Resumé des Jour Fixe am 27.6. 2013

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nicht abgeschickter Entwurf (Sommerferien) 

Liebe Teilnehmer,

Mitstreiter war im letzten Schreiben scherzhaft gemeint gewesen. Denn Resonanz auf die Positionen zur „Erziehung“ habe ich bisher keine erhalten, nur mein Nachbar sprach mich darauf an, dass er sie nicht gelesen habe, weil er keine Zeit für den Vergleich mit dem Original gehabt hätte.

Deren Lektüre erwies sich auch als überflüssig, da Thomas Regehlys Tagesordnung sich auf das Anfangskapitel von  „Universitätsphilosophie“ beschränkte, nachdem erst einmal das Thema „Lernen lernen“ nachgeholt worden war.

Lernen lernen, ergänzt um „das Schlechte verlernen“, führte uns vor die Schwierigkeit, festzustellen, was das Schlechte denn überhaupt sei. Schopenhauers Antwort: erst im Buch der Welt lesen für die Anschauung und überhaupt: Selbsttätigkeit zu einer Selbstbildung.

Ich wieder war einmal mit dem Kreisen in idealen Sphären nicht zufrieden, brachte akademische Berufsbildung einerseits und das Problem charismatischer oder autoritärer Lehrer, wie auch Schopenhauer – nicht nur Fichte oder Hegel – einer geworden wäre, ins Spiel. Wenn ich recht verstanden habe, hat R. mir den Ausdruck Luxusprogramm als Bilanz zugestanden.

R. hob hervor, dass Schopenhauer kaum verschlüsselt von sich selber spricht mit der Formulierung: „mancher junge und fähige Kopf mit ihr (Philosophie) bekannt gemacht und zu ihrem Studio erweckt wird“ (149). Mir scheint, dass er das in diesen Schriften ständig tut, und dass das eine der harmlosen Gelegenheiten war. Andere ließen sich allerdings in die Betrachtung nur von außen – notfalls durch Zwischenruf – einbringen. Kurz: Schopenhauer hat in den entsprechenden Kapiteln seine eigene Situation zum Maß der Dinge gemacht, etwa in der Entgegensetzung: für oder von der Philosophie leben – wobei er tunlichst sein Privileg des Kapitalvermögens unausgesprochen ließ.

Zusammen mit seinem derben polemischen Rundumschlag und den hemmungslosen Verunglimpfungen Hegels hatte mir das bereits die Lektüre verdorben. R. sagte, Alfred Schmitt habe in „Idee und Weltwille“ sachlich dargelegt, welche Rolle Schopenhauer im Chor der Hegel-Kritiker spielte. Das mag Philosophiehistoriker freuen, für die hat der Sechzigjährige Jahrzehnte nach Hegels Tod aber gar nicht geschrieben. (Siehe Text „In Mediation“)

Aus dem Abstand wird mir deutlich, was meine Beiträge zum Jour Fixe auf die Dauer so anstrengend und fruchtlos machte: Schopenhauers Selbststilisierung behält immer das letzte Wort, als ob er mitten unter uns stünde und durch distanzierte Betrachtung aus wechselnder Perspektive – historisch, sozialwissenschaftlich oder praxisbezogen – beleidigt würde.

Zwar wird von allen Seiten zur Lektüre von Originaltexten aufgerufen, dabei scheint aber  eine Alice Miller formulierte Verhaltensregel spontan eingehalten zu werden: Du sollst nicht merken. Link: http://www.freitag.de/autoren/lee-berthine/alice-miller-du-sollst-nicht-merken

So gerät etwa Schopenhauers Aufforderung Selber denken! zur Fahne, die man mit ihm gegen allerlei längst verblichene Feinde und andere Gespenster schwingen kann, ohne daraus für sich Konsequenzen zu ziehen.

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