Kinshasa – Oder die Zukunft der Dienstleistungsgesellschaft.

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(Nur EIN Aspekt des Musikfilms „Kinshasa Symphonie“ *im ‚Mal Seh’n-Kino, wenn auch die dominierende Perspektive, eine andere kommt unten in einem Nachtrag zur Sprache)

 

Eine furchtbar hässliche Ruinenstadt, zahnlos, endlose schlammige Schneisen durch Slums. „Zement ist zu teuer“. Massen von Menschen wie Ameisen auf einer Ameisenstraße.   

Die Infrastruktur pfeift aus dem letzten Loch. Strom wird verknotet. Die Sprache des Wohnungsmaklers ist gepflegt und ein angenehmer Kontrast zu den schwarzen Löchern, die er anbieten kann. Er hat wahrlich soziale Kompetenz, er könnte bei uns arbeiten.

Nur was man problemlos importieren kann, was mobil ist (und neu), scheint zu funktionieren und sieht gut aus: Autos, Handies, Fernseher.

Das Kinopublikum staunt über die überraschend gut gekleideten Leute in dem ganzen Chaos. Das liegt eben noch in Reichweite des Einzelnen. Ebenso wie die Dienstleistungen: vom Coiffeur, Schuhputzer, zu Schneider und dem Unterhaltungszweig. Huren werden nicht gezeigt, bloß die Nötigung dazu kommt in Reichweite.

Und aus alledem entsteigt vor mir das Bild unserer Zukunft. Böse utopische Romane und Filme scheinen bei der Realität Kinshasas Pate gestanden zu haben.        1.10.2010

Auch das Ambiente ist reizvoll – und erst die Musik! (> youtube) , TIGO  fvv 2015  >

«Congo Fashion Week» du 07 -10 oct 15 Kinshasa lecongolais.cd

 

 

 

 

 

 

 

Nachtrag 14.4.2016 :

Das Orchester gehört zur Eglise Kimbanguiste, einer selbstbewussten Freikirche aus dem Bas-Congo. Das googelte ich schon 2010, aber erst jetzt bekommt das ganz neues Gewicht, im MAYUMBE-PROJEKT. Der verlinkte ZEIT-Artikel* ging auf den Hintergrund ein:

„Könnt Ihr vergessen!“ So lautete die einhellige Reaktion Kongo-erfahrener Kollegen, als Regisseur Claus Wischmann und Kameramann Martin Baer im Herbst 2008 ihr Projekt eines Dokumentarfilms in Kinshasa # vorstellten. In der kongolesischen Hauptstadt sind Kameraleute und Fotografen Freiwild für Polizisten und Soldaten. Konfisziertes Gerät rücken sie allenfalls gegen Dollarscheine wieder heraus. Und bei aller Freundlichkeit, mit der einem Zivilisten sonst im Alltag begegnen: Eine gezückte Kamera kann einen kleinen Volksaufstand auslösen. Es sei denn, man genießt den spirituellen Beistand durch den Enkel eines Propheten. Die Musiker des Orchestre Symphonique Kimbanguiste (OSK) sind Anhänger Simon Kimbangus. Dessen religiöse Vision einer schwarzen Renaissance erschreckte vor über 80 Jahren die belgischen Kolonialherren so sehr, dass sie ihn im Gefängnis verenden ließen. Kimbangu ist der Großvater des OSK-Gründers und Dirigenten Armand Diangienda. Und mit der Hilfe des Nachfahren eines Propheten, Märtyrers und Nationalhelden wird auch das Leben eines Filmteams in Kinshasa sehr viel einfacher.

# Dieser Link öffnet einen sehr guten Hintergrundsartikel über den Kibangismus!

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