Paul Flora Cartoons im Nachlass Wiegmann

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Um die fünfzig  aus der ZEIT zwischen 1965 und 1970 ausgeschnittene Cartoons liegen künftig mit dem Nachlass im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt.

 

Zuerst der passende Nachruf auf Paul Flora (Karl-Markus Gauß)

Paul Flora war stolz darauf, dass seine Zeichnungen nicht nur in Museen, sondern in Abertausenden Wohnzimmern jener hängen, die man gemeinhin als „einfache Menschen“ bezeichnet. Seine Popularität war groß, und er hat sich ihrer nicht eitel und elitär geschämt, sondern sie alle Tage genossen.

Als Künstler hatte er die Gabe des bösen Blicks, dem das Verlachenswerte in der Welt auffällt, auf dass er es in seinen Zeichnungen festhalte; als Mensch aber war er geradezu arglosen Sinnes, witzig, hilfsbereit, das lebende Beispiel dafür, dass große Künstler keine Egomanen sein müssen. Die Kunst, die er nimmermüde bis ins hohe Alter geschaffen hat, weil ihm das Zeichnen von Kindheit auf das natürliche Metier seines Lebens war, ist tatsächlich für alle da: Sie erfreut den Kenner der graphischen Tradition und den Betrachter, der sich ihr ohne kunstgeschichtliches Vorwissen stellt, ihr Witz ist subtil und hintergründig, ihre Form meisterhaft.

Es bleiben seine Kunstwerke; aber es wird auch so schnell nicht die Erinnerung an einen wahrlich noblen Menschen verblassen, der sich in seiner eigenen, humanen Lebenskunst selbst erschuf und alle bezauberte, die ihm zu begegnen das Glück hatten.

Zur Person des Verfassers:
Karl-Markus Gauß, 1954 in Salzburg geboren, freier Schriftsteller, mit Paul Flora seit vielen Jahren befreundet. Als er 2001 mit dem „Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz“ ausgezeichnet wurde, hielt Paul Flora die Laudatio.

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Fritz Wiegmann hat die Cartoons von Flora aus der ZEIT ausgeschnitten und die kleinen Papiere jahrelang aufbewahrt, ein Zeichen großer Wertschätzung. Er schätzte Floras klaren Blick. Er konnte sich auf die Politiker seiner Zeit einlassen, ohne zu resignieren oder wütend zu werden, vielleicht weil er seine Kommentare aus dem schönen Tirol in die Redaktion nach Hamburg schickte.

Heutzutage lassen sich – dank Google, SPIEGEL- und ZEITarchiv und auch mit Hilfe der bedruckten Rückseite – Anlässe und Beteiligte des Welttheaters unkompliziert aufschlüsseln. So könnten an der kleinen Sammlung spezielle thematische Zusammenhänge sichtbar gemacht werden. Bereits nach einer Stunde wurde für mich diese Zeit in der prägnanten, von Paul Flora komprimierten Form lebendig. Zeitgeschichte in Kurzschrift.

Gauß formuliert genau, was Fritz Wiegmann an Paul Floras Arbeiten besonders mochte.

Die vierzehn Jahre lang bis 1971 für die ZEIT gelieferten Zeichnungen steigern durch Reduktion von Zeichnung und Format noch einmal  die Tugenden von Floras Cartoons.

Was Wiegmann 1936 in seinen Pekinger Notizen zu chinesischen Tuschzeichnungen  – Im Alter sind es keine Skizzen“  – formulierte, galt in seinen Augen ebenso für Paul Flora – übrigens auch für ein paar kongeniale Zeichner, etwa Saul Steinberg. Und um das scheinbare Paradox eines ja erst um die vierzig Jahre alten Flora aufzulösen:

Als grosses Lob sagt man „dieses Bild ist alt“ was nicht meint dass es zeitlich alt ist, auch nicht, dass es von einem Alten gemalt sei, sondern dass es als Werk auf hoher Stufe künstlerischer Entwicklungsmöglichkeit steht. Das Alter zu erreichen ist bei ihnen eine Kunst und ein Erfolg.

Einige wenige Kostproben

Paul Flora freies Geleit Mai 1966

Paul Flora freies Geleit, Mai 1966

Anlass war hier ein geplanter Redneraustausch zwischen BRD und DDR. Das Dickicht westdeutscher Paragraphen stand zunächst der zu gewährenden ‘diplomatischen’  Immunität der DDR- Funktionäre  entgegen, aber daran scheiterte das Projekt dann gar nicht.

Zeitlos ist der Dschungel ‘typisch deutscher’ Rechtsordnung. Das empfand man damals, und es ist mit unserer EU noch viel schlimmer geworden.

Paul Flora Safari Vision Sept. 1965

Paul Flora Safari Vision Sept. 1965

Hier ging es aktuell um eine Regierungsbildung, um Differenzen zwischen FDP (Erich Mende) und CSU (Franz  J. Strauss), über die auch der SPIEGEL in Nr.40 am 29.9.1965 berichtete.  Interessanter ist die “Vision” als zweite Ebene. Wovon träumt ein hemdsärmliger Politiker, der in der westafrikanischen Diktatur Togo Geschäfte macht?

 

Flora-Postillon 9               Flora- Raben für Tauben 1966

 

 

 

 

 

 

Wir müssen von den aktuellen Anlässen und ihrem Personal einmal absehen – um uns mit Paul Flora radikal die Frage zu stellen : Wozu wird man Politiker?

Flora-Johnson-San Domingo ab Apr

1965 erlebte der kleine – natürlich diktatorische – Inselstaat im ‘Hinterhof’ der USA einen Bürgerkrieg. Das benachbarte Kuba, war 1959  zu den Russen übergelaufen und hochtoxisch.  Würde der edle Ritter Lyndon B. Johnson das arme Fräulein Kunigunde retten können?

 

Flora- König mit GefolgeDiese Rolle spielen Staatslenker und ihr Gefolge seit Jahrhunderten am liebsten, nämlich das mit großem Pomp zu repräsentieren, was  ihnen persönlich fehlt oder ihnen verwehrt ist – zum Beispiel in einer Parteiendemokratie: Respekt gebietende Größe und nachhaltige Erfolge. Im Grunde müssten sogar Diktatoren zugeben: Speichelleckerei und Korruption sind ein schlechter Ersatz!

Dies ist übrigens die einzige situationsenthobene Zeichnung in Wiegmanns Auswahl. Und sie hat ihm einen Mordsspaß bereitet.

 

 

 

 

 

 

 

 

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