“Tausend Augen, aber kein Blickkontakt ” im “Quai Branly” 2019

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 Der Berliner Tagesspiegel veröffentlichte am 22.01.2019 die Impressionen seiner Ressortchefin Kultur im Musée Quai Branly in Paris

Afrikanische Kunst in Paris Tausend Augen, aber kein Blickkontakt 

Frankreich bestimmt sein Verhältnis zu afrikanischer Kunst neu. Was merkt man davon im Museum? Ein Besuch im Pariser Musée du Quai Branly. Christiane Peitz      LINK

Und hier das Schlüsselzitat einer mit  Zeitgeist gesättigten Stippvisite einer Feuilleton-Chefin aus Deutschland, wahre Restitutionspoesie. Würden das Männer hinbekommen?

In dem von Jean Nouvel rund um die Artefakte geschaffenen Museumsbau ist jedes Werk ein von Aura umgebenes Kleinod, Kunst höchsten Ranges. Die Ritualkunst, magische Objekte, ist diskret in Nischen und hinter Vorhängen platziert – aus Ehrfurcht vor den Göttern der anderen. Respekt, Gleichrangigkeit, das war die Idee, als das Haus 2006 eröffnet wurde. Aber sie funktioniert nicht mehr. Denn Augenhöhe verlangt auch Blickkontakt, das Hin und Her der Geschichten, die ein Kunstwerk mit sich bringt. Vielleicht schauen sie einen deshalb so eindringlich an – weil der Westen dieses Hin und Her so lange verweigerte. Weil wir blind sind auf einem Auge, wie Savoy sagt. Schön sieht es hier aus – und schrecklich zugleich. Weil die Aura auch die Aura des Schweigens ist, der Verdrängung. Kein Hinweis findet sich zum Beispiel bei den berühmten Benin-Bronzen. Sie stehen einfach da in ihrer Vitrine, ohne Kommentar. Gehören sie zu denen, die zurückgegeben werden? Sind es andere, rechtmäßig erworbene – wobei Savoy betonte, dass kaum etwas in Frankreichs Museen, fair, also zu einem angemessenen Preis den Besitzer gewechselt hat?”

 

Meine Email im Februar 2019:

Sehr geehrte Frau Peitz, ich habe mich in Ihrem twitter-account umgesehen – „Kultur” ist Ihr Reservat – aber leider twittere ich nicht.

Ihre Stippvisite im Branly hatte ein klares Thema, doch das hat zu viel mit Befindlichkeit zu tun, und mit political correctness („Siehst du, jetzt hast du ein gutes Gewissen“) und mit Anpassungsdruck, zu dem Sie mit leichter Hand beitragen wollen. Glauben Sie, dass mit diesen exotischen Kunstwerken „Blickkontakt“ die Lösung wäre oder auch nur möglich wäre?

Mir fällt dazu der heikle  Moment an einem Reisezug ein, wenn man nur noch auf das Abfahrtssignal wartet. Wohin sähen Sie denn diese Objekte am liebsten adressiert und expediert? In welche Phantasiewelt? Wäre Ihr Ferngewissen („Fremdschämen“) dann beruhigt („Aus den Augen, aus dem Sinn“)? Die verquere Logik deutscher Spendenkultur gehört aber einfach nicht in diesen Kontext. Warum hört man nicht auf vernünftige Fachleute: Ethnologen, Kunsthistoriker, Afrikanisten, Museumsleute wie K.H.Kohl, Fritz Kramer und manche anderen ?

Die von Ihnen aufgefangenen Blicke im Quai Branly waren mir 2009, also lange vor dem Restitutionsthema, unheimlich und ich schrieb dazu in satirischer Zuspitzung einen Text, der die Tiefe des historischen Grabens zwischen den Nachfahren der Kolonisierten und denen der Aggressoren spürbar machen sollte.  Denn ‚Kunstraub’ war (und ist) der geringste Teil des kolonialistischen Verbrechens. Mit freundlichem Gruß ….

Das Original als illustrierter Blog: „Afrika in Paris : Louvre und Quai Branly“Link

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