22.7.2014
Das folgende Dokument war das erste, mit dem ich mich in die Arena „ISRAEL“ begab. Ich hatte es vermieden. Und als ich dann eine entsprechende KATEGORIE öffnete, damit man es besser finden könnte, nannte ich ihn ISRAEL VORSICHTSHALBER und stellte ein fiktives GesprĂ€ch voran. Das ist vier Jahre spĂ€ter nicht mehr aktuell, schon gar nicht bei einer Achse NETANJAHU – TRUMP. Ich stelle es also hier ein (Rotdruck) :
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Vorsichtshalber was?
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Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Es ist sinnlos.
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Sind vierzig Jahre Geduld nicht genug? WofĂŒr habe ich mich denn bemĂŒht, das was geschehen war und was geschah zu begreifen? 1967 war ich jung. Danach machte ich mir nur noch sehr bescheidene Illusionen. Es waren immer noch welche.
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Aber das ist doch vorbei. Sind Sie jetzt nicht Schopenhauerianer?
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Sie haben ja Recht: In welche Region der Welt kann man arglos blicken, wenn man nur etwas informiert ist? â Etwas anderes macht mich wĂŒtend: der Maulkorb, der gutwilligen Menschen regelmĂ€Ăig in Deutschland bei Fragen israelischer Politik aufgedrĂ€ngt wird. Ist Ihnen schon aufgefallen, wie leise und abgewogen Kritik an Israel von seriösen Leuten vorgetragen wird? Manchmal braucht man Ăbung, um sie ĂŒberhaupt zu verstehen. Von der anderen Seite wird bedenkenlos ausgeteilt. Aber wir sind nicht in Russland! â Dass ganz schnell der Fokus von der Rede auf ein einzelnes Wort gerichtet, wird, von der Kritik auf den Kritiker, darin steckt Methode. Schauen Sie, auch Rolf Verleger hat keine abseitige Meinungen geĂ€uĂert, das Gegenteil war der Fall. Wurde er deshalb zum Telefoninterview in aller HerrgottsfrĂŒhe gebeten? Die âNachrichtâ war eine andere: âDas ehemalige Mitglied des Zentralrats der Juden wendet sich gegen âŠâ
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Und dann hat er GlĂŒck gehabt, dass sein Interview keine Folgen hatte?
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Als Jude âdarfâ er freier darĂŒber sprechen. Sie haben Erfahrung mit AbtrĂŒnnigen, Kreisky, Chomsky, Finckelstein ⊠ich kann sie auf die Schnelle gar nicht aufzĂ€hlen. FĂŒr mich als denkender Mensch ohne dieses zweifelhafte Privileg ist auch das âDiskriminierung von Judenâ, âpositiveâ lautet der soziologische Terminus.
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Und nun drĂ€ngen auch Sie in den Westernsaloon, wo bereits die FĂ€uste und die StĂŒhle fliegenâŠ
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Wirklich nicht, aber es sind ĂŒber die Jahre sehr informative Studien erschienen, gerade auch in Israel, die unserer Ăffentlichkeit auch heute nĂŒtzlich sein können â die Dokumentarfilme oft mit finanziellem RĂŒckhalt in Westeuropa. Ich nenne hier voll Anerkennung âArteâ. Was ich davon kenne, will ich bekannt(er) machen. Der Konflikt wird uns ja noch lange erhalten bleiben. Obwohl, man weiĂ nie.
Heute in den 10-Uhr-Nachrichten des Deutschlandfunks hörte ich eine kurze Meldung. Die betreffende Nachrichtensendung ist im Netz gespeichert und siehe da, auch das mit „im Deutschlandfunk“ gemeinte Interview, das am selben Tag um zehn vor sieben live per Telefon gefĂŒhrt worden war. Ich sollte wirklich frĂŒher aufstehen!     Â
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http://www.deutschlandfunk.de/antisemitismus-aeusserungen-ex-zentralratsmitglied-verleger.264.de.html
 dlf-nachrichten Dienstag, 22. Juli 2014 10:00 Uhr: Antisemitismus-ĂuĂerungen: Ex-Zentralratsmitglied Verleger kritisiert Debatte
Das ehemalige Direktoriumsmitglied im Zentralrat der Juden, Verleger, hat sich kritisch zur Politik Israels gegenĂŒber den PalĂ€stinensern geĂ€uĂert. Im Deutschlandfunk sagte Verleger, er selber werde morgen an einer Demonstration gegen die MilitĂ€roffensive im Gazastreifen teilnehmen. In diesem Zusammenhang wandte er sich gegen die VorwĂŒrfe des Zentralrats der Juden, es gebe eine neue Welle des Antisemitismus in Deutschland. Verleger betonte, es mĂŒsse erlaubt sein, die israelische Politik zu kritisieren. Auch dass viele deutsche Politiker aus historischen GrĂŒnden vorsichtig gegenĂŒber dem Unrecht im Nahen Osten seien, halte er fĂŒr falsch. Der israelische Botschafter in Deutschland, Hadas-Handelsman, erklĂ€rte in der „Berliner Zeitung“, die Meinungsfreiheit in Deutschland werde von Islamisten sowie Rechts- und Linksextremisten dazu missbraucht, eine Kultur des Hasses in die deutsche Debatte zu tragen. Jetzt sei es Zeit zu handeln.
22.07.2014Â |Â INTERVIEW
Autor: ArmbrĂŒster, Tobias     Sendezeit:    06:50 Uhr       LĂ€nge: 08:24 Minuten
Das GesprÀch in voller LÀnge:
Tobias ArmbrĂŒster: Es sind schockierende Parolen, die in diesen Tagen bei Demonstrationen in Berlin und in vielen anderen deutschen StĂ€dten zu hören sind. Da treffen sich Leute, um gegen den Krieg im Gazastreifen zu demonstrieren, und das Ganze endet sehr hĂ€ufig in wĂŒsten Beschimpfungen gegen Juden und gegen Israelis. Vor allem in Berlin hĂ€ufen sich solche antisemitischen Kundgebungen. Der Zentralrat der Juden spricht bereits von einer Explosion des Judenhasses.
Am Telefon hier im Deutschlandfunk ist jetzt Rolf Verleger. Er ist Psychologe, Buchautor und er war bis vor fĂŒnf Jahren Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland. Schönen guten Morgen, Herr Verleger.
Rolf Verleger: Guten Morgen, Herr ArmbrĂŒster.
ArmbrĂŒster: Herr Verleger, was geht Ihnen da durch den Kopf, wenn Sie von solchen antisemitischen Parolen hören, die da in Berlin auf offener StraĂe gegrölt werden?
Verleger: Das finde ich sehr schmerzlich und ich denke aber, dass dieses ungelöste PalĂ€stina-Israel-Problem uns hier völlig wieder auf die FĂŒĂe fĂ€llt. Der Beitrag, den ich gerade gehört habe, der lief ja live, dass hier jetzt die Zivilgesellschaft gefordert sei, ihrerseits ein Zeichen zu setzen. Das werde ich auch tun, indem ich nĂ€mlich nĂ€chsten Mittwoch mich an einer Demonstration beteiligen werde gegen das Massaker der Israelis in Gaza. Indem wir als Juden hier gegen dieses Unrecht Stellung nehmen, das, denke ich, ist die richtige Art und Weise, solche AusbrĂŒche von verstĂ€ndlicher Empörung ĂŒber das, was dort ablĂ€uft, in vernĂŒnftige Bahnen zu lenken. Es haben ja sĂ€mtliche Kontrollmechanismen versagt.
ArmbrĂŒster: Herr Verleger, rechtfertigt denn eine Kritik an Israel, eine mögliche Kritik, rechtfertigt die, dass man durch Berlin lĂ€uft und antisemitische Parolen grölt?
Verleger: Nein, in keiner Weise. Aber wer hat uns das denn eingebrockt? Wenn unsere Politiker alle sagen, ja, das ist völlig richtig, was Israel macht, wenn unsere Medien sagen, ja, das ist völlig richtig, was Israel macht, wenn die ReprĂ€sentanten des Judentums nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich zum Beispiel sagen, ja, das ist doch ganz klar, wer gegen Israels MaĂnahmen ist, der ist gegen Juden, dann fordert man ja solche antisemitischen Parolen geradezu heraus. Es ist doch eine AbsurditĂ€t, diese Gewaltbereitschaft, diesen nationalreligiösen Hass, der sich in der israelischen Gesellschaft aufgestaut hat, das mit der jĂŒdischen Tradition von NĂ€chstenliebe und dass das mal eine Religion war der tĂ€tigen Moral, wie es der Rabbiner Leo Baeck, der FĂŒhrer des Judentums in Nazi-Deutschland, gesagt hat, das ist doch was völlig anderes geworden. Das muss man doch sehen und muss darauf reagieren. Man kann doch nicht jeden Quatsch, den Israel da macht, mitmachen.
„Man muss Kausalketten sehen“
ArmbrĂŒster: WĂŒrden Sie dann der israelischen Regierung das Recht absprechen, sich gegen den Terror der Hamas zu wehren?
Verleger: WĂŒrden Sie der Gazabevölkerung das Recht absprechen, sich gegen den Terror Israels zu wehren? Ich meine, so kommt man doch nicht weiter. Man muss doch Kausalketten sehen. Was doch gelaufen ist, dass die Friedensverhandlungen unter Kerry zusammengebrochen sind aufgrund Israels â das hat Kerry ziemlich klar gesagt -, aufgrund der weitergehenden Siedlungspolitik, aufgrund der Nichtfreilassung von Gefangenen, wie vereinbart. Daraufhin hat sich die palĂ€stinensische Hamas mit Fatah zusammengetan, das wurde allgemein begrĂŒĂt in USA und Europa. Nur Netanjahu wollte das zerschlagen und hat eine Kampagne gegen die Hamas gestartet, und dann wurden diese drei israelischen SchĂŒler entfĂŒhrt und diese Kampagne hat er dann benutzt, um die Hamas in der Westbank zu zerschlagen, im Gazastreifen auch noch ein paar Leute umzubringen. Das steht hier nicht in der Zeitung. Dass die dann ihre komischen Raketen abschieĂen, das ist nicht schön, aber das ist doch eine verstĂ€ndliche Folge all dieser Dinge. Da kann man doch nicht irgendwo aufhören und sagen, das war jetzt aber Gewalt, da mĂŒssen wir dagegen sein.
ArmbrĂŒster: Aber ist das jetzt nicht alles sehr verharmlosend, wie Sie das darstellen? Ich meine, Israel steht seit Jahren unter dem Beschuss dieser Raketen. Die israelische Armee hat sich aus dem Gazastreifen komplett zurĂŒckgezogen und Israel wird trotzdem nach wie vor befeuert aus diesem Streifen. Ist es dann nicht verstĂ€ndlich, dass die israelische Armee sagt, wir wollen dem Einhalt gebieten?
„Gazastreifen ist ein groĂes GefĂ€ngnis“
Verleger: Nur ein Punkt: Sie hat sich zwar aus dem Gazastreifen zurĂŒckgezogen, aber der Gazastreifen ist ein groĂes GefĂ€ngnis, wie man jetzt gerade sehen kann, und der SchlĂŒsselwĂ€rter heiĂt Ăgypten und Israel. Als ich 15 war, war der Sechs-Tage-Krieg. Damals sagte mein Religionslehrer, bisher waren Zionismus und religiöses Judentum ein Gegensatz und haben sich erbittert bekĂ€mpft. Jetzt, wo der Zionismus die heiligen StĂ€tten erobert hat, sehe ich die Gefahr â das sagte damals mein Religionslehrer -, dass hieraus ein klerikalfaschistisches Amalgam entsteht, und so ist es gekommen. Sie unterschĂ€tzen und verharmlosen, was in Israel fĂŒr eine Ideologie herrscht, oder zumindest da ist in dieser Siedlerbewegung und die Regierung Netanjahu vor sich hertreibt, und das kann man nicht gut finden. Da muss man gegenhalten.
ArmbrĂŒster: Herr Verleger, ich habe es gesagt: Sie waren bis vor wenigen Jahren Mitglied im Zentralrat der Juden in Deutschland. Gibt es dort andere Mitglieder, die mit dieser, doch sehr deutlichen Meinung von Ihnen ĂŒbereinstimmen, oder stehen Sie da allein?
Verleger: Ich bin ganz klar in der Minderheit. Das ist völlig klar. Das europĂ€ische und deutsche Judentum ist ja tot und die kĂŒmmerlichen Reste, die wir haben, wir sind ja froh, wenn wir uns irgendwie berappeln können. NatĂŒrlich gibt es Leute, die so denken wie ich.
Ich meine, ich möchte noch mal was grundsĂ€tzlich sagen. Sie fragen mich dazu, ob das gut und richtig ist, was diese arabischen Jugendlichen da in Berlin schreien. Ich bin der falsche Mann dafĂŒr. Sie mĂŒssen natĂŒrlich einen Imam fragen. Ich finde, jeder muss vor seiner eigenen TĂŒr kehren und schauen, was er fĂŒr den Konflikt getan hat. Dass das nicht richtig ist, was die in Berlin gemacht haben, ist ja unstrittig.
„Judentum ist nicht Isarels nationalreligiöse Politik“
ArmbrĂŒster: Aber fĂŒhlen Sie sich als Jude in Deutschland, als deutscher Jude davon nicht angesprochen?
Verleger: SelbstverstĂ€ndlich, und ich versuche das zu bekĂ€mpfen, indem ich sage, das Judentum ist nicht Israels nationalreligiöse Politik. Das Judentum hat eine völlig andere Tradition und das Judentum ist ein Teil unseres Landes und Europas. Die Wurzel des ganzen Konflikts ist ja, weil Europa vor 100 Jahren mit seiner jĂŒdischen Minderheit nicht fertig wurde und dieses Problem dorthin nach PalĂ€stina exportiert hat, und das fĂ€llt jetzt alles wieder auf uns zurĂŒck. Das war nĂ€mlich keine Lösung.
ArmbrĂŒster: Können Sie es denn verstehen, wenn viele deutsche Politiker vorsichtig sind mit Kritik an Israel, allein wegen der deutschen Geschichte?
Verleger: Nein, das kann ich nicht mehr verstehen. Ich meine, was hat das mit meiner ermordeten Verwandtschaft zu tun, dass da jetzt ein solches Unrecht im Nahen Osten geschieht? Man kann doch nicht mit Verweis auf schreckliche Dinge in der Vergangenheit weiter heute Unrecht geschehen lassen. Das ist die völlig falsche Lehre, die da gezogen wird. Ich kann das nicht mehr verstehen. Ich finde, das sind Angsthasen, und ich finde, sie sollten mal das sagen, was sie nach abgeschalteten Mikrofonen sagen. Das sollten sie mal bei laufenden Mikrofonen sagen.
ArmbrĂŒster: Was wĂŒrden Sie denn von deutschen Politikern erwarten?
Verleger: Ich finde es eine AbsurditĂ€t, sich hinzustellen und zu sagen, das sei das selbstverstĂ€ndliche Verteidigungsrecht Israels, dieses Massaker in Gaza anzurichten. Jeder vernĂŒnftige Mensch sagt sich, da stimmt doch was nicht. Und wenn da dagegen Protest laut wird, der dann ĂŒberbordet, dann muss man sich doch nicht wundern, wenn man so einen Blödsinn sagt.
ArmbrĂŒster: Wie schĂ€tzen Sie ein, oder wie beurteilen Sie das, wie sich die israelische Regierung in diesem Konflikt positioniert?
Verleger: Die hat ihn angefacht. Es geht ja darum, dass verhindert werden sollte, dass Fatah und Hamas sich einigen. Das wollte Netanjahu nicht haben und da hat er eine Kampagne gestartet in der Westbank, die Hunderte von Mitgliedern der Hamas verhaftet hat. Dabei sind auch ein paar Leute totgegangen. Darauf passierte ja diese EntfĂŒhrung der drei Jugendlichen, die ja sofort tot waren, aber das wurde ja ignoriert, um diese Kampagne weiterzufĂŒhren. Die sind auf dem völlig falschen Weg. Dieser Konflikt â man kann auf geraubten Land nicht in Frieden leben. Das Land ist den PalĂ€stinensern weggenommen worden und es muss eine vernĂŒnftige friedliche Regelung her. Die bedeutet, dass Israel schmerzhafte Kompromisse machen muss.
ArmbrĂŒster: …, sagt Rolf Verleger, ehemaliges Mitglied beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch.
ĂuĂerungen unserer GesprĂ€chspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich ĂuĂerungen seiner GesprĂ€chspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
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