Auf einer Couch zum Thema Irakkrieg (März 2003)

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SV COUCH Irak 2003 1200

30.3.2003  Ich bin von der SV nicht aufs Podium gebeten worden. Macht nichts. Meine Couch ist bequemer….  Hier mein Beitrag.             v.Graeve

 

Amerikas Außenpolitik unsentimental betrachtet

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Die USA werden von der veröffentlichten Meinung in Deutschland gern behandelt, als wären sie Deutschlands Retter, wenn nicht Deutschlands Opfer gewesen, so etwa wie die Juden Europas. Daran ist nichts außer Sentimentalität oder Propaganda!

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Nicht erst die aktuellen Erfahrungen mit George Doubleyou  sollten uns veranlassen, die vorherrschende Tradition amerikanischer Außenpolitik  einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Sie ging und geht über Leichen, nicht weniger als die der Sowjetunion, ihres Gegenspielers im Kalten Krieg. Sie wurde und wird verantwortet von oft inkompetenten, wenig integren und außenpolitisch unbedarften Präsidenten (Truman, Kennedy, Johnson, Nixon, Reagan, Bush jr,..), die sich mit einem Küchenkabinett von Hofschranzen aus Management und Universität umgaben und umgeben.

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Die US-Verfassung wurde bekanntlich auf eine an Kompetenzen schwache Bundesregierung zugeschnitten, was seit New Deal und dem 2.Weltkrieg der Vergangenheit angehört. Seither zeigt sich der Kongress seinerAufgabe nicht gewachsen, die Bundesexekutive zu kontrollieren.

Außenpolitik ist im Prinzip kein wahlentscheidendes Thema in den USA; somit bleiben auch grobe außenpolitische Fehler unbestraft, mit der Ausnahme öffentlicher Demütigung (Carter durch den Iran) oder Niederlage. Umso gefährlicher werden die davon bedrohten Präsidenten.

Nicht erst 2001 hat sich das Wahlrecht als manipulationsanfällig und damit unzeitgemäß erwiesen. Die Finanzierung der Wahlen durch Sponsoren ist für die Partner einer Weltmacht ein empörendes Faktum, so oft man hierzulande über die Selbstbedienung der Parteien  und die Spendenskandale auch klagen mag.

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Das in den USA vorherrschende Christentum ist ein Risiko für die Bewahrung der Menschenrechte  und eine Hypothek für die Weiterentwicklung des Völkerrechts.

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Nicht ohne sachlichen Grund erinnern Kommentatoren an „1914“: Der leichtfertig gegen alle kompetenten Warnungen und eine denkbar breite Gegnerschaft unter Amerikas Partnern in der Welt entfesselte Angriffskrieg gerät schon eine Woche nach Beginn aus der Kontrolle und er wird fortgeführt werden, um das „Gesicht“ unwürdiger Politiker westlicher Demokratien zu „wahren“, jedenfalls gegenüber einem gedankenlosen Pöbel von heute und verlogenen Geschichtsbüchern von morgen. George W.s Schreibtisch seiner gescheiterten Vergangenheit als Unternehmer steht bereits im Heimatmuseum.

Und wer ist Saddam Hussein?

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Amerika, hast du es besser? Amerikas Rede von Freiheit und Glück war immer schon hohl. Sie richtete sich allein an erwünschte Einwanderer, besser als Siedler zu bezeichnen. Sie schloss erst die Sklaven aus, dann die Indianer, die Chinesen, die  europäischen Sozialisten („Anarchisten“) , später die Japaner und danach die Vietnamesen…

– Kolonialisten?

– Da man die Indianer zum Verschwinden und die ehemaligen Negersklaven zur Kapitulation gebracht hat, hält man das Reich auf dem eroberten Kontinent für jungfräuliches Land.

Unbelastet von den Erbkrankheiten alteuropäischer Gesellschaften?  Indem die Kolonisten das alteuropäische Erbe nach außen projizierten, konnten sie leicht eine „amerikanische Revolution“ proklamieren. Die amerikanische Opposition und 20.000 Emigranten nach Kanada werden geflissentlich übersehen. Wo immer die verkündeten Prinzipien materiellen Interessen im Wege standen, wurden sie – wie überall in der Welt – beiseite gewischt, auch Völkerrechtsprinzipien gegenüber Ureinwohnern ( Kolonialismus) wie gegenüber Nachbarstaaten (Völkerrecht) desselben Kulturkreises (z.B. Mexiko). Immer erhoben im Lande integre Individuen heftigen Protest, aber das ist im „alten Europa“ auch so gewesen. Am Ende des 20.Jh. zerfällt die amerikanische Gesellschaft nicht nur ideologisch in ihre Bestandteile : den religiösen Fanatismus ihrer puritanischen Gründer und den kruden Materialismus der übrigen Kolonialisten.

 

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