In der Galerie, die StĂŒhle im Kreis locker um einen Tisch geschlungen wie eine Perlenkette, Wir (ich) von WeiĂwein beflĂŒgelt, und am Ende verabschieden wir uns mit Handschlag. Regehly verabschiedet mich mit verdoppelter Herzlichkeit, ich habe ihm eben sehr geholfen. Die ganze Diskussion aber auch mir. Man hat toleriert, dass ich manchmal mich noch auf das Ende einer Wortmeldung draufsetzte und auch offen Widerspruch anmeldete. Ich entwickelte dabei eine gewisse Leidenschaft, die ich vor mir mit dem Wert oder gar der Notwendigkeit der Intervention rechtfertigte. Ich sprach in der Runde frei und kontrolliert wie schon lange nicht mehr.
Das Resumee der Beziehung des Marx(ismus) zu Schopenhauer droht wieder in die ausgefahrenen Spurrillen zu geraten: (âvierzig Jahre Zeit gehabtâ, blablabla…) ich fahre dazwischen. Prompt weckt das auch bei anderen entsprechende Informationen. Die drei Alten haben es schwer mit ihrer doppelten Ablehnung: der aktuellen VerhĂ€ltnisse und des real-existierenden Sozialismus, die noch als Reflex in ihnen steckt.
âWarum wurde Schopenhauer kein Marxist?â fragte H. zugespitzt. Ich hebe wieder auf die traumatisierende Erfahrung der Jakobinerherrschaft fĂŒr das BĂŒrgertums im 19.Jh. ab, speziell auf niedere Instinkte und die brutale Rechtlosigkeit, fĂŒr Sch. sicher ausschlaggebend ( ich denke wohl an den âMaulkorbâ), er könne nicht solche Mittel fĂŒr die guten Zwecke billigen.
R: fĂŒr Sch. gebe es kein Subjekt der Geschichte, also keine Klassengesellschaft
R. brachte die âHeilslinieâ und die âUnheilslinieâ (z.B. bei Lukasz) ins Spiel. (Solche BĂŒcher gehören eingestampft, auch JĂŒngers âDer Arbeiterâ (1932) â von R. am Ende in die Diskussion gebracht â denn âder Ton macht die Musik … Der Arbeitsbegriff ist explodiert…. Dann ist auch Auschwitz Arbeitâ.
(Auch die Frankfurter Schule arbeitete mit solchen Linien, was ich am – von R. in den Himmel gelobten â Alfred Schmidt mit eigenen Ohren feststellen konnte, der rhetorisch ĂŒber den Sumpf der ordinĂ€ren Geschichte stakste, von Kant ĂŒber Schelling und Hegel zu Schopenhauer, Marx, Freud .. zu Horkheimer auf geistesgeschichtlichen Stelzen, die ihm mittlerweile (80) an- und eingewachsen sind.)
Der âSegen der SĂŒndeâ (Nietzsche) Luxus
Galerist Rothe sitzt noch in hohem Alter dem gĂ€ngigen Vorurteil ĂŒber vorstaatliche Kulturen auf – demontiere ich zusammen mit R., auch mit anthropologischer Konstante des SchmuckbedĂŒrfnisses, mit Epos, Ritual, Liedern und den Sammlungen ethnologischer und archĂ€ologischer Museen. Nur weil wir im Luxus existieren, muss der ja nicht Kulturbringer sein.
HerzstĂŒck war die Erörterung der Begriffe âTĂ€tigkeitâ, nichtentfremdeter und entfremdeter âArbeitâ sowie der âBeschĂ€ftigungâ
âEntfremdungâ musste erst einmal von der gedankenlosen Verbindung mit körperlicher Anstrengung gelöst werden und ihr Gegenteil von Kunst und Wissenschaft. Flussers âFunktionĂ€râ kommt bei R. gut an.
Schopenhauer hat in seinen Jugendnotizen (26 J., 1814) fantastisch formuliert, viel reifer als Marx (an der berĂŒhmten Stelle, die ich in Erinnerung bringe), der R. darin âan ein gelangweiltes Kindâ erinnert. Ăberhaupt Langeweile!
ArbeitszeitsverkĂŒrzung:  Ich verwandele den âVorhang vor dem Nichtsâ BeschĂ€ftigung. Rothes wichtiger Beitrag: âMan kann mit Stricken die HĂ€nde beschĂ€ftigen (spontane Assoziation), aber das Fernsehprogramm ist unbefriedigend, man liest ein unterhaltsames Buch, aber man kann die schweren Gedanken nicht vertreiben, die Sorgen, man ist unruhig, weil man etwas knabbern oder trinken möchte….â
âWir verbergen nicht das Nichts vor uns, sondern jeder anders je nach Lage, Information, augenblicklicher Verfassung. … ist auch eine Frage der Zumutbarkeit.â R. unterstreicht das.
Die erkenntnismindernde Rolle der rhetorischen Figur âWirâ sollte ich einmal nĂ€her untersuchen. Den Impuls dazu gab mir schon Flussers ausgiebige Verwendung!