China 1994: Rock der Avantgarde

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Rock der chinesischen Avantgarde. ARTE-Mitschnitt eines Konzerts im Haus der Kulturen der Welt Berlin 1994 – 5 Gedichte –  Abschrift der Untertitel  (Vid 547)

 

Cui Ran: Der falsche Mönch

Ich will vom SĂŒden nach Norden gehen

Ich will vom Weißen ins Schwarze gehen

Damit alle Welt mich sieht,

aber nicht weiß wer ich bin.

 

Wenn du siehst, daß ich mĂŒde bin

So reiche mir ein wenig Wasser

Und solltest du mich jemals lieben,

So kĂŒsse meine Lippen.

 

Ich habe zwei FĂŒĂŸe und zwei Beine

Hunderte von Bergen und tausende FlĂŒsse.

Ich habe alles, was ich jemals haben wollte.

Ich will nicht bereuen und nicht hassen.

 

Wenn du mich lieben willst, so empfinde keine Reue.

Der Tag wird kommen, an dem ich sehr hoch fliege.

Ich will nicht an einem Ort bleiben.

Ich will niemanden hinter mr herschleppen.

 

Ich will vom SĂŒden nach Norden gehen

Ich will vom Weißen ins Schwarze gehen

Damit alle Welt mich sieht,

aber nicht weiß wer ich bin.

 

Ich will nur deine Schönheit sehen.

Von deinem Kummer will ich nichts wissen.

Ich will alles Wasser des Himmels,

doch nicht die TrÀnen deiner Augen.

 

Ich will nicht an Ungeheuer glauben,

und noch weniger will ich Feinde haben.

Versuche nicht herauszufinden, wer ich bin.

Und sieh auch meine Scheinheiligkeit nicht.

Lelelelelelelelelel

 

COBRA    Eine TĂŒr, eine Wand, ein Grab

Meine jetzige Stimmung kann ich nicht beschreiben

Durch meinen ganzen Körper strömt das Blut.

Meine jetzige Stimmung kann ich nicht beschreiben

Es ist wie ein RĂŒckfall in meine Kindheit.

Du willst mir helfen

Ich hatte fast vergessen, daß ich auch Böses tun kann.

Laß mich bitte los. Ich will alleine gehen.

Laß mich bitte los! Es gibt kein Problem.

Wenn es aus ist zwischen uns dann macht das nichts.

 

Es ist der Himmel, es ist die Erde

In der Finsternis   sehe ich dich nicht.

Es ist das UnglĂŒck, es ist das GlĂŒck

Lach nicht und sag nicht, daß es schon gehen wird.

Sprich nicht mehr von unserer Liebe.

Laß sie leise und leicht ausklingen.

Laß mich zu mir selber finden.

Ist es ein Traum, ist es eine Illusion?

 

Es ist der Himmel, es ist die Erde.

Diese Ängste mußten kommen.

Es ist das UnglĂŒck, es ist das GlĂŒck.

NĂ€he, jemand, der mir seine SehnsĂŒchte offenbart.

Wo bin ich? Zerstöre nicht die Kette meiner Gedanken.

Bis in die TrÀume, ohne Spur und Schatten.

Alles ist von diesen Wahnvorstellungen verschleiert.

Und ich wußte, daß es nur ein Traum war.

 

Durch die AtmosphĂ€re… habe ich mich tĂ€uschen lassen.

Da habe ich gespĂŒrt, daß es keine Leidenschaft mehr war.

Ich kann nicht mehr sagen, wie oft

ich diese Niedergeschlagenheit gespĂŒrt habe.

Es ist fĂŒr mich nur noch eine Illusion

 

 

 

Mein eigenes Paradies   Zi ji de tian tang 

 

Ich bin wie die VerrĂŒckten,

ich habe mein eigens Paradies.

(mehr wird nicht ĂŒbersetzt )

Hai!

 

 

Cui Ran: Die rote Augenbinde

Cui Ran erlĂ€utert im Interview: Die rote Augenbinde ist in erster Linie ein Liebeslied. Viele Jugendliche und sogar Erwachsene ziehen es vor, der Wahrheit nicht ins Gesicht zu sehen. So haben sie ein gutes GefĂŒhl. Wenn man hinschaut, sieht man die Wahrheit und kann sich nichts vormachen. Viele Gesellschaften sind so: Sobald sie sich betrachten, fĂŒhlen sie sich dekadent und veraltet. Sie finden, das Leben sei zu kompliziert und zu langweilig und es wĂ€re besser, sich die Augen zu verbinden. Wenn man nicht hinschaut, ist man glĂŒcklich.

Dieses Lied hat zwei Bedeutungen: eine kulturelle und eine gefĂŒhlsmĂ€ĂŸige. Es ist nicht nur ein politisches Lied, sondern drĂŒckt auch mein GefĂŒhl aus.

Viele Freunde oder Reporter fragen, ob Kunst politisch ist. Gewöhnlich antworte ich dann, daß Kunst etwas mit Verantwortung zu tun hat, aber keinen politischen Zweck verfolgt.

 

Eine rote Augenbinde

An dem Tag, als du ein StĂŒck roten Stoff nahmst,

um mir die Augen und den Himmel ĂŒber uns zu verhĂŒllen

Hast du mich gefragt, was ich sehe.

Ich sagte, ich sehe das GlĂŒck.

Auf diese Weise fĂŒhle ich mich so richtig wohl.

Ich vergesse, daß ich keinen Platz zum Wohnen habe.

Du fragst mich, wohin ich gehen will.

Und ich sage: „Ich will mit dir gehen.“

Ich sehe dich nicht mehr, ich sehe nicht, wohin ich gehe.

Deine Hand hÀlt meine fest.

Du fragst mich, woran ich denke.

Ich sage, du sollst entscheiden.

Ich spĂŒre, daß du nicht aus Eisen bilst,

obwohl dein Profil Kraft verrÀt.

Ich spĂŒre, wie das Blut durch deinen Körper strömt,

denn du hast warme HĂ€nde.

Auf diese Weise fĂŒhle ich mich so richtig wohl.

Ich vergesse, daß ich keinen Platz zum Wohnen habe.

Du fragst mich, wohin ich gehen will

und ich sage:“ Ich will mit dir gehen“.

Didididididia…  (lange Soli. Cui Ran nimmt das Tuch ab )

An dem Tag, als du ein StĂŒck roten Stoff nahmst,

um mir die Augen und den Himmel ĂŒber uns zu verhĂŒllen

Hast du mich gefragt, was ich sehe.

Ich sagte, ich sehe das GlĂŒck.

 

InternationaleTang Dynasty  

Im Interview:

Vor 10 Jahren fingen wir an Musik zu schreiben. Es war 1982/83

Wir wußten nicht was wir wollten  … (dann Kontakt mit auslĂ€ndischen Studenten) …. Rock ist direkt….. Wir gehören zu der Generation, die wĂ€hrend der Kulturrevolution aufwuchs.In unseren StĂŒcken sagen wir also wirklich was wir denken und was uns Kopfzerbrechen bereitet. Sicherlich haben wir mit der heutigen Jugend einige Gemeinsamkeiten. Die Jugendlichen wissen nicht was sie jeden Tag tun  sollen, wie sie sich einordnen sollen. FĂŒr die Gesellschaft ist das auch nicht ganz klar. Deshalb haben wir diese Richtung eingeschlagen.

… (VerstĂ€ndigung) .. Wir wollen der chinesischen Jugend Hoffnung geben und ihr zeigen, dass sie ĂŒber die chinesische Geschichte ihre Wurzeln und neuen Auftrieb gewinnen kann. Daß sie wieder Selbstvertrauen gewinnt und so lebt wie sie es will.

 

Tang Dynasty: „Neunvierteltakt“ Wer bietet mir ein Glas bitteren Wein an

 

(….)

Ich will dir meine StÀrke zeigen

Ich will mein wahres Selbst nicht mehr begraben

Meine MinderwertigkeitsgefĂŒhle habe ich hinter mir gelassen.

Die Leidenschaft zeigen, damit sie nicht erlischt.

Glauben, ich sei es gewohnt, mich bei Tag zu zeigen.

Laßt mich meine GefĂŒhle preisgeben.

Ich will in das strömende ewige Licht des Mondes eintauchen,

will diesen Geist spĂŒren und die zukĂŒnftigen Überlebenschancen.

Mondschein!

Der Mondschein gehört mir!

Mondschein!

Der Mondschein verschmilzt mit meinem Schein.

( ekstatisches Gitarrenrocksolo )

Ich will mein Leben mit dir teilen.

Niemals mehr werde ich meine empfindlichen Nerven verdrehen.

Ich glaube nicht, daß Selbstmord die Lösung ist.

Als ich aufwuchs, hatte ich schon genug…

von dem schwarzen Himmel und der schwarzen Erde.