Wieder ‘jung’ in der ‘Jungen Galerie’ Hamburg 1947

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Zwei kleine Ausstellungsplakate (DIN A 3 und etwas größer) und ein Telegramm von 1947 legen eine Spur nach Hamburg zur ‚Galerie der Jugend’ von Gottfried und Ingeborg Sello. Wiegmann konnte dort ausstellen, und sein Name stand auf den Plakaten

2013 ist beim Ellert & Richter Verlag in Hamburg ein Buch mit Texten des späteren Kunstpublizisten Gottfried Sello erschienen: “Traum ohne Ende – Über die Kunst“. Aus dem schön bebilderten und persönlich gefärbten biografischen Vorwort von Thomas Sello (S. 8 bis 24) beziehe ich die folgenden Informationen und zwei Fotos, eines von Gottfried Sello mit Bernhard Minetti (1948) und eines aus dem Atelier des Malers Skodlerrak (1920-2001) (S. 8/9), der neben Wiegmann auf dem zweiten Plakat genannt wird.

Das Ehepaar Sello gründete bereits im Dezember 1945 im Dachgeschoss des Finanzamtes Steinstr. 10 die „Galerie der Jugend“, ein Name, der das Programm der Künstlergruppe „Die Brücke“ von 1906 aufgriff: „Mit dem Glauben an Entwicklung, an eine neue Generation der Schaffenden wie der Genießenden rufen wir alle Jugend zusammen, und als Jugend, die die Zukunft trägt, wollen wir uns Arm- und Lebensfreiheit verschaffen gegenüber den wohlangesessenen älteren Kräften. Der gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt …“ (Zitat bei Sello S.8).

Das hieß in der Nachkriegszeit erst einmal, „Carl Hofer, Erich Heckel, Max Pechstein, Otto Mueller, Anton Kerschbaumer und viele andere Klassiker der Moderne (auszustellen), die wenige Jahre zuvor als „entartet“ verschrien und verboten waren“ (8).

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Das erste Plakat im Nachlass „ Bilder vom Karneval“ (Februar 1947) nennt „Gustav Ast + Olaf U. Deimel + E. Eisenblätter-Laskowski + Wilhelm Grimm + Ivo Hauptmann + Carl Hofer + Tom Hops + Emil Maetzel + Hans Müller-Dünwald + Alfred Mahlau + Thed Pfeil + Erich Rhein + Christian Rohlfs + Fritz Wiegmann“.

 

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Das zweite Plakat vom 30. April 1947 “zu Alfred Kubins siebzigstem Geburtstag” nennt Paul Mechlen + Horst Skodlerrak + F.Wiegmann

 

 

Die Galerie

Auf abenteuerlichen Wegen kamen die Bilder von überall her in die Galerie, und wie das Telegramm zeigt, natürlich auch Wiegmanns. Die Mühe lohnte schon deswegen, weil die Galerie im Dachgeschoss „ein Treffpunkt (war) für eine neue Generation Kulturschaffender, Künstler, Schriftsteller, Schauspieler und ein begeistertes Publikum“. Zur Ausstellung im Februar 1947 kamen „täglich rund 250 Besucher in die Ausstellung“. „Von dem Eintritt (0,50 RM) ließ sich die Galerie wesentlich finanzieren, dagegen wurden Bilder nur selten verkauft. (8/9)

Ist deshalb der Kontakt über die große Entfernung zu dem Einzelgänger Wiegmann abgerissen?

Es gab wohl verschiedene Gründe. Sello nennt beiläufig die Bedeutung der bis 1945 ausgegrenzten und öffentlich verachteten „Hamburgischen Sezession“ und das Drängen der „ganz jungen Maler, teils noch Studenten der Landeskunstschule am Lerchenfeld (…), die „mit ihren Mappen (kamen)“. „’Junge Hamburger Maler und Bildhauer’ lautete der Titel einer Ausstellung von 1950, bei der mit 35 Künstlern das fünfjährige Bestehen gefeiert wurde.“ (9) Ein Jahr später kündigte das Finanzamt wegen Eigenbedarfs und Gottfried Sello besann sich auf seine schriftstellerische Ader. Rein theoretisch hätten sich Sello und Wiegmann ab 1963 in Frankfurt treffen können,  wo Sello für den Hessischen Rundfunk Features drehte. (18)

Soweit das Vorwort, das uns nur eine erste Orientierung bieten kann. Thomas Sello habe ich brieflich angefragt. Ohne Erfolg. Dafür kam im Juni die schöne Überraschung:

Von: Thomas Sello
Betreff: Galerie der Jugend.
Nachrichtentext:
Mit Interesse las ich Ihren Txt über die Galerie meiner Eltern und freue mich 
über die Abbildung der beiden Plakate (ich kenne nur das zur Skodlerrak-Ausstelung).
Mit besten Grüßen Thomas Sello

 

 

Das Telegramm

Nachlass Wiegmann

Nachlass Wiegmann in Stadtarchiv

Nachlass Wiegmann

Rückseite

 

 

 

 

 

 

 

 

 Die zwei Fassungen der Antwort aus Hof:

1

hocherfreut versuche Transportproblem zu lösen  hoffe spätestens 23. einzutreffen. L.K.W. Rücksendung Sonst lasse Bilderkiste abholen Firma von Dören Hamburg 11

2

Hocherfreut Transport bis 23. Hofer Firma sofort zugesagt     Bitte rücksendet leere Bilderkiste sofort Firma von Dören Hamburg 11 Brauerstrasse 20 für Tix nach Hof

 

Anmerkung:  In Hamburg-Altona gibt es eine Max-Brauer-Allee 30 (google-map) und in Hamburg existiert wenigstens heute eine „Tix-Spedition e.K“ – In Hof existierte vor kurzem noch eine Tix Spedition Lagerung Neuköditz, in der HOFER STR. 3, 95030 Hof – Unterkotzau. (Quelle: CYLEX deutschland, 13.6.2018)

Die Formulierung in der ersten Fassung „hoffe einzutreffen“ lässt noch die persönliche Teilnahme erwarten, aber die zweite schließt sie aus. 1947 klar!!

 

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