Wegwerfen oder Warhol?

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3.10.2003       Vom Antikmarkt auf der Zeil zu Warhols Time Capsules

28.8.2007       Wir reden ĂŒber das Wegwerfen   

 

       Vom Antikmarkt auf der Zeil zu Warhols Time Capsules

Zuerst zum Antikmarkt, Christian suchen, mit dem Weberschwert aus Nigeria in der Hand. Die falsche Kleidung fĂŒr die Oktober-SchwĂŒle! Unentschlossen wegen derLobi-Colon-Figur. Chinesische Götterfiguren aus  bĂ€uerlichem Altar faszinieren, sind aber in erbĂ€rmlichem Zustand. Die Trödelwelt ist morbid. Ich bringe es nicht ĂŒber mich, die 150 Euro fĂŒr den Lobi zu zahlen, vertage die Entscheidung.

Ins MMK zu  Warhol. Was findet sich nun hinter den „beiseite gelegten Resten, die niemand mehr haben will“, den „Leftovers“? Den „Vitrinen-Lindwurm“ habe ich nicht entdeckt; auch nicht den  versprochenen „enzykopĂ€dischen Kollaps“ gespĂŒrt. Die „Exotik“ war bemerkenswert clean und uninspiriert in den Vitrinen verteilt. Ein paar Knicke oder andere Winkeleien schaffen noch kein Leben. Die Materie ist gewiss zensiert, kommt mir in den Sinn, dennoch mĂŒllig unĂŒberschaubar und ein Alp fĂŒr den gewissenhaften Kurator, eine Rache des Stars an der fetischgeilen Szene-Nachwelt. Alles hĂ€ngt vom Glauben ab – wie bei Reliquien und Fetischen ĂŒblich. Da ist der  durchgehaltene Blick von Beuys ein paar RĂ€ume weiter von anderer QualitĂ€t. Ich begegne ihm mit ruhig gehaltener Kamerahand.

Was war der Kern meines Besuchs und der besichtigten Anstrengungen? Die Frage der BewĂ€ltigung des Angesammelten. Hier nicht gelungen und wohl nicht wirklich beabsichtigt. Bilanz: An der Verarbeitung oder der Trennung geht kein Weg vorbei. Warhol wollte schmerzlos entsorgen, außer haus und „vom Assistenten  verschlossen und datiert“, aber letztlich nebenan. Den Impuls kenne ich gut. Darum wollte ich heute ja hin. Der Titel aber scheint mir viel zu hoch gegriffen.

Die Besucher waren – das  fiel mir auf und sollte auf dem Film zu hören sein – konzentriert und still am Werk. Immerhin habe ich einen Satz wie „Zwar habe ich keine Campbell-Dose, aber…“ gehört. Ein wenig bĂŒrgerlichen Glanz, Licht und Neonfarben bringt Warhol auf jeden Fall in die dĂŒrftig bestĂŒckten Hallen!

 

Andy Warhol: Besorgen Sie sich einen Karton – Kunst – FAZ  = www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/andy-warhol-besorgen-sie-sich-einen-karton-1112437.html:

30. Sept. 2003 … „Ich arbeite“, schreibt Andy Warhol in seiner 1975 erschienenen „Philosophie“ … Sechshundertelf Time Capsules hat Warhol von Anfang der …

 

 

                           Wir reden ĂŒber das Wegwerfen

Am Tisch mit H., H. und wem noch. Ich sitze einem Stamm von GerĂŒmplern-EntrĂŒmplern gegenĂŒber, die sich in ihren HĂ€usern vergessene RĂ€ume halten und dann radikal aufrĂ€umen. FĂŒr K.s Einzug opferte H. z.B. „unbesehen“ alles, was er „zwei Jahre nicht angefaßt“ hatte – das könnte mir zwar nicht passieren, der Anlaß war aber auch danach. Auch H. geht mit der Zeit.

Ich versuche die historische ErklĂ€rung, schlage einen Bogen von Mutters Totalverlust und der verschĂ€mten Zensur der 50er Jahre ĂŒber den Deutschen Herbst zur völligen Inflation der Materialien in den vergangenen Jahren. Dagegen leiste ich meinen stillen Widerstand. Die ĂŒbliche Trennung zwischen gesellschaftlich unerheblichen Privatem und museumswĂŒrdigen GĂŒtern lehne ich ab, wie sie Kuratoren, Handel und Medien vornehmen. Sammler existieren wie eh und je, und selbst die genannten Institutionen leben letztlich von den ernsthaften EigentĂŒmern. Die spekulantiven Sammler sind als Opportunisten keine zuverlĂ€ssige Quelle.

Zwar bringe ich Warhols „Time Capsules“ als zeitgemĂ€ĂŸe Entartung der Erinnerungskultur ins Spiel, habe aber den Verdacht, im Stillen sagten sich die GesprĂ€chspartner: Bei Warhol ist das ja auch etwas ganz anderes.  Es herrscht allen Differenzen zum Trotz die Übereinkunft einer weitgehenden Toleranz den WertmaßstĂ€ben gegenĂŒber. Typisch ist die Floskel aus den Kreisen des Meinungskartells: „unabhĂ€ngig von der ewigen Frage, ob das denn alles gerechtfertigt ist“ („Das-Daniel-Richter-Experiment“ FAZ,18.8.07). Ich nehme aber mich und Meins wichtig und frage mich manchmal, ob das die MĂŒhe lohnt. Man muß damit leben, von Großkotzigen mitleidig belĂ€chelt zu werden.

Ein StarkĂŒnstler auf der Straße  = www.faz.net/…/danielrichter-ein-starkuenstler-auf-der-strasse-11451441.

Was passiert, wenn man einen der erfolgreichsten Maler der Gegenwart zwischen Pariser StraßenkĂŒnstler setzt?

 

 

 

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