Archiv fĂŒr den Monat: August 2025

Z.S.Strother: Die „Kipoko“-Maske der Kasai-Pende und die Frauen (deutsch))

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Fortsetzung von <Die Maske MUYOMBO der Pende – erklĂ€rt von ZoĂ© S. Strother (deutsch)> |

Hochgeladen am 28. August 2025

„Inventing Masks – Agency and History of the Central Pende Art“*, The University of Chicago Press 1998, pp.192-200

(192) Wie in Kapitel 1 von „Masken erfinden – Wirkungsmacht und Geschichte in der Kunst der Zentralen Pende“ *erlĂ€utert, betont die Maskerade der Zentral-Pende nach den verheerenden Rebellionen von 1931 und 1963–1965 ihre Unterhaltungsfunktion und minimiert ihre rituelle Funktion. Obwohl fĂŒr die Persönlichkeit der Maske Muyombo alle frĂŒher genannten Merkmale als zentral anerkannt sind, spekulieren heute nur noch wenige dieser Pende darĂŒber, wie sich diese Aspekte von Muyombos Auftritt in dem ursprĂŒnglichen rituellen Kontext, den sie nun fĂŒr sich ablehnen, entwickelt haben könnten. FĂŒr eine solche Interpretation mĂŒssen wir uns den Östlichen Pende zuwenden, wo der rituelle Kontext lebendig und gesund ist und wo es eine Maske gibt, die alle charakteristischen Merkmale des Muyombo-Genres aufweist: Kipoko.

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Was kann Werner TĂŒbke fĂŒr Fritz Wiegmann bedeuten?

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Eine fĂŒr mich unvermeidliche, aber abgedroschene Frage, nun befeuert vom Besuch der aktuellen Kabinett-Asstellung der Beaucamp-Bilderspende im StĂ€del und munitioniert von zwei  substantiellen BĂŒchern unter Mitwirkung von Werner TĂŒbke. Dessen prĂ€gende Erfahrung als Gymnasiast 1946 in der lebensgefĂ€hrlichen Haft der sowjetischen Besatzungsmacht werde ich nie vergessen.

Da ist die erstens  die in der absterbenden DDR erscheinenden  Monografie „Werner TĂŒbke – Leben und Werk“ von GĂŒnter Meißner (V.E.B. E.A.Seemann Verlag, Leipzig 1989).

Mein antiquarisch erworbenes Exemplar wurde im Oktober 1989 durch diese Widmung geschmĂŒckt: „Zur Erinnerung an Bad Frankenhausen an eine Bilderwelt voller Leidenschaft und kritischer Distanz, Imagination und VirtuositĂ€t, Begeisterung und Unbehagen, Instinkt und Bewußtsein   Deine Sabine

Eine notwendige ErgĂ€nzung bildet „Werner TĂŒbke : Ich fange mit dem Himmel an – Aquarelle und Texte“ (BĂŒchergilde Gutenberg, Frankfurt/Main und Wien 1991). Denn T. war Maler, kein Ideologe oder ReprĂ€sentant!

 

Dienstagnachmittag in der verkrampften Kabinett-Ausstellung des STÄDEL.

Notizen am 15.7.25

 

  • Mein Wunsch nach mehr Aspekten – in 46 BlĂ€ttern zu bruchstĂŒckhaft reprĂ€sentiert – und mehr Weite, AusfĂŒhrungen, Zeichnung und Malerei vor allem.
  • Zu viele Figuren, aber ohne die Wucht des Frankenhausen-Panorama
  • Der Wessi Beaucamp hat den DDR-Maler in einer Rolle eingesperrt, die nach dem zeittypischen Doppelauftrag aussieht: ‚VergangenheitsbewĂ€ltigung‘ und ‚Um die BrĂŒder und Schwestern im Osten kĂŒmmern‘. Was bewirkte das? Mehr Pathos als humane Inhalte
  • Aber was gab T. dem Sammler Beaucamp? Was wollte der?
  • Wer weiß, sieht mehr – das merke ich nach dem biografischen Interview. Ob der Katalog helfen wĂŒrde?
  • Ich lerne Leihgaben in Ausstellungen schĂ€tzen, und eben organisatorisch aufwendige Kunstausstellungen. ( Das StĂ€del mogelt, in dem es die bereits erfolgreich abgewickelte Schenkung wie eine externe ‚Sonderausstellung‘ bepreist)

 

Das charmante BĂŒchlein „Werner TĂŒbke „Ich fange mit dem Himmel an“ Aquarelle und Texte der BĂŒchergilde Gutenberg, noch zu TĂŒbkes Lebzeiten 1991 erschienen. (13.7.)

 

Der bescheidene Herausgeber Rolf Gerlach trifft T. in guter Laune. Der hat der Auswahl zugestimmt. Landschafts-Aquarelle sind das Thema.

,Befangenheit“ (7) und möglicherweise Überinterpretation werden thematisiert. Die Werkmonografie von 1988 – mit seiner UnterstĂŒtzung verfasst – stilisierte TĂŒbke vielleicht zu sehr als anti-modernistischen Rebell, als Dickkopf, den keine Formkritik seitens Regime und Kollegen anfocht.

Ein Ă€ußerst begabtes Kind,  das eine Generation spĂ€ter zeichnend und malend in die existentiell und kunstdogmatisch harmlosere DDR hinein wuchs, mit deren spießig borniertem Programm konfrontiert, aber nicht den ZwĂ€ngen von Avantgarde-Auftrag und Kunstmarkt unterworfen (27-28; 66-67).

Abb.8 mit Figuren!

Aufregende Gedanken TĂŒbkes (1991)

Seine Aquarelle  als “Wasserfarbenmalerei“ (13). Doch „keine Pinselschlenkerei“ (59)

Berge malen, als sollten es Plastiken werden in Farbe (72)

Der Vordergrund, eine Pein, zu intim (79); „weiter hinten, das sei Kino, das gehe ihn nichts an“

„Ein GefĂŒhl fĂŒr das Zurandekommen mit der Sache“ (59)

„Ich arbeite einigermaßen schnell vor der Natur
. (53)

(48)
fĂŒr die eigentliche action sorgen Berge, BĂ€ume, Felsstrukturen, WasserflĂ€chen und der Himmel (!)“

„Hinsetzen! Es lĂ€sst sich aus allem etwas machen“ (47) „Dann fangen Sie ganz langsam an, sich einzugucken.“ (47)

(40) Seine GegenstĂ€ndlichkeit 
. Durchgangsstation, was er auf seine Art als angenehme Gewohnheit genieße: nicht Kopf, nur Auge – aber geschultes Auge, versteht sich.

(39) Mit dem Himmel sollte man sich große MĂŒhe geben 
.außerdem sind Wolkenstudien eine aufregende Sache.

(32) Landschaftsstudien 
.Urlaub mĂŒsse sein, sagt seine Frau, und da er auch im Urlaub nicht leben könne, ohne was zu produzieren, befĂ€nde sich ganz selbstverstĂ€ndich Handwerkszeug im HandgepĂ€ck.

Der Abstand: „Leipzig und die Sorgen sind weit weg“ (31 ) – wie Wiegmann in Beatenberg zu Frankfurt.

Gerlach: Da die Chiffren alles andere seien als kindhaft-elementarer Provenienz, könne Ironie hier doch kein Zufall sein. T. schĂŒttelt heftig den Kopf.

Weitverzweigte Wurzeln in der europĂ€ischen Kultur, wie Altdorfer, die Donauschule, Cranach, Breughel,  Mantegna oder Cosimo Tura, selbstverstĂ€ndlich DĂŒrer, William Turner, weniger Blechen, Delacroix, ein paar frĂŒhe Dali (27), Bewunderung fĂŒr Ludwig Richter und Hans Thoma. (14)

Handwerkliches Können mache ĂŒberhaupt erst jedem Maler die prĂ€zise Improvisation möglich und schaffe die Chance zu wirklich lustbetonter und intelligenter Arbeit. (20)

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Und Wiegmann?

Eine mehrfach gebrochene Biografie, ein aufgespaltenes Werk, der Beamtenstand und die auch damit konfrontierte sexuelle  Minderheit.

„Unbeschwertheit“ (T. 13) ist auch in den Landschaften selten zu finden, die von TĂŒbke geschilderte Leichtigkeit des Aquarellkastens. Stattdessen dominierte Wiegmanns Ölfarben-Doktrin seit den dreißiger Jahren.

Meinem Fritz Wiegmann fehlt sicher TĂŒbkes ironisches Spiel mit menschlichen Gestalten, das Spiel ĂŒberhaupt. Er bleibt in dieser Hinsicht stumm. Malerei wurde ihm doch zum Brotberuf. Und nahm er sich zu wichtig? (LINK)

Sind seine Landschaften menschenleer? Nein, die werden von ihren winzigen HĂ€usern und Weilern angemessen vertreten. Doch die in seinen Kompositionen wiederholt stereotyp auftretende HĂŒtte im Vordergrund ĂŒber dem Thunersee wirkt auf mich etwas deplaziert, so wie an anderer Stelle der Weidezaun.

(Landschaft) L55 28×44,5cm

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