Erich Wolters in Paris – ‘Schreibübungen’ Wiegmanns

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Erich Wolters ist mir von kleinen Fotos auf einem ausgeschnittenen Albumblatt namentlich bekannt. Im Konvolut des Stadtarchivs Frankfurt finde ich nun vier undatierte ‘Schreibübungen’ Wiegmanns  auf der Schreibmaschine, wahrscheinlich während der Erholung von seiner schweren Erkrankung 1962 entstanden. Sie erzählen von Erich Wolters und unbeschwerten Aufenthalten in Paris, so als ob Wiegmann dem einschlägigen Ruf der Metropole zwischen den Weltkriegen mit weiteren Facetten huldigen wollte. Hier tritt auch bereits Jean-Pierre Dubosc in Erscheinung, der als Diplomat Frankreichs Wiegmann 1936 nach ‘Peiping’  einlädt. Die vierte Geschichte am Ende des Beitrags hat eine spätere Situation zum Thema, die Auseinandersetzung um den Nachlass Wolters’, wann immer das war.

'In Paris bei Eric Wolters'

‘In Paris bei Eric Wolters’ mit Bildern von Lefèbre, 1931 ?       (c) Nachlass Wiegmann

Zu Erich Wolters fand ich im Netz bisher keine Informationen. Doch lüftet sich  im Anschluss an die vier Texte das Geheimnis um Erich Wolters ein wenig, dank Eva Weisweiler – nach einem Hinweis von Momme Brodersen.

1931 zeigte Wolters in Köln ‘naive’ Genre-Malereien des Franzosen Lefèvre, wie sie – den Fotos Wiegmanns zufolge – seine Pariser Wohnung füllten. In Wiegmanns Nachlass findet sich auch ein Artikel aus der Frankfurter Zeitung vom 15.1.1932, der die Ausstellung zum Anlass für eine Auseinandersetzung mit “Dilettantenbildern” und ihre Rezeption nahm. Der Autor, Carl Linfert (1900 – 1981) , schrieb einen verschrobenen Stil. (Wurde ‘der Kölner Prominente‘  deshalb 1962 in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Darmstadt, aufgenommen?) Dass Wiegmann ihn trotzdem aufhob, zeigt sein Interesse am Thema. Ich komme darauf zurück und zeige auch Fotos der Ausstellung.

Schließlich zeige ich noch ein sehr nachdenkliches Porträt, das Wiegmann von Wolters 1940 in Köln gemalt hat. Nun wehte in Paris ein anderer Wind.

 

 

 

TEXTE 1 – 3

Schreibübung 1

Schreibübung 1     Wiegmann versucht, Wolters beim Auszug aus dem Hotelzimmer zu helfen

 

Wolters 2

Wolters 2   Trotz mißglücktem Beginn endet die  Einladung  fröhlich

 

Wolters 3 Partygesellschaft

Wolters 3   Nachmittagsgesellschaften

 

Mit Erich auf die Pirsch gegangen!

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Eva Weisweiler : Notre Dame de Dada

Luise Straus-Ernst – das dramatische Leben der ersten Frau von Max Ernst, Kiepenheuer  & Witsch, 2016

Die Autorin der bewegenden Familienbiografie Die Freuds (Kiepenheuer& Wirtsch 2006) erzählt hier das Leben einer der ersten promovierten Kunsthistorikerinnen in Deutschland, Muse der Kölner Dada-Bewegung, Fördererin ihres Mannes,  Feuilletonistin, Emigrantin bereits 1933 , um schließlich doch noch 1944 in Auschwitz umzukommen.

Link zur Buchbesprechung in art-das kunstmagazin August 2016 HIER.

Das 7. Kapitel,  Zauberkreis Paris (1933 – 1936) betitelt, beginnt mit dem Satz:

“Sie hatte Erich gebeten, ihr ein Zimmer auf dem linken Seine-Ufer, möglichst mit Flussblick zu besorgen, und war enttäuscht, als er sie zum Hotel San Remo auf der Rue d’Armaillé im 17. Arrondissement führte, ein von Arbeitern und Mittelstand bewohntes Viertel in der Nähe der Place d’Étoile, das ihr überhaupt nicht gefiel. (…) Dabei hatte Erich Wolter sicher sein Bestes getan. Denn seit Hitlers >Machtergreifung< lebten nach inoffiziellen Zählungen 25000 bis 35000 Flüchtlinge in Paris, zu denen monatlich drei- bis viertausend neue kamen. (….) (S.237)

Erich Wolters unterstützte Luise Straus-Ernst bei ihrer Umsiedlung nach Paris, “das schon immer ihr Traum gewesen war“.  Auch daran hatte er Anteil:

“Der beste Paris-Kenner aber war Erich Wolters, der, eigentlich Kölner, schon seit den Zwanziger Jahren dort lebte, durch die entlegensten Viertel streifte, schrille Flohmärkte besuchte, in kleine Vorstadttheater ging, Stammgast im Homosexuellen-Milieu war und gelegentlich auch einmal kunst verkaufte. Geld spielte keine Rolle für ihn. Seine Eltern waren steinreich. Er nannte sich einen Marchand-Amateur, Amateurhändler. Luise war oft bei ihm zu Gast, wenn sie nach Paris kam. Er hatte eine riesige Wohnung an der Rue Gouffroy-d’Abbans im 17. Arrondissement, die er aber gerade aufgab, um sich etwas Neues in seinem Lieblingsstadtteil, dem Marais, zu suchen, weshalb er Luise kein Obdach anbieten konnte.”(S.234)

Woher Eva Weisweiler ihre Informationen für diese ungemein farbige Miniatur hat, erfährt man im Buch leider nicht.

'Lefevre + Erich-Wolters' (Rückenbeschriftung) 1931 Paris (c) Nachlass Wiegmann

‘Lefevre + Erich-Wolters’ (Rückenbeschriftung) 1931 Paris (c) Nachlass Wiegmann

Erich WoltersErich Wolters, 6×6-Abzug von ‘Foto-Steins, Köln, Hohestr.117’, lesbar : “Wieg 40”, also 1940

TEXT 4

   TRAURIGES ENDE EINER LANGEN FREUNDSCHAFT

Wolters 4 Nachlass

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