Yaka Beschneidungsmaske ndeemba* – Körper statt Gesicht (Skizze)

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* „kholuka“ schien mir nach erster Lektüre die plausible Erklärung, aber sie passte nicht zur Ausstrahlung der kleinen Figur. Eine zweite Referenzabbildung bietet wohl die bessere Erklärung!

Die erworbene Knabenmaske

 

 

 

 

 

 

 

Erster Eindruck: knabenhafte Ritualfigur in einem gewaltigen Raffiabusch. Der kleine jungenhaft aufrechte Körper wirkt ‚unentschieden‘ zwischen ausgesetzt, exponiert oder stolz, sein leicht geöffneter dünnlippiger Mund könnte Schmerz signalisieren und erinnert an die entsprechende Pfähle, die den Beschneidungsplatz schützend bevölkern. Die Bohnenaugen sind halb geschlossen, die Ohren groß und abstehend. Die Nase wird unten kraftvoll breit mit gebohrten Nasenlöchern, aber nicht phallisch.

Der Knabe spreizt die Beine extrem weit – die nach außen gerichteten Füße verschwinden fast unter dem breiten Raffiastroh – während er mit den Händen das Geschlecht freilegt,  Der offensichtlich beschnittene Schwanz hängt in beachtlicher Größe nach unten. Er erinnert mich an hölzerne Exemplare, mit denen auf Hans Himmelhebers Feldfotos von 1938 Knaben posieren. Bei der berühmten Ndegese-Ahnenfigur in Unrivalled Art p.38 akzentuiert eine ähnliche Geste procreative powers of a land chief.  In beiden Fällen geht es um das Versprechen der Fruchtbarkeit.

 Den Gesamteindruck der Maske bestimmen eine überdimensionale dreiteilige Kappe, aber ist es auch hier das woven raffia head-peace of land-chiefs (pl.8)? Die Kappenform überwölbt lose den Kopf: eine gedrehte Kordel bildet ihre Begrenzung – das war anderswo schon eleganter gelöst. Das Raffia-Webgeflecht der Kappe ist aus mehreren kleinen Stücken zusammengeflickt und mit roten, braunen, (ehemals) weißen Streifen bemalt, teilweise in Form von Blattadern, gelben oder roten, bemalt. Ich lese: Geschnitzt von erfahrenen Handwerkern, wird die Maske vom Initianden bemalt.

Die Figur ist an der Frontseite in die entsprechend solide tragende Platte geschnitzt, welche unten in einen Griff mündet. Was bedeutet der Griff?  Auf einem Feldfoto halten zwei kleine Initianden ihre Masken.

 Referenzmaske Eins

Arthur P. Bourgeois stellte 1984 in seinem Klassiker: ART OF THE YAKA AND SUKU ( frz. Meudon  A.et F.Chaffin, Fondation Dapper, fotokopiert aus Af III 690  Frobenius Bibl.) mit No.171 ein in ihrer Körpersprache selbstbewusst und stark wirkendes weibliches Pendant vor und erläuterte:  „Kholuka – eine der Hauptmasken des Beschneidungslagers der nördlichen Yaka und zugleich eine der populärsten Masken“.

Sie ist ist 65,5cm hoch, mein Knabe dagegen nur 50cm.

Bourgeois-Art-Yaka-and-Suku-p.184-no.171     (Bitte anklicken zum Vergrößern!)

Der Gesichtsausdruck ist – soweit in der Fotokopie erkennbar – wacher mit offenen Augen und aggressiver mit doppelten Zahnreihen; die Figur scheint im Verhältnis größer, besteht, so lesen wir, aber  aus ausgestopftem Raffiagewebe. Oben drängt der (hölzerne) Kopf die die große Kappe nach hinten. Die ist von fünf verbundenen Antennen gekrönt .

Die spitzen Brüste und der Nabel sind plastisch hervorgehoben und geschwärzt. Die Vulva ist offen wie ein Scheunentor; die kräftigen Arme und Hände wirken proportionaler und liegen entspannt auf den Oberschenkeln, die Beine sind bequem und natürlich offen gestellt.

Dass Bourgeois die weibliche Maske als Kholuka einordnet, macht mir mehr Sinn. Aber da ist ja noch die Prestige-Kappe!

Ihre Antennen-Konstruktion über nur einer Scheibe soll zwar eher zu einer Maske von bescheidenem Rang passen, der ndeema (ill. 162-164), welche nach Bourgeois paarweise auftritt, doch im Buch „Yaka“ p.32  sieht er wieder diese bescheidene Konstruktion durch eine massive facial construction“ „im Rang aufgewertet“ (to outrank) p.122“ – Das muss wohl auch für die Frauen-Kholuka gelten.

 

 

Referenzmaske Zwei

Bernhard Gardi stellte  in „ZAIRE MASKEN FIGUREN – Führer durch das Völkerkundemuseum Basel“ 1986 diese „Beschneidungsmaske ndeemba“, die den Moment der Geburt darstellt. Die Maske ist auch etwa 50cm groß, der Frauenkörper zwischen üppigem Raffiabast und unter einem mächtigen Kopfbedeckung erscheint zierlich wie der Knabe. Man kann sich vorstellen, dass sie die Partnerin bei einem paarweisen Auftritt abgeben könnte.

Stand 13.8.2026

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