Nicht identifizierte Maske – Recherche in Richtung Lengola und Jonga

|

Lengola - Jonga

Kurzbeschreibung: Längliche ‚Präsentationsmaske’ 40 cm lang und 20 cm breit

W. konnte sie beim besten Willen nicht zuordnen, ich dachte gleich an die Region Greater Maniema in der Definition von Marc L. Felix (Maniema – An Essay on the (…) Masks of Greater Maniema, engl./dt., Jens Jahn München 1989)

 

Abgleich mit den Songola

Lengola-plus

Die Augenpartie scheint überein zu stimmen. Die Größe von 39 cm passt. Doch die Beschreibung von Fig. 34 benennt zahlreiche Unterschiede zum Objekt meiner Recherche: Birnenform, vorspringende Nase, gewölbte Brauen, ein viereckiger Mund mit gezackten Lippen, Löcher quer über das gerade Kinn zur Befestigung eines Bartes; die kleinen durchbohrten Augen liegen in konkaven Flächen; blasses Kaffeebraun mit Spuren von Kaolin und glatter Oberfläche.

Felix: Diese Maske wurde vom Kolonialverwalter Volkaer bei den Songola gesammelt. Sie erinnert in vielerlei Hinsicht an die der Lega, aber die würden eine Maske niemals so groß gestaltet haben, wohingegen die nördlichen Nachbarn, die Lengola, gern zum Gigantismus neigen.

Eine zweite Maske, fig.35, erscheint im Bau verwandter, aber noch stärker gestreckt und mit 18 Songola Maniemacm sehr klein. Felix nimmt an, dass sie als Präsentationsmaske zum Inhalt eines Initiationskorbes der Songola-Variante der Bwami-Gesellschaft (Lega)gehörte.

Die Songola sind eine kleine Gruppe (+- 7500), die gemeinsame Ursprünge mit Metoko und Kumu (aus Uganda) haben soll, die von den Tetela weg vom Lomami-Fluss in östlicher Richtung zum Oberlauf des Kongo (Lualaba) gedrängt wurden. Sie mussten ihn sogar zeitweise überschreiten. Wichtig ist hier nur: Sie wurden lange Zeit von verschiedenen Völkern herumgeschubst. (130,139)

 

 

 

 

Abgleich mit den westlichen Lengola (+- 100.000) (S. 139-143)

Wir erfahren, dass es sich um eine heterogene Gruppe handelt, deren westlicher Zweig am linken Ufer des Lualaba wohnen. Die Dörfer werden von segmentierten Familienverbänden ohne Oberherrscher gebildet. Diejenigen, die Macht besitzen, die Herren des Landes und rituellen Anführer, sind mit der Bukota-Gesellschaft verbunden, der wichtigsten gesellschaftlichen, religiösen und rechtlichen Institution in der Gegend mit vielen Rängen.

Fig.36 bietet sich zum Vergleich an, eine flache Maske von gestreckten Proportionen, das Gesicht halb rot, halb weiß gefärbt mit einer hohen zurückweichenden Stirn, nur 32 cm hoch. Lengola.-no.36Auch sie ist eine Präsentationsmaske, die nicht getanzt wurde – und jetzt wird es interessant: Sie wurde vor Ort zusammen mit einem Stab und einem figürlichen Hauspfostenfragment erworben. Als wahrscheinliche Nutzung nennt Felix die Bukota-Gesellschaft, die dem Bwami der Lega entspricht.

Auf Höhe der Augenbrauen sind auch zwei Löcher zur Fixierung gebohrt. Die strikt frontale Abbildung erlaubt nichts über die ursprüngliche Verbindung mit dem Stab zu sagen. In den Löchern am Kinn waren jedenfalls einmal drei Büschel Bart befestigt.

An meinem Objekt fallen mir jetzt zwei runde Einkerbungen oben und unten auf. Die obere Kerbe ist ausgeprägt und hat einen Durchmesser von 3 cm, die untere ist weniger tief, aber wohl durch viele Bewegungen geglättet. Zwei Löcher in Augenhöhe ermöglichen das Festbinden. Doch sehr stabil kann die Konstruktion nicht gewesen sein.Lengola-Innenseite

Nun fallen mir wieder die etwas stockfleckige Innenseite und ein kleiner Feuchtigkeitsrand unten auf. Obwohl die Vorderseite mit Öl und Pigmenten gepflegt wurde, scheint mir der Geruch auch schwach. Der Erhaltungszustand ist gut, das Holz wirkt abgelagert.

Zurück zum ersten unterschwelligen Eindruck:

Die Maske ist solider und schwerer, als eine solche getanzte Maske sein müsste. Die Wände sind aber glatt und von gleichmäßiger Dicke gebaut. An sorgfalt hat man es nicht fehlen lassen. Die Maske wirkt würdevoll, ja behäbig. Man darf genau hinschauen: Alles harmoniert. Selbst an der weißen Zimmerwand hat sie Ausstrahlung. Ich vermisse kein Maskenkleid. Das in der Mitte der Maskenfläche schräg eingeschnittene zweite Augenpaar entfaltet gerade in der Ruhe seine Wirkung. Verkörpert es nicht die höhere Einsicht der Autoritäten sinnfällig?

Europäische Sehgewohnheiten stören sich erst einmal an diesen jeweils kontrastierenden weißen und roten Einkerbungen. Doch wenn man sie als Zentrum akzeptiert, stellt man fest: Alle bisher für Songola und Lengola untypischen Gesichtsproportionen sind genau darauf zugeschnitten. Die Blocknase endet etwas darüber und der hufeisenförmige Mund darunter bildet mit beiden Kerben zusammen eine Parabel.

Die ‚natürlichen’ oberen kreisrunden Augen dürfen deshalb nicht auffällig vortreten, weil sie sonst die Wirkung der spirituellen Augen schmälern würden. Zuweilen erscheinen mir nun simultan zwei Gesichter übereinander.

Doch das Gesicht mit den schräg gestellten Bohnenaugen ist eigentlich typisch Jonga!

 

Abgleich mit den Jonga (+- 15.000, Felix:100 Peoples, 44)

Im Dezember 2014 erwarb ich eine minimalistische Figur und recherchierte mich von der zweifelhaften Provenienz Mbole zu den Djonga (beziehungsweise Jonga).

Ich ließ es dabei bewenden, zumal Daniel P. Biebuyck in seinem viel zitierten Aufsatz Sculpture from the Eastern Zaire Forest Regions (African Arts ….. p.8-15,79-80 und 52-58: 8) feststellte:“ We find a large number of distinctive ethnic units which, in one way or another, are historically and culturally interrelated. We are confronted in this region with a complex cultural continuum.

Oder wie mein Händler W. zu sagen pflegt: „Sie essen alle aus derselben Schüssel.“

 

Jetzt verfolgen mich die schräggestellten Augen. Besonders schön sind sie bei diesem Exemplar: wvZ540:Djonga:Bwoom-Titel

http://www.bwoom-gallery.com/Jonga%20Djonga%20Figure%2097102%20Congo.html

 

 

Aber auch meine minimalistische Figur bringt sich neu ins Spiel, mit den drei Farben, mit ihrer Jonga-2x_IMG_0157weichen Erscheinung durch gerundete Kanten, ihrer eher stumpfen großporigen Oberfläche und dem geringen Gewicht des verwendeten Weichholzes. Ganz unaggressiv, aber immer, wenn ich das ‚Aschenputtel’ weggeben wollte, widerständig. Die beiden Objekte müssen miteinander zu tun haben!

8.5. Rührend, diese Versuche, die Objekte zu verkuppeln! Heute soll die Figur zu einem Maskenbrett der BOA gehören: Das patinierte Leichtholz, die Farben, die elementaren Gesichtszüge und vor allem die ungewöhnlichen Knopfohren!  Momentan kein weiterer Kommentar!

 

 

Zwischenbilanz:

  • Präsentationsmaske am Initiationsort der führenden sozialen Institution, die in dieser Gegend südlich von Kisangani beiderseits des Kongoflusses verbreitet war (und ist?)
  • Ganz wertvoll war die Erwähnung des Stockes  Danach fanden sich am Objekt die Kerben.
  • Die Verbindung typischer stilistischer Merkmale hauptsächlich der Lengola und die Orientierung von Biebuyck und W.
  • Ein Anflug von Jonga. Ob er sich bestätigen wird?

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *