DIE ZEIT ist bloß ein progressiv geschminktes Lifestyle-Blatt

|

Begegnung mit der ZEIT nach Jahren, doch mit der dritten Nummer, Nr. 15, reicht’s mir.

Die dreißig knisternden Seiten großes dünnes Zeitungsblätter hochzuhalten, ist unbequem und anstrengend. Für die Parkbank oder den Economy- oder Zweite-Klasse-Bahnsitz ist DIE ZEIT zu sperrig, gerade richtig für den Couchtisch – da ist er ja endlich!

Schon am Briefkasten fallen zwei geheftete Extreme heraus : ein Heft ‚Design’ und eins ‚Chrismon’ mit Blumenbukett in Kreuzform („und doch ist die Auferstehung schwer zu begreifen“), im Innern das ewiges Wohlbefinden signalisierende Lächeln von Bedford-Strohm. (S.10), dazu reichlich Lufthansa- und Wein-Werbung und solche für SOS-Kinderdörfer.

Üblicherweise wendet man ein, an ein Wochenblatt müsse man andere Erwartungen stellen als an eine Tageszeitung, und bei einem Wochenendblatt sei noch etwas Unterhaltung zuzugeben.

Damit gebe ich mich nicht zufrieden. Denn bei der ZEIT ist das politisches Programm, ein Stillhalteprogramm für gut situierte, wenn auch leicht beunruhigte Zeitgenossen.

Bei der ZEIT können die Leser für fünf Euro die Woche lernen, was sie an der Glotze bereits perfekt beherrschen sollten, sich emotional in jedermanns Befindlichkeit hineinzuversetzen. Da bleibt man nie allein in einer Schmuddelecke oder Sackgasse.

Und es ist ein Durchhalteprogramm der besonderen Art: sich die gute Laune nicht verderben zu lassen, egal was kommt.

Interview, Jammern auf hohem Niveau, Meinung und Gegenmeinung, Blicke durch die Panoramabrille und liebevoll geschilderte Details – alles in entspannter Umgangssprache, wenn nicht bereits einfachem Deutsch. Nicht Konzentration, nur Geduld ist gefordert, bis der Erzählfaden eben an sein Ende gekommen ist.

Die regelmäßig wiederholte Lektüre kann als therapeutische Übung zu endloser Geduld verhelfen, zur Tugend des gleichmütigen, aber auch neugierigen Aussitzens und Zuschauens, eine Tugend, die bereits seit Jahrzehnten den deutschen ‚Souverän’ lähmt.

Sie meinen vielleicht, mit der „Kraft der Strasse“ werbe DIEse ZEIT-Nummer für ‚das Aufstehen!’ Missverständnis: Sie sollen sitzenbleiben und denen zuschauen, die auf den Bildschirmen in mundgerechten Bewegungsausschnitten gezeigt werden und darüber mit der ZEIT müßige (überflüssige) Betrachtungen anstellen.

Kostproben

  • Titelthema: Die Kraft der Strasse … Ist das der Beginn einer neuen politischen Ära?

  • Sie lassen uns echt alt aussehen, schreibt Claudia, wir Dreißigjährigen haben politisch nichts erreicht. Jetzt zeigen uns die Kinder mit ihren Klimaprotesten, wofür wir hätten kämpfen sollen

  • Protest braucht ein Gesicht – Jürgen Trittin hat das Auf und Ab von Protestbewegungen miterlebt. Was ist heute anders als damals?  Haben sie dich sediert, Jürgen?

  • Der Missbrauch ist normal – Fans feiern Popstars, selbst dann, wenn sie als sexuelle Gewalttäter gelten. Daran hat auch #MeToo nichts geändert.

  • Mit dem Willen zum Schmerz – …der nächste Pop-Superstar  – geboren 2001

  • Zum Wohl – Emanzipation darf keine Pause machen – auch wenn manchen das Tempo zu hoch ist. Eine Replik…

  • Die beste Zeit ein Mann zu sein! Die Männlichkeit sei in der Krise, heißt es. Dabei gab es nie mehr Freiheit, sich selbst zu erfinden – nicht nur als Vater

  • Stinkt so schön nach Schweiß – Wie ein deutscher Baumarkt die asiatische Welt verärgert.

  • “Lang Lang – Lieblingswerke der Klaviergeschichte..“ (Anzeige)

  • Ich trage billig! ….. Unsere Autorin… hat keine Lust, sich dafür zu schämen.

  • Ein Stempel für die Liebe – ….. für die Mitarbeiter der Ausländerbehörde ist dieser Job ein Grenzgang

  • Hot Dog – Es gibt Gerichte, die um die Welt gehen. Wir reisen dorthin, wo sie herkommen…

  • Die Obersalzberg-Clique …. Hitlers Ersatzfamilie …

  • ………

  • ………

  • …………………………………. Sorry ich bin darüber eingeschlafen

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.