabe. Ihre Fingerkuppen hüpfen nervös von Clip zu Clip.

Wieso geht es immer wieder um die Lifestyle-Klagen der jeunesse dorée, die sich selber hilft.  Sie hat nunmal das Pech, in einem unterentwickelten Land aufzuwachsen, nicht in Holland, Dänemark oder Deutschland, auch nicht in der für ihresgleichen guten alten Zeit unter dem Shah-in-Shah! Doch später kann sie in den goldenenen Westen auswandern oder – noch besser – pendeln. Um diese Kreise mache ich mir keine Sorgen. Ich habe auch nicht gehört, dass sie sich welche um ihr Land machen.

Ich habe dagegen von dem vergleichsweise hohen Ausbildungsniveau der Iraner gehört und mich immer gefragt, was das politisch für Konsequenzen hat. Heute denke ich: Vielleicht gar keine, denn ich sehe gerade hierzulande eine individualisierte, leicht einzuschüchternde und mit jedem technischen Schnickschnack verführbare bürgerliche Jugend. Und sonst? Zwar hat der ‘Müsli-Man’ (c BAP) Nachfolger gefunden, aber was bewirken die noch? Und die randständige Jugend, die man jetzt endlich “integrieren” will,  ist sowieso allmählich zum Fürchten…

Dem “Volk” im Iran  – den “95 %” – folgt die Reporterin nur bis in den “Basar”, im Taxi . Sie will  für ihre 30 Minuten auch gar nicht mehr. Die Verhältnisse auf dem Land und in den Slums werden ausgeblendet: Was kann man gegen die Landflucht tun? Sind die Lebensverhältnisse immer noch so ‘mittelalterlich’ wie unter dem ‘modernen’ Shah Reza? Sollten wir nicht froh sein, wenn sie ihren Geistlichen noch glauben?

Ich frage mich, ob und wie das Regime auf Dauer die arme Bevölkerungsmehrheit “integrieren” kann. “Hardliner” können mit ihr rechnen. Ein so titulierter Kandidat auf die Präsidentschaft ist bezeichnenderweise jetzt schon der Bürgermeister von Teheran, der unsägliche Ahmadinejad war das auch. “Religionswächter” und Repressionsapparat rekrutieren sich dort.

Religion und Repression pflegten auch in Europa noch vor historisch kurzer Zeit ein stabiles Bündnis. Je länger das Volk von der politischen Klasse beschissen wird, desto eher versucht man es mit Trumps, Kaczynskys, Orbans oder Ahmadinejads. Wenn – wie behauptet – wirklich das Regime sich zwischen “Hardlinern” und “Moderaten” einpendelte, wäre das also ein Stabilitätserfolg. Montesquieu hätte seine Freude daran.  Hätte ein ‘Wächterrat’ in den USA vielleicht Trump verhindert? (Bloß ein Scherz) Eine Passantin sagte mit Recht, der Iran sei eine Insel des Friedens inmitten von Krisenherden. “Wir haben Frieden, was will man mehr?”

Zu einem Wahltermin passende Fragen, die nicht gestellt wurden:  Was hat Rohani in seiner Amtszeit für wen erreicht? Womit scheiterte er an welchen Hindernissen? Was stand den erwarteten wirtschaftlichen Verbesserungen entgegen? In welchem Zeitraum sind überhaupt solche Versprechungen zu erfüllen? – Ich denke nur daran, wie lange Nordirland braucht, um der Stagnation zu entkommen, wenn es ihr denn – nach dem Brexit – überhaupt ‘entkommt’.

Ohne die Ausbeutung des Iran durch Europa und die Verbrechen der USA gegen den Iran begreift man  dessen Selbstverständnis nicht – angefangen mit Premier Mossadeghs Sturz zum Marionettenregime des Shah Reza  bis zum erzwungenen Stellvertreterkrieg (‘Erster Golfkrieg’) unter Saddam Hussein. Man sollte auch die bedrängte Situation der schiitischen Glaubensbrüder als Minderheiten außerhalb des Iran  nicht vergessen. Aber das wären andere Reportagen, die irgendwann auch schon durch unsere Medienkanäle gelaufen sind.

2. Mai – ja 2017!  Leider ist der im Januar 2016 zurückgehaltene Blog immer noch aktuell. Oder ob sich doch etwas weiterentwickelt hat, entwickeln musste in der deutschen Öffentlichkeit? – Prüfen sie es selber !

O je, AfD – o je, kulturzeit?

Anlass:    3sat kulturzeit Mittwoch (20.1.16) moderiert von der unsäglichen Frau Meier

Vielleicht ist der Zug mit einer ‚rechten Volkspartei’ ja abgefahren. Und ich kann diese AfD schon aus ästhetischen Gründen nicht wählen, soviel wird sogar durch die propagandistisch verschmierte Brille des Fernsehens deutlich. Vielleicht muss ja die CSU sich dringend in der ganzen Republik zur Wahl stellen. Deren politische Folklore ist doch nicht wie die der Sachsen von KPD, von Nazis und SED versaut.

Vielleicht ist ja die ‚Integration’ der Ossis gescheitert, die wir uns vor 25 Jahren leichtsinnig zugetraut haben! Noch eine gescheiterte ‚Integration’! Doch wenn sie rufen auf ihrem ehemaligen nun bloß schön geschminkten Territorium: Wir sind das Volk! ist das legitim.

Auch in Westdeutschland sollte man das öfter rufen – und einklagen. Sonst wird der legitime Gebrauch des Slogans nur noch von bestallten und bestellten Traditionswächtern festgestellt. Nicht nur Ossis fühlen sich heute von der politischen Klasse verschaukelt.

Was die mit der AfD in Verbindung gebrachten Gewalttaten angeht, sind sie aus der Nähe unappetitlich, eklig, aber inzwischen ein bewährtes Verfahren von Extremisten aller Couleur, weil es optimal auf die Reaktionsschemata der Massenmedien passt. Gewalt sichert Beachtung, für eine Botschaft (oder auch für keine Botschaft). Was daran in Deutschland erschrecken muss, ist dass nun (Staats-)Bürger, die im internationalen Vergleich über bemerkenswerte Rechte verfügen, Selbstjustiz und Kleinkrieg üben. Nun ja, in den USA ist man da bereits weiter auf der Spirale nach unten.

Ein willfähriger Journalismus verwendet die betagten Rezepte der Propaganda:

Den Gegner ausgrenzen, mögliche Anhänger mit erhobenem Zeigefinger warnen wie kleine Kinder, sie mit dramatischen Bild- und Tonschnipseln abschrecken und wenn das nicht klappt, einschüchtern, sie bedrohen nach dem Rezept der Kontaktschuld: Der hat mit dem Umgang. – Was ich hier schreibe, kann mir selbstverständlich als heimliches Einverständnis – im Jargon von 1979 als ‚klammheimliche Freude’ – ausgelegt werden.

Dämonisieren – ich wunderte mich nach der Vorstellung in nachbearbeiteten oder ausgesuchten Fotos, wie normal die Menschen dann vor der Fernsehkamera bei Tageslicht aussahen. Auch ein uraltes Mittel!

Ich muss an den gescheiterten Bernd Lucke denken. Das ewige Kesseltreiben, als es noch um EU und Euro ging. Schon damals ging mit der AfD die Welt unter. Jetzt kein böses Wort mehr über ihn. ‚Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer’. Die Lösung der kulturzeit: einfach zur Dramatisierung der von der AfD ausgehenden Gefahren wechseln – Wahlen kommen näher und ihre Umfragewerte steigen. Dann wird das gerade in der Politik übliche Mittel des ‚Netzwerkens’ und des ‚Verharmlosens’ von medialen Ausrutschern von Kollegen zur Verschwörungstheorie.

Akademische Autoritäten werden bestellt. Heute waren es ein Milchbubi vom einschlägigen Kompetenzzentrum und ein kultivierter Grandseigneur mit sanfter Stimme. Ich frage mich: Woher haben die ihr Wissen, aus dem Internet?

Das mit den Autoritäten funktioniert aber nicht mehr wie früher. In den sozialen Medien hat man sich daran gewöhnt, auch als Mann von der Straße grammatisch ebenso wie politisch inkorrekt den Frust auszukotzen und dafür breite Zustimmung zu erfahren – unmoderiert von höheren Instanzen, wie weiland am ‚Stammtisch’ – ein Ausdruck, dessen elitärer und meist auch opportunistischer Kern eine genauere Betrachtung verdiente.

Die Soziologin Michaela von Freyhold ( Autoritarismus und politische Apathie, EVA 1971) hatte ende der sechziger Jahre Adornos Konzept des ‚autoritären Charakters’ an seiner Methode auseinander genommen: Der ungebildete und ungeübte Sprecher ist immer der Dumme, während das über einen ‚elaborierten Code’ verfügende Mitglied der Mittelschicht immer einen unauffälligen Mittelkurs fahren kann. Wenn der

AfDler von der anderen ‚Reproduktionsstrategie’ der Afrikaner spricht, weiß doch jeder, was in der Sache gemeint ist, aber ihm lässt sich ein ‚Rassismus’-Strick daraus drehen. In Verbindung mit ‚unser Volk’ gebracht, wird daraus ‚völkisch’ mit braunem Anstrich. Müssen verfassungstreue deutsche Bürger jetzt alle Menschen besonders mögen? Selbst eine kräftige polemische Wortschöpfung wie ’Gutmenschen’ wird im Jahr 2016 zum ‚Unwort des Jahres’, da sie wünschenswertes mitmenschliches Verhalten pauschal abwerte. ‚Wir sind Charlie’ trotz seiner permanenten schmutzigen Witze. Wann laufen die Machtträger ‚links’ von Rechtaußen nur noch im Engelskostüm herum und kassieren über Mautstellen und ‚intelligente’ Überwachungskameras automatisch Bußgelder bei ‚Bäh’wörtern?

Am Tag darauf wird ein sympathischer junger Mann mit gestutztem Bart gefragt, ob es in den Redaktionen, von denen er einige kenne, ‚Anweisungen’ gebe. Wir sprachen vor dreißig Jahren einmal realistischer von der ‚Schere im Kopf’, der Journalist nennt das jetzt ‚Stimmungen’ die ‚schwanken’ könnten. Feigheit und Rudelverhalten sind als übliches Verhalten in den Massenmedien seit langem bekannt. So ein Interview ist bereis obszön überflüssig.

Wer hat Populisten und Rechtsradikalen in den letzten Jahren eine Steilvorlage nach der anderen gegeben und ruft jetzt ‚Haltet den Dieb’? Letztes Silvester auf der Kölner Domplatte war ein GAU für die PR-Maschinerie in Berlin.

‚Der vormundschaftliche Staat’ kommt mir in den Sinn. Ach so, das war ja in der Wendezeit auf die DDR gemünzter Buchtitel!

27. April –  Staatstragende Bürger 

„Wenn wir die Hoffnung aufgeben, dann ist alles verloren.“ Als ich eine alte Freundin in komfortablen Lebensumständen so reden hörte, antwortete ich spontan: „Auf uns kommt es doch überhaupt nicht an. Der Gang der Dinge ist doch nicht von dir oder mir abhängig“. Und nach einer kurze Pause: „Deshalb bin ich ja noch neugierig darauf.“

Staatsakt in Hamburg. Nordkirche

Staatsakt in Hamburg. Nordkirche

Im Stillen reifte aber bereits die pathetische Formel: „Staatstragende Bürger“. So viele davon treten in führenden Zeitungen auf und im Politik-gesteuerten Fernsehen, in jeder Kulturzeit (3sat) oder Tagesschau mindestens zwei, bei ernsten Anlässen auch mehr. Was für ein genialer Schachzug, dem kritischen Blick und der kritischen Nachfrage eine Schranke zu setzen und dabei vor sich selbst sein intellektuelles Profil und nach außen die Zitierfähigkeit zu bewahren.

Wir sollten in siebzig Jahren deutscher Demokratie gelernt haben, dass „der Staat“ und die ihn repräsentierenden Kreise sehr gut für sich selber sorgen können. Und dass regelmäßig Leute zum Idealismus auffordern, denen es persönlich an nichts fehlt. Ich möchte diese Haltung mit einem – zu Unrecht Karl Marx zugeschriebenen – Vers kommentieren: „Wes Brot ich ess’, des Lied ich sing’.“

Den Geist der Aufklärung zu verbreiten, tut not. Es ist vielleicht die letzte Generation noch aktiv, in der LAIEN noch LESEN können. – Bruder Mephisto: Na also, du findest doch noch einen SINN in deinem ansonsten nutzlosen Leben!

27.4.2017  später  – Das Kind im Manne zitiert Autoritäten

Ich frage mich zuweilen selber, warum ich das berüchtigte Kind im Manne  nicht bremsen kann.

Figur des Neptun-Brunnen in Bremen

Figur des Neptun-Brunnen in Bremen

Ob es etwa aus Unreife, Geltungsbedürfnis und mangelnder Erziehung  – diese als vernünftige Entmutigung verstanden – herausschreien muss: „Der Kaiser ist nackt“.?

Noch gestern waren sich zwei Sportkommentatoren und ein Trainer (Tuchel) darin einig, dass ein neunzehnjähriges Fußballgenie über „einen prall gefüllten Werkzeugkasten“ verfüge, aber noch erfahren müsse, wann bestimmte Mittel opportun seien und wann nicht. ‚Opportun’ ist aber eine andere Ebene, natürlich auch die der Tagesschau.

Manchmal zweifle ich, ob ich mit meinen kleinen Respektlosigkeiten überhaupt etwas Neues biete, ob ich nicht Altbekanntes zum wiederholten Male entdecke, ob sich das überhaupt niederzuschreiben und veröffentlichen lohnt. „Information ist schließlich ….!“

Aber kommt es denn nicht auf die Perspektive an, ob man überhaupt etwas Relevantes wahrnimmt, und wie lange es relevant ist? Man lernt das als nicht-inszenierender Fotograf wie als Zuschauer beim Fußball: Das Schwierigste ist die jeweils relevante Perspektive zu bekommen. Ich glaube mich vage zu erinnern: Vilém Flusser betrachtete die Wahl des Standpunkts als Charakteristikum des Fotografierens überhaupt. Und David Hockney würde ihm heute beipflichten mit der Begründung: der Kamerablick ist starr. Zoom und Fokus sind nur Hilfsmittel zum Adaptieren an einen  vorübergehend gefundenen optimalen Winkel des menschlichen Blicks. (Nicht abschweifen!)

Als Sammler wie als Künstler hat man die unschätzbare Chance, aus immer derselben Quelle die unterschiedlichsten Erfahrungen zu ziehen, immer neue Blicke zu werfen auf die scheinbar unwandelbaren Dinge – Objekte oder Motive – so wie es im wirklichen Leben nur in stabilen Beziehungen möglich ist. Also weiterhin drehen und wenden und nachfragen!

 10. April – Kleine Demonstration zum Feierabend vor dem Hauptbahnhof Bremen – atemberaubende Logik   

IMG_9762 Bremen-BleiberechtDie Parole “Bleiberecht für Alle” gegen die staatliche Maßnahme einer Abschiebung von Afghanen wäre nicht erwähnenswert ohne die Begründung, die die Aktivisten auf dem Bahnhofsvorplatz dazu plakatieren, mit drei Fragezeichen, die für erhobene Zeigefinger stehen.

Andersherum wäre in Deutschland mit gleichem oder größerem Recht zu fragen: Warum sollen deutsche Soldaten dort ihr Leben riskieren, wenn jungen männlichen  Afghanen eine Rückkehr in ihr Land nicht zuzumuten ist?

 

4.April  –  Steinmeier –  Same Procedure As Every Year

“Heute” im ZDF – Bundespräsident Steinmeier vor dem Europa-Parlament. Noch ein Langweiler. Die Rede kennst du doch schon, jedenfalls die Bausteine: für ein besseres Europa kämpfen …. Populisten = FakeNews…

Und dann stehende Ovation(en) – wieso ist eigentlich der Plural üblich? – Und haben alle Abgeordneten sich von ihren Plätzen erhoben, auch die Gegner der existierenden EU, die zahlreichen’Populisten’?  Ich hatte keinen Blick frei für die ausgewählten Bildausschnitte. Ich dachte nur: Den jubelnden Komparsen geht es um die Verteidigung ihres Arbeitsplatzes, gegen den Rückfall in die Bedeutungslosigkeit. Lange genug war das Europäische Parlament eine komfortable Abstellkammer.

Momentan will die politische Klasse vergessen machen, dass ‘Brüssel’ wie ‘Euro’ großen Schaden angerichtet haben und ziemlich unpopulär sind. Steinmeier wie Schulz hätten ein Umsteuern anmahnen müssen. Was soll ‘besser’ sonst bedeuten?  Und wen können die immergleichen Feindbilder gewinnen? Wen abschrecken?

Man könnte eine Verschwörungstheorie entwickeln. Vielleicht reicht aber die Inkompetenz des Medien-Personals. Schon zu meiner aktiven Zeit wollten die schwächsten Schüler “Publizistik” studieren. Bereits als es zum ersten Mal als eigenes Studienfach angeboten wurde, hätten alle Alarmglocken läuten sollen, war das Kopfschütteln zu wirkungslos. Wer konnte aber wissen, dass “Publizistik” – nun als ‘Bachelor-‘ und ‘Master-to Go’ – nur das Erste in der endlos langen Reihe vom DJ,  Jazztrompeter, Eventmanager, Bestsellerautor bis zum evangelisch-theologischen Ghostwriter u.s.w. sein würde!!

 

 

22. Februar   Bücher Bücher

Heute 12.20  In der Bücherei meiner ehemaligen Schule. Welches Buch ist wohl besonders interessant?

Deckname Artischocke. Kronberger Lokalgeschichte im Kalten Krieg

Egmont R. Koch/Michael Wech: “Deckname Artischocke”. Kronberger Lokalgeschichte im Kalten Krieg – CIA

Heute 13.10  Soll ich wirklich Bücher verkaufen? Soll ich sie nach dem inflationären Absturz ihres Marktwerts nicht lieber behalten und mich solange ich kann daran freuen?

Bob_Dylan_im_Karton

Bob_Dylan_im_Karton

21. Februar      Sogar die Tasten geraten ins Rutschen

(dlf feature über Tasteninstrumente mit sympathischem Filmkomponisten 21.2.17 bis 23.00)

Unter zehn oder mehr historischen Instrumenten, darunter Museumsstücken, aussuchen dürfen – für die digitale Tonverarbeitung. Vielleicht aber doch noch den gewünschten Raumklang dazu geben müssen. Sie vermissen das, was ein Instrument Ihnen durch seine Mechanik direkt „zurückgibt“? Aber das lässt sich doch durch das passende “Keyboard” simulieren!

Und wozu?

Ist doch klar: Die gewachsenen Ansprüche des Publikums verlangen danach! Was ehemals Hörgewohnheiten ließ, hat sich dynamisiert. Hört Ihr’s, marx’sche Sozialisten oder ihr Kommunisten? Auf menschliche Bedürfnisse ist kein Verlass. Meist kommen sie bescheiden daher – emotional getränkte Berichte darüber füllen die auf „die europäischen Werte“ programmierten Massenmedien – aber wehe, sie werden erfüllt, dann gibt’s kein Halten.

Ich spüre, wie jetzt alle, die von der Not anderer Menschen profitieren, also wir, aufatmen. „Wir“ hatte es in der zivilisierten Welt immer gewusst.

Spass beiseite! Betrachten wir die andere Seite, die berühmte „Angebotsseite“!

Das Gerangel der Anbieter ist ja kaum noch auszuhalten. Jeder will mit üppigerem Klang – der Kinokomponist flaxte: ‚Photoshop!“ – und exotischeren Untertönen punkten. Zwei Proben seiner Kompositionskunst aus den neunziger Jahren wurden eingeschnitten. Und er sagte: er schäme sich eigentlich für den ärmlichen Klavierklang und – als sie einsetzten – auch für die digitalisierten Streicher. Doch man sei heute davon “Lichtjahre” entfernt. Er schämt sich nicht grundlos, aber aus den falschen Gründen: Er war Mitläufer. Sein Pech, dass er zu früh damit startete. Heute steht er ja hörbar auf der richtigen Seite.

Dann sprach er unvermittelt von einer Sehnsucht nach Originalklang. – Und das meine ich mit dem Rutschen auf der schiefen Ebene.

P.S.

Ich wollte meine Geige verkaufen. Bloß die Manipulationen am € haben mich bisher davon abgehalten, aber wenn ich das Bloggen einmal leid bin, könnte ich mit meinen Greisenhänden noch einmal beginnen, Mozart, die Stücke des Wunderkindes.  Für mein Didjeridoo reicht erstens das Lungenvolumen nicht mehr aus, zweitens ist das Instrument ideologisch belastet.

9. Februar  Wer verdirbt mir die Statistik?

Gestern  745 “visits”  von 32  “visitors”, davon 694 von dem “top visitor” über seinen Agenten “vebidoobot”. Was sucht der Bot in meinem Vorgarten? Will er nur spielen?

Vebidoo antwortete irgendwann auf die Anfrage von irgendwem: Hallo, Vebidoo zeigt nur Inhalte an, die im Internet frei zugänglich sind. Vebidoo ist nicht für die Inhalte anderer Webseiten verantwortlich und kann diese auch nicht verändern.
Um Ihre Daten aus dem Internet zu entfernen, müssten Sie sich deshalb an die Quelle – also den Betreiber der Webseite, von der diese Daten herrühren – wenden. Sind die Daten an der Quelle entfernt, werden sie auch nicht mehr von Suchmaschinen wie vebidoo gefunden und angezeigt. Nähere Informationen zu Ihrem Anliegen finden Sie auch in unseren vebidoo FAQs.
Viele Grüße,                vebidoo Support-Team

                          hilfe, ich krieg die Rahmen nicht mehr gelöscht
 

immer noch 7. Februar zu ‘Bundespräsident’

Schön gesagt in der  faz-net:  Lesermeinung zu “Bundespräsidentenwahl Mein Vater könnte das” – von Michael Bonifacio  – 06.02.2017 19:31

Es ist ein unbequemes Amt, weil es der Bürger finanzieren und die dort gehaltenen Mahn- und Quälreden aushalten muss. Ein Freizeitonkel in dem Amt wäre daher für den Bürger eine wohltuende Entlastung. Das betroffene Gesicht des ewig besorgten Herrn Steinmeier kann ich jetzt schon nicht mehr sehen. Ein rüstiger Rentner dagegen, der gerne reist, wäre auch im Ausland ein guter Botschafter für das geistige Altenheim Deutschland.

7. Februar   Twitter-Donald

Eigentlich sympathisch, wie Donald twittert: ganz wie ein Mensch! Natürlich kein Bot! Donald hat doch Richtlinienkompetenz, oder? Ich will gar nicht glauben, dass ein finsterer Mallon, ein Zausel in dämonischer Beleuchtung (SZ, 3sat-kultur 6.2.17) ihm die Tweets zensiert und zusammenstreicht! Das wäre irgendwie Shakespeare oder Emser Depesche oder George Doubleyou und seine Kriegsverbrecher. Was die Feuilletonisten übrigens über Mallon erzählen, erinnert mich auch an den UNA-Bomber, der irgendwo lebenslänglich in einem US-Knast vermodert. Dessen Amnestie müsste heute drin sein, hat der Mann doch nur Intellektuelle angegriffen! Freilich meinte er in seinem Manifest, dass alles in Amerika noch schlimmer werden müsste, damit Cowboys endlich wieder ihre vor Durst brüllenden Herden durch das Weite Land treiben würden und über die Ruinen Babylons.

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