Bei „Rembrandt Rembrandt“ gewesen und …

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im Städel Frankfurt am 3.5.2003

Wir erlebten die Kollektivierung eines schafsgeduldigen Publikums, organisatorisch gekrönt durch das Vorbeiziehen von kopfhörerbewaffneten Gruppen unter der Führung ihrer Leiterinnen, vorbei an einer Treppe voll wartender Individualbesucher, die zum Obergeschoss anstehen mussten.

Blind glauben und eine Menge unnötiger Fakten durch die Ohren aufnehmen bei kultischem Dämmerlicht mit Spotlights und „vorbeugenden“ Ermahnungen, Distanz zu den Objekten halten, das scheint Programm der Großen Ausstellungen zu sein. Fehlt der dumpfen Luft bloß die Prise Weihrauch.

1630/31, Willem Enzynck - Rembrandt in de Spiegel, Servire Den Haag, o.J. um 1958, p.20/21

1630/31, Willem Enzynck – Rembrandt in de Spiegel, Servire Den Haag, o.J. um 1958, p.20/21

Enttäuschung über einen Heroen meiner Jugend, als ich die frühen Selbstporträts und die Sepiazeichnungen verehrte, nichts da: rundum in Braun- und Rottönen gefirnisste Printen und Schwarten, ohne Raum und nennenswerte Kontur. Je mehr, desto schlimmer. Was für eine Verschwendung: 10 Mio. Euro Gesamtkosten für diese Versammlung Triefäugiger! Als hätte Holland keine schönen Menschen. Selbst der kleine Titus muss abgrundtief über seine Schreibtafel blicken – vom Spottlight in Szene gesetzt – bloß weil er ein Wort vergessen hat.

Repro: FAZ, um 1958

Repro: FAZ, um 1958

Kein von der Seeluft gefluteter Raum, nirgends Blau und Geometrie der Kacheln, nur trübes Gewusel. Das soll jemals ‚zünftig’ gewesen sein? Schon damals hat’s der Markt gerichtet. Siehe Tulpen. Renaissance-Italiener müssen sich schaudernd abgewandt haben. Oder war dort damals schon ein Reni in Mode, schwülstiger Bruder des Zurbaran?

Wann und wo wurde Rembrandt hochgejubelt? Im verhangenen bürgerlichen Deutschen Kaiserreich, wo Psychologie und Mythologie die Ästhetik verschwiemelten, und ein akademischer Naturalismus die angeblichen Gottheiten beschädigte, genau wie bei ‚Rembrandt Rembrandt‘.

Upload: 13.6.2016

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