Kongo – Yombe : Ein kleines äußerst lebendiges Szepter

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Ein kleines, äußerst lebendiges Szepter von 30 cm Länge, ein Herrschaftszeichen aus leichtem Holz, bequem zu tragen

Von einem Schmelz wie oft bei Ewe-Ibedji, bloß anderem, ebenso hellem, aber langfaserigem Holz, welches gegen die Faserrichtung das pflegende Öl aufgesaugt hat. Dessen dünne Schicht verliert sich mit belebenden Effekten: Flecken.

Im Vergleich beispielsweise mit einer entsprechenden Doppelfigur der Mbala bei Bwoom ist das bildnerische Thema souverän gelöst. Ich denke schon an moderne Skulpturen der 20er oder 30er Jahre, an die entspannten Tierplastiken von Mataré, sogar an Käthe Kollwitz‘ Zeichnungen von Müttern und Kindern mit runden Köpfen und wunderbar vereinfacht, ( The Mothers, 1919 , 43,5 x 59,1 cm), Gallery St.Etienne).

Zugleich eine  Miniatur! Mich haben heute die Kongo-Miniaturen  – alle sollen aus einem großen Dorf stammen – gefreut. Für die Mehrheit galt zwar die Einschränkung: zu mickrig, aber drei überschritten die formale Mindestgrenze. Im Angebot war auch ein weiteres Szepter, mit großem waagrecht gelegtem Sklavenkopf und auf dem (kleinen!) Rücken gefesselten Armen, aber der Kopf des thronenden Beherrschers war schwach, konventionell, doch ihn trübsinnig zu nennen wäre übertrieben.

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Hier ist es ein wunderbarer langgestreckter Yombe-Kopf! Und der Träger trägt seine Last so selbstverständlich, als wollte er Aristoteles illustrieren: Es gibt geborene Sklaven. Sein Kopf, obwohl objektiv kleiner, versichert uns seiner Kraft und Bestimmung: Die Haltung macht den Unterschied, nicht die Größe. Als Menschenfiguren sind sie nicht nur gleich groß, sondern gleichwertig, ihre Pobacken und Füße entstammen derselben himmlischen Werkstatt.

Die Armhaltung des Getragenen soll nach der Konvention sowohl die Aufgabe nachzudenken symbolisieren wie auch die Fähigkeit dazu. Die Arme und Hände des Trägers wiederum halten den Getragenen verlässlich. Ohne den Aspekt des Problemlösens in ihrer Beziehung wäre der Herr das große Kind auf dem Rücken des Vaters. Die gerundeten Winkel der Doppelfigur wie die Rundungen der Auflage wie des Knaufs lassen überhaupt keine Härte verspüren. Man kann sich als Anwender einen gutmütigen Dorfchef vorstellen, der für seine ‚Schäfchen’ nur das Beste will.

 

 

 

25.12.16  Ein kräftiger Träger ja ….

aber so etwas wie ein gutmütiger Dorfchef? Na ja. Man schmökere nur ein wenig in einem Reisebericht aus der afrikanischen Stadt Mussumba von 1875. Doch beginnen wir von vorn!

 

Ein 'kilolo' unter dem Muata Jamwo,nach Pogge18750

 

Ich erinnere mich an die Jugendlektüre “ Wilder Erdteil Afrika – Das Abenteuer der grossen Forschungsreisenden“ von Dr. Heinrich Schiffers, Athenäum Verlag Bonn 1954 und besonders eine Abbildung  ( < links ) nach dem Bericht von Paul Pogge aus dem Jahr 1875: „im-Reiche-des-Muata-Jamwo„, das als pdf (17MB) heruntergeladen werden kann. Es handelt sich um das historische Lunda-Reich, das sich auf der Höhe von Luanda vom Kwango bis nach Katanga erstreckt hat.  Natürlich gab es im 18. und 19. Jahrhundert enge geschäftliche Kontakte mit dem ‚Kongoreich‘ der Bakongo an der Atlantikküste. Und die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen waren vergleichbar.

 

 

oben links der Kongofluss, auf der Nase unterhalb der Mündung liegt Luanda, unten rechts Katanga

oben links der Kongofluss, auf der Nase unterhalb der Mündung liegt Luanda, unten rechts Katanga

 

Auf S.138/139 schildert Pogge eine der wenigen charmanten Episoden seines Aufenthalts:

 

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Die Beschreibung des Besteigens belegt die Vermutung, dass die kniende Position des Trägers symbolische Bedeutung hat, auf jeden Fall keine reale Situation schildert.

 

29.1.17  Ein Fund in Tervuren 1996: „Masterpieces from Central Africa“ no.89Tervuren-Masterpieces no.89 Luba Stab Träger

Kibango Ceremonial Staff – Luba, Shaba, Zaire

Erstaunen, derselben Formation über anderthalbtausend Kilometer Luftlinie weiter zu begegnen! Doch bin ich nicht wirklich erstaunt.

Die Erläuterung von Mary Nooter Roberts (M.H.N.-R.) auf p.179 bereichert die Interpretation um weitere Gelegenheiten: Könige ließen sich bei Staatsaktionen von Würdenträgern tragen, schreibt sie, und Mädchen an einem bestimmten Punkt ihrer Initiation, an dem sie den Boden nicht berühren durften. Das Geschlecht des oder der Getragenen für sie ambivalent – Brüste klein und Frisur für beide Gender identisch – aber, da Mädchenfiguren bei den Luba zum königlichen Schatz gehörten, auch weniger wichtig als die darin verkörperten indirekten Anspielungen. – So spiegeln solche Objekte die volle Bandbreite der Verwendung:  von einem prestigeträchtigen Transportmittel bis zu hochrituellen Gelegenheiten. Das gilt für das kleine Szepter der Bakongo  ebenso wie für den Luba-Würdenstab von 1,25 m Länge.

 

 

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