Die Story

Z.S.Strother: Inventing Masks… 1998: Abb. 75 „The Kipoko mask supervising a ritual during Chief Kende’s boys‘ initiation to the men’s fraternity. Njindji, Zaire 1987
Dieser Maske hat Zoé Strother eine Reportage in in ihrer Studie gewidmet, für die sie auch meine Sympathie gewonnen hat. Ich empfehle dringend diesen LINK.
Ich habe ihre Reportage übersetzt und hochgeladen. Als ich im Juli vergangenen Jahres einem realem Exemplar auf dem Tisch meines Händlers begegnete, griff ich zu.
Ein paar Wochen später gab ich einer starken Versuchung am Stand von Adam nach und tauschte die Maske gegen eine voll ausgearbeitete „Kipoko“ mit allen Anzeichen von physischem Alter und Authentizität, mit einer kleinen Einschränkung : der für eine Stülpmaske viel zu kleine Innenraum funktioniert nicht als Helm.
Mich trieb mich die Aussicht, eine Entdeckung in der Vergangenheit der „Kipoko“ zu machen, über die engen zeitlichen und ethnischen Schranken der Feldstudie hinaus zu gelangen. Zum Beispiel in Richtung „Kuba“. Die Pende am Kwilu teilen sich ja den Siedlungsraum mit den westlichsten Kuba, wie ich auf einer mir bisher nicht bekannten Siedlungskarte sehe. Karten zeigen entweder die eine oder die andere Ethnie. Ich fragte herum: Zoé Strother und Julien Volper kannten auf Nachfrage den Typ nicht. Und es sind auch frühere ganz konventionelle Exemplare dokumentiert.
Mir missfiel die Neuerwerbung schließlich, auch deshalb, weil sie zu Zoés Story überhaupt nicht passte. Und ästhetisch? Sie verlor allmählich den Rest an ‚Leben‘ und wurde immer mehr zur ‚Antiquität‘. Unter berühmten Königsmasken der „Kuba“ kenne ich auch so überladene, den Kopf des Träger quasi erdrückende Typen, die bereits vor hundert Jahren für westliche Kunden Objekte der Begierde waren, nachzulesen in „Fiktion Kongo“ (Rietberg 2019) (zum Kontext der LINK).
Der Rücktausch machte logistisch noch großen Aufwand, da die Außenmaße beider Objekte die größte Fahrradtasche sprengen.
Heute die Masken von ihrer materiellen Seite
Nach dem Abenteuer ist das Aufsuchen und Beschreiben der Maske und der Vergleichsstücken die reine Erholung.
Was meinte Adam eigentlich, als er beim ersten Tausch keine Probleme machte und sogar bemerkte, die weggegebene Maske sei „auch gut“.
Ich genieße beim Aufsetzen, dass ich durch die Augenschlitze hinreichend sehen kann und sie ‚sitzt‘. Sie hat Gewicht, der Körper hat ein ruhiges großzügiges Volumen. Die Stirn ist hoch, zwei kurze Linien könnte Stirnfalten darstellen. Die spitz ausrasierten Ecken der Frisur – wie bei den klassischen Kuba – sind ebenso schnittig wie die eleganten breiten Augenbrauen.
Der geschnitzte Knoten auf der Schädelmitte ist durchbohrt. Wurde daran ein Beutel mit Federn befestigt und bei der Aufbewahrung ein Seil befestigt?
Die hervorstechenden Ohren verdienten ein eigenes Kapitel. Ob die Erklärung, der Tragus solle für das ‚Überhören‘ banaler oder kränkender Bemerkungen stehen (Strother), wirklich allgemeine Gültigkeit beanspruchen kann?
Die Maske ist sorgfältig gearbeitet, besonders die gebogenen Kanten sind präzise gezogen, ohne aufdringlich zu sein. Das kleine Luftloch – oder für ein Beißstängelchen gebohrt? – ersetzt den ‚fehlenden‘ sehr kleinen Mund voll und ganz.
Da ich sie selber am glänzenden Rüssel anfasse und bewege, ist dessen auffälliger Glanz nur attraktiv.
Der Zustand ist stabil, ein paar dünne Schwundrisse normal, die Oberflächen und ihre sind Färbungen frisch. Die Verteilung roter und schwarzer Flächen wirkt harmonisch, auch der mit kleinen weißen Dreiecken unterbrochenen unteren Rand und im hochgezogenen Nacken.
Da die gewöhnlichen Abbildungen in der Literatur den Hinterkopf nicht zeigen, bin ich erstaunt über das breit ausgeschnittene Rechteck im Nacken, das wohl das Aufsetzen und Tragen bequemer macht. An den neun an seinem Rand durchgeschlagenen Löcher dienten wohl der Befestigung des Maskenkleids. Die Höhe des Helms ist 31 cm
Masken des gleichen Typs
Zoé Strother in “Pende” p.104 no.8 Kipoko, vor 1946 von T.Fourche gesammelt, Tervuren H 36cm Breite 27cm
Beginnen wir mit einer Maske der vierziger Jahre, die schon alle Merkmale des gängigen Typs zeigt, aber: die ‚Geheimratsecken‘ sind plump gegenüber den eleganten der Kuba, die Nase muss wohl noch wachsen und sich mit den betonten Augenbrauen verbinden, der Mund ist sehr klein, aber halb realistisch zugespitzt, ebenso wie die dünnen Ohrmuscheln schlicht sind ohne Schmucknarben. Über die Wange zieht sich eine lange Narbe, aus der wohl später ein separater Absatz im Kragen entstand, dafür nehmen die kleinen Dreiecke drei Reihen in Anspruch und werden darunter von einer einfarbigen Schürze begrenzt. Der im Foto kaum sichtbare Maskenrücken könnte einen Einschnitt enthalten, der an seinem oberen Rand mit Dreiecken dekoriert ist. Die Maske hat jedenfalls keinen durch waagrechte Kante begrenzten Hinterkopf. Die Spitze der Frisur hat ein durchgehendes Loch, aber auch kleine Löcher, für Federn?
Cornet – Survey of Zairian Art – The Bronson Collection North Carolina 1978 Nr.73 – Höhe 33 cm Pende Kasai
Die Kipoko entspricht dem gängigen Typ mit allen Eigentümlichkeiten, sogar mehr: hat Stirn und Nase mit Polsternägeln geschmückt, zusätzlichen Dreiecken auf der Zwischenstufe, vor den schmalen, aber auffälligen Ohren zieht sich eine lange Strähne nach unten; unter dem kleinen Mundloch ersteckt sich eine weiße Zunge (?) nach vorn. Aufgefrischte rote und weiße Farben sind ebenso wenig störend wie der durch Gebrauch glänzende Kragenrand.
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Treasures from the Africa Museum, p.112 Tf. 80 .Kommentar p. 312 (Z.S.Strother) h 28cm w 29cm, registriert 1953, geschnitzt von Ngolomi (Kindamba Village).
Der Kopf ist weniger stilisiert, die Ecken der Frisur in seinen Rundungen natürlicher, ebenso die Proportionen, das Gesicht mit den breiten Augenschlitzen, einem Nasenrücken, der erst nach einem Drittel die Nasenspitze abknickt und weiß hervorgehoben ist, aber überhaupt abgesenkt ist und mit einem sensiblen kleinen Mund eine Einheit bildet. All das verleiht dem Gesicht einen – milden und verinnerlichten – Ausdruck verleiht, der meinem durchgestylten Exemplar abgeht.
Die weißen Akzentuierungen betonen den Ausdruck, er wird verstärkt durch rechtwinklige Schmucknarben, die an die berühmten ‚Tränen‘ denken lassen.
Strother bezieht mit anderen Feldforschern den lang gezogenen Tragus im Ohr vor der zarten weißen Muschel auf das verbreitete Sprichwort „Der chief trägt eine Ladung Palmzweige auf den Schultern“, damit er durch ihr Rascheln kleine unbedeutende Geräusche überhören kann; „Kipokos Ohren sind etwas geschlossen. Er hört, aber antwortet nicht auf alles, was leichthin oder in kränkender Absicht gesagt wird. Doch die betonten Ohren wie die Augen und die großen vorgestreckten Nasenlöcher machen seine Aufmerksamkeit und Wachsamkeit augenfällig.
Die flache breit überstehende Bodenplatte ist mit zwei Reihen schwarzer Rhomben auf weißem Grund geschmückt. Sie schafft damit ein harmonisches Gegengewicht zum Volumen des Kopfes.
(wird fortgesetzt)



