In die Welt der technischen Bilder: (11) Spielen

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1  Notizen (S.74-78) 13.11.13   2  Politischer Einspruch    3 Fiktives StreitgesprÀch (S.79f)1  

Dem Glauben an einen Göttlichen Schöpfer und der des schöpferischen Menschen setzt VF die impertinente, entmythisierende Frage nach der Informationserzeugung entgegen. Mit neuer Sprache will VF die revolutionĂ€ren VirtualitĂ€ten einer telematisierten Gesellschaft in den Griff bekommen. (74f.) – Neue Sprache, Umformulierung, neue Perspektive: Der BegrĂŒnder einer neuen ‚Spezial’wissenschaft steht vor uns und entwirft deren GrundzĂŒge wie auf einem Notizblatt. So hĂ€tte auch P. Feyerabend die Gestalt beschrieben. VF ist an den zĂ€hlenden und messenden Wissenschaften orientiert  Er hat  – anders als Psychologen – kein Labor und keine Versuchsanordnung, ist auf ‚Kopfexperimente’ beschrĂ€nkt, wie Blumenbergs humoristische ‚Astronoetik’ (‚Die VollzĂ€hligkeit der Sterne’, 1997, 554ff.), will aber wohl mehr. Dazu gehört auch  die  Zuversicht, bei Null zu beginnen, im Bild: beim Reagenzglas.

Blumenberg lĂ€chelt, zeigt auf den letzten Seiten von „Von der VollzĂ€hligkeit der Sterne“ bei aller Ironie VerstĂ€ndnis fĂŒr das ‚Wesen Mensch, welches sich als zufĂ€lliges Produkt der Evolution zu akzeptieren lernen musste und dann in die gegenpolige Verlegenheit geriet, seine Selbstauslöschung aus der Welt durch die Mittel der intellektuell fortgesetzten Evolution zum Inbegriff aller Greuel  zu erklĂ€ren. (ebd. 541-42)

Flusser bleibt auf der Ebene der Kosmogonie, wo zur Genese denknotwendig der entgegengesetzte Vorgang gehört: In der Welt festzustellen ist nĂ€mlich … Zersetzung, Desinformation. (VF 75) Das ist der Zweite Hauptsatz der Thermodynamik, der sogar grundlegender ist, weil er durch wahrscheinliche ZufĂ€lle entsteht.

Innehalten. Die weltanschauliche Falle des 19.Jh. ! Die prekĂ€re Position Schopenhauers, alle sinnstiftenden Instanzen niederzureißen, aber den metaphysischen Anspruch der Wahrheit aufrechtzuerhalten, die Unabgesichertheit (AS 114) der atheistisch konzipierten Willenslehre. (Alfred Schmidt: Idee und Weltwille,1988: 126). Noch mehr aber die Ansichten von Philipp MainlĂ€nder (1841-76), dem ‚philosophischen Dekomponisten’ (Horstmann). (‚Vom Verwesen der Welt und andere Restposten’ Werkauswahl – ISBN 3-933497-74-4, 2004).

Wir stehen, nach Entmythisierung der Informationserzeugung, vor einer neuen Struktur des Universums. (VF 75) deren scheinbare LinearitĂ€t tatsĂ€chlich nur ein Punkt ist. … „WĂ€rmetod“ … Erschöpfung … Die lineare historische Sicht ist ins absurde Universum nicht hinĂŒber zu retten. (76)  Kann man höher greifen, das Schicksal der Menschen höher hĂ€ngen? – Eine kreative Aneignung des (nicht mehr) aktuellen Standes der Astrophysik. (Erörterung bei E. Neswald 1998, 54-56).

Wie war das noch mit dem Erlernen fremder Sprachen, auch Fachsprachen? Ein Ethnologe sprach vor Jahren von der Notwendigkeit, auch Alltag, BrĂ€uche und Mythen der Gruppe zu lernen, sonst verstĂŒnde man kaum etwas. Und Flusser??

Dialoge sind gelenkte WĂŒrfelspiele. (76) VF definiert ‚Dialoge’ technisch, formal spieltheoretisch, womit er sein Publikum zuerst einmal ĂŒberrascht, verblĂŒfft, beeindruckt. Den Zweck dieser Operation kann es erstmal nicht voraussehen. Das ist einer der Nietzsche-Tricks laut Heinz Schlaffer.

FĂŒr VF spielen die Umformungen vor allem eine strategische Rolle. Sie bilden spontane Ideen ab oder verfremden sie. Er zwingt seine Gedanken in ein Korsett (76 unten). Es bleiben aber Metaphern: Er definiert zum Beispiel in dieser Weise „innere“ Dialoge – das Innere daran mag er nicht, so wenig wie den schöpferischen Menschen, den er in der Gewohnheit des allgemeinen Sprachgebrauchs verortet – um dann daraus fĂŒr eine telematisierte Gesellschaft die Metapher eines ‚inneren’ Dialogs der ganzen Gesellschaft zu gewinnen. Es ist etablierte Rhetorik: Etwas Leeres als etwas Vertrautes auszugeben, freilich 1985 keine frische Rhetorik mehr. Die Staatssozialisten hatten sie in ihren Parolen ĂŒber Generationen verschlissen.

Sich diese wĂŒrfelnde Gesellschaft vorzustellen, reiche nicht aus. Es sei geboten, dem Begriff ‚Absicht’(und das heißt der Entscheidung, der Freiheit) die Stirn zu bieten, selbst unter der Gefahr, dabei ins Bodenlose zu fallen. Um diese Gefahr zu mindern, will ich beim Modell des Gehirns bleiben: die telematische Gesellschaft als ein kosmisches Übergehirn.(77)  Das heißt, die Frage nach der Absicht muss im Kontext der neuen und noch fragmentarischen  Erkenntnissen der Gehirnfunktionen gestellt werden. Provisorische Antworten auf  Basis noch fragmentarischer Kenntnisse sind bei Flusser ganz normale spekulative TĂ€tigkeit. Er referiert im Folgenden ein besonders dummes Modell des Gehirns als Computer, wie es schon Heinz von Foerster (Short Cuts) entlarvt hat(te), baut einen Hinweis auf Laborergebnisse mit Katzen und Ratten ein. Dann wird er grob: Vom neugeborenen Kind zu sagen, es sei beseelt oder es besitze einen Geist,  ist eine Karikatur der rudimentĂ€ren mentalen Prozesse, die in seinem Gehirn vor sich gehen. (77)

Was reitet ihn? Die Angst, mit einer juristischen Konstruktion einem Mythos aufzusitzen? Dem Forscher könnte ich solchen Furor kopfschĂŒttelnd nachsehen, aber dem bloß Informationen verwertenden Theoretiker, der zwei Zeilen weiter schon ins Gehirn einer Versuchsperson eine Elektrode einfĂŒhrt, um einen punktuellen Reiz zu setzen? Jeder Psychotherapeut wĂŒrde Allmachtsphantasien diagnostizieren bei der Fortsetzung dieses Satzes: dann wird diese Person, wie vom Experimentator mit PrĂ€zision vorausgesehen, eine Zahlenreihe aufsagen un dabei behaupten …. (77/78) – Ist er bereits bei Karl Poppers erster Formulierung des Falsifikationskriteriums angelangt? Transponiert auf eine dem Anspruch nach ‚Metatheorie‘?

Sonniger Vormittag. Erst einmal durchsichtige Umformulierungen wie: weil jedes ‚Ich’ ein einzigartiger Knotenpunkt ist, was aber quantitativ erklĂ€rt wird: durch seine Stellung und die in ihm gelagerten Informationen. (…) Betrachtet man nun das ‚Ich’ als einen Knotenpunkt im dialogischen Netz, dann kann man nicht umhin, die Gesellschaft als ein aus individuellen Gehirnen zusammengesetztes Übergehirn zu sehen. Und die telematische Gesellschaft wĂŒrde sich von allen vorangegangenen nur dadurch unterscheiden, dass dort der Zerebralnetzcharakter der Gesellschaft bewusst wird und man somit darangehen kann. Die telematische Gesellschaft wĂ€re (…) die erste selbstbewußte und daher freie Gesellschaft . (78)

Endlich kapiert? – Aber irgendwoher kenne ich doch diese Ideen! Aus Sci Fi. Aus Samjatins Stadt mit den glĂ€sernen WĂ€nden, aus „Wir“ (1922), der literarischen Utopie, die den Autor das Leben kostete!

Zweifel: Hat man die Zerebral-Metapher nicht inzwischen verlassen? Jedenfalls in den Informationswissenschaften, die auch praktische Erfolge ausweisen mĂŒssen? –Alles klar, das ist der nach einem ĂŒberholten Gehirnmodell gebaute Schaltplan unserer Gesellschaft. (78) Flusser: Wir wissen heute, dass das Gehirn nicht zentral kontrolliert ist, sondern durch ein Zusammenspiel von zum Teil gegeneinander austauschbaren Gehirnregionen und – funktionen gelenkt wird. Und gleich darauf wieder eine atemberaubende stilistische Übertragungsleistung: Die gegenwĂ€rtige Gesellschaftsform verdankt ihr Entstehen einer ungenĂŒgenden und zum Teil falschen Erkenntnis des Zerebralnetzcharakters der Gesellschaft. Die Massenkultur, der ĂŒberhandnehmende Kitsch, der Verfall der Gesellschaft in Langeweile, in Entropie sind Folgen der falschen Schaltung. (78) Gut gebrĂŒllt, Löwe, aber Theorie?? Ja, fĂŒr die Handtasche oder Westentasche, oder moderner: in einer ‚consumer’-AusfĂŒhrung.

2   Einspruch

Nun ist aber der politologische Einspruch fĂ€llig:  Die Globalisierung hat der Netzstruktur eine ungeheure Bedeutung gegeben, da die KomplexitĂ€t, HeterogenitĂ€t und schiere Menge der BezĂŒge jeden wirklichen Zentralismus unmöglich machen. Doch soll in der Umgebung des einzelnen Menschen die digitale Knotenstruktur ebenso durchgreifen? Alle LebensbezĂŒge (‚Gesellschaft’) regeln? Ein schlimmer Denkfehler! Das ist dumme Netzarchitektur – nicht anders als Brasilia und Chandigarh – Das ist eine totalitĂ€re Vorstellung. Der Mensch soll nur in TeilbezĂŒgen vernetzt sein, wie es das deutsche Bundesverfassungsgericht in den achtziger Jahren sogar richtig feststellte. ‚Die Gesellschaft’ soll nichts Ganzes sein. ‚Das Ganze ist das Falsche’ laut Adorno und Flusser, aber das wird, das muss es auch immer bleiben. Indem er sich total auf einen informationstheoretischen Jargon beschrĂ€nkt, der seine Sicht auf die RealitĂ€t streng kanalisiert, kann Flusser dem nicht entgehen.

Als Beschreibung ist der Satz Unsinn: Die gegenwĂ€rtige Gesellschaftsform verdankt ihr Entstehen einer ungenĂŒgenden und zum Teil falschen Erkenntnis des Zerebralnetzcharakters der Gesellschaft. Sie ist nicht geplant entstanden, Teile wurden geplant, teils verordnet, teils auf dem Markt angeboten, zuerst Formate wie TV, Kino, Internet, dann unendlich viele Inhalte, die heterogen sind und in der – selber wieder heterogen beeinflussten – Individual- und Gruppenentscheidung geprĂŒft werden. Das Wort manipulieren (78) grundiert Flussers Vorstellungen. Die siebziger und Achtziger waren auch die hohe Zeit derartiger Verschwörungstheorien! (‚Bild’-Kampagne 1968, Unterrichtseinheiten ĂŒber ‚Werbung’ in den Schulen) Eine Zeit eines berstenden Selbstbewusstseins der entsprechenden Psychologen! Und der Marketing-Fachleute. Inzwischen sieht man die Erfolgsaussichten weit nĂŒchterner. GeschĂ€ftliche Flops sind die Regel und die Völker erweisen sich als resistent gegen zum Beispiel politischer Umerziehungsversuche. Man nimmt sich was man ‚braucht’. Jetzt will man genauer wissen, was die Leute denn jeweils ‚brauchen’, die endlose Jagd geht weiter!!

War das nicht auch ein Bolschewiken-Terminus wie ‚Transmissionsriemen’, angereichert durch Pawlows ‚Klingel’ und gekrönt durch Aussicht auf die ZĂŒchtung von frostresistentem Weizen? VF will bewusst manipulieren, denn: „Es ist eine dumme Gesellschaft“ (78 unten).

Innehalten: Wen interessiert die Dummheit einer Gesellschaft? Den Sozialpolitiker, den Strategen der globalen WettbewerbsfĂ€higkeit, den Sozialingenieur… aber den Philosophen? Den klugen, der die Grenzen des Menschen vorsichtig abklopft? WĂŒrde sie den Migranten interessieren, wenn er nicht oft darunter leiden wĂŒrde?

Doch wer definiert diese ‚Dummheit’ nach welchen Kriterien? Und erst das Gegenteil: die ‚schöpferische Gesellschaft’ ?(83) DĂŒrfen auch Historiker, Soziologen, Ethnologen und Anthropologen, Mediziner und Psychologen, ja Philosophen und Theologen im Gremium sein? Welche Befugnisse soll es haben?  – Der Vilem Flusser des Interviews von 1991 mit Tschudin lacht ĂŒbrigens lauthals und verĂ€chtlich ĂŒber den ganzen Kokolores! Ich engagiere mich an einem Syndikat fĂŒr Volksschule, wenn ich ein Kind im Volksschulalter habe, aber sobald das Kind etwas Ă€lter wird, spucke ich auf die ganze Volksschulsache. Oder: … Wenn ich nicht mehr Schachspielen will, werde ich doch nicht, so wie Dichter Körner, aus glĂŒhender Vaterlandsliebe im Felde sterben fĂŒr das Schach. … (137). In Essays und Glossen gibt Flusser oft den bloß ironisch Beschreibenden! Ein wenig wie Hans Blumenberg. Also: Selber eine dumme Idee, sein theoretisches gesellschaftliches Engagement!

Weiter auf Seite (79).

3     Ein (natĂŒrlich polemischer)  Dialog entspinnt sich:

Aha, der Schaltplan der Gesellschaft soll dem Zusammenspiel von Funktionen im Gehirn gerecht werden…. Danach kommt sonnige freundlich wirkende Utopie….

In einer solchen Gesellschaftsstruktur wird es keine Sendezentren mehr geben., sondern jeder Knotenpunkt des Netzes wird zugleich empfangen und senden. Dadurch werden die Entscheidungen ĂŒberall im Netz getroffen werden

Darf ich an diverse ‚Shitstorms’ erinnern?  …. Konsensus?  Habermas nickt beifĂ€llig ….

Das einzelne ‚Ich’ ( ‚ ’!) wird darin seine Einzigartigkeit beibehalten – ‚bei-behalten’ (so wie die einzelne Zelle im Organismus und das einzelne Tier in der Herde).

Also seine ID, sein Profil, sein Tag im Ohr.  Danke, Vilém, ich bin beruhigt.

Gar nicht nötig!, denn bei deiner jĂŒdisch-christlichen Anthropologie darfst, ja mĂŒssen Sie die eben geschilderte Sozialisation der Freiheit abstoßend finden. (79)

Ich denke aber an anderes, auf das du nicht kommen wirst, denn du hast dich ja die letzten zwanzig Jahre nicht auf den chinesischen Totalitarismus eingelassen, auf dessen altehrwĂŒrdige Tradition auch nicht. Es hat eben Folgen, wenn man sich als Zeitgenosse dem ungeheuren Erfahrungsschatz der eigenen Epoche verweigert, um von einem willkĂŒrlich festgehaltenen Zeitpunkt, fĂŒr dich ‚Auschwitz’, einen Einschnitt zu proklamieren und dann sich bei den Nerds und TĂŒftlern in den Kulissen herumzutreiben. Einem so ausgeprĂ€gten Generalisten darf so Entscheidendes nicht entgehen.

Äh…

Noch einen Satz bitte. Ich habe schon 1963 bei dem Jesuiten und Sinologen Kroker von Lord Shang, dem GrĂŒnder der berĂŒchtigten ‚Legisten’schule um 400 vor unserer Zeit gehört. Mao Tse-tung, ein MusterschĂŒler der ‚schwarzen’ Tradition in China hat die Beziehungsstrukturen des chinesischen Kommunismus um stalinistische Verfahren bereichert, sie in diesem Sinne modelliert, je lĂ€nger, umso radikaler. Strategen wie er und Hitler haben die ‚wölfische’ Menschennatur (Bacon, Schopenhauer) damit losgelassen. Den einzigen Schutz dagegen, institutionalisierte Barrieren weggerissen, Menschen zu „Knotenpunkten“ gemacht.

Nach diesen…

Gewiss  jĂŒdisch-christlichen…

Anthropologien gibt es im Menschen einen Kern, den es zu bewahren und entfalten gilt. … Wir wissen aber gegenwĂ€rtig, dass dieser Kern ein Mythos ist und die hergebrachten Anthropologien nicht beibehalten werden können. (79)

Sollte es nicht vielleicht einen Kern in AnfĂŒhrungszeichen geben, als bewusste Fiktion, als pragmatisch bewĂ€hrter, in diesem Sinne notwendiger Mythos, den man politisch als Vertragsbestandteil international durchsetzen sollte? Wie desaströs ein Verzicht ist, etwa gegenĂŒber chinesischen UnterhĂ€ndlern auf Menschenrechtskonferenzen, habe ich an dem fĂŒr China weichgespĂŒlten Menschenrechtsbegriff des renommierten Experten v.Senger aus Lausanne illustriert. Er hat ermittelt, dass die Maoisten westliche RechtsgĂŒter durch sowjetische Vermittlung ĂŒbernommen haben und sie fĂŒr die BedĂŒrfnisse ihrer nationalkommunistischen permanenten Revolution zurecht geschnitten haben. So werden ‚individuelle Menschenrechte’ bis heute in der VR China zwar prinzipiell ‚anerkannt’, aber nur entsprechend der zu definierenden ‚Phase der Revolution’ gewĂ€hrt. Mitglieder der ehemals herrschenden Klassen wurde kollektiv der Anspruch auf elementare Rechte verweigert, mit ihnen ging man nach OpportunitĂ€t um.

Ich denke bekanntlich anti-totalitÀr.

Sie denken wie ein Spieler, der alles auf ein Karte setzt, vielleicht auch wie in Schachstratege!

Wir wissen aber, was wir wissen, dank ganz verschiedener, aber konvergierender Disziplinen – der Neurophysiologie, der Tiefenpsychologie

 ?  eine exakte Wissenschaft in Ihrem Sinne?

der Informatik

Das ‚Ich’ eine Fiktion, ein Mythos? Durch Informatik?  Aber v. Foerster !

Und vor allem der phĂ€nomenologischen Analyse … Sie haben noch nie etwas von „eidetischer Reduktion“ gehört? (79) Da erweist sich, dass das ‚Ich’ ein abstrakter Haken ist, auf welchem konkrete VerhĂ€ltnisse hĂ€ngen und dass, wenn man diese Relationen entfernt, sich das ‚Ich’ als ein Nichts herausstellt.

Das wĂŒrde ich gern noch einmal bei Husserl nachschlagen. Welche Stelle empfehlen Sie mir? Aber ich bin baff. Die alle, so ein bunter Haufen? Reden die ĂŒberhaupt miteinander? Was wird aus ihnen in zwanzig, dreißig Jahren geworden sein? Was sich in der einen oder anderen ‚Disziplin’ (AnfĂŒhrungszeichen, weil sie gar zu zusammengewĂŒrfelt sind) etwas herausstellt, ist das dann mit anderen solche Feststellungen vergleichbar?

Das Wichtigste kommt erst! Das wichtige bei einer derartigen dialogischen Umschaltung der Gesellschaft, bei diesem ‚dialogischen Leben’ (Buber), ist der Spielcharakter …

Ah, Buber, und Spieltheorie!

Ich setze fort: Die Gesellschaft als dialogisches Zerebralnetz muss als ein Gesellschaftsspiel angesehen werden und die Informationen, die eine solche Gesellschaft herstellt, als ZĂŒge in einer Art Schachspiel. (79)

Das ist ein Strategiespiel, passt gut auf eine erst rudimentÀre Spieltheorie!

Nur ist das Gesellschaftsspiel, im Unterschied zum Schachspiel, ein ‚offenes Spiel’, das heißt, es kann seine Regeln im Laufe des Spiels Ă€ndern.

Das haben Sie auch im Text ‚Gesellschaftsspiele‘ geschrieben. Aber: Es kann bloß? Was ist ĂŒbrigens mit den Regeln, da sitzt doch wohl das methodische Problem?

Ich verweise auf spÀter, die Kybernetik (80)

Sie setzen Ihre Argumentation hier lieber fort und bieten ein schlichtes Modell disziplinierter Suche nach entsprechender Spielstrategie. Was hat das mit Gesellschaft zu tun? Oder reduzieren Sie schon einmal die ÜberkomplexitĂ€t auf das Format eines Schachspiels? Das erinnert mich vage an alle die BemĂŒhungen um ‚Rationalisierung’, um nicht zu sagen um Gleichschaltung. Die genannten Zukunftswissenschaften mischen ja ordentlich mit. Wollen die nicht auch die Gehirne aufrĂŒsten, damit sie endlich, natĂŒrlich bei weitem nicht alle, nicht mehr nur einen Bruchteil dessen erzeugen, das (das Gehirn) zu erzeugen fĂ€hig ist. Wir werden, kann ich ihnen dreißig Jahre spĂ€ter sagen, ja von den Ă€ußeren ZwĂ€ngen zu immer neuen Anstrengungen gezwungen. Und der Erfolg fĂŒr die Menschen?

Nur wird sich die telematische Gesellschaft schneller als das individuelle Gehirn entwickeln. Denn das Gehirn ist als Zufallswurf aus dem WĂŒrfelspiel der ‚Natur’ entstanden…. (80)  

 (( Da ich zu dem Zeitpunkt von Foerster ‚KybernEthik‘ noch nicht gelesen habe, lasse ich das Gesagte so stehen und frage nur : ))  Das heißt: Es bleibt hinter der Entwicklung zurĂŒck?! Das tut es doch schon die ganze Neuzeit ĂŒber, und immer schneller. Wir verlieren tatsĂ€chlich das Bewusstsein. Was soll da noch Ihre Utopie’? Die ist doch Hirnschiss!

Sagen Sie was Sie wollen. Wir werden zum ersten Mal tatsĂ€chlich Mensch sein. Die telematische Gesellschaft, diese ‚Informationsgesellschaft’ im wahren Sinn des Wortes, die erste tatsĂ€chlich freie Gesellschaft. (80)

 Schluss des Kapitels und Ende der Diskussion.

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