BERLIN RELOADED 2010

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Berlin in einer gläsernen Fruchtbehälter: unten die Äpfel, oben aber die Zitronen oder Limonen. Ästhetisch ist das ja in Ordnung und praktisch habe ich keine Interessen. Aber warum soll das ein Titel für Berlin sein – für BERLIN RELOADED? Unten die sauren Äpfel und oben die ohnehin sauren Citrusfrüchte?

Berlin ist eine Museumsinsel, die mit ehrwürdigeren Löwen aufwarten kann als die Marke Löwensenf. Die sumerische und die protosowjetische Skulptur (1000 n. Chr) zeigen in der Gegenüberstellung, dass Kultur und Chronologie nichts miteinander zu tun haben. Die Kids im Schattenriss schauen sich übrigens ihre näheren Verwandten an. Sie müssen einfach etwas Positives darin finden. Dann wieder wie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Starkult und Nofretete und Echnaton. Unauffällig mische ich einen nubischen schwarzen Pharao dazwischen. Das Museum hat ihn in den Keller verbannt. Nun ist er vor rassistischer Anpöbelei sicher. Die nächsten Seiten sind zu überblättern, da wir den Code nicht kennen. Die abstehenden Ohren des Ägypters erinnern mich an eine alte Ausgabe von „Natur und Wissenschaft“ und den wissenschaftlichen Streit um Henne und Ei im Alten Reich. Der assyrischen Sphinx haben Materialisten die Augen gestohlen. Die Killer-Priester der Azteken aus Dahlem grinsen, der unbekannte Herr der Renaissance hat seine Depression seit dem letzten Jahr nicht überwunden.

Die akademische Welt draußen in Dahlem ist weder klug, reich, noch schön, aber authentisch. Die  U-Bahn bleibt die Bühne von Beziehungsgeschichten. Das weiß auf die Scheiben gestanzte Brandenburger Tor hat Wiedererkennungswert. Mit dem Vortrag über die vergessene brasilianische Avantgarde (Was ist das eigentlich?) sind wir in der akademischen Welt, die bei aller Freundlichkeit durch übergroße Abstände zwischen den Kollegen gestraft ist. Oder eine lästige Enge, wenn der Nobelpreisträger kommt. Nicht immer wirkt er als Magnet. Für Momente zieht sein Powerpoint alle Aufmerksamkeit auf sich, ganz wie in der U-Bahn, wenn man nicht aus und ein weiß.

Was ist eine eigenständige Fotografie? – fragt es mich plötzlich aus den Busch. In der Station Yorkstraße wie in der Ausstellung dominiert plötzlich der Hintergrund. Ob Gropiusbau oder Luminale – Projektion ist das Thema, in beiden Fällen von derselben Stelle subventioniert.

Und da sind wir schon voll im sozialen Gratis-Engagement. Dahlemer Ethnologen akquirierten nigerianische Bretterwände, und Neo-Neomarxisten von der Spree schufen eine Ausstellung über globale Ausbeutung, der antifaschistische Baskenmützen nicht widerstehen konnten. Es soll aber auch unverbesserliche Besucher gegeben haben, die moserten, Kritikaster! Nicht weit davon feiert das Kapital in nachtschwarzen Maßanzügen unter dem Logo Ascent sich selbst. Doch nachts ist ja auch viel Raum für Dunkelmänner.

Flucht nach Kreuzberg in die Arme der Feuerwehr, der Sekte und der Moschee. Alles ist gut. Wir geben nicht auf, wir arbeiten weiter.

27.12.2010

 

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