Leele – weibliche Maske aus dem Umkreis der Kuba (Skizze*)

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* Versuch, weniger Aufwand zu treiben

11.4.2026 erster Eindruck

 

 

Erwerb am 11. April 2026:

Ich nahm die Maske ohne Zögern vom Markttisch. Und daran gab es lange nichts zu (be)schreiben, Sie auf einen kleinen Ständer zu setzen, mehr war nicht nötig. Die dürre Stammesbezeichnung (welche?) bot nur einen Ausgangspunkt. Und jetzt? Irgendwo im ‚Reich‘ der Kuba, egal wo beginnen, die Pende am Kasai eingeschlossen. Jedenfalls passen plötzlich Ausstrahlung und Lektüre  zusammen :  Francois Neyt: Arts Traditionels et Histoire au Zaire“ Université Catholique de Louvain 1981.

Neyt’s  charmantes Buch fordert von mir eine Abbitte (Blog Petit LINK): die beseelten Beschreibungen!  Ästhetischer Sinn, ja Bewunderung ist nicht böse oder dumm. Der entspannte Kenntnisreichtum, Vertrautheit mit dem Milieu. Die erzählende Sprache ist fern jeder sterilen Abstraktion. Gelegentlich die direkte Anrede der Leser!

Schließlich die Zusammenarbeit mit dem hochgeschätzten Historiker Jan Vansina. Neyts differenzierende Schilderung der Beziehungen verwandter Völker – die Beispiele etwa der Leele  – wecken meine Aufmerksamkeit für die Regionalkarte zwischen dem Sankurufluss im Norden und dem Kasai im Westen (Leele, Pende).

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Mir war das Image der „Kuba“ seit der Himmelheber-Story in Rietbergs Katalog „Fiction Kongo“ (Blog LINK) verdorben, von der Hektik und Tragik um die auch in der Kolonialzeit prominenten „Kuba“.

20.4.2019

 

Idee: Wenn „die heitere Schönheit inspiriert wäre von Ngady a mwaash (Neyt p.158 zu fig. VIII 6), der Schwester von Whoot, eines Gründervaters und eine der drei dynastischen Masken der Bushoong, und wenn sie auch bei Nachbarn getanzt wird, könnte sie diese „Schwester“ darstellen.

Beschreibung

11.4.26

„Kopf“ – eine kraftvolle kleine Vollplastik mit einer intakten Haube. Eine massive Zopffrisur aus Holz umrahmt das ausdrucksvolle fast schon kindliche Gesicht.

Neyt schrieb: Die Leele lieben Gesichter. Das fällt mir wieder ein. Und wie stark muss ich mich verlassenen auf die kenntnisreiche Kommentierungen des erfahrenen Gelehrten!

Idealisierter Realismus in Reinform, Porträtähnlichkeit suggeriert, nicht Karikatur. Typ, Stil und Porträt sind für mich noch ungeschieden.

11.4.2026

Die starke Nase, ein Tubus ohne herausgearbeitete Nasenflügel, typisch „Kuba“, sitzt aber hoch im Gesicht und suggeriert die kindliche Rundung der Wangen- und Kinnpartie. Auch das geschürzte Mündchen und die eher kecke Stirn – über den tief sitzenden Bohnenaugen mit wunderschön gebogenen langen Augenbrauen – sehen nicht ‚erwachsen‘ aus und erst recht nicht ernst oder Ehrfurcht gebietend.

 

Die Frisur

Die Löcher sind für Federkiele? Verdeckt sind auffällig abgeschrägte Bohrungen nach hinten zu erkennen, von vorn zeigen sechs Bohrungen kleine Löcher, nur das mittlere siebte ist auch vorn abgeschrägt .

Ich konsultiere  „Hair in African Art and Culture“ (Roy Sieber & Herreman, Prestel 2000) wegen der dicken seitlichen Zöpfe. Aber Achtung: Es geht um Beispiele aus einem ganzen Kontinent und um ephemere Mode und individuelle Schöpfungen.

Sieber & H. Hair p.51 Nguni River Gabun, cat.53 H.31cm

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Das vordere hölzerne Feld der Frisur ist in der Mitte 10cm tief. Es ist mehr als einen Zentimeter breit umrandet. Daran schließen sich die spitz zulaufenden Enden der Zöpfe an, mittig akzentuiert von angedeuteten breiten Knoten. Auf dem hinteren Rand ist mit einem Raffia-Zopf die stabile textile Raffia-Kappe  angebunden. Ebenso kleine Bohrungen setzen sich bis in die Zopfenden fort, finden sich auch entlang des Kinns, wohl um die Vorderseite des Maskenkleids (?) zu befestigen.

Die Kappe ist viermal mit zu Kreuzen verknüpften sehr großen Kauris geschmückt, diese sind stark verschmutzt durch die Lagerung. Die schädelnahe, aber lockere Kappenform wird hinten durch gut sichtbare Nähte aus Raffiakordeln erreicht, das auch die Ränder wie ein Kopftuch aussehen lässt.

 

Zustand und Farbfassung

Die Maske ist solide (nur ein kleiner Riss), aber dünn geschnitzt, sogar ein Loch an der rechten und eins an der linken Schläfe, gelegentlich der Anpassung an das Gesicht/Wangenknochen des Tänzers?

Bohrungen existieren in zwei Größen. Die Oberflächen sind geglättet, aber nicht poliert, Hiebspuren erkennbar, kleine Fehler und Arbeitsspuren wurden toleriert, Aufmerksamkeit auf die Rundungen und Flächen gerichtet.

Außen wie innen. Die Maske wurde gebraucht und gepflegt, angefasst an den Zöpfen.

Die durchgehende Färbung des Holzes ist dunkelbraun. Durch überstrichene dicke Abplatzungen mehrerer Schichten auf dem leicht glänzenden Gesicht wirkt es fleckig aus der Nähe. Gesamtwirkung, Fernwirkung der Plastizität ist davon überhaupt nicht tangiert.

Leichter Harzgeruch im Inneren.

Zu den Spuren von ROT und WEISS:

Rot im Inneren vor allem an der Stirn und in den Kanten, außen in den Rinnen der „Frisur“, auf den Wangen schwach und in den Rinnen an der linken Nasenwurze –  aber hat dort die Bemalung gewechselt? –  und an beiden Bohnenaugen unterschiedlich schwach auch Weiss!

 

Die formalen Referenzbeispiele bei Neyt, welche Vielfalt und gegenseitige Einflüsse hervorhebt und teilweise beschreibt, erlauben ‚stammesübergreifendes‘ Vorgehen. Die geringe Kenntnis der Vielfalt ist aber schon einschüchternd.

An den letzten Markttischen von Willy Lufudu schufen unterschiedliche Benennungen und Diskussionen darüber – auch das generalisierende „Kuba“ – nur Unsicherheit. Jetzt habe ich mich freigeschwommen. Erst der Deutungs-Kontext macht Namen sinnvoll., auch Neyts schon überpräzise Provenienzen.

 

 

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