Stress mit zwei ‚Nkishi‘ (Songye) im Dez.2015

|

 

5.Dez.

Der Nkishi, der BeschĂŒtzer der Familie! BodenstĂ€ndig, robust, zuverlĂ€ssig. Wie eben Schutzengel nicht nur bei den Songye sind. Keine sensible Natur wie der entnervte Schutzengel in der ErzĂ€hlung ’Schuld und SĂŒhne’ von Slawomir Mrozek! (‚Der Elefant’, Henssel Verlag, Berlin 1962, S.149-153)

songye-122015-img_1154

Wohl kein aus seinem Wirkungsfeld entfĂŒhrter Kerl, aber auch keine graue Ruine. Die Besitzer, inzwischen wohl die Erben, haben ihm den auf dem vorgestreckten Bauch lagernden Medizinsack abgenommen, aber den strammen Rock, die Ohrpinsel, das Haarkleid aus Wildleder sowie das krĂ€ftige Antilopenhorn, weiß gesprenkelt, gelassen. Unter den Augen des deutschen Zöllners musste Wa. die (Haare) poils einer von modernen internationalen Abkommen geschĂŒtzten Meerkatze abschneiden, um damit die Grenze passieren zu können. Zweite ‚Desakralisierung’, diesmal ‚politisch korrekt’. Ist doch nicht untypisch fĂŒr die uns umgebende Welt!

Als QualitĂ€ten der Figur kann man hervorheben: den markanten Kopf, stilisiert und kraftvoll, die sieben ins Gesicht eingehĂ€mmerten KupferhĂŒlsen, den mit kupfernem Doppelnabel armierte Bauch, die beiden Halskettchen und den wĂŒrdigen Rock, PlastizitĂ€t, das VerhĂ€ltnis vom Gewicht (1,3 kg) zur GrĂ¶ĂŸe: 41 cm.

Und der Umtauschkandidat oder sein kĂŒnftiger Juniorpartner? Ich habe mir große MĂŒhe mit ihm gegeben: den Termitenschaden beheben und Erstreparaturen korrigieren lassen. Doch er steht fremd inmitten der anderen ‚Kongolesen‘. Und er ist in einer Form spirituell, die man ihm nicht wirklich abnimmt. Meine Hilfskonstruktion war, mir einen Außenseiter als Auftraggeber oder Schnitzer vorzustellen, vielleicht auch bloß einen ‚kultivierteren’ Luba. Motiv: Neid auf die – vielleicht ja ignorante – Kraft der Figuren in den Kunstkatalogen. Der Kleine verfĂŒgt kaum darĂŒber, scheint sie in etwas Höherem zu suchen. Ob er beim Neuen Halt findet? Das Strohgeflecht unter den kleinen BrĂŒsten ist nur ein ‚Zeichen’ von Kraftpaket, weit schwĂ€cher als allein die Aussparungen fĂŒr ein Kraftpaket beim Großen. Die Ohren sind beim Kleinen nur angedeutet. Und das im Vergleich zu den wunderbaren Pinseln! Ich schĂ€tze an Miniaturen die Vereinfachungen, wenn sie eine BeschrĂ€nkung auf Wesentliche bedeuten. Wesentlich ist bei einem Fetisch aber die Kraft. Und genau daran fehlt es beim Kleinen. Vielleicht war er ja eine Hilfsfigur im Besteck eines Heilers, diente also in abhĂ€ngiger Position.

songye-vatersohn-schmal-img_1368Zwei Wochen zur Entdeckung möglicher Gemeinsamkeiten nutzen! Auch der Große ist eine Stempelfigur: hat einen Block, keine Beine unter dem Rock! Und das Gesicht bĂŒndelt die Kraft. Das gilt fĂŒr beide. Und zur Entdeckung von Unterschieden, zum Beispiel in der Form:

Heinz betonte heute im CafĂ©, dass der Große ‚keine notwendige Einheit‘ bilde,  eine Montage sei, dass man aus dem Kopf nicht auf den Rumpf schließen könne. Genau das schĂ€tze er an afrikanischer Skulptur.

Bei dem Kleinen sehne ich mich stĂ€ndig nach widerstĂ€ndigen Kanten. Mir kommt der Gedanke, dass die allzu schlĂŒssige Verbindung zweier Punkte Indiz fĂŒr eine Kopie sein kann. Wenn man eine Strecke zu gut kennt, kann man der Versuchung entgehen, den kĂŒrzesten Weg zu gehen?

Constantin Brancusi war ein entwurzelter Transsylvanier, HinterwĂ€ldler, also ein blöder Intellektueller. Er hĂ€tte gerade deshalb die kleine Figur fĂŒr ‚entwickelter’ gehalten.

6. Dez. spÀt

songye-vatersohn-img_1359Seitdem ich die Kosten seiner Restaurierung realisiere, habe ich wieder MĂŒhe mit der Trennung vom Kleinen, zumal der Große den Kleinen unter seine Obhut genommen hat. Jetzt ist der nicht mehr ‚schwach’, sondern ‚jung’.  Es könnte ja ReferenzstĂŒcke geben!

Der Große hat so einen imposanten Bauch, mit dem gestandene MĂ€nner Angreifer zurĂŒckstoßen, der war frĂŒher Lagerplatz fĂŒr eine imposante Ladung und richtet den Nabel wie ein Maschinengewehr auf den Betrachter. Eine durchgĂ€ngig seidenglĂ€nzende ungeschönte Patina kontrastiert mit dem spröden steifen Rock.

Der Kopf trĂ€gt markante ZĂŒge: eine große abgeplattete Nase, Pinsel in den Ohren und ein rasantes Kinn, auf das Kirk Douglas stolz wĂ€re. Er bĂŒndelt die KrĂ€fte. Das gefĂŒllte Gazellenhorn fungiert als Antenne. Er trĂ€gt das Leder eines seltenen Tiers, Kupferröhren wie PatronenhĂŒlsen, die nach innen fĂŒhren, vielleicht in ein System verbundener KanĂ€le. Womöglich ist er GeheimnistrĂ€ger – wie in „Fragments of the Invisible“ , Petridis, Cleveland 2013, p.68 ff. Er zeigt ein geniales Profil und ein diskretes Untergestell, ist eine Verbindung von jovialem Onkel, der mit geschlossenen Augen ĂŒber einen Scherz lacht, und eigensinnigem verschlagenem Gnom. Er ist schwer – sein Gewicht ist 1,22 Kilo – und wirkt stur und zuverlĂ€ssig. Niemand wĂŒrde auf die Idee kommen, etwas könnte ihn auch nur fĂŒr einen Moment ablenken. Er hat sich bewĂ€hrt. Seine Kanten sind viel abgeschliffener als die des Kleinen. Den respektierten nicht einmal die Termiten, sie haben ihn einfach angefressen. – Der Große vertritt das Mittelformat, das bei Fetischen auch ein wenig die Relevanz der Figur reprĂ€sentiert. DafĂŒr ist noch genĂŒgend von seiner magischen Ausstattung vorhanden. Die Benutzung und die Außerdienststellung haben sichtbare und spĂŒrbare Spuren hinterlassen.

Die Figur war als Schnitzwerk mit seiner Ausdruckskraft der magischen Ladung gewachsen. Zum Beispiel die Dynamik des dramatischen Profils den Volumina, die die Ladung eingenommen hat. Doch auch das Gesicht beeindruckt anders als die elegante idealisierte Version der kleinen Figur. Der irgendwann erneuerte Rock verschafft dem Großen einen wĂŒrdigen Auftritt. Kurz und gut: Er ist ein Prototyp der ‚zentralen Songye Figuren’, wie Dunja Hersak ihn als Zeichnung vor das entsprechende Kapitel stellt: Ausdruck, Kantigkeit, Kraft und Proportionen.

10. Dez.

Klaus K. ist zu Besuch. VorfĂŒhrung. Er bringt die SchwĂ€che des Kleinen auf den Begriff  mit der ‚Harmonisierung der Teile zugunsten des Gesamteindrucks‘. Mir fĂ€llt spontan ein: ‚Lubaisierung‘.

Ich spreche vom Prinzip der Montage, der ZusammenfĂŒgung, der Assemblage. Der Blick der local people muss sich eigentlich automatisch auf die Teile richten, wenn es darum geht, die Macht der Figur abzuschĂ€tzen. Ihnen wird eine Auswahl angeboten, vom Bauch mit dem Energie-Nabel, zum (verlorenen) Brustwickel, dem Horn, dem Tierfell bis zu den dem Auge verborgene Medizinen? Oder bereits das Gesicht? Die Teile sind jedenfalls mindestens so wichtig wie das Ganze.

13. Dez.

Die Stilregion IX  ist einzugrenzen als das Kerngebiet der Kalebwe am linken Ufer des Lomami. Und doch ist die Vorstellung einer immer genaueren Eingrenzung reine Illusion. Nach einigen Versuchen ĂŒber Neyts Typisierungen weiter zu kommen, zeigen die ausgewĂ€hlten VergleichsstĂŒcke ziemlich viele Gemeinsamkeiten bereits in der Physiognomie. Man kann vielleicht sogar gemeinsame WerkstĂ€tten ausmachen, aber man weiß nicht, wo sie gelegen haben. Was gewinne ich also? Ich lese, sehe mich ein in Lokalstile, Ă€sthetische Ausdrucksformen. Und ich stelle mir neue Fragen.

Neuer Anlauf zur Beschreibung des Figurtyps

1. Der Kopf : Die Gesichts’maske’ bildet eine Kurve, die an einen Schuhlöffel erinnert. Das vorgestreckte Kinn und zurĂŒckgezogenen Ohren bilden an der Seite eine Ă€hnliche Kurve. Die Nase bildet mit den Augenbrauen eine großzĂŒgige Kurve, Ihre Begrenzungslinie beginnt mit einem Dreieck und geht auseinander wie ein Palmwedel. Die Augen sind fast geschlossen, bilden einen feinen langen waagrechten und geraden Strich.  Die Lippen treten als Oval oder Rechteck direkt unter der Nase plastisch hervor, der geschĂŒrzte Mund meiner Figur ist von allen der kĂŒrzeste, aber ist ebenso harmonisch zwischen die Wangen eingebettet. Dieser Typ Mund ist  ‚sprechend’ dargestellt (F. Neyts Beobachtung).

2. Der vorgestreckte Kugelbauch in Verbindung mit den rechts und links  ein Trapez bildenden HĂ€nden und grob eingeschnittenen Fingern. Darunter kurze grob gehauene Beine oder summarischer Block unter einem Rock. Gedrungener Körper. Die Akzentuierung der Körperformen ist geeignet, der zu erwartenden ĂŒppigen Ausstattung mit Zaubermitteln einen krĂ€ftigen Gegenpol zu bieten.

Die VergleichsstĂŒcke sind zwischen 33 cm und 108 cm hoch, manche schlanker, andere auch gedrungenen Typs. Ihre Fotos zeigen Verwandtschaft, aber auch ihre individuellen ZĂŒge. Dabei konstruiert Francois Neyt ‚Typen‘, aber macht  klar, dass sie allesamt Rekonstruktionsversuche, Abstraktionen sind. Er stellt auch Tabellen zusammen, aber fast alle Charakteristika kommen in allen ‚Stilregionen‘ zu einem gewissen Prozentsatz vo.

Am Beginn der Arbeit an der Figur stand wohl noch der gewĂŒnschte ‚Typ’ Pate, wenn Blöcke wohlproportioniert zurecht geschlagen wurden, die ‚richtige’ Kopfform und HalslĂ€nge, Rumpfform und Maße vorbereitet wurden, aber bis zur fertigen Figur waren es dann noch viele Arbeitsschritte. Der Auftraggeber hatte Vorstellungen, wie die Figur aussehen sollte, welche Ausstrahlung sie haben sollte. Man könnte von einem ‚Lastenheft’ fĂŒr die Arbeit sprechen. Die Realisierung war dann die Aufgabe des Schnitzers.

15.12.               AuthentizitĂ€t kann streng riechen – Der Sammler als tumber Tor

Das mit der Spitze im Kopf steckende krĂ€ftige Horn ist oben verschlossen. Daraus dringt ein leichter Geruch, Verwesung? Liegt das am aktuellen Standort ĂŒber dem Heizkörper? Der Verschluss ist möglicherweise undicht. Eine Ă€ltere weiße Spur zieht sich an einer Stelle hinab auf die umgebende SchĂ€del-OberflĂ€che. AusblĂŒhung, verharzt oder verklebt? Kristallisiert ? Eindruck von Kollophonium)? Sie war bereits am Stand da, was Fotos zeigen. Erst jetzt werde ich richtig auf sie aufmerksam. Sie sieht ‚hĂ€sslich’ aus. Sie ‚stört’ den Gesamteindruck der starken Holzfigur. Mir wird die Substanz unheimlich, und ich muss daran denken, dass das Museum die baumwollenen Handschuhe jĂŒngst ‚aus ArbeitsschutzgrĂŒnden’ durch Plastikhandschuhe ersetzt hat. Und das, wo ich doch immer alles anfasse! (Restauratorin nennt z. B. DDT)

Ich frage mich, was ich mir da ins Haus hole. Eine unangenehme NĂ€he stellt sich ein zum Kongo, zu den dortigen – sagen wir’s offen – unappetitlichen magischen Praktiken, und das mitten in meinem Zimmer. Ich habe einmal gescherzt ĂŒber angebliche Ă€sthetische Abwehrmaßnahmen im Museum Quai Branly in Paris. Muss der Sammler solche StĂŒcke nicht den Fachleuten ĂŒberlassen und sich lieber doch in Galerien an dekontaminiertem Material bedienen? Ich komme mir vor als eine Kombination von ‚Zauberlehrling’ und dem Jungen, der sich danach sehnte, dass es ihm endlich gruselte.

 Eine halbherzige Entweihung (Desakralisierung)?

Den – dem nun freien Raum nach – mĂ€chtigen Medizinschlauch um den Bauch hat man abgenommen, aber hat den Verschluss der Nabelöffnung und vor allem das dicke Antilopenhorn nicht geöffnet. Die Abnahme des Tierfells hat erst der deutsche Zoll – aus sachfremden Motiven – veranlasst. Das Gesicht und der ĂŒber dem Rock sichtbare Rumpf glĂ€nzen matt, zeigen aber in den Winkeln Materialspuren, die ebenso gut Pigment wie Opferspuren sein können. Die könnten vorher ĂŒberall verteilt gewesen sein. In den in die Stirn und die Wangen eingeschlagenen KupferhĂŒlsen könnten Federkiele gesteckt haben (oder auch nicht). Das Werk von Neyt wieder einmal durchgehen!

Ein wildes Teil, nur ziemlich gerupft. Anfangs war mir der saubere ordentliche Rock angenehm aufgefallen, auch, dass er nicht erst in jĂŒngster Zeit angepasst worden war. Jetzt will ich dringend einen Konservator sehen, in Offenbach (Leder) oder Frankfurt. Klappt am Mittwoch nicht.

16. Dez.

Restauratorin Kerstin F. findet die Figur sehr stark, den sĂŒĂŸlichen Geruch und die weiße AusblĂŒhung gar nicht schlimm. Zum ersten Mal vertritt sie von vorneherein eine klare Position gegen meine Fragen zur Restaurierung (DĂ€mmung wie Übermalung): Sie wollen auf den Status quo hin restaurieren, aber vielleicht war die ursprĂŒngliche Absicht eine andere! Ich thematisiere das und kontere den Anspruch damit, dass ich damit auf engstem Raum lebe. Wir einigen uns auf eine Versiegelung des Hornverschlusses und auf eine harmlose Bemalung mit Pigmenten. Die Mitteilung des HĂ€ndlers kommentiert sie mit ‚Zerstörung’. Schon am Telefon höre ich ihre mahnende Stimme heraus. Und in der Werkstatt sagt sie mir in beifĂ€lligem Ton, ich wĂŒrde schon nicht mehr so viel restaurieren wollen wie zu Anfang. Ihre Arbeit am Termitenschaden der kleinen Nkishi erkennt sie nicht mehr. Da muss sie sich doch einmal selbst ein Lob aussprechen.

Ein wenig Geruch kommt wohl auch aus der Mundhöhle – passend fĂŒr eine dĂŒnn gedrehte Zigarette – Zeichen eines Systems von Höhlungen? Der Katalog ‚Fragments of the Invisible’ (Delenne Collection, Petridis 2013) zeigt nicht nur eine ebenso bĂ€uchige und gedrungene Figur, sondern durchleuchtet sie!

Und da soll Geruch keine Rolle spielen? DarĂŒber sprechen Sammler nicht! Höchstens beilĂ€ufig. So hat ein alter Bekannter kĂŒrzlich erwĂ€hnt, dass seine Frau ihn veranlasse, das Sammlungszimmer immer geschlossen zu halten, wegen des Geruchs.

Und wieder sehe ich das Foto mit den Leuten vor mir, die eine solche Figur mit Stangen bewegen, um ihr nicht zu nahe zu kommen. Einer anderen sprießen auf der Stirn Borsten aus Löchern, die den KupferhĂŒlsen entsprechen könnten.

In Mitleidenschaft gezogen

Erschöpfung nach eigentlich ausreichenden acht Stunden Schlaf. Der Geruch folgt mir ĂŒberall hin, als ob er im Riechorgan fest sitze. Unter der Dusche bin ich wieder entschlossen: nein! Warum fesselt mich die Figur ĂŒberhaupt noch?

Ich habe bisher Objekte erworben, deren Bedeutung – so vage wie auch immer – durch die Ă€sthetische Form symbolisch bezeugt wurde. Selbst der grausige BeschneidungshĂŒttenpfahl der Salampasu machte da keine Ausnahme. Dessen eingeschnitzte Maske steht fĂŒr den Ort der Aufstellung, mehr nicht.

Vielleicht der  Vodun-Opfertrichter war vergleichbar, aber der ist leer, ja ausgebrannt, morsch, am Rande des Zerfalls. Die geringen Dosen an realen Opferspuren sind nur noch fĂŒr naturwissenschaftliche Untersuchung relevant. Zudem war er immer nur eine Durchgangsstation.

Bei den Mankishi dominiert aber die Seite der materialisierten Ladungen, Substanzen. Ein noch so schönes hölzernes GefĂ€ĂŸ ist bloß ihr TrĂ€ger und hĂ€lt sie teilweise in verborgenen Höhlungen unter Verschluss. Ihre physische und metaphorische Ausstrahlung ist auch nach der Außer-Dienststellung, der Desakralisierung, unheimlich. Das Problem hat man in den Weiten der afrikanischen Savanne durch Vergraben entsorgt.  Der Export auf den Kunstmarkt verĂ€ndert die Situation. Wohl im Blick darauf hat man die AbrĂŒstung auf das Nötigste beschrĂ€nkt.  Bauchhöhlung und Horninneres blieben womöglich funktionsfĂ€hig, das heißt, sie mĂŒssen weiter unter Verschluss gehalten werden. Es haben sich gewiss Risse gebildet und – offensichtlich vergammeltes – Material dĂŒnstet aus. Der Kopfputz ist abgenommen worden (es war eben kein DiplomatengepĂ€ck!). EntblĂ¶ĂŸt ist nun, was darunter war und hinterlĂ€sst ein Schlachtfeld. Als man das Horn hineinstieß (oder bei Vorbereitungen dazu), entstand ein Loch, das man mit eine Menge weißem Harz verschloss. Das ist nun, weiß ausgeblĂŒht, sichtbar.

19.Dez.                                               KlÀrung, Entscheidung und Tausch

Ich habe W. das StĂŒck gezeigt. Er sagt, es sei ‚gut’. WĂ€hrend der Zeremonien werde so etwas auch in der Familie achtungsvoll an Stangen bewegt, ĂŒberhaupt stets respektvoll, mit Hochachtung behandelt. Er hat selbst so ein Schieben bei den YombĂ© gesehen und meint, eine falsche BerĂŒhung und die Figur sei ‚tot’. -Die Figur!?

Die Ortsangabe des HĂ€ndlers bestĂ€tigt meine Vermutung: die Kalebwe, östlich des Lomami auf der Höhe von Sentery, in dem von mir vermuteten Gebiet. Er habe die Figur in Kongolo, im Dorf Kateya gekauft, auf der letzten Reise, vor dem Unfall. In der Google-Map liegt es auf  5 Grad 40 sĂŒdlicher Breite und 26 Grad 2 östlicher LĂ€nge auf  764 m Höhe.

Die verlorene Frisur bestand aus einer MakĂĄken-MĂ€hne. Es sei ihm zu teuer geworden, die mit zu verzollen. Mein Problem mit dem Horns ließ ihn nur auflachen. Er löste es mit HĂ€mmerchen und Meißel. Da die Masse krĂŒmelig und eine sehr harte Mischung mit Baumharz war, ließ ich ihn bald aufhören. Er schien froh darĂŒber zu sein. Der Geruch schien sich bereits zu verringern. Jetzt ist auf jeden Fall im Horn Platz fĂŒr eine Versiegelung. Er scheint nicht zu glauben, dass das Innere ausgehöhlt ist.

songye-vatersohn-r-img_1360Seine Frau lobt die Restaurierung des Termitenschadens an der kleinen Figur. Mit Wa. bin ich stillschweigend einig ĂŒber Über deren QualitĂ€t, Bedeutung, Kraft zuckt W. mit den Achseln. Wir sind uns darin einig. Ich bin froh ĂŒber den Eintausch. Bereits gestern wirkte sie wie eine leere HĂŒlse auf mich, gerade auch nach der LektĂŒre in Alan P. Merriam: An African World – the Basongye Village of Lupupa Ngye. Bloomington & London 1974, pp.120-25. Das Rezept der Leute sei einfach: bloß Wohlverhalten – gegenĂŒber Menschen und Geistern – auch wenn es manchmal lĂ€stig sei.

23.11.2016

Ein Makaken-Kopfputz findet sich in Hersak: Songye pl.115, 37 cm Kalebwe-Region. Bei ihr liest man auch, dass ein unertrĂ€glich stinkender Rattenkadaver in kleiner Dosis eine beliebte ‚Medizin‘ in Makishi ist, ebenso wie ein ganz bestimmtes helles Baumharz.Ich entdecke jetzt an mehreren gehörnten Mankishi dicke Stöpsel, wenn die Hörner mit der Spitze nach unten montiert sind.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert