Der Mann im Mantel malt Landschaften.

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Ich besuchte die Ausstellung im Kunstmuseum Basel, am  7. November 2011. Die Bilder hängen spärlich an den weißen Wänden verteilt – Max Beckmanns Landschaften sind ein Randthema. Die weißen Wände vertreten das ganze übrige ausgeblendete Werk.

P1140907Beckmann-Quappi

Der Mann im Mantel sitzt auf Hotelterrassen oder steht an Aussichtspunkten oder hinter Hotelfenstern und in Badekabinen, wenn Quappi nicht einfach entsprechende Postkarten besorgt hat. Es ist, als ob er ab und zu durch die Fenster des großen Innenraums der Fähre nach Amrum blickte und dann wieder auf die illustrierte Tageszeitung. Er verlässt nie seine Themen, er schleppt wie manche Touristen den halben Hausstand („Seekoffer“) mit, jedenfalls alle Sorgen, Mißstimmungen, Laster und Komplexe. Der Gestus der Beiläufigkeit.

Eigenartig, dass seine mir eindrücklichsten Landschaften auf Postkarten vorliegen. Eine Stimmung wie in denen, die in meinem Jugendzimmer entstanden. Blinde Scheiben – die Begriffe des Katalogbuches erweisen sich als Schlüssel, so auch „Projektion“, „Sehnsuchts“bilder, Wunschbilder eines (in Amsterdam) eingesperrten großen Jungen.

Beckmann malt auch Schauplätze. Er entwickelt dabei Licht-Farb-Konstellationen für andere Gelegenheiten, er probiert sein malerisches Instrumentarium aus, prüft Anwendungsmöglichkeiten.

Deutsche Maler schmieren, spätestens seit 1900. Diese gewagte These leite ich von Liebermann und Co. ab, woher auch B. sich ableitet. Ein irgendwie innerlicher Impressionismus (Expressionismus ohnehin), der sich sogar seine eigene Laterne anzündet, sprich: die eigene Farbpalette über die Kraft der Kontur oder des Lichts stellt. Schade, dass zum Farbvergleich gestern kein Tryptichon oder Porträt zur Verfügung stand! Lieblos würde ich das Geschmiere nennen, und achtlos. Es sind auch keine Skizzen, keine spontan durch Bewegungen der Hand vermittelte Eingebungen. Motive und ihre symbolischen Beziehungen dominieren, nah an Gedanken, an Selbstgesprächen.

In den anderen Sälen waren de Chirico, Modigliani, Picasso, ja Hodler so etwas von subtil, ja erotisch!

Die unmittelbare Wirkung auf die eben mal eingenommene Position und Distanz kalkuliert, reicht ihm schon hin. Das Geschmiere ist immer schon und nie fertig, es schleppt achtlos jede Nachlässigkeit mit, solange nur der Hauptgedanke, die interessierende Wirkung eines Aspekts oder einer Ecke erkannt und geschätzt wird. Da werden Inhalte notiert, vergegenwärtigt, nicht eigentlich Formen, die transportieren sie bloß, machen Inhalte anschaubar ein wenig attraktiv.

P1140915Kat

Wolken am Meer, das sind die berühmten gespensterhaften Gebirge, die sich auftürmen und bei jedem Menschen andere Assoziationen auslösen, ähnlich einem Rohrschachtest. Wir haben sie alle erlebt, in der Natur zuerst – oder auf Bildern. Wir sehen sie durch die Bilder anderer (dann sammle ich sie) oder in der Natur. Wenn wir sie umformen, tut das ihrer Wirkung keinen Abbruch. Beckmann verschönert, intensiviert den westfriesischen Meeresblick z.B., er setzt einen stärkeren aus der Erinnerung darauf. Er spielt mit ihnen.

Er nimmt Postkarten und andere Vorlagen (etwa: Rousseau), er staucht und streckt sie, er färbt sie stark ein oder um, er entleert sie teilweise und füllt sie mit neuen Bildelementen. Und er prüft ihre Wirkung. Alles was man heute auch am PC machen kann oder früher mit Schere und Pinsel. Ein Patchwork, eine Collage von Bildelementen, ja Recycling.

Was? So etwas soll der alte Grandseigneur getan haben?

7.11.2011 nach 23.oo

 

 

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