Prestige à la Dengese (Ndengese)

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DENGESE Kopf- und Nackenstütze 62 cm (Kopf 12, Hals 4,5, Schaufel 44, alles vorn gemessen)

dengese-quer-img_6707Festes und dichtes Holz. Einige Jahrzehnte verwendet und gepflegt. Dunkle Glanzpatina, gepflegt auch in den schmalen Schwundrissen. Spuren von Abnutzung am unteren Ende, an rechtem Ohr, Nasenspitze und den üblichen Stellen der Unterseite. Der Spiralhals (vier Wülste) scheint die bevorzugte Stelle zum Greifen, auch das Kinn glänzt stärker. Vor dem Verkauf noch einmal gepflegt.

dengese-am-fensterimg_5117Dreiteilige Figur: Kopf und Hals sind rundplastisch. Im Profil setzt die Rundplastik von Kopf sich im langen Hals unter dem Brett fort. Die zwei Stützen bilden optisch ein Gegengewicht. Die Figur liegt ausgestreckt als Brett von etwa 2 cm Dicke. Das zweidimensional gestaltete Brett teilt sich in einen Torso (21 cm) und Beine (24 cm). Von den Schultern gehen leicht gebogene Arme ab, die in Höhe eines Schurzes in abgespreizten Händen enden. Die wie mit einem gemusterten Stoff umhüllten Beine setzen den Torso harmonisch fort. Sie werden von etwas gespreizten Beinen umrahmt und von Füßen zusammen gehalten. W. betonte: Frauenbeine. Ihr Rock oder seiner ? – Egal, Vereinigung.

Kerchache/Paudrat fig.1026

Kerchache/Paudrat fig.1026

Rhombisches Körpermuster und Frisur erinnern stark an die der Kuba. Brustwickel? – Kleidung der Würdenträger bei den Dengese?  W.: Im Dorf hatte nur eine Familie so eine Kopfstütze. Aber sicher! Ein repräsentatives Gebrauchsobjekt, das von Selbstbewusstsein zeugt: ‚dengesisch’ auf altafrikanische Art: durchgestylt.

Vergleich mit fig.1026, p.590, Statue 139cm Kerchache/Paudrat Kunst des schwarzen Afrika, dt. Herder 1989:

Körpertattoos wurden auf das Brett übertragen: eingerahmte Rhomben nicht nur im Brustbereich, sondern dem ganzen Torso und auf den Armen, waagrechte Linien an Brust und Bauch, hervorgehobener Nabel. Die konzentrischen Kreise auf den Armen der Figur finden sich auf dem Brett an den Beinen wieder. Der Hals ist gleich, ebenso die Armringe. Die Dekoration der Ohren kompensiert die Verkleinerung eines Schläfenschmucks à la Kuba. An der Stelle des Penis sind die Beine der Frau eingearbeitet. Auch die Brettfigur ist verlängert, nur der Kopf nimmt einen größeren Anteil ein.

Der erwähnte Totshi-Verein ist mir momentan nicht nachweisbar, aber in der Frisur der Einfluss der Kuba unübersehbar, der besonders breite Mund ist ‚modern’, vielleicht eine Demonstration der Modernität? ………

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29.8.16 Tom Phillips: ‚Afrika’ (Prestel 1996)

dengese-kerchache-phillips_00014.4.4 (p.272) TP über die Dengese: Sie ‚gehören zu den am wenigsten produktiven Schnitzern Westafrikas’, um anschließend die ‚Königsstatuen’ hervorzuheben – Sind derartige Prestigegüter vielleicht das Werk von Gastarbeitern? – mit ihren ‚aufwendigen Verzierungen des Körpers’ ‚wie die Stoffe der Kuba verziert’. Von ‚verlängertem Torso’ ist die Rede, ‚gleichmütigen Gesichtern’ und einer ‚kunstvollen’ Kopfbedeckung – meine Rückenstütze übernimmt direkt die Frisur der Kuba ohne Haube.

An der abgebildeten Figur (knapp 43 cm für den Rest) wird ‚eine Intensität’ gerühmt; ich würde eher die Exzentrik der verkrüppelten Arme und des gewaltigen Schwanzes hervor heben. Da relativiert sich der zunächst ordinär und untraditionell erscheinende in die Breite gezogene Mund meiner Nackenstütze. Markanter Hinterkopf, massive Augenbrauen, Bohnenaugen, Kasperlnase erscheinen traditionell; vor den dekorierten Ohren zeigen auch die Schläfen eine kleine wie üblich geometrische Dekoration. Auch die Patina stimmt. Dengese, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

4.4.6.

img_5153-kuba-ru%cc%88ckenstu%cc%88tzeZwei Seiten später wird eine Rückenstütze der Kuba aus ‚dem frühen 19.Jahrhundert’ vorgestellt. Sie ist 83 cm lang und höher aufgerichtet (50 cm gegenüber 19 cm), aber auch recht flach. Die Wandstärke ist dicker, der Abrieb stärker; 1909 wurde die Rückenstütze von Emil Torday in Nsheng gesammelt. Der Kopf des königlichen 4.4.6 ist ein Widderkopf, ähnlich in der Position, aber anders gerichtet. Die Konstruktion des Ganzen ist stabiler und einfacher, aber die geometrische Schmuck der Ablagefläche ist vergleichbar. Auch sie endet unten prosaisch, hat sogar einen Riss bekommen.

Nach praktischen Versuchen frage ich mich, wie meine Nackenstütze wirklich benutzt wurde. Hat man sie als Platzhalter des Eigentümers bei Gelegenheit ausgestellt?

Die Dengese hatten Ahnenfiguren; ist das nicht auch ein Ahne? Da protzt einer mit seinen Ahnen. Sein ruhender Kopf verschmilzt mit ihnen.

Bamert – Afrika 1980, S.244 No.166

Bamert Afrika

Bamert Afrika

Ndengese Kopfbecher für Palmwein 23 cm. Das langgezogene Gesicht wird vermerkt und ‚die Nähe der Kuba’. Die Größe ist vergleichbar: der Becherkopf etwa 20 cm verglichen mit 18 cm. Noch ausgeprägter sind die hier umrandeten Bohnenaugen und die beiden Augenbrauenbögen; die Nase ist bei der Stütze ohne Nasenflügel, die Schmucknarben sparsamer auf Schläfe, Ohren und Stirnmitte verteilt. Der Hals hat bei beiden vier Ringe und Die Frisur enges Rautenmuster.

Der Ausdruck ist gleichmütig, ruhig, gesammelt. Insgesamt ist der Schnitzstil der Nackenstütze klarer , körperlicher, stilisierter, der des Bechers bis auf die markanten Kurven an Stirn, Augen, Nase, Ohren und Mund weicher in Richtung ‚Naturalismus’.

Zugabe

Neuschöpfungen traditioneller Objekte sind immer interessant. Ich hatte diesen Kopfbecher mit der dengese tribal-art-auktion-de79-nachv-lot4026344-005-jpg6279-013Provenienz ‚Dengese‘ im Online-Katalog von Zemanek – Münster in Würzburg gefunden (Tribal Art Auction no.79) , doch ihn zunächst nicht genauer angesehen. Es lohnt.

Die Trichterform der Tasse und die Dynamik des Gesamteindrucks sind  bemerkenswert. Ob zurecht oder nicht, der Kopfaufsatz erinnert mich an einen Hut, auch wenn die ‚Krempe‘ in die traditionell kunstvoll ausrasierten Schläfen übergeht. Der Gesichtsschädel könnte von Modigliani sein. Dabei stehen Augenbrauen, prominente Nase, Schmucknarben an den Schläfen und ein unüberbietbar kleiner Mund ganz in der Tradition, ohne jede Aufweichung. Die Position der Ohren kann man als strategisch bezeichnen. Die Farbgebung ist natürlich der gleichmäßig dunkel geölten ‚Patina‘ überlegen. In dieser klaren und selbstbewussten Gestalt steckt Leben.

 

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