Liebe Leserin, lieber Leser,
die Menge ’schlechter‘ Nachrichten, die ĂŒber ‚QualitĂ€tsmedien‘, also ‚gute‘, aus der realen Welt in meinen geruhsamen Alltag stĂŒrmen, ist gerademal ĂŒberwĂ€ltigend, ich brauche eine Winterpause. Stattdessen möchte ich Ihnen meinen Afrika-Blog empfehlen; da sind wenigstens noch ein paar Entdeckungen zu machen, zwar auch in der ‚realen Welt‘, aber ebenso an Ă€sthetischen Objekten. Bei schlechtem Wetter können die BeitrĂ€ge vielleicht sogar einen Museumsbesuch ersetzen.
Alles Gute fĂŒr 2018 ! Und melden Sie sich doch einmal!        Ihr Detlev von Graeve
Freitag, den 29. Dezember     Schöne Bescherung
Der Satz von den âintelligenten Produktenâ die Deutschland entwickeln mĂŒsse, um weiter in der Spitzengruppe mitzuspielen, geht mir nicht aus dem Kopf.
Ich frage mich in meiner Einfalt, welche Produkte das denn sind. Ich kenne aus Erfahrung ja bloĂ consumer products und schĂŒttle den Kopf. Es ist sicher auch nicht fair, an dieser Stelle Vilem Flussers Diktum anzufĂŒhren, die Dinge, die uns umgeben, seien selbst immer dĂŒmmer. Doch dass sie ihre Nutzer immer dĂŒmmer machen, daran habe ich keinen Zweifel. Vor fĂŒnfzig Jahren war der Taschenrechner schon ein Alarmzeichen – fĂŒr unsere Lehrer. Wir genossen die Arbeitserleichterung.
Und nun soll das Bildungssystem âbesserâ werden, damit âwirâ mehr âintelligente Produkteâ verkaufen können, die ihre Nutzer dĂŒmmer machen. Das werde der Fall sein, wenn ‚wir‘ endlich im Bildungssystem die Verwendung von âintelligenten Produktenâ stĂ€rker ins Zentrum rĂŒcken. Nur die faulen Lehrer bilden noch Ă€rgerliche Hindernisse vor unserer strahlenden Zukunft .
Bundes- und Landespolitiker reagieren hektisch: FĂŒr sie erziehen zu viele digitale Analphabeten die digitalen Analphabeten von morgen, wĂ€hrend Stadt- und Landkreise die Wartung von hardware und software versĂ€umen. Deutschland geht unter, nicht etwa, weil seine Jugend nicht angemessen wird lesen, schreiben, rechnen, kalkulieren, reden und argumentieren können, sondern weil sie die multimediale KreativitĂ€t nicht aufbringen wird, die benötigt wird, um sich die verrĂŒcktesten intelligentesten Produkte einfallen zu lassen.
Zur Strafe wird die Jugend diese Dinge in naher Zukunft nur – als Konkursware oder mit abgelaufenem Verfallsdatum – auf Ramschseiten ersteigern können.
Was wĂ€re daran so schlimm? ‚Wir‘ wĂŒrden dann einfach noch mehr SchnĂ€ppchen in HĂ€nden halten können, wenn wir geduldig Tag fĂŒr Tag das TĂŒrchen an unserer Packstation öffneten, nicht nur zur Weihnachtszeit.
Samstag, den 16. Dezember      Fahnen verbrennen? Wozu ĂŒberhaupt Fahnen?
Deutschland ist eine ReprĂ€sentative Schamdemokratie. Man unterscheidet drei Formen der Scham: sich schĂ€men, wenn das Motiv in einem selbst liegt, sich fremdschĂ€men und sich von Amts wegen fremdschĂ€men – Das betrifft gewöhnlich Kommentatoren, ReprĂ€sentanten und besonders BundesprĂ€sidenten. – Und alles andere ist unverschĂ€mt. Wie konnten die PalĂ€stina-Demonstranten vorige Woche uns und ihm das antun? Nun musste Steinmeier sich schĂ€men, und das auf einem Empfang der israelischen Botschaft. (FAZ , 16.12.17, S.1). Aber wieso ist er dann hingegangen? Musste er sich das antun, oder konnte er sich die Sache einfach nicht bis zur Weihnachtsansprache aufheben?
Fahnen zu verbrennen gehört in das Repertoire symbolischer Aktion und wird von den Medien automatisch nach vorn geschoben. Wie oft haben wir so etwas bereits im Fernsehen gesehen, zustimmend oder ablehnend, je nachdem, oder einfach angeödet. Nur war das immer anderswo, in PalĂ€stina oder sonst im fernen Orient. Bei uns in Deutschland gilt Fahnen zu verbrennen als ungehörig, auch wenn das nicht jedem Proll im Land begreiflich zu machen ist. Es ist eben eine Benimmfrage. Ich wusste nur nicht, dass der BundesprĂ€sident fĂŒr Benimmfragen zustĂ€ndig ist. Wenn ja, wĂ€re es dringend nötig, dass er sich einmal mit angemessenen, erprobten und wirksamen Protestformen beschĂ€ftigen wĂŒrde. Ich wĂ€re auf seine Lösungen gespannt.
Herr Steinmeier weiĂ nicht erst aus seiner Zeit als AuĂenminister, dass der israelische Staat systematisch nicht bloĂ symbolische Grenzen ĂŒberschreitet und seit langem selbst seinen politischen ‚Freunden‘ gegenĂŒber sich oft daneben benimmt. Netanjahu zum Beispiel scheint ein dickes Fell zu haben und keine Angst, auch nicht vor dem Hass anderer. Israel ist gut gerĂŒstet, kriegserprobt, technologisch mit an der Spitze und blendend vernetzt. Dieser Global Player braucht nicht um seine Existenz zu fĂŒrchten. Wozu das besorgte Theater in Berlin und in der ‚tagesschau‘? Weil die einschlĂ€gigen Lobbyisten wieder Druck machen?
Als Innenpolitiker sollte Steinmeier erst recht nicht reflexartig die durch inflationĂ€ren Einsatz abgegriffene Antisemitismus-Keule in die Hand nehmen. Die wiederholten erzieherisch gemeinten Volksreden ex cathedra sind fĂŒr den BĂŒrger einfach Ă€rgerlich, die Politiker sollten lieber ihre eigene Arbeit besser machen.
Ich wĂŒrde gern die Staatsflaggen ganz abschaffen. Wozu brauchen die Deutschen eine Staatsflagge? Nur weil die anderen eine haben? VR China, RD Congo, USA, Israel…? Es ist in der Geschichte genug Schindluder damit getrieben worden! In einer atomisierten Gesellschaft ist sie ohnehin Folklore.
Montag, den 12. Dezember        Sogenannte „BĂŒrgerversicherung“
Sehr geehrte S.P.D., Ihre GERECHTIGKEIT ist eine pseudo-protestantische FĂ€lschung ! Sie begehen ein dreistes Plagiat an Ihrer Ahnenfigur Willy Brandt, dem groĂen Naiven!
Wie war noch der gute Rat der VerbraucherschĂŒtzer in der Vorweihnachtszeit? Je moralischer die Bettler daherkommen, desto mehr nimm dich in Acht! Genau.
Entschuldigung, ich reg‘ mich auf bei der Sendung nach zehn beim dlf: Kontrovers. Es war zwar schon kurz vor halb zwölf, als ich ihn schrieb. Mein Beitrag wurde sicher nicht verlesen. Ich habe auch gar keine Zeit das nachzuhören, aber so sah er aus:
Wo leben wir denn? Ărzte, KrankenhĂ€user und Pharmaziekonzerne werden sich doch nicht ihre Gewinne wegnehmen lassen!! Die ZahlungskrĂ€ftigen werden sich auch nicht die bevorzugte Behandlung nehmen lassen! Aus dem grauen Bereich kann dann der Staat sich bequem zurĂŒckziehen, wenn Privatkassen und Beihilfen nicht mehr die Finger in sog. Zusatzleistungen haben.
Der Diskutant der SPD bewegt sich die ganze Zeit auf dem Niveau ihrer unsĂ€glichen Wahlplakate! BĂŒrgerversicherung ist eine leere Sprechblase, die die PR-Abteilung erfunden hat. Und stĂ€ndig der Vorwurf, die Gegenseite wĂŒrde eine Neiddebatte unterstellen.
Es geht nicht um Prinzipien! Eine Schande, wenn Parteipolitiker solche stĂ€ndig ‚aus niedrigen BeweggrĂŒnden‘ in den Mund nehmen!
Seit Jahrzehnten wird die medizinische Versorgung unter vielen Aspekten deutlich spĂŒrbar schlechter. Wie soll man noch in die Gesundheitsstrategen Vertrauen haben!Â
Finger weg vom kleinen Konkurrenten Privatkassen! Den Stachel brauchen wir!
Die Antwort der Redaktion ist korrekt, ebenso der allgemeine Hinweis:
Sehr geehrte Hörerin, sehr geehrter Hörer, vielen Dank fĂŒr Ihre E-Mail. Wir freuen uns ĂŒber jede MeinungsĂ€uĂerung, jede Frage und bemĂŒhen uns, sie in die Sendung „Kontrovers“ einflieĂen zu lassen. Falls Sie mal eine „Kontrovers“-Sendung verpasst haben oder nachhören möchten finden Sie einen Mitschnitt im Internet unter www.dradio.de – Sie sind uns herzlich willkommen. Mit freundlichen GrĂŒĂen
Ihre „Kontrovers“-Redaktion
Am Abend sagt ein Gesundheitsökonom von der Uni Fulda in HR Info – fĂŒr mich ein Ehrentitel angesichts der verbreiteten LĂŒgen – und er war okay: Es wĂŒrde lange Ăbergangsfristen geben mĂŒssen, aber man könne ja die VergĂŒtungen soweit angleichen, dass sie keine Fehlsteuerung mehr verursachen. Und nicht alle Beamten profitieren.
Wenn die Möchtegern-KoalitionĂ€re es nicht bereits von ihren steuerfinanzierten ‚thinktanks‘ nicht bereits gesagt bekommen hĂ€tten, ich wĂŒrde das nie verraten: Die kalte Austrocknung der Privatversicherung ist die ideale Kompromisslinie fĂŒr SPD und CDU/CSU. Fehlsteuerung? Als ob es nur eine gĂ€be? Diese ist jedenfalls nur ein SĂŒndenbock.
Gerechtigkeit – da kriege ich das Kotzen, Schulz!! (Zitat aus „Tote tragen keine Karos“, ….googeln!) – Soll etwa das Recht des letzten Dummbeutels auf die teuren Segnungen der Apparatemedizin von der Solidargemeinschaft getragen werden? Und wenn man auch aus der Kirche ausgetreten ist, egal, sein Schicksal wird man nicht los. Korrekturen an Gottes Willen wĂŒrden noch jeden Sozialstaat ĂŒberfordern. An maĂlosen BedĂŒrfnissen ist der Sozialismus ĂŒbrigens auch gescheitert.
Gebt wenigtens das Sterben frei, wenn Ihr schon die GeschlechtsidentitĂ€t von allen ZwĂ€ngen befreit! Ich wĂŒsste bereits, wer am meisten darunter leiden wĂŒrde!
P.S.
Und ich habe gedacht, die Clowns von der öffentlich-rechtlichen „Anstalt“ und die Muppet-Show von Mathias Richling seien mit ihren SpĂ€Ăen ĂŒberflĂŒssig. Neee!!!!!!!!!!!!!!!!!
Donnerstag, den 7. Dezember
SanitÀre Logik
Erst haben ‚wir‘ auf Ballaststoffe in der Nahrung verzichtet (ha,ha), dann die Handwaschbecken und ToilettenspĂŒlungen auf Sparschaltung umgerĂŒstet, jetzt sollen ‚wir‘ das Toilettenpapier – einen ‚Wegwerfartikel‘ – auf den ‚blauen Engel‘ umstellen und bei jedem Blatt zweimal ĂŒberlegen….. ob es aus dem ‚explosiven‘ Eukalyptusholz gemacht ist.
Aber die systematisch gesteigerte Flut an opulenter Verpackung und kommerziell bedrucktem Papier steigt weiter, weil sie ‚das Bruttosozialprodukt‘ vermehren hilft. Hochmoralisch daherkommende Verbrauchersendungen wie die gestern abend im Bayrischen Fernsehen ĂŒber ‚Unsere Papierverschwendung‘ lenken bloĂ ab und stehlen meist ohnehin Gutwilligen ihre Zeit. Wer schaut sich das am Abend sonst an?
Freitag, den 24. November
„Sollte die SPD an einer Regierung beteiligen? Ich sage ja, weil …“
Ich wollte der Einladung der SĂŒddeutschen Zeitung nachkommen. Bis auf das letzte erlaubte Zeichen nutzte ich es aus, aber dann las ich die AGB der beteiligten Firma in der ĂŒblichen Fremdsprache. Das die SZ blödsinnige Werbung verkauft, ist in Ordnung, aber ihre Leser? Nein.
….. Granting of Rights
With your registration you grant, that Rawr GmbH has the right to publish your posts on other websites (i.e. through iFrames on zeit.de) without any following compensation. This also counts for posts from registered Facebook users in Facebook.
The provider is not obliged to publish or keep a post. Besides the provider is not obliged to control or prevent the usage of your post through third parties. ….
Ich verzichte. Der Text hat sowieso zu viele Facetten – drei oder vier – um geliked zu werden. WofĂŒr hat man denn einen Blog?
Donnerstag, den 2. November
Viel dringendere Warnung als die vor Tabak!
Sie durchseuchen ganz Europa mit solcher Sauerei!
Die pornografischen Bilder fliegen ĂŒberall herum. Wo sie gerade hinfallen, egal, was sie mit Kindern machen. Die selbsternannten AufklĂ€rer kennen keine Scham. Die Auslagen der TabaklĂ€den, auch an der Autobahn, in Tankstellen oder in der Poststelle sind ekelerregend. Ich gerate mit dem VerkĂ€ufer in Streit, wenn ich versuche, unter den angebotenen Tabakpackungen wĂ€hlerisch zu sein, lieber verlogen als krass…. Sie gehören zu seinem prekĂ€ren Arbeitsplatz.
Ganz unertrĂ€glich aber ist eine politisch gewollte DemĂŒtigung und zugleich Diskriminierung erwachsener BĂŒrger in angeblich demokratischen Staaten, wo doch immer mehr neurotische Empfindlichkeiten staatlich geschĂŒtzt, ja ermutigt werden. „Diese Toilette ist Unisex“. „Das Wort wollen wir aber nicht mehr hören!“
In mir brennt Hass gegen Initianten und die ausfĂŒhrenden SchreibtischtĂ€ter dieser Verordnung. Besser, ich erfahre nicht, wer genau sie sind und wo sie sitzen! Und da ich gar nicht soviel kotzen kann wie ich möchte, vergesse ich die Sache jetzt wieder. Den Klageweg sollen Berufene beschreiten.
Warum bin ich bloĂ in die Hauptstadt gefahren? Tagebuchnotizen ab 18. Oktober stehen jetzt in einem eigenen Beitrag, und der im Ordner „BERLIN“. 4.11.2017
8. Oktober – KATALONIEN Oder: „Nur als Deutsche EuropĂ€er, nicht als BĂŒrger“
Man will sich ja als Intellektueller nicht zum Affen machen. Wir agieren ja alle nur noch belÀchelt auf der Spielwiese. (War es jemals anders? Vielleicht besser so.)
Auch deshalb mein Schweigen zu fast allem.
Mit Kataloniens gewagtem Pokerspiel fiebere ich wider alle Vernunft mit. Sie werden seit Jahren ausgenommen, zahlen 9 mal mehr ein als sie bekommen. Aber das ist gar nicht der Punkt. Spanien ist ein Vielvölkerstaat, der bis zu Franco (1938 bis 1973 ?) ĂŒberhaupt keine Einheit bildete, mit chronischem untergrĂŒndigem BĂŒrgerkrieg zwischen Katholiken und Atheisten und Anarchisten und zwischen Zentralisten und Regionen, die sogar klimatisch nicht zusammen passen, etwa die zugige Ecke an der Biscaya. Katalonien ging seit dem Mittelalter seinen eigenen Weg, kulturell, wirtschaftlich – es war von den FrĂŒchten der Eroberung Amerikas sowieso ausgeschlossen zugunsten des impotenten Kastilien – bis es unterworfen, geteilt und unterdrĂŒckt werden konnte. Gewaltsames Eingreifen von ‚Madrid‘ hat mehr als hundert Jahre lang Tradition. Und die kennt man dort genau.
Ich nahm als selbstverstĂ€ndlich an, dass eine Region eines Mitgliedsstaates der EU Mitglied wĂ€re und es bleiben wĂŒrde nach einem Austritt, an den man noch nicht dachte.
Aber wir sind nur als ‚Deutsche‘, nicht als ‚Hessen‘ ‚EuropĂ€er‘! Also nicht als ‚BĂŒrger‘. Schwindel! Pervers! Was waren das fĂŒr beschissene VertrĂ€ge!
Die Feiglinge in BrĂŒssel wollen natĂŒrlich nicht vermitteln. Spaniens König ist ein ‚Thronerbe‘ ohne historische Verdienste . Das dĂŒrfen wir nicht vergessen. Der alte war ein ‚König aller Spanier‘ schon gegen Franco und die zentralistische Diktatur. Er muss vor seinem RĂŒcktritt verdammt verbraucht gewesen sein, dass er diese Entwicklung der Dinge nicht frĂŒher verhindert hat. Ergebnis jetzt hoffentlich offen.
13. September – Juncker verlangt:    âŹuro fĂŒr Alle!    ReiĂt alle GrenzpfĂ€hle nieder!
Davor entsprechende Hilfsprogramme fĂŒr die bekannten VerdĂ€chtigen und als Köder fĂŒr die Unwilligen EU-Muffel ! EU-KommissionsprĂ€sident Juncker ist nicht bei Verstand: Ausgerechnet âŹuro und Schengen fĂŒr Alle, und die EU bald wieder erweitern. Er schwafelt etwas von gĂŒnstiger Gelegenheit und Zeitfenster. Einer, der fĂŒr das hĂ€ssliche Gesicht der EU-Krise steht, will sie durch Nichtbeachtung ĂŒberwinden. So etwas Einfallsloses und Dreistes nennt man heute Visionen! Ist der luxemburger Junker etwa bei Honecker in die Schule gegangen? „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf. „Die Strassburger Völkerkammer hört artig zu. Er hat doch nicht etwa den WahlkĂ€mpfern der CDU, SPD und GrĂŒn-Alternativen in Deutschland eine Falle stellen wollen! Wenn, fallen sie prompt darauf herein, mĂ€keln nur an milieubedingt unterschiedlichen Details. Man weiĂ jetzt genauer, wofĂŒr sie alle nicht stehen, fĂŒr Stabilisierung der EU und die Abkehr von GroĂmachtstrĂ€umen. Danke fĂŒr die Wahlempfehlung! Oder sind das alles bereits Fake News aus russischen Geheimdienstquellen?
25. Juni – Das gewĂ€hlte Motto („Eins zwei drei …“) ist als reine Ironie zu verstehen, denn dem alten Mann wird angst und bang.
Als ich vor fĂŒnf Jahren die Essenz meines Unterrichts ĂŒber die Philosophie VilĂ©m Flussers (1920 – 1992) zu einem Essay verarbeitete – „Flusser an die Schule“ in „Flusser Studies“ 12. Ausgabe – gingen mir die beschriebenen Entwicklungen lĂ€ngst noch nicht so unter die Haut wie heute. Es war noch ein gewisses Mass an Entdeckerfreude dabei. Die aufregende literarische Arbeit und die Freude, Neuigkeiten im GepĂ€ck zu haben, immunisierten gegen die transportierte Botschaft selbst. Der Bote wurde zwar nicht davon besoffen – was ich zuweilen bei Flusser vermute, etwa wenn er von „Wir“ und „in unserem Inneren“ sprach – aber euphorisiert. Inzwischen hat der Ernst des Lebens, meine Marginalisierung und Isolierung in der „Welt der Enkel“ begonnen. Daran ist nichts zu beschönigen. Durch nichts abgefedert, knallen Flussers prophetische SĂ€tze scheppernd auf den Boden der Tatsachen.
Ich zitiere die Zusammenfassung auf S.28 des Manuskripts:
Blick in die Welt der Enkel
Bezogen auf die natĂŒrliche Generationenfolge sind es generell die Enkel, die in Verbindung mit Apparaten gewaltige VerĂ€nderungen vorantreiben. Dass durch sie die Welt nicht zur BrutstĂ€tte fĂŒr schöpferische Taten, fĂŒr das Neue werden kann, liegt in der Funktion der Apparate, aus sich heraus immer perfektere Apparate zu entwickeln. Nach Chancen fĂŒr schöpferische Taten kann ein Mensch lange suchen, innerhalb wie auĂerhalb.
1981 prognostiziert Flusser in âNachgeschichteâ unsere Gegenwart mit beiĂender SchĂ€rfe:
Die uns umgebende Welt ist von wahrscheinlich noch nie dagewesener Dummheit. Dummes Zeug umgibt uns: plastische FĂŒllfedern, elektrische ZahnbĂŒsten, illustrierte Zeitschriften, Werbung im Fernsehen.â âNoch nie wurde ein solcher Aufwand von Intelligenz, Disziplin und Phantasie zur Erfindung und Erzeugung von so dummem Zeug verwendet.â âDas uns umgebende Zeug programmiert uns zur AbhĂ€ngigkeit von ihm und zwar im doppelten Sinne. Wir sind programmiert, ohne das dumme Zeug nicht leben zu können, und wir sind programmiert, die Dummheit dieses Zeugs nicht wahrzunehmen.â âWir kĂ€mpfen fĂŒr das Gute und gegen das Böse, aber gegenwĂ€rtig ist Bosheit nicht die Gefahr: FunktionĂ€re sind nicht bösartig, sie sind Trottel.â âUnd Apparate sind bekanntlich âultraschnelle Idiotenâ. (Flusser 1990: 139f.)
Das folgende Zitat aus âNachgeschichteâ lĂ€sst sich auf die Enkel ĂŒbertragen, die das alles viel konsequenter betreiben:
So neu ist der neue Mensch, der da in unserem Inneren entsteht, und den wir manchmal bereits beobachten können, dass wir uns beinahe auĂerstande sehen, an ihm noch das Menschenantlitz wiederzuerkennen. Er ist uns âunsympathischâ, er schwingt in uns fremden Phasen. Seine Gesten, seine Codes, seine Modelle sind nicht die unsrigen. Er lebt in einer Welt, die wir nicht entziffern können, gleichwohl wir fĂŒr sie die Verantwortung tragen; denn wir, nicht er, haben sie errichtet. In dem MaĂe, in dem wir selbst neue Menschen sind, sind wir uns selbst unsympathisch. Und so erleben wir unseren Todeskampf als ein KreiĂen: Wir sind im Begriff, ein Monstrum zu gebĂ€ren. Ob dieses Monstrum ein programmierter Roboter sein wird oder ein die Apparate zerstörender Vandale, in beiden FĂ€llen sind wir es selbst, ein Mutant der in uns angelegten Information. (Flusser 1990 : 168-169)
18.Mai – Verteidigung des Iran
Schon wieder geht es gegen gepflegte Oberschichtsignoranz, diesmal eine 30minĂŒtige ARTE-Wahl-Spezial. Es war schon vorherzusehen, dass die kultivierte – und korrekt, aber elegant bedeckte – Dame wieder alle phobisch aufgeladenen Iran-Klischees beschwören wĂŒrde! Die Interview-Methode ist auch gar zu ideal, um Befindlichkeiten auszuloten, oder um Glaubenskriege zu fĂŒhren. Passende GesprĂ€chs’partner‘, Stimmen und andere O-Töne finden sich immer.
Es tut schon weh, wenn eine nach New York emigrierte „Aktivistin“ ausgerechnet „Facebook und Instagram“ „unsere Waffen“ nennt. Innerhalb zwei Minuten sehen wir ihre ĂŒppige Lockenpracht schon in zwei Aufmachungen. Ihre Website macht sich die Förderung von individuellen Coming-outs im Iran zu Aufgabe. Ihre Fingerkuppen hĂŒpfen nervös von Clip zu Clip.
Wieso geht es immer wieder um die Lifestyle-Klagen der jeunesse dorĂ©e, die sich selber hilft. Sie hat nunmal das Pech, in einem unterentwickelten Land aufzuwachsen, nicht in Holland, DĂ€nemark oder Deutschland, auch nicht in der fĂŒr ihresgleichen guten alten Zeit unter dem Shah-in-Shah! Doch spĂ€ter kann sie in den goldenenen Westen auswandern oder – noch besser – pendeln. Um diese Kreise mache ich mir keine Sorgen. Ich habe auch nicht gehört, dass sie sich welche um ihr Land machen.
Ich habe dagegen von dem vergleichsweise hohen Ausbildungsniveau der Iraner gehört und mich immer gefragt, was das politisch fĂŒr Konsequenzen hat. Heute denke ich: Vielleicht gar keine, denn ich sehe gerade hierzulande eine individualisierte, leicht einzuschĂŒchternde und mit jedem technischen Schnickschnack verfĂŒhrbare bĂŒrgerliche Jugend. Und sonst? Zwar hat der ‚MĂŒsli-Man‘ (c BAP) Nachfolger gefunden, aber was bewirken die noch? Und die randstĂ€ndige Jugend, die man jetzt endlich „integrieren“ will, ist sowieso allmĂ€hlich zum FĂŒrchten…
Dem „Volk“ im Iran – den „95 %“ – folgt die Reporterin nur bis in den „Basar“, im Taxi . Sie will fĂŒr ihre 30 Minuten auch gar nicht mehr. Die VerhĂ€ltnisse auf dem Land und in den Slums werden ausgeblendet: Was kann man gegen die Landflucht tun? Sind die LebensverhĂ€ltnisse immer noch so ‚mittelalterlich‘ wie unter dem ‚modernen‘ Shah Reza? Sollten wir nicht froh sein, wenn sie ihren Geistlichen noch glauben?
Ich frage mich, ob und wie das Regime auf Dauer die arme Bevölkerungsmehrheit „integrieren“ kann. „Hardliner“ können mit ihr rechnen. Ein so titulierter Kandidat auf die PrĂ€sidentschaft ist bezeichnenderweise jetzt schon der BĂŒrgermeister von Teheran, der unsĂ€gliche Ahmadinejad war das auch. „ReligionswĂ€chter“ und Repressionsapparat rekrutieren sich dort.
Religion und Repression pflegten auch in Europa noch vor historisch kurzer Zeit ein stabiles BĂŒndnis. Je lĂ€nger das Volk von der politischen Klasse beschissen wird, desto eher versucht man es mit Trumps, Kaczynskys, Orbans oder Ahmadinejads. Wenn – wie behauptet – wirklich das Regime sich zwischen „Hardlinern“ und „Moderaten“ einpendelte, wĂ€re das also ein StabilitĂ€tserfolg. Montesquieu hĂ€tte seine Freude daran. HĂ€tte ein ‚WĂ€chterrat‘ in den USA vielleicht Trump verhindert? (BloĂ ein Scherz) Eine Passantin sagte mit Recht, der Iran sei eine Insel des Friedens inmitten von Krisenherden. „Wir haben Frieden, was will man mehr?“
Zu einem Wahltermin passende Fragen, die nicht gestellt wurden:Â Was hat Rohani in seiner Amtszeit fĂŒr wen erreicht? Womit scheiterte er an welchen Hindernissen? Was stand den erwarteten wirtschaftlichen Verbesserungen entgegen? In welchem Zeitraum sind ĂŒberhaupt solche Versprechungen zu erfĂŒllen? – Ich denke nur daran, wie lange Nordirland braucht, um der Stagnation zu entkommen, wenn es ihr denn – nach dem Brexit – ĂŒberhaupt ‚entkommt‘.
Ohne die Ausbeutung des Iran durch Europa und die Verbrechen der USA gegen den Iran begreift man dessen SelbstverstĂ€ndnis nicht – angefangen mit Premier Mossadeghs Sturz zum Marionettenregime des Shah Reza bis zum erzwungenen Stellvertreterkrieg (‚Erster Golfkrieg‘) unter Saddam Hussein. Man sollte auch die bedrĂ€ngte Situation der schiitischen GlaubensbrĂŒder als Minderheiten auĂerhalb des Iran nicht vergessen. Aber das wĂ€ren andere Reportagen, die irgendwann auch schon durch unsere MedienkanĂ€le gelaufen sind.
2. Mai – ja 2017! Leider ist der im Januar 2016 zurĂŒckgehaltene Blog immer noch aktuell. Oder ob sich doch etwas weiterentwickelt hat, entwickeln musste in der deutschen Ăffentlichkeit? – PrĂŒfen sie es selber !
O je, AfD â o je, kulturzeit?
Anlass:  3sat kulturzeit Mittwoch (20.1.16) moderiert von der unsÀglichen Frau Meier
Vielleicht ist der Zug mit einer ârechten Volksparteiâ ja abgefahren. Und ich kann diese AfD schon aus Ă€sthetischen GrĂŒnden nicht wĂ€hlen, soviel wird sogar durch die propagandistisch verschmierte Brille des Fernsehens deutlich. Vielleicht muss ja die CSU sich dringend in der ganzen Republik zur Wahl stellen. Deren politische Folklore ist doch nicht wie die der Sachsen von KPD, von Nazis und SED versaut.
Vielleicht ist ja die âIntegrationâ der Ossis gescheitert, die wir uns vor 25 Jahren leichtsinnig zugetraut haben! Noch eine gescheiterte âIntegrationâ! Doch wenn sie rufen auf ihrem ehemaligen nun bloĂ schön geschminkten Territorium: Wir sind das Volk! ist das legitim.
Auch in Westdeutschland sollte man das öfter rufen â und einklagen. Sonst wird der legitime Gebrauch des Slogans nur noch von bestallten und bestellten TraditionswĂ€chtern festgestellt. Nicht nur Ossis fĂŒhlen sich heute von der politischen Klasse verschaukelt.
Was die mit der AfD in Verbindung gebrachten Gewalttaten angeht, sind sie aus der NĂ€he unappetitlich, eklig, aber inzwischen ein bewĂ€hrtes Verfahren von Extremisten aller Couleur, weil es optimal auf die Reaktionsschemata der Massenmedien passt. Gewalt sichert Beachtung, fĂŒr eine Botschaft (oder auch fĂŒr keine Botschaft). Was daran in Deutschland erschrecken muss, ist dass nun (Staats-)BĂŒrger, die im internationalen Vergleich ĂŒber bemerkenswerte Rechte verfĂŒgen, Selbstjustiz und Kleinkrieg ĂŒben. Nun ja, in den USA ist man da bereits weiter auf der Spirale nach unten.
Ein willfÀhriger Journalismus verwendet die betagten Rezepte der Propaganda:
Den Gegner ausgrenzen, mögliche AnhĂ€nger mit erhobenem Zeigefinger warnen wie kleine Kinder, sie mit dramatischen Bild- und Tonschnipseln abschrecken und wenn das nicht klappt, einschĂŒchtern, sie bedrohen nach dem Rezept der Kontaktschuld: Der hat mit dem Umgang. – Was ich hier schreibe, kann mir selbstverstĂ€ndlich als heimliches EinverstĂ€ndnis â im Jargon von 1979 als âklammheimliche Freudeâ â ausgelegt werden.
DĂ€monisieren â ich wunderte mich nach der Vorstellung in nachbearbeiteten oder ausgesuchten Fotos, wie normal die Menschen dann vor der Fernsehkamera bei Tageslicht aussahen. Auch ein uraltes Mittel!
Ich muss an den gescheiterten Bernd Lucke denken. Das ewige Kesseltreiben, als es noch um EU und Euro ging. Schon damals ging mit der AfD die Welt unter. Jetzt kein böses Wort mehr ĂŒber ihn. âNur ein toter Indianer ist ein guter Indianerâ. Die Lösung der kulturzeit: einfach zur Dramatisierung der von der AfD ausgehenden Gefahren wechseln – Wahlen kommen nĂ€her und ihre Umfragewerte steigen. Dann wird das gerade in der Politik ĂŒbliche Mittel des âNetzwerkensâ und des âVerharmlosensâ von medialen Ausrutschern von Kollegen zur Verschwörungstheorie.
Akademische AutoritÀten werden bestellt. Heute waren es ein Milchbubi vom einschlÀgigen Kompetenzzentrum und ein kultivierter Grandseigneur mit sanfter Stimme. Ich frage mich: Woher haben die ihr Wissen, aus dem Internet?
Das mit den AutoritĂ€ten funktioniert aber nicht mehr wie frĂŒher. In den sozialen Medien hat man sich daran gewöhnt, auch als Mann von der StraĂe grammatisch ebenso wie politisch inkorrekt den Frust auszukotzen und dafĂŒr breite Zustimmung zu erfahren â unmoderiert von höheren Instanzen, wie weiland am âStammtischâ â ein Ausdruck, dessen elitĂ€rer und meist auch opportunistischer Kern eine genauere Betrachtung verdiente.
Die Soziologin Michaela von Freyhold ( Autoritarismus und politische Apathie, EVA 1971) hatte ende der sechziger Jahre Adornos Konzept des âautoritĂ€ren Charaktersâ an seiner Methode auseinander genommen: Der ungebildete und ungeĂŒbte Sprecher ist immer der Dumme, wĂ€hrend das ĂŒber einen âelaborierten Codeâ verfĂŒgende Mitglied der Mittelschicht immer einen unauffĂ€lligen Mittelkurs fahren kann. Wenn der
AfDler von der anderen âReproduktionsstrategieâ der Afrikaner spricht, weiĂ doch jeder, was in der Sache gemeint ist, aber ihm lĂ€sst sich ein âRassismusâ-Strick daraus drehen. In Verbindung mit âunser Volkâ gebracht, wird daraus âvölkischâ mit braunem Anstrich. MĂŒssen verfassungstreue deutsche BĂŒrger jetzt alle Menschen besonders mögen? Selbst eine krĂ€ftige polemische Wortschöpfung wie âGutmenschenâ wird im Jahr 2016 zum âUnwort des Jahresâ, da sie wĂŒnschenswertes mitmenschliches Verhalten pauschal abwerte. âWir sind Charlieâ trotz seiner permanenten schmutzigen Witze. Wann laufen die MachttrĂ€ger âlinksâ von RechtauĂen nur noch im EngelskostĂŒm herum und kassieren ĂŒber Mautstellen und âintelligenteâ Ăberwachungskameras automatisch BuĂgelder bei âBĂ€hâwörtern?
Am Tag darauf wird ein sympathischer junger Mann mit gestutztem Bart gefragt, ob es in den Redaktionen, von denen er einige kenne, âAnweisungenâ gebe. Wir sprachen vor dreiĂig Jahren einmal realistischer von der âSchere im Kopfâ, der Journalist nennt das jetzt âStimmungenâ die âschwankenâ könnten. Feigheit und Rudelverhalten sind als ĂŒbliches Verhalten in den Massenmedien seit langem bekannt. So ein Interview ist bereis obszön ĂŒberflĂŒssig.
Wer hat Populisten und Rechtsradikalen in den letzten Jahren eine Steilvorlage nach der anderen gegeben und ruft jetzt âHaltet den Diebâ? Letztes Silvester auf der Kölner Domplatte war ein GAU fĂŒr die PR-Maschinerie in Berlin.
âDer vormundschaftliche Staatâ kommt mir in den Sinn. Ach so, das war ja in der Wendezeit auf die DDR gemĂŒnzter Buchtitel!
27. April –Â Staatstragende BĂŒrgerÂ
âWenn wir die Hoffnung aufgeben, dann ist alles verloren.â Als ich eine alte Freundin in komfortablen LebensumstĂ€nden so reden hörte, antwortete ich spontan: âAuf uns kommt es doch ĂŒberhaupt nicht an. Der Gang der Dinge ist doch nicht von dir oder mir abhĂ€ngigâ. Und nach einer kurze Pause: âDeshalb bin ich ja noch neugierig darauf.â
Im Stillen reifte aber bereits die pathetische Formel: âStaatstragende BĂŒrgerâ. So viele davon treten in fĂŒhrenden Zeitungen auf und im Politik-gesteuerten Fernsehen, in jeder Kulturzeit (3sat) oder Tagesschau mindestens zwei, bei ernsten AnlĂ€ssen auch mehr. Was fĂŒr ein genialer Schachzug, dem kritischen Blick und der kritischen Nachfrage eine Schranke zu setzen und dabei vor sich selbst sein intellektuelles Profil und nach auĂen die ZitierfĂ€higkeit zu bewahren.
Wir sollten in siebzig Jahren deutscher Demokratie gelernt haben, dass âder Staatâ und die ihn reprĂ€sentierenden Kreise sehr gut fĂŒr sich selber sorgen können. Und dass regelmĂ€Ăig Leute zum Idealismus auffordern, denen es persönlich an nichts fehlt. Ich möchte diese Haltung mit einem – zu Unrecht Karl Marx zugeschriebenen – Vers kommentieren: âWes Brot ich essâ, des Lied ich singâ.â
Den Geist der AufklĂ€rung zu verbreiten, tut not. Es ist vielleicht die letzte Generation noch aktiv, in der LAIEN noch LESEN können. – Bruder Mephisto: Na also, du findest doch noch einen SINN in deinem ansonsten nutzlosen Leben!
27.4.2017 spĂ€ter – Das Kind im Manne zitiert AutoritĂ€ten
Ich frage mich zuweilen selber, warum ich das berĂŒchtigte Kind im Manne nicht bremsen kann.
Ob es etwa aus Unreife, GeltungsbedĂŒrfnis und mangelnder Erziehung – diese als vernĂŒnftige Entmutigung verstanden – herausschreien muss: âDer Kaiser ist nacktâ.?
Noch gestern waren sich zwei Sportkommentatoren und ein Trainer (Tuchel) darin einig, dass ein neunzehnjĂ€hriges FuĂballgenie ĂŒber âeinen prall gefĂŒllten Werkzeugkastenâ verfĂŒge, aber noch erfahren mĂŒsse, wann bestimmte Mittel opportun seien und wann nicht. âOpportunâ ist aber eine andere Ebene, natĂŒrlich auch die der Tagesschau.
Manchmal zweifle ich, ob ich mit meinen kleinen Respektlosigkeiten ĂŒberhaupt etwas Neues biete, ob ich nicht Altbekanntes zum wiederholten Male entdecke, ob sich das ĂŒberhaupt niederzuschreiben und veröffentlichen lohnt. âInformation ist schlieĂlich ….!â
Aber kommt es denn nicht auf die Perspektive an, ob man ĂŒberhaupt etwas Relevantes wahrnimmt, und wie lange es relevant ist? Man lernt das als nicht-inszenierender Fotograf wie als Zuschauer beim FuĂball: Das Schwierigste ist die jeweils relevante Perspektive zu bekommen. Ich glaube mich vage zu erinnern: VilĂ©m Flusser betrachtete die Wahl des Standpunkts als Charakteristikum des Fotografierens ĂŒberhaupt. Und David Hockney wĂŒrde ihm heute beipflichten mit der BegrĂŒndung: der Kamerablick ist starr. Zoom und Fokus sind nur Hilfsmittel zum Adaptieren an einen vorĂŒbergehend gefundenen optimalen Winkel des menschlichen Blicks. (Nicht abschweifen!)
Als Sammler wie als KĂŒnstler hat man die unschĂ€tzbare Chance, aus immer derselben Quelle die unterschiedlichsten Erfahrungen zu ziehen, immer neue Blicke zu werfen auf die scheinbar unwandelbaren Dinge â Objekte oder Motive â so wie es im wirklichen Leben nur in stabilen Beziehungen möglich ist. Also weiterhin drehen und wenden und nachfragen!
 10. April – Kleine Demonstration zum Feierabend vor dem Hauptbahnhof Bremen – atemberaubende Logik  Â
Die Parole „Bleiberecht fĂŒr Alle“ gegen die staatliche MaĂnahme einer Abschiebung von Afghanen wĂ€re nicht erwĂ€hnenswert ohne die BegrĂŒndung, die die Aktivisten auf dem Bahnhofsvorplatz dazu plakatieren, mit drei Fragezeichen, die fĂŒr erhobene Zeigefinger stehen.
Andersherum wĂ€re in Deutschland mit gleichem oder gröĂerem Recht zu fragen: Warum sollen deutsche Soldaten dort ihr Leben riskieren, wenn jungen mĂ€nnlichen Afghanen eine RĂŒckkehr in ihr Land nicht zuzumuten ist?
Â
4.April – Steinmeier – Same Procedure As Every Year
„Heute“ im ZDF – BundesprĂ€sident Steinmeier vor dem Europa-Parlament. Noch ein Langweiler. Die Rede kennst du doch schon, jedenfalls die Bausteine: fĂŒr ein besseres Europa kĂ€mpfen …. Populisten = FakeNews…
Und dann stehende Ovation(en) – wieso ist eigentlich der Plural ĂŒblich? – Und haben alle Abgeordneten sich von ihren PlĂ€tzen erhoben, auch die Gegner der existierenden EU, die zahlreichen’Populisten‘? Ich hatte keinen Blick frei fĂŒr die ausgewĂ€hlten Bildausschnitte. Ich dachte nur: Den jubelnden Komparsen geht es um die Verteidigung ihres Arbeitsplatzes, gegen den RĂŒckfall in die Bedeutungslosigkeit. Lange genug war das EuropĂ€ische Parlament eine komfortable Abstellkammer.
Momentan will die politische Klasse vergessen machen, dass ‚BrĂŒssel‘ wie ‚Euro‘ groĂen Schaden angerichtet haben und ziemlich unpopulĂ€r sind. Steinmeier wie Schulz hĂ€tten ein Umsteuern anmahnen mĂŒssen. Was soll ‚besser‘ sonst bedeuten? Und wen können die immergleichen Feindbilder gewinnen? Wen abschrecken?
Man könnte eine Verschwörungstheorie entwickeln. Vielleicht reicht aber die Inkompetenz des Medien-Personals. Schon zu meiner aktiven Zeit wollten die schwĂ€chsten SchĂŒler „Publizistik“ studieren. Bereits als es zum ersten Mal als eigenes Studienfach angeboten wurde, hĂ€tten alle Alarmglocken lĂ€uten sollen, war das KopfschĂŒtteln zu wirkungslos. Wer konnte aber wissen, dass „Publizistik“ – nun als ‚Bachelor-‚ und ‚Master-to Go‘ – nur das Erste in der endlos langen Reihe vom DJ, Jazztrompeter, Eventmanager, Bestsellerautor bis zum evangelisch-theologischen Ghostwriter u.s.w. sein wĂŒrde!!
Â
Â
22. Februar  BĂŒcher BĂŒcher
Heute 12.20Â In der BĂŒcherei meiner ehemaligen Schule. Welches Buch ist wohl besonders interessant?

Egmont R. Koch/Michael Wech: „Deckname Artischocke“. Kronberger Lokalgeschichte im Kalten Krieg – CIA
Heute 13.10 Soll ich wirklich BĂŒcher verkaufen? Soll ich sie nach dem inflationĂ€ren Absturz ihres Marktwerts nicht lieber behalten und mich solange ich kann daran freuen?
21. Februar     Sogar die Tasten geraten ins Rutschen
(dlf feature ĂŒber Tasteninstrumente mit sympathischem Filmkomponisten 21.2.17 bis 23.00)
Unter zehn oder mehr historischen Instrumenten, darunter MuseumsstĂŒcken, aussuchen dĂŒrfen â fĂŒr die digitale Tonverarbeitung. Vielleicht aber doch noch den gewĂŒnschten Raumklang dazu geben mĂŒssen. Sie vermissen das, was ein Instrument Ihnen durch seine Mechanik direkt âzurĂŒckgibtâ? Aber das lĂ€sst sich doch durch das passende „Keyboard“ simulieren!
Und wozu?
Ist doch klar: Die gewachsenen AnsprĂŒche des Publikums verlangen danach! Was ehemals Hörgewohnheiten lieĂ, hat sich dynamisiert. Hört Ihrâs, marx’sche Sozialisten oder ihr Kommunisten? Auf menschliche BedĂŒrfnisse ist kein Verlass. Meist kommen sie bescheiden daher â emotional getrĂ€nkte Berichte darĂŒber fĂŒllen die auf âdie europĂ€ischen Werteâ programmierten Massenmedien – aber wehe, sie werden erfĂŒllt, dann gibtâs kein Halten.
Ich spĂŒre, wie jetzt alle, die von der Not anderer Menschen profitieren, also wir, aufatmen. âWirâ hatte es in der zivilisierten Welt immer gewusst.
Spass beiseite! Betrachten wir die andere Seite, die berĂŒhmte âAngebotsseiteâ!
Das Gerangel der Anbieter ist ja kaum noch auszuhalten. Jeder will mit ĂŒppigerem Klang – der Kinokomponist flaxte: âPhotoshop!â â und exotischeren Untertönen punkten. Zwei Proben seiner Kompositionskunst aus den neunziger Jahren wurden eingeschnitten. Und er sagte: er schĂ€me sich eigentlich fĂŒr den Ă€rmlichen Klavierklang und – als sie einsetzten – auch fĂŒr die digitalisierten Streicher. Doch man sei heute davon „Lichtjahre“ entfernt. Er schĂ€mt sich nicht grundlos, aber aus den falschen GrĂŒnden: Er war MitlĂ€ufer. Sein Pech, dass er zu frĂŒh damit startete. Heute steht er ja hörbar auf der richtigen Seite.
Dann sprach er unvermittelt von einer Sehnsucht nach Originalklang. â Und das meine ich mit dem Rutschen auf der schiefen Ebene.
P.S.
Ich wollte meine Geige verkaufen. BloĂ die Manipulationen am ⏠haben mich bisher davon abgehalten, aber wenn ich das Bloggen einmal leid bin, könnte ich mit meinen GreisenhĂ€nden noch einmal beginnen, Mozart, die StĂŒcke des Wunderkindes. FĂŒr mein Didjeridoo reicht erstens das Lungenvolumen nicht mehr aus, zweitens ist das Instrument ideologisch belastet.
9. Februar Wer verdirbt mir die Statistik?
Gestern 745 „visits“ von 32 „visitors“, davon 694 von dem „top visitor“ ĂŒber seinen Agenten „vebidoobot“. Was sucht der Bot in meinem Vorgarten? Will er nur spielen?
Vebidoo antwortete irgendwann auf die Anfrage von irgendwem: Hallo, Vebidoo zeigt nur Inhalte an, die im Internet frei zugĂ€nglich sind. Vebidoo ist nicht fĂŒr die Inhalte anderer Webseiten verantwortlich und kann diese auch nicht verĂ€ndern.
Um Ihre Daten aus dem Internet zu entfernen, mĂŒssten Sie sich deshalb an die Quelle – also den Betreiber der Webseite, von der diese Daten herrĂŒhren â wenden. Sind die Daten an der Quelle entfernt, werden sie auch nicht mehr von Suchmaschinen wie vebidoo gefunden und angezeigt. NĂ€here Informationen zu Ihrem Anliegen finden Sie auch in unseren vebidoo FAQs.
Viele GrĂŒĂe,               vebidoo Support-Team
                         hilfe, ich krieg die Rahmen nicht mehr gelöscht |
 |
immer noch 7. Februar zu ‚BundesprĂ€sident‘
Schön gesagt in der faz-net: Lesermeinung zu „BundesprĂ€sidentenwahl Mein Vater könnte das“ – von Michael Bonifacio – 06.02.2017 19:31
Es ist ein unbequemes Amt, weil es der BĂŒrger finanzieren und die dort gehaltenen Mahn- und QuĂ€lreden aushalten muss. Ein Freizeitonkel in dem Amt wĂ€re daher fĂŒr den BĂŒrger eine wohltuende Entlastung. Das betroffene Gesicht des ewig besorgten Herrn Steinmeier kann ich jetzt schon nicht mehr sehen. Ein rĂŒstiger Rentner dagegen, der gerne reist, wĂ€re auch im Ausland ein guter Botschafter fĂŒr das geistige Altenheim Deutschland.
7. Februar  Twitter-Donald
Eigentlich sympathisch, wie Donald twittert: ganz wie ein Mensch! NatĂŒrlich kein Bot! Donald hat doch Richtlinienkompetenz, oder? Ich will gar nicht glauben, dass ein finsterer Mallon, ein Zausel in dĂ€monischer Beleuchtung (SZ, 3sat-kultur 6.2.17) ihm die Tweets zensiert und zusammenstreicht! Das wĂ€re irgendwie Shakespeare oder Emser Depesche oder George Doubleyou und seine Kriegsverbrecher. Was die Feuilletonisten ĂŒbrigens ĂŒber Mallon erzĂ€hlen, erinnert mich auch an den UNA-Bomber, der irgendwo lebenslĂ€nglich in einem US-Knast vermodert. Dessen Amnestie mĂŒsste heute drin sein, hat der Mann doch nur Intellektuelle angegriffen! Freilich meinte er in seinem Manifest, dass alles in Amerika noch schlimmer werden mĂŒsste, damit Cowboys endlich wieder ihre vor Durst brĂŒllenden Herden durch das Weite Land treiben wĂŒrden und ĂŒber die Ruinen Babylons.