Den Beitrag vom 10. August 2026 habe ich heute durch einen zweiten ergänzt. Die Frage nach dem Kontext der Maske war seit Juli 2026 Treibstoff dafür. (LINK)
Erwerb am 11. April 2026:
Ich nahm die Maske ohne Zögern vom Markttisch. Und daran gab es lange nichts zu (be)schreiben, Sie auf einen kleinen Ständer zu setzen, mehr war nicht nötig. Die dürre Stammesbezeichnung (welche?) bot nur einen Ausgangspunkt. Und jetzt? Irgendwo im ‚Reich‘ der Kuba, egal wo beginnen, die Pende am Kasai eingeschlossen. Jedenfalls passen plötzlich Ausstrahlung und Lektüre zusammen : Francois Neyt: Arts Traditionels et Histoire au Zaire“ Université Catholique de Louvain 1981.
Neyt’s charmantes Buch fordert von mir eine Abbitte (Blog Petit LINK): Die beseelten Beschreibungen! Ästhetischer Sinn, ja Bewunderung ist nicht böse oder dumm. Der entspannte Kenntnisreichtum, die Vertrautheit Neyts mit dem Milieu, seine erzählende Sprache sind fern jeder sterilen Abstraktion. Gelegentlich die direkte Anrede der Leser! Neyts differenzierende Schilderung der Beziehungen verwandter Völker – Beispiele wie der Leele – wecken meine Aufmerksamkeit für Jan Vansinas Regionalkarte zwischen dem Sankurufluss im Norden und dem Kasai im Westen (Leele, Pende).
Mir war das Prestige der „Kuba“ nicht erst seit der Himmelheber-Story in Rietbergs Katalog „Fiction Kongo“ (Blog LINK) verdächtig, wo ihre geschickte „Kunst“-Strategie in der Kolonialzeit thematisiert wird.
Neue Idee: Wenn „die heitere Schönheit inspiriert wäre von Ngady a mwaash (Neyt p.158 zu fig. VIII 6), der Schwester von Whoot, eines Gründervaters und eine der drei dynastischen Masken der Bushoong, und wenn sie auch bei Nachbarn getanzt wurde, könnte sie diese „Schwester“ darstellen.
Beschreibung
„Kopf“ – eine kraftvolle kleine Vollplastik mit einer intakten Haube. Eine massive Zopffrisur aus Holz umrahmt das ausdrucksvolle fast schon kindliche Gesicht.
Neyt schrieb: Die Leele lieben Gesichter. Das fällt mir wieder ein. Und wie stark muss ich mich verlassen auf die kenntnisreiche Kommentierungen des erfahrenen Gelehrten!
Idealisierter Realismus in Reinform, Porträtähnlichkeit suggeriert, nicht Karikatur. Maskentyp, Stil und Porträtähnlichkeit sind für mich noch ungeschieden.
Der breite Bogen der Augenbrauen erinnert vor allem an Maskentypen der Pende an Kwilu und Kasai! Die breite Nase, ein Tubus ohne herausgearbeitete Nasenflügel, sitzt hoch im vollplastischen Gesicht und suggeriert die kindliche Rundung der Wangen- und Kinnpartie. Auch das geschürzte Mündchen und die eher kecke Stirn – über den tief sitzenden Bohnenaugen mit den wunderschön gebogenen langen Augenbrauen – sehen nicht ‚erwachsen‘ aus und erst recht nicht ernst oder Ehrfurcht gebietend.
Gemeinsames in unterschiedlichen Maskengesichtern suchen und finden!
Die Leele sind auch bekannt für ihre Palmwein-Tassen, manchmal in der Form von Köpfen. An diesem Exemplar in Cornet: „A Survey of Zairien Art – the Bronson Collection“, North Caolina 1978, p.236 no.130 fallen mir verwandte Gesichtszüge auf.
Zuerst fallen mir die die plastisch geschnitzten ausdrucksvollen Bohnenaugen auf, eingebettet zwischen dem Bogen der Augenbrauen und dem zarten Wangenbein. Die Nase ist bei aller Eleganz groß zu nennen. Der Mund wirkt mit seinen schmalen Lippen lebendig. Die klare eiförmige Umrandung des Gesichts mit hohem Haaransatz und einem Kinn, das sich in die Harmonie fügt, vollendet eine erwachsene weibliche Schönheit.
Eine männliche Ahnenmaske der Leele aus Neyth: Arts Traditionnels et Histoire au Zaîre Fig. VIII. 24 p.181: Masque leele de Shongambien, secteur de Mapangu . 28cm
Zustand und Farbfassung der Maske
Die Maske ist solide (nur ein kleiner Riss), aber dünn geschnitzt, hat sogar ein Loch an der rechten und eins an der linken Schläfe, gelegentlich der Anpassung an das Gesicht/Wangenknochen des Tänzers?
Bohrungen existieren in zwei Größen. Die Oberflächen sind geglättet, aber nicht poliert, Hiebspuren erkennbar, kleine Fehler und Arbeitsspuren wurden toleriert, Aufmerksamkeit auf die Rundungen und Flächen gerichtet.
Außen wie innen. Die Maske wurde gebraucht und gepflegt, angefasst an den Zöpfen.
Die durchgehende Färbung des Holzes ist dunkelbraun. Durch überstrichene dicke Abplatzungen mehrerer Schichten auf dem leicht glänzenden Gesicht wirkt es fleckig aus der Nähe. Gesamtwirkung, Fernwirkung der Plastizität ist davon überhaupt nicht tangiert.
Ein leichter Harzgeruch im Inneren wird immer schwächer (Okt.26)
Spuren von ROT und WEISS:
Rot im Inneren vor allem an der Stirn und in den Kanten, außen in den Rinnen der „Frisur“, auf den Wangen schwach und in den Rinnen an der linken Nasenwurze – aber hat dort die Bemalung gewechselt? – und an beiden Bohnenaugen unterschiedlich schwach auch Weiss!
Frisur und Kappe
Die Löcher sind für Federkiele? Verdeckt sind auffällig abgeschrägte Bohrungen nach hinten zu erkennen, von vorn zeigen sechs Bohrungen kleine Löcher, nur das mittlere siebte ist auch vorn abgeschrägt .
Das vordere hölzerne Feld der Frisur ist in der Mitte 10cm tief. Es ist mehr als einen Zentimeter breit umrandet. Daran schließen sich die spitz zulaufenden Enden der Zöpfe an, mittig akzentuiert von angedeuteten breiten Knoten. Auf dem hinteren Rand ist mit einem Raffia-Zopf die stabile textile Raffia-Kappe angebunden. Ebenso kleine Bohrungen setzen sich bis in die Zopfenden fort, finden sich auch entlang des Kinns, wohl um die Vorderseite des Maskenkleids (?) zu befestigen.
Die Kappe ist viermal mit zu Kreuzen verknüpften sehr großen Kauris geschmückt, diese sind stark verschmutzt durch die Lagerung. Die schädelnahe, aber lockere Kappenform wird hinten durch gut sichtbare Nähte aus Raffiakordeln erreicht, das auch die Ränder wie ein Kopftuch aussehen lässt.
Ich konsultiere „Hair in African Art and Culture“ (Roy Sieber & Herreman, Prestel 2000) wegen der dicken seitlichen Zöpfe. Aber Achtung: Es sind Beispiele quer durch einen ganzen Kontinent und um ephemere Mode und individuelle Schöpfungen.










