Fotograf Robert Frank – Ein Produkt der Klassiker-Maschine 

|

Tagebuch: 1.1.19      Upload: 2.5.20

Das Biopic, über das er selbst mitbestimmen konnte, ist das Gegenteil von ‚Klassiker’. Man sorgt dafür, dass jedes einzelne Foto vom nächsten verdrängt wird. Wenig Selbstvertrauen.

Man soll ja beides sehen: die Herstellung und den Kanon! Und daraus die Lehre ziehen, dass eine Verbindung von Kontaktabzügen und perfekten Fotos ideal wäre. Wir wissen, dass es den Motiven im Fokus gut tut, wenn sie von unscharfen, ‚unbedeutenden’ Flächen umgeben sind. Wir wissen, dass Ausschnitte in die Sackgasse führen, weil darin das Motiv erstickt oder banal wird. Im sichtbaren Anhalten der Serie kommen der verlorene ‚Film’ dieser Szenen und der Auswahlprozess in den Blick. Meine Auswahl ist nicht unbedingt deine. Und der Text entscheidet möglicherweise über deren Erfolg. Natürlich gibt es das einzelne autonome Foto!

Frank demonstrierte die Bescheidenheit des Anspruchs ‚der’ Fotografie, mit dem Weitwinkel draufzuhalten, Zeitzeuge zu sein, dessen Bewusstsein der Situation nicht unbedingt gewachsen ist. Solche Fotografien ‚verstehen’ wir im Nachhinein, und vielleicht besser als der Fotograf. Er war dabei, aber er war Chaot, kriegte sein eigenes Leben nicht in den Griff. Denn Auslösen ist doch nicht die Lösung. Die armen Kinder, Opfer.

Er versäumte damit angemessenen Diskurs, etwa das Plädoyer, die Anklage, die Interpretation. Ein ‚Klassiker’?

Wir fragen uns, warum er wohl die Schweiz verließ. Aber wäre er nicht vielleicht als Dissident im Berner Dählhölzli gelandet? In den USA rettete ihn offensichtlich das MOMA. Die Prominenz gab Halt, machte ihn zum Klassiker. Er hatte Glück, dass die USA sich auf der Kulturebene gerade in einer Phase der ‚Entfesselung’ befanden: Free Jazz, Abstract Expressionism, Beatniks, …

Seine Filme sind privater Schrott.

Im „Fotografie Forum Frankfurt“ wurde vor langen Jahren die Serie „Die Amerikaner“ (1955/56) ausgestellt. Aus zehntausend Negativen ein Prozent ausgesucht. Null Kommentar, keine Bilderzählung. Was für eine Verschwendung! Kunst als Fetisch. MOMA.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.