Drei kleinere Figuren der “Lengola” im Blockstil

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Objektdoku.Gv

Ein kleines Lengola Figurenpaar  (26,5-27 cm) in der Zusammenschau   1.7.2017

Gemeinsam: Größe, Stil (aber …!) und Kopfform, Augenschlitze, rotes auf weißem Pigment – Vor allem gewinnen sie gemeinsam erst Spannung und öffnen erst den Blick für unterschiedliche Feinheiten .

Gehören sie wirklich zusammen? Am Stand aus zwei Ecken geklaubt. Im Bau sehr unterschiedlich. Meine heutige Erklärung dafür ist: Die Gender-Differenzierung verwendet höchst unterschiedliche Stilmittel.

Der Mann, erkennbar am kleinen Dreieck an der ‚richtigen’ Stelle, geht als Figur an die Grenze der Abstraktion. Nur der ‚stammestypische’ Kopf erlaubt eine Stilidentifikation. Der Hals sitzt auf einer rechteckigen 13,5 x 10 x 3 cm senkrechten Platte mit drei rechteckigen Öffnungen, wodurch Rumpf und Arme getrennt werden und die Beine den breitestmöglichen Stand auf einer annähernd runden gut 2 cm dicken Bodenplatte von bis 10 cm Durchmesser erhalten.

Der minimalistische, aber keineswegs manieristische – etwa lang gestreckte – Körper ist ‚männlich’ breit aufgestellt, Die Kürze der Beine verstärkt noch den Eindruck der Stabilität. Extrem breite Schultern verjüngen sich an den Seiten nur leicht und erscheinen sehr kräftig. Das diskret angedeutete Gehänge hat sehr viel Raum und nimmt unmerklich die volle Breite des Rumpfes ein. Der Ausdruck von Virilität ist nicht auf Protzerei angewiesen. Es geht nicht um Fruchtbarkeit.

Die Taille erscheint über den Hüften schmal. Der radikale Blockstil liefert nebenbei den Eindruck von Brettbauch und aufrechter Haltung, freilich auch den von Unbeweglichkeit: Die Figur kann vor Kraft gar nicht laufen. Das Gesicht ist breiter als das der Frau und verzichtet auf die Andeutung eines Mundes. Die Augenschlitze sind noch schmaler, Stirn und Nase noch dominanter.

Die Frau entspricht in etwa meiner stark patinierten und mit Polsternägeln geschmückten Mbole/Mitoko- (oder doch eher Lengola?)-Figur, die freilich viel raffinierter gebaut ist, vor allem, was die entstandenen Winkel angeht. Sie ist ein vereinfachtes Modell und vermittelt zwischen den extremeren Typen.

In Höhe der Augen läuft bei allen waagrecht eine markante Kante um den Kopf, aber die anstoßenden Flächen sind zweimal nur auf Rundung geschnitzt, während die Schädelplatte der älteren Figur sieben Ecken aufweist. Der Körper der Frau besteht aus schlichteren Blockformen, die aber ähnlich ‚realistisch’ genutzt werden: zurückgezogene Schultern und dynamische Arme, vorgestreckter Brustkorb, markante Bauchpartie, heraus stehender Po, offene – gebärbereite? – Lage des Venushügels, leicht gebeugte Knie, die den Körper leicht nach vorn drehen, lange, die Figur ausbalancierende Füße mit angedeuteten Zehen.

Gehören die beiden überhaupt zusammen? Vom Gebrauch her kein Problem, doch schon die Attraktivität ist höchst unterschiedlich. Allein hätte der Mann als Schnitzwerk nie mein Interesse bekommen. Die Frau wirkt agil, Arme, Schultern, Po, Beine und Füße haben ihren eigenen Rhythmus.

Vorläufig nehme ich gleiche Werkstatt und Entstehungszeit an, obschon die männliche auch ein schlichterer Ersatz sein könnte, der aber dann ebenso bereits mehrere Übermalungen erlebt hätte. Am Kinn der ‚Frau’ ist eine kleine Fehlstelle ausgebessert worden. Jeweils ist ein schmaler senkrechter Riss an den Köpfen sichtbar.

Die Patina

Die rechten Gesichtshälften waren rot, die linken weiß bemalt. Der Körper war mit einer dünnen Schicht Weiß bedeckt und mit kleinen roten Flecken unregelmäßig übersät. Auf den Vorder- und Rückseiten der Frau ist der Abrieb stark, besonders in der Grube über dem Bauch, wo man spontan die Figur mit dem Daumen anfasst. Sie ist sichtbar und fühlbar abgegriffen, die Figur lädt auch dazu ein. Dort, und auf den schrägen Flächen der Stirn und der Oberschenkel, fallen die feinen Poren des dunkel glänzenden, dichten, aber leichten Holzes ins Auge. An der männlichen Figur haben sich die Farbschichten besser erhalten, dadurch wirkt die Figur aber auch schmutziger, unattraktiver.

An beiden Figuren scheinen mir lose Farbpartikel gezielt abgerieben worden zu sein, so wie man das vor einem Neuanstrich macht. Dazu ist es offensichtlich nicht mehr gekommen.

Die  dritte größere Figur auf dem Bild oben im Vergleich

Der Große ( Höhe 42,5 cm) hat weichere Kanten. Das Herzgesicht und die Augen wirken harmonisch wie bei Lega-Figuren. Die Winkel der Schultern und der Hüften sind abgeschrägt. Auch die Konzeption von Rücken, Po und Beinen zeigt mit Winkeln und Einschnitten eine leichte Tendenz zum ‚Realismus’. Hier fällt mir – wie bereits an der Figur vom Ubangi (LINK) – eine vertikale Dreiteilung auf: oben und unten gewisse Kugelformen, in der Mitte Blockformen.

NEUIGKEIT      9.12.2019   

Die dritte Figur ist vorgestern meinem altersbedingten Wunsch nach Neuerwerbungen ohne Mengenwachstum zum Opfer gefallen. Sie ist wieder auf dem Markt.

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