Mein Besuch bei Jörg von Kitta-Kittel

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10. April 2001

Der Empfang im Mief und Gerede von Gift. Umschau zwschen den Töpfen: „Billig aber giftig, giftig, aber billig!“ Doch lässt die giftige Farbenorgie  Gunthers ( DDR!)  knauserig bemalte Sandreliefs klar hinter sich.

In der Ecke ein Baum, stark in Farbe, kaum domestiziertes Akryl, autonome Oberflächen, Strichmännchen in  autistischem Klima, Schuhe, mehr oder weniger bekleckst, Teppichboden als spontaner Malgrund im Neonsouterain, Monolog – Maler sind schüchtern. Ich formuliere aber auch in  giftigen  Farben.

Entschlossen nutzt du meine Schnodderschnauze für die Athen-Ausstellung „Märchen“. Was für ein Gedicht, selbst wenn es von der Borchers ist! (Borchers, Elisabeth, Frankfurt/M, jene “Eia Wasser regnet  Schlaf“-Lyrikerin aus meiner Schulzeit, bäh!) Ich sage Zen, aber das kommt so wenig an wie der Hinweis auf Yu I-chi. Künstler fürchten den Vergleich, das müsste ich wissen. Also wozu der Sadismus? Das Gedicht ist spitze! Und nun nimmt der Kitta-Kittel es auseinander.  Ich  erhalte eine Privatvorführung, kann am Ende nicht mehr folgen. Bitte ein Buch, aber kein Unikat für reiche Vetteln, sondern  so etwas wie ein TASCHEN-Buch, um meinen existentiellen Rosenkranz  darüber laufen zu lassen, oder noch besser ein Kalender!

DAS GEDICHT MÄRCHEN!

AUF    Drauftreten, ficken, später der Vogel auf Mensch (Wie war das noch mit dem Shiva der nepalesischen Bronze, der auf einem fickenden Paar steht?)

DER   Lass ihn steh`n, komfortabel stehen, Macho!

SUCHE    Erinnerst du noch die Tiefe, einmal in schwarz (innen), einmal in weiß (außen)?  „..ums Auge“, sagst du, da begreife ich`s auch, aber nur zusätzlich.

NACH   Wie ein Blitz: Flaggen sind immer NACH, GLATZEN sowieso.

ETWAS   Wir sind uns darin einig: Eine idyllische Sache! Ist einfach GEMÜT-licher als etwa  nichts

SCHÖNEM  Da kommst du mit der Mode

WIE   Die geilen Schwestern in hitzIger Konkurrenz!

SCHNEE   Wie nah sind wir am Märchen!

GING  Geflügelter, flIegend mit entrücktem Gesicht !

ICH    Zielscheibe, Jörg und zeige den „Vogel“, mit mächtigem  Kinn versehener  Mann!

LEER   Wie hast du das hingekriegt, außer mit mutwilligem Abbruch?   Leer!

AUS   Wir sind keine Katholiken, aber schwarzweiß darf es sein, und Posen dürfen zusammenbrechen

BIS Dein Apfelkrotzen überzeugt – da ist die Lautschrft in ihrer Dummheit präsent, oder Tumbheit wie „Piss“ und  die Endphase jeder Verspeisung;  doch ist dir auch jene raffiniert  räumliche Nato-draht-Stahlbetonkontruktion  zugeflogen ( Denk nur nicht, es sei dein Verdienst!)

ES   Auf dem Rücken, auf allen Vieren oder ganz dinglich

DES  Du willst es dir ja schwer machen mit den kleinen Beziehungswörtern; Einer ist DES andern …. oder so!

WEGS   Da bewegte sich doch was, oder?

ZU  Ist zu, aber in Erinnerung bleibt die Marmelade! Die will geöffnet werden! Ich will sie offen haben und genießen.  Sag, wie giftig ist diese Farbe? Check doch mal die Farbenlehre des Göthe-Instituts in Athen!

SCHNEIEN  Was schneit uns alles herein;  wem alles ist Schwarzer Schnee beschieden?

BEGANN   Und mir fällt nicht mehr ein, womit dein Zyklus (Sorry, Mann!) begann!

 

Die Notwendigkeit, fremde, sogar schon gedruckte, und darum verbindliche Sätze zu destruieren, bis die Worte wie Knorpel und Knöchlein ausgespuckt werden; ich ahne, wie dies dir überhaupt erst die Aufgabe lösbar macht.

Du zeigtest mr auch deine Groß-viel-Moos-Bilder. Und dein Argument der nivellierenden Bildschirme ist akzeptabel;  und doch  für mich sind die angeblich als Reaktion darauf gepinselten Großformate ausgesprochen „normal“. Welche Kraft steckt aber in deinen kleinen Bäumen. Und in diesen Akrylfguren auf Papier, die lange vor der Reduktion per Linolschnitt grafisch sind.

Ein Galerist, in Mannheim, der dich ärgerte, bestellte nur Landschaften. Warum brauchen wir die wohl? Bitte die alte Landschaft nicht wieder übermalen!  Auch wenn  sie nicht  kaufe.

Ich will dich beim Arbeiten, in der Folge der Arbeiten erleben, nicht einen dieser gottlosen Fetische erwerben wie jeder Depp. Eigentlich möchte ich auf einem Kalender die Botschaften absaugen und weiterblättern. Der Linolschnitt vom Paar funktioniert schon in unserem Flur, und drei Postkarten sind bereits unterwegs. Du hast so viel Material. Ich stelle mir gerade vor, der erste Kunde deines künftigen Ausleih-Service zu sein, ganz beim Gebrauchswert,  frei von den Zwängen des Investors.

Das erste Treffen nach vierzig Jahren war genial und,  wenn die Folgen eines Scheiterns nicht so banal gewesen wären, halsbrecherisch. Doch da waren ja Scholzes starke Empfehlung, Ludwigs (Meidner) guter Geist sowie Kaffee und Zigaretten. Wir sehen uns nach Kreta, und du wirst mir sagen können, ob wirklich alle Kreter lügen! Der Knopf der Wahrheit ist wertvoller als das Gewand der Lüge.

Es gibt eine Fortsetzung unter:   Texte zur Malerei von Kitta-Kittel 2008/9

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